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vonMathias Broeckers 30.03.2012

taz Hausblog

Wie tickt die taz? Das Blog aus der und über die taz mit Innenansichten, Kontroversen und aktuellen Entwicklungen.

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Das taz-Archiv birgt so manche Perle, nicht nur an gedruckten Artikeln, sondern auch an Papieren und Dokumenten – wie jenes Manuskript vom 19. Juni 1987, das mich gestern mit der Anfrage erreichte, ob ich noch wüßte, aus welchem Anlass es entstanden sei. Es handelt sich um einen Text von Wolfgang Neuss über die taz und Berlin.  Neuss war Komiker und Filmstar in den 50er Jahren, Deutschlands Polit-Kabarattetist Nr. 1 in  den 60ern, prominenter „Aussteiger“ der  70er und in den 80er Jahren Kolumnist der taz. Dieser Text aber entstand nicht im Rahmen seiner Kolumne, sondern als Diskussionsvorlage für irgendein taz-Plenum oder eine Versammlung. An den genauen Anlass kann ich mich nicht mehr erinnern, nur daran, diesen Text damals getippt zu haben, denn er  war wie alles, was Neuss für die taz machte, live entstanden, aufgenommen in seiner Wohnung. Auf eine Frage oder ein Stichwort legte der Meister los und sprach seine genialen Monologe auf’s Band, in denen Lokalklatsch und Globalstrategie, Privatclinch und Weltkrieg, Kleinkunst und Großkultur, Tagesaktualität und Ewigkeit auf holographische Art kollidierten. So auch in diesem Text, in dem er nachweist, dass Kreuzberg überall und  Berlin gleichzeitig New York und Hinteroberschrecksbach ist (PDF) – und die taz als „Familienzeitung“ dieser Konstellation Rechnung tragen muß: „Es geht nicht um „Themen“ es geht um den Ton, nicht um „Schwerpunkte“, sondern um die Wahrnehmung.“ Sowie um ein Bekenntnis, „dass Onkel Joseph (Goebbels) zur Familie gehört, was wir ja nicht laut sagen brauchen – aber wir müssen es wissen.“ Auch was die damals noch existierende DDR betrifft, hatte Neuss eine dezidierte Meinung – sie könne „weiter unter „Ausland“ abgehandelt werden, aber die Lokal-Skandale vom Prenzlauer Berg, das Beste von dem, was garantiert nicht im Neuen Deutschland steht, gehört dringend in die taz.“

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kommentare

  • Dieser o.g. link funktioniert ärgerlicherweise nicht:

    Kreuzberg überall und Berlin gleichzeitig New York und Hinteroberschrecksbach ist (PDF)

  • Wolfgang Neuss war der genialste Kolumnist, den die taz je hatte – schreiend komisch und immer scharf, voll bekifft und abgefahren, aber genau auf dem Punkt. Und aus „Kewenig“ einen „Kiffenich, Senator meines Inneren“ zu machen,… ich hab mich fast verschluckt vor Lachen. Dass Neuss aber mehr als nur ein Kalauerkönig war zeigt der gleichzeitig saukomische und tiefsinnige Hinweis auf „Onkel Joseph“. Einfach großartig!

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