vonHans Cousto 25.11.2015

Drogerie

Aufklärung über Drogen – die legalen und illegalen Highs & Downs und die Politik, die damit gemacht wird.

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Die Mehrheit der Berliner befürwortet das Cannabis-Modellprojekt in Kreuzberg. Laut einer repräsentativen Umfrage von Infratest-Dimap im Auftrag des Deutschen Hanfverbands (DHV) sind 58 Prozent der Berliner dafür, das Cannabis-Modellprojekt in Friedrichshain/Kreuzberg zu genehmigen.

Anfang Oktober hatte das Bundesinstitut für Arzneimittel (BfArM) den Antrag des Bezirks auf Einrichtung von Cannabis-Fachgeschäften am Görlitzer Park abgelehnt. Neben formalen Gründen im Ablehnungsbescheid war zu erkennen, dass das Projekt politisch nicht gewollt ist.

In der Pressemitteilung „Mehrheit der Berliner für Cannabis-Modellprojekt in Kreuzberg“ des DHV vom 25. November 2015 erklärt DHV-Sprecher Georg Wurth: „Mit dieser Haltung widerspricht das Gesundheitsministerium nicht nur dem Willen des Bezirksparlaments in Kreuzberg, sondern auch dem Willen einer deutlichen Mehrheit der gesamten Berliner Bevölkerung. Das Ergebnis bestärkt uns in der Forderung an die Bundesebene, ihre Verhinderungspolitik aufzugeben und gemeinsam mit dem Bezirk ein genehmigungsfähiges Modellprojekt zu erarbeiten. Wenn nötig muss das Betäubungsmittelgesetz geändert werden.

Die Frage „Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg will zeitlich begrenzt den Verkauf von Hanf – auch bekannt als Cannabis oder Marihuana – an Erwachsene ab 18 Jahren in speziellen Geschäften erproben. Kritiker sehen hierin ein falsches Signal. Befürworter erwarten eine Eindämmung des kriminellen Drogenhandels im Stadtbezirk. Sind Sie dafür, dass ein solches Modellprojekt in Berlin-Friedrichshain genehmigt wird oder sind Sie dagegen?“ beantworteten 58 Prozent der wahlberechtigten Berlinerinnen und Berliner mit Ja.
Abbildung 1 zeigt die Anteile der Ja- und Nein-Stimmen zum Cannabis-Modellprojekt in Friedrichshain/Kreuzberg nach Parteipräferenzen aufgeschlüsselt. Quelle: DHVAbbildung 1 zeigt die Anteile der Ja- und Nein-Stimmen zum Cannabis-Modellprojekt in Friedrichshain/Kreuzberg nach Parteipräferenzen aufgeschlüsselt. Bei den Anhängern der Grünen ist der Ja-Anteil mehr als doppelt so groß wie bei den AfD-Anhängern.
Abbildung 2 zeigt die Anteile der Ja- und Nein-Stimmen zum Cannabis-Modellprojekt in Friedrichshain/Kreuzberg nach Alter aufgeschlüsselt. Quelle: DHVAbbildung 2 zeigt die Anteile der Ja- und Nein-Stimmen zum Cannabis-Modellprojekt in Friedrichshain/Kreuzberg nach Alter aufgeschlüsselt. Wie auch bei anderen Umfragen zur Thematik stehen jüngere Wählerinnen und Wähler den Dogmen der Prohibitionisten eher skeptischer gegenüber als ältere wahlberechtigte Personen. Auch der Bildungsgrad spielt erkennbar eine wichtige Rolle bei der Einschätzung der Situation. Bildungsferne Schichten (Volks- oder Hauptschulabschluss) befürworten nur zu 44 Prozent den geregelten Verkauf von Gras und Haschisch, Personen mit einem hohen Bildungsniveau (Abitur, Hochschulreife) tun dies jedoch mit einer deutlichen Mehrheit von 65 Prozent.

Bemerkenswert ist hierbei, dass in Berlin deutlich mehr Menschen das Cannabis-Modellprojekt befürworten als bundesweit Menschen glauben, dass Cannabis in einigen Jahren legal in Deutschland gekauft werden kann. Gemäß einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap im Auftrag des DHV stimmte letzten Monat eine knappe Mehrheit der Aussage „Ich glaube, Cannabis wird auch in Deutschland in einigen Jahren für Erwachsene legal erhältlich sein“ zu.

Marcus Meier plädiert nicht nur für eine Legalisierung und einen geregelten Verkauf von Drogen in seinem heute in Telepolis veröffentlichten Beitrag „Wir brauchen ein Bundesamt für bessere Drogen“. Meier fordert, dass Drogen in staatlichen Instituten systematisch entwickelt und kontinuierlich verbessert werden müssten. Freiwillige Testpersonen ließen sich gewiss problemlos finden – viele Drogennutzer zeichnen sich ja durch eine große Experimentierfreude aus. Der Vertrieb könnte über interessierte Apotheker erfolgen. Die Vorteile wären enorm: Verbraucher- und Gesundheitsschutz würden erblühen, denn Konsumenten wären sicher vor schlechten und gestreckten Drogen. Der Preis wäre dank Massenproduktion gering. Beschaffungskriminalität würde überflüssig. Die Polizei könnte sich darauf konzentrieren, echte Verbrecher zu jagen. Und die Drogenmafia würde sukzessive ausgetrocknet und schließlich verdursten. Ade, kriminelle Geschäftsgrundlage!

Vergl. Hierzu:
Artikel vom 20.11.2015: Cannabis: Mehrheit der Deutschen glaubt an baldige Legalisierung

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https://blogs.taz.de/drogerie/2015/11/25/mehrheit-der-berliner-wollen-coffeeshops/

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kommentare

  • Ich zweifle stark daran, dass es eine repräsentative Umfrage gibt. Ich würde mir einen Volksentscheid wünschen. Allerdings müssten dann auch wirklich ALLE dazu befragt werden. NUR dann ist gewährleitstet, dass es den Willen der Mehrheit der Bevölkerung repräsentiert.

    Die Bundeskanzlerin bzw. die Partei, der sie angehört, ist auch nur von einem kleinen Teil der Bevölkerung gewählt worden. Der GRÖßERE Teil hat sie NICHT gewählt.

    Zahlen können so schön MISSBRAUCHT werden!

  • Die Berliner sollen bekommen was sie wollen. Die paar Bekloppten lassen sich aushalten und sollen uns nicht jucken. Finanziell am besten noch subventionieren, wie vieles in Berlin. Das schaffen wir. Als ich jung war, gab es noch einen Berliner Notopfer für Briefsendungen. Kann
    man ja wieder einführen.

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