Inhalt
Ab 1895 saß Oscar Wilde zwei Jahre in Großbritannien im Gefängnis, da er wegen Homosexualität angeklagt und verurteilt wurde. Bis zu dieser Verurteilung hatte er mehrere Verfahren durchlaufen, in denen seine persönlichen Kontakte intimst betrachtet wurden und teilweise sogar seine Bücher als Beweismaterial herangezogen wurden.
Der Prozess wurde ursprünglich besonders von Lord John Douglas initiiert – dem Vater von Lord Alfred Douglas, mit dem Wilde ein enges Verhältnis führte. In De Profundis setzt sich Wilde mit dieser Beziehung ausführlich auseinander und arbeitet seinen Aufenthalt im Gefängnis auf. Es ist als Brief an Lord Alfred Douglas verfasst, diente aber zweifellos auch ihm selbst, um die Geschehnisse zu verarbeiten. Es gibt also keine einheitliche Handlung; man springt von Reflexion, über philosophische Abhandlungen zum Kunstverständnis bis zu frühen Erinnerungen. Es ist ein sehr intimes Werk, indem man Wildes gute und schlechte Tage in Haft zwischen den Zeilen lesen kann.
Zum Autor
Oscar Wilde wurde 1854 in Dublin in eine Familie der Bildungsbürgerschicht geboren und studierte Literatur in Dublin und Oxford. Seine Schriften feierten großen Erfolg in England und er prägte das Kunst- und Kulturverständnis der Zeit maßgeblich mit. Er reiste durch Europa und die USA und heiratete 1884 die Kinderbuchautorin Constance Lloyd, mit der er zwei Kinder hatte.
Zum Ende von mehreren Verfahren wurde Oscar Wilde 1895 wegen Homosexualität angeklagt, verurteilt und erhielt zwei Jahre Gefängnisaufenthalt mit Zwangsarbeit. Die verschiedenen Prozesse bedeuteten Wildes gesellschaftliches Ende und zeichneten ihn physisch wie auch psychisch bis an sein Lebensende.
Über Briefliteratur
Briefliteratur ist Literatur in Form eines oder mehrerer Briefe. Das können einerseits Briefromane sein, also Ausgedachtes, das in Form eines Briefes geschrieben wurde. Anderseits werden auch „echte“ Briefe, die mit einem bestimmten Ziel geschrieben wurden oder einfach dem Austausch dienten als Roman veröffentlicht. Beides kann gesellschaftliche Bewegungen anstoßen und verstärken. Bekanntes Beispiel ist natürlich „Die Leiden des jungen Werther“ von Goethe, wo sich die Lesenden so gut mit dem jungen Werther identifizieren konnte, dass es sogar das sog. „Wertherfieber“ auslöste.
Auch die Briefwechsel zwischen Hannah Arendt und Karl Jaspers die sich unter anderem mit der Aufarbeitung des Nationalsozialismus und neuer politischer Philosophie nach 1945 auseinandersetzen, hatten einen Einfluss auf die gesellschaftliche Debatte. Die Briefe von Rosa Luxemburg aus dem Gefängnis prägen bis heute unser Verständnis der Revolutionärin und zeigen sie von einer menschlichen Seite, eher unabhängig von politischer Theorie. Doch dies sind nur einige Beispiele.
Auch in De Profundis finden wir starke selbst-biografische Tendenzen. Es ermöglicht uns einen einmaligen Einblick in eine komplizierte Künstlerseele und wie sie mit den gesellschaftlichen Konventionen seiner Zeit umzugehen suchte.
ISBN: 978-3-257-24650-6