Zweiter Buchmesse-Tag: Feuilleton-Feelings

Heute hatte ich eine Veranstaltung im fancy „Orbanism Space“, sie hieß: Befindlichkeit kritisch: Was Juryurteile und Buchrezensionen mit Schreibenden machen“. Es war eine typische Veranstaltung von Christiane Frohmann (die moderiert hat): vorher hab ich keine Ahnung, worum es da ne Stunde gehen soll, hinterher ergibt alles Sinn. (Jan Fleischhauer, liest du das? Ich habe „ergibt Sinn“ geschrieben und nicht „macht Sinn“, weil dich das sonst so aufregt. Lieb, ne? Der einzige Punkt, wo ich dir je entgegenkommen werde, haha.)

Eingeladen waren: Jackie Thomae (Autorin bei Hanser, hat in Klagenfurt gelesen), Elisabeth Dietz (Kritikerin vom Büchermagazin), Stefan Mesch (Kritiker für verschiedene Medien) und icke (immer sehr kritisch auch). Ich war Doppelagentin, weil selber Autorin und ab und zu bespreche ich auch Bücher, aber zur Zeit selten. Will aber gern wieder mehr, es ist eine schöne Arbeit, meistens mit einem schlechten Verhältnis von Zeitaufwand und Geld, aber ansonsten schön.

Niemand von den Anwesenden mochte Klagenfurt. Also Klagenfurt im Sinne von Bachmann-Preis. Wobei gar nicht alle schon da waren, ich z.B. nicht, aber ich will auch nicht. In keiner Rolle. Es ist schon so bedrückend und beschämend, das im Fernsehen zu sehen, wie entrückt und zerstörerisch muss es erst vor Ort sein. Dieser niedrige, schon aus 1.000 Kilometern Entfernung stickig wirkende Raum mit einer Jury, die seit 1977 dort sitzt und sich von Debütant_innen ernährt. Mmmh jetzt wo ich so drüber schreibe, kriege ich doch Bock. Würde eine Geschichte lesen über einen Drachen, der in einer Höhle sitzt und mehr verrate ich noch nicht natürlich.

Jackie Thomae wiederum sagt, okay, niemand auf der Welt läuft mit ner Kapuze aufm Kopp rum, nur weil er in Klagenfurt verrissen wurde. Stimmt wohl. Aber dafür sitzen Tausende Autor_innen bei ihren Therapeut_innen und haben sich schon wieder selber gegoogelt. Schade, dass niemand von der Sorte auf dem Podium saß, das wär gut gewesen. Ich kriege von Feuilletonkritik ziemlich wenig Gefühle, verglichen mit dem, wie wahnsinnig toll manche Reaktionen von Leuten nach Lesungen oder in Mails oder Briefen sind.

Ich hab aus meinem Buch jetzt 40 oder 50 mal gelesen, knapp ein Jahr lang (daher die sehr ausführliche DB-Mobil-Lektüre) dann erstmal Pause (bis jetzt) gemacht, und das Lesen selbst wird zwar langweilig (bzw. man kann es dann halt auswendig und muss sich anstrengen sich selbst noch zuzuhören), aber die Leute nie. Einmal kam nach einer Lesung in einer Stadt eine Frau zu mir und hat gesagt, sie sei Frauen- oder Gleichstellungsbeauftragte (dieser Stadt? weiß nicht mehr) und wollte eigentlich in Frührente gehen, aber hat sich während der Lesung überlegt, dass sie doch noch weitermacht, weil es sich doch lohnt. Wie schön ist das bitte! Das Traurige ist nur, dass manche Leser_innenbriefe so toll und rührend sind, dass ich mir sehr viel Zeit nehmen will, sie zu beantworten, und es dann nie mache. Nicht gut! Vielleicht antworte ich im Winter auf ein paar, die jetzt schon über ein Jahr alt sind, hoffe die Leute erinnern sich noch dran.

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