
Im Bau
Den kleinen und beschaulichen Ort mit dem Namen Rehweiler, im Fränkischen gelegen, nicht weit von der Lastwagenfahrer Raststätte Geiselwind, übersehen viele, die über die Autobahn von Frankfurt nach Nürnberg rasen, oder von Nürnberg nach Frankfurt. Es gibt nur eine einzige Kneipe, meist abends geöffnet, aber auch nicht immer.
Freunde besitzen dort ein geerbtes Häuschen, in das sie gern einladen, Übernachtungsmöglichkeiten begrenzt. Nachbarn im Ort helfen aus und bieten für kleines Geld freie Zimmer an. Zu Silvester treffen sich mehrere Freunde; die nicht ins Haus passen, werden verteilt.
Am ersten Abend sitzen die Freunde in einer großen Runde. Es wird gekocht und gespeist, anschließend spielen alle anregende Gesellschaftsspiele, meist mit Pantomimen und hin und wieder geistvollen Rätseln. Mir sitzt zum zweiten Mal die mir bisher unbekannte Beate direkt gegenüber. Beate und Ihr Partner Horst sind neu in der Gruppe und schnell integriert, und ich denke am Abend mehrmals nach, an welches Tier mich Beate erinnert. Ihre dunklen Haar sind sehr kurz geschnitten und bilden über der Stirn eine Spitze, der direkt auf die etwas hochstehende Nase zu zeigen scheint. Sie ist klein und rundlich, ihre etwas schrägen Augen blitzen ab und zu fröhlich in die Runde, wenn sie eines der Rätsel als Schnellste gelöst hat. Doch mir fällt nich sofort ein Tiervergleich ein, das Thema arbeitet den ganzern Abend in meinen Kopf. Hat ihre dunkelrote Strickjacke eine Bedeutung? Welches Tier, welches Tier? Zu später Stunde im Bett dann sagt es plötzlich Klick und Beate steht als Igel vor mir. Ja, ihr Gesicht, Kopf, der ganze Körper ähnelt einem Igel. Beate sieht aus wie ein Igel.
Am nächsten Tag, nach einem langen Spaziergang durch die hügelige Landschaft freut sich die Gruppe auf eine warme Mahlzeit und auf weitere Rätsel und Pantominen. Der erste Abend war sehr unterhaltsam, alle sind versammelt, doch Beate fehlt. Ich biete mich an, nach ihr im Nachbarhaus, in dem sie mit Horst wohnt, zu schauen.
Die Besitzer sind verreist, sodaß Beate und Horst die ganze Etage benutzen können. Beate bittet mich kurz herein, da sie im Bad noch nicht fertig ist.
Ich stehe mitten im Raum und bin von Igeln umgeben. Meine Füsse stehen auf einem Teppich mit Igelmotiv, an der Wand ausschließlich Bilder mit Zeichnungen von Igeln. Tassen, Teller, Figuren, alles Igel und in allen Größen. Beate kommt aus dem Bad. „Das ist ja, also, wie haltet ihr das aus in dieser Igelsammlung?“
Beate führt mich ins Bad. Igelzahnputzbecher, Igelhandtücher, Igelzahnpasta. Igel, Igel, Igel.
Ich schaue Beate an, sage ihr aber nicht, dass sie genau in dieses Wohnung passt. Schwarze sehr kurze Haare, vorn etwas länger spitz zulaufend über der Stirn, klein, rundlich. Heute ist sie ganz in Schwarz gekleidet. Wir verlassen ihren Bau und gehen zu unseren Freunden.