vonmaggie 14.02.2026

Widerhaken

Literaturkritiken. Oder: ein Versuch, nicht den Kopf zu verlieren, zwischen all den Worten die so herumirren in unserer wundervollen Welt.

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Inhalt

Kiew, 1919. Es ist kurz nach der Russischen Revolution und mitten im Bürgerkrieg. In Kiew ist allerdings einigermaßen Ruhe eingekehrt – nur einige Banditen treiben noch ihr Unwesen. Einer von ihnen tötet Samsons Vater und schlägt dabei Samson sein Ohr ab. Samson bewahrt es seither in einer Schachtel auf und findet kurz darauf heraus, dass er auf wundersame Weise noch immer damit hören kann.

Durch einen Zufall wird er bei der neuen sowjetischen Polizei angestellt – und sein abgetrenntes Ohr kann ihm bei der Arbeit sehr behilflich sein. Doch sein erster Fall ist alles als einfach, ein silberner Knochen, ein Belgier und bedrohliche Botschaften geben ihm Rätsel auf. Vielleicht kann ihm Nadjeschda helfen, die ganz um die Ecke im statistischen Amt arbeitet und gut mit ihm befreundet ist. Doch der Fall ist gefährlicher als Samson zunächst denkt – und zwar nicht nur für ihn.

 

Zum Autor

Andrej Kurkow wuchs in Kiew auf und studierte dort am Staatlichen Pädagogischen Fremdspracheninstitut. Danach arbeitete er in den verschiedensten Berufen, war Redakteur, Gefängniswärter oder Kameramann. Er spricht elf – oder nach neueren Angaben sieben – Fremdsprachen, und schreibt vor allem auf Ukrainisch oder Russisch. Neben Romanen schrieb er auch einige Drehbücher. Er positionierte sich 2014 klar gegen Janukowytsch und erhielt für sein Buch „Tagebuch einer Invasion“, das sich um die erste Zeit des Angriffskriegs dreht, auch in Deutschland Preise.

 

Kiew als Ort des Geschehens

„Samson und Nadjeschda“ ist eine Mischung aus Kriminal- und Liebesroman, mit historischem Setting und Mystery-Elementen. Also für jede*n etwas dabei. Beim Kauf besonders angesprochen hat mich aber der Ausschnitt des Stadtplanes von Kiew im Inneneinband.

Nach 1919 verlor Kiew erstmal die Rolle der Hauptstadt an Charkiw – wurde allerdings städtplanerisch in einem sozialistischen Gedanken neu ausgebaut und zu einem wichtigen Knotenpunkt innerhalb der UdSSR. 1934 zog die Regierung zurück nach Kiew und forderte damit neue Verwaltungsbauten, denen teilweise historische Plätze weichen mussten.

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Nach dem Zweiten Weltkrieg war Kiew stark zerstört und wurde wiederaufgebaut. Auch hier finden sich wieder klassische architektonische Elemente der sowjetischen Architektur, wie breite Boulevards die verwinkelte Gassen im Stadtkern ersetzten oder Plattenbausiedlungen am Stadtrand. Der Ausbau der Metro trug ebenfalls einen wichtigen Teil zur Stadtentwicklung bei. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR übernahm zu einem großen Teil der Markt selbst die Stadtplanung.

Seit der Invasion Russlands 2022 folgt Kiew stadtplanerisch und stadtverwalterisch einer Resilienz-Strategie. Die Metro wurde als Bunker-System klassifiziert und neue Häuser müssen über einen Bunker mit modernen Standards verfügen. Eine zentrale Rolle spielt die App zur Stadt Kiew, wo Bewohner in Echtzeit über Luftangriffe, Stromausfälle o.Ä. informiert werden können – gleichzeitig funktioniert sie auch als Beteiligungsportal beispielsweise bei der Umbenennung von Straßen.


ISBN: 978-3-257-07207-5

Hier gibt es eine interaktive Karte von Kiew mit historischen Orten und Geschichten über die Stadt Kiew.  

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