Inhalt
Santiago hat seit 84 Tagen keinen Fisch mehr gefangen. Die anderen Fischer des kleinen Fischerdorfes in Kuba glauben, er sei vom Unglück verfolgt. Der junge Manolin begleitet ihn sonst oft – doch seine Eltern haben es ihm verboten, sie glauben auch, dass es Unglück bringt mit Santiago zu fahren.
Doch dann hat Santiago Glück, ein Fisch beißt an – und was für einer. Santiago versucht den Fisch auf sein Boot zu ziehen, doch er ist zu stark und beginnt, das Boot samt Santiago auf das offene Meer hinauszuziehen. Santiago kann nichts tun. Er bleibt gelassen; irgendwann wird der Fisch schon müde werden, sagt er sich. Oder?
Zum Autor
Ernest Hemingway wurde 1899 in Oak Park in eine sehr wohlhabende Familie geboren. Er arbeitete zunächst bei verschiedenen Zeitungen als Reporter, kämpfte im Ersten Weltkrieg in Italien und lebte in Toronto. 1921 zog er mit seiner ersten Frau nach Paris – dort lebte sechs Jahre und vollzog, auch durch seine Bekanntschaften mit Gertrude Stein und F. Scott Fitzgerald, den Wandel vom Journalisten zum Schriftsteller. Danach unternahm er ausgedehnte Reisen nach Tansania, Kenia und die Bahamas. Ab 1939 lebte er mit seiner inzwischen dritten Ehefrau auf Kuba, wo auch sein Buch „Der Alte Mann und das Meer entstand“. Ende der fünfziger Jahre zog er aufgrund schlechter Gesundheit mit seiner vierten Frau zurück in die USA. 1961 beging er Suizid – wie schon einige Jahre zuvor sein Vater und zwei seiner Geschwister. Hemingways Werke wurden unter anderem mit dem Pulitzer-Preis und den Literaturnobelpreis ausgezeichnet.
Die Eisberg-Theorie
Die Eisberg-Theorie geht auf eine Passage in Ernest Hemingways „Death in the Afternoon“ zurück:
„Wenn ein Prosaschriftsteller genug davon versteht, worüber er schreibt, so soll er aussparen, was ihm klar ist. Wenn der Schriftsteller nur aufrichtig genug schreibt, wird der Leser das Ausgelassene genauso stark empfinden, als hätte der Autor es zu Papier gebracht. Ein Eisberg bewegt sich darum so anmutig, da sich nur ein Achtel von ihm über Wasser befindet.“
Hemingway führt damit die Ideen ein, dass sich der Leser die tiefergehende Bedeutung eines Textes erst selbst erschließen muss und dass diese nicht explizit im Text beschrieben werden sollte. Hemingways einfacher, fast lapidarer Erzählstil, der sich jedoch durch überlegte Wortwahl auszeichnet, unterstreicht diese Ansicht. Auch sein Werk „Der alte Mann und das Meer“ kann vielfach „sub-gelesen“ werden: das Verhältnis von Mensch und Natur, die Definition von Erfolg als Haltung nicht als Ergebnis, Männlichkeitsbilder etc. Damit eröffnet sich eine vielfältige Betrachtung des Werkes.
Mehr zur Iceberg-Theorie in „Der alte Mann und das Meer“ hier.
ISBN: 978-3-499-26767-3
Anmerkung der taz Blogs Redaktion: Haben Sie suizidale Gedanken oder machen Sie sich Sorgen um eine Person in Ihrem Bekanntenkreis? Eine Liste mit Hilfsangeboten finden Sie unter taz.de/suizidgedanken