Rowohlt-Party: Schwarz-weiß ganz schön

Wenn man zur Schirn-Kunsthalle kommt, wo die Rowohlt-Party immer ist, steht zurzeit oben drüber: Glanz und Elend. Geht um die Weimarer Republik, passt aber auch so. Ich mag die Rowohlt-Party schon seit immer (oder rede ich mir das ein?), aber das geht nicht allen so. „Ich kann mir das noch nicht mal schönsaufen hier“, sagt K., die zum ersten Mal da ist und die die Bezeichnung „Party“ verstörend findet. Mit Recht! Es heißt eigentlich auch „Messefest“ und nicht „Party“, aber der Schein trügt trotzdem. Falls es Musik gibt, hört man sie nicht. Falls man das am Anfang komisch fand, ist man nach 6 Jahren dran gewöhnt. Was schreibe ich eigentlich jedes Jahr über die Rowohlt-Party, immer anders, obwohl es jedes Mal exakt dieselbe Veranstaltung ist? Man wird nur älter und edler, aber die Party ist dieselbe. Einziger Unterschied ist diesmal, dass drinnen Teppiche aufm Boden liegen.

2012 war ich genau so verstört wie K., mochte die Party vielleicht doch nicht schon immer.

2013 hab ich zusammen mit Julia Niemann gebloggt, die hat übers Klo geschrieben.

2014 bin ich lustig abgestürzt mit zwei Leuten.

2015 hatte ich zum ersten Mal eine Einladung, weil Rowohlt dann schon mein Verlag war. War aber nicht so geil, weil ich da die SPON-Kolumne neu hatte und nachts noch schreiben musste.

2016 war ich busy weil mein Buch gerade raus war, kann mich an die Party nicht erinnern, obwohl ich da gewesen sein muss.

„Schwarz-weiß sieht es gut aus“, sagt K., die Instagram-Filter testet für ihre Partyfotos. T. kommt von drinnen auf den Hof und sagt: „Lustig! Wenn man hier rauskommt, sind alle viel jünger und schöner als da drinnen.“ Derweil habe ich mich das zehnte Mal umgeschaut und dabei jedes Mal Richard David Precht gesehen. Überall, wo ich hinsehe, steht Richard David Precht. Das ist recht viel, dafür, dass man immer annimmt, es gäbe nur einen davon.

Viel Geplauder. Unterhalte mich mit L., der niedlich ist wie immer, und dann verhältnismäßig lange mit einer Frau, von der ich hinterher denke, dass sie mich hasst, was vielleicht stimmt, vielleicht nicht, aber hübsches Kleid.

Laufe irgendwann zurück ins Hotel. Hinter meinem Rücken ist es ziemlich plötzlich Herbst geworden. Sehe erst ein Kaninchen und dann eine Ratte. Schön. Habe von irgendwo her einen Ohrwurm von einem späten Ärzte-Lied: „Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist, es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt.“ Im Hotel dusche ich heiß und lange, und als ich zurück ins Zimmer komme, sitzt Richard David Precht auf dem Bett und guckt Tier-Dokus im Fernsehen. Lese zum Einschlafen ein bisschen in Fleischhauers Scheidungsbuch.

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