vonBlogwart 19.05.2015

taz Hausblog

Wie tickt die taz? Das Blog aus und über die taz mit Innenansichten, Kontroversen und aktuellen Entwicklungen.

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Genossenschaft und KorrespondentInnenen-Netzwerk hin oder her, für größere Reportagen aus dem Ausland fehlt uns häufig das Geld. Also hat sich unsere Auslandsredaktion selbst beholfen und vor vier Jahren einen eigenen Recherfonds gegründet. Mit Erfolg.

Die einst blühende US-Autometropole Detroit musste vor zwei Jahren Konkurs anmelden. Langsam erholt sich nun die Wirtschaft. Armen Leuten jedoch wird einfach das Wasser abgedreht, wenn sie ihre Rechnung nicht bezahlen können. Was heißt das für die Menschen – wenn 40 Prozent aller Detroiter offiziell als arm gelten?

Holzkohle ist für Millionen Menschen in der Demokratischen Republik Kongo zum Kochen unentbehrlich. Doch immer stärker sind auch Naturschutzgebiete von Abholzung bedroht. Darum ist der Handel mit Holzkohle verboten, schwer bewaffnete Rebellen machen damit allerdings lukrative Geschäfte. In einem Selbsthilfeprojekt stellen nun Frauen neue, sparsamere Öfen her.

Auf dem Amerikagipfel im April haben Barack Obama und Raúl Castro die Annäherung Kubas und der USA beschlossen. In Havanna bereiten sich ein Parteisekretär, ein Start-up-Gründer und eine Bloggerin jetzt auf ein neues Leben vor. Wie bedeutet für die Kubaner die Öffnung ihrer sozialistischen Insel?

Dies sind nur drei Reportage-Themen, die die taz seit Anfang des Jahres durch den Auslandsrecherchefonds finanzieren konnte. Mit mehr als 50 Fördermitgliedern und Einzelspenden trägt der Fonds dazu bei, dass wir weiterhin KorrespondentInnen direkt an die Orte des Geschehens schicken können, um aus erster Hand zu berichten – und dabei nicht selten herauszufinden, dass die Dinge in der Region ganz anders gesehen werden als von außen zunächst vermutet. Und auch, dass es selbst angesichts der vielen schlimmen Nachrichten immer auch kleine Fortschritte gibt, wo sich Menschen organisieren, sich kümmern, wo Bewegungen etwas erreichen können.

Der Auslandsrecherchefonds der taz – offiziell „Verein zur Förderung der journalistischen Auslandsberichterstattung der taz.die tageszeitung“ wurde 2011 von den AuslandsredakteurInnen gegründet und hat seit seinem Bestehen rund 30 Recherchereisen finanziert. Allein 2014 konnte er auf rund 9.000 Euro aus Fördermitgliedsbeiträgen und Einzelspenden zurückgreifen.

Davon haben wir insgesamt sieben Reisen fördern können, unter anderem nach Indien und Bangladesch, nach Uruguay, Tunesien, nach Bolivien und Peru und auf die Krim. Rund 5.000 Euro haben wir dafür aufgewendet. Ein guter Puffer, mit dem seit Beginn des Jahres jetzt schon wieder fünf Reisen finanziert werden konnten – nach Mexiko, in die Demokratische Republik Kongo, nach Detroit, Cambridge und Kuba.

Damit die taz-Auslandsberichterstattung weiter so umfangreich und vielseitig bleiben kann, braucht der Fonds weitere Fördermitglieder und Einzelspenden. Jeder noch so kleine Betrag ist willkommen.

GABY COLDEWEY

» Lesen Sie die Texte, die mithilfe des Auslandsrecherchefonds entstanden sind. Und unterstützen Sie uns bei zukünftigen Reportagen: www.taz.de/auslandsrecherche

Zum Titelbild: Spuren eines verlorenen Detroits. Aus der früheren Boomtown ist ein bankrotte und verarmte Stadt geworden. | (c) Reuters

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https://blogs.taz.de/hausblog/auslandsrecherchefonds-ohne-recherche-kein-ausland/

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kommentare

  • Man kann halt jeden Euro selbst dann nur einmal ausgeben, wenn man ihn vorher zweimal umgedreht hat.

    Wer ganz dringend neu und raumgreifend bauen musst, der muss der Inhalt jener Zeitung, die in den neuen Räumen artgerecht residieren soll, halt aus Spendenmitteln finanzieren. Die Entscheidung, für die Auslandsberichterstattung extra eine Hand aufzuhalten, ist durchaus nachvollziehbar für mich. Fürs neue Domizil wär‘ sicherlich nicht ganz so viel gespendet worden. (Es baut ja auch nicht jeder Leser gleich ein neues Haus, wenn er die Miete für das alte nicht mehr zahlen kann.) Was ich bisher noch nicht kapiert hab ist, wie Leute, die der taz was spenden fürs Berichten, damit sie endlich bauen kann wie sich’s gehört, sich über Roma aufregen können, die angeblich das von ihren Frauen und Kindern erbettelte Geld in den einen oder anderen funkelnagelneuen Mercedes investieren. Das Reisen gehört bei Romas schließlich zur Kultur. Genau wie das neu Bauen zur Kultur potenter Medien gehört. Und im Mercedes reist es sich doch gleich viel besser.

    • Anke, das hast Du wirklich sehr trefflich auf den Punkt gebracht.

      Solange die taz es wichtiger findet, ein nettes kleines Stadtpalais zu errichten als gescheite (Auslands-) Recherchen zu finanzieren, bin ich nicht bereit für das, was für eine Zeitung, die von sich behauptet, einen ausgesprochen hohen Eigenanspruch zu haben, eigentlich selbstverständlich sein sollte, zu spenden.

      Vor dem Hintergrund empfinde ich diese penetranten Spendenaufrufe eher als lästige und plumpe Bettelei.

      Ich denke schon, dass Spendengelder bei denen, die es wirklch nötig haben, wesentlich besser aufgehoben sind.

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