25.09.2007 von Helmut Höge

So dicht standen die Poller noch nie. Es gibt nur eine Erklärung dafür: dass der Hausmeister des Infozentrums des Biosphärenreservat Rhön zu viel bestellt hatte – und diese nun verballern mußte. An sich wären an dieser ruhigen Dorfstraße und an dieser Stelle überhaupt keine Poller nötig gewesen – mit Parkplätzen so weit das Auge reicht. Die silbern glänzenden Poller sollen jedoch zusammen mit dem Infozentrum und dem architektonisch anspruchsvoll gestalteten Dienstgebäude des Biosphärenmanagements auf der anderen Straßenseite etwas Modernes, Neues signalisieren: dass die Rhön jetzt eine Marke ist – ein “Qualitätssiegel”.
25.09.2007 von Helmut Höge
Endlich geht es los, könnte man sagen. Aber in Burma gibt es schon seit 30 Jahren einen Freiheitskampf. Die Militärregierung wird seitdem von gleich mehreren Guerillabewegungen bekämpft, teilweise vom Ausland aus. In Berlin ist seit Jahrzehnten das “Burma Project” aktiv. Ihre Mitglieder reisten als Individualtouristen auch immer wieder ins Land. In der SZ sagte der Mönch Pingnya (27), den Maike Zwercher in Nordburma interviewte: “Individualtouristen sind gut für uns, von ihnen bekommen wir Informationen, ihnen können wir von unserer Situation erzählen. Aber organisierte Gruppenreisen sind nicht gut. Das Geld geht direkt an das Regime. Und die Reiseführer lügen, wenn sie den Reisegruppen von unserem Land erzählen.” Wenn es sich um ausländische Individualtouristen handelt, kommt noch hinzu, dass sich die burmesischen Gesprächspartner dabei einigermaßen sicher sein können, dass es keine Spitzel sind. Umgekehrt führt das dazu, dass die Ausländer überall in ernsthafte Gespräche verwickelt werden.
Hier das Ergebnis einer solchen Burmareise… weiter lesen
23.09.2007 von Helmut Höge

Diese umsichtige Moabiter Hausmeisterin namens Ruth Dormagen stellte nicht nur zwei alte Pilonen, die sie für alle Fälle noch im Keller in ihrer Werkstatt hatte, auf die Straße, damit die Gerüstbauer einen Parkplatz für ihren LKW direkt vorm Haus vorfänden – wenn sie kämen, zusätzlich steckte sie ihnen auch noch einige schriftliche Anweisungen nebst ihren Telefonnummern (und zwar in doppelter Ausfertigung) in die Pilonenspitzen. Foto: Antonia Herrscher.
Über Moabit sei noch dies erwähnt:
“Siehe, meine Freundin, deine Augen sind wie Taubenaugen hinter dem Schleier / Deine beiden Brüste sind wie junge Zwillinge von Gazellen” (Aus dem Hohelied)
Moabit war mal Zentrum der Studentenbewegung, insofern man dort die Verbindung zum Industrieproletariat suchte und zum Teil auch fand. Heute soll der Bezirk laut zitty in völlige Vergessenheit geraten sein. Deswegen wird eine Ausstellung – in Kreuzberg – mit Fotos von “Moabiter Kids” nun groß angekündigt. Es handelt sich um Straßenporträts: “Protzige… weiter lesen
23.09.2007 von Helmut Höge
Im taz-blog von Schröder/Kalender finden sich dieser Tage zwei interessante Kapitel aus einem im konkret-literaturverlag erschienenen Buch mit dem Titel “Pop-Shop”, in dem es um im Knast interviewte jugendliche Mitbürger arabischer Herkunft geht, sie äußern sich u.a. über Frauen/Nutten und Fußball/Kampfsport.
Schröder/Kalender schreiben dazu: ” ›POP Shop‹ ist kein neuer Titel aus dem Programm von Kiepenheuer & Witsch, vielmehr bezeichnen so Gefangene und Gefängnispersonal die Freizeitsperren, die verhängt werden, wenn Verbote übertreten wurden. Der Begriff leitet sich ab von der in den 70ern beliebte Musiksendung. Zur gleichen Zeit, wenn ›POP Shop‹ auf Sendung ging, wurden nämlich in den Strafvollzugsanstalt die Zellen verschlossen. Die Jugendlichen, die in dem Buch zu Wort kommen, hatten sich den Titel ›POP Shop‹ gewünscht.
Ein Jahr lang sprach Klaus Jünschke mit zwanzig jugendlichen Strafgefangenen in der Justizvollzugsanstalt Köln. Das Projekt des Kölner Apell gegen Rassismus e.V. lief unter dem Titel ›Erzählwerkstatt‹. Christiane Ensslin schrieb die Tonbänder… weiter lesen
20.09.2007 von Helmut Höge
Jedesmal, wenn in unseren Lebensmitteln Gifte oder Krankheitskeime festgestellt werden, bricht eine (Medien-) Panik aus. Danach beruhigen sich aber die Konsumenten wieder – und alles geht wieder zur Tagesordnung über.
Als z.B. der “Rinderwahn” ausbrach und überall auf der Welt die Herden zu tausenden “gekeult”, d.h. getötet wurden, verkündete die US-Talkshowmoderatorin Oprah Winfrey, sie werden fortan keine Hamburger mehr essen. Prompt wurde sie daraufhin von texanischen Rinderzüchtern auf 12 Millionen Dollar Schadensersatz verklagt – der Betrag entsprach den Verlusten, die ihnen durch den Rückgang des Rindfleischverkaufs seit der Talkshowsendung entstanden. In Nordfriesland demonstrierten die Bauern gegen die staatlichen Rinderwahn-Eindämmungsmaßnahmen – vor allem um die existenzzerstörenden Massentötungen von Rindern zu verhindern. Sie forderten eine “Kohortenlösung”, d.h. im BSE-Fall nicht eine “Keulung” der gesamten Herde, sondern nur des betroffenen Tieres, seiner Familie und seines Jahrgangs. Der Bauernführer José Bové kritisierte in diesem Zusammenhang die Kapitalisierung der Landwirtschaft in toto: “Nur verrückte Menschen… weiter lesen
20.09.2007 von Helmut Höge

Diesen Poller auf dem Rhöner Kreuzberg schweißte und knüpfte der Haus- und Hofmeister des dortigen Klosters auf die Schnelle zusammen. Ein Restaurant wird dort gerade umgebaut und es galt, die Pilgerer und Wanderer vor den Material bringenden LKWs zu warnen – das war jedenfalls die einhellige Meinung der Klosterverwaltung da oben. Antonia Herrscher, die den Baustellen-Poller photographierte, fährt kommenden Sonntag erneut dort hin, um alles noch einmal zu überprüfen – und den Poller eventuell noch einmal – von einer anderen Seite – zu photographieren.
20.09.2007 von Helmut Höge
Hinter Königs-Wusterhausen haben sich zwei Bürgerinitiativen gebildet, die gegen den geplanten Verlauf einer Gas-Pipeline kämpfen, die mitten durch ihre Dörfer gehen soll, was Enteignungen erzingt. “Opal – So nicht!” lautet ihre Parole. Auf ihrer Webpage erklären die Aktivisten:
1. zu Opal:
OPAL, der schöne Name, ist die für die Unternehmung “Ostsee-Pipeline-Anbindungs-Leitung” etablierte Kurzform, im Volksmund auch “Schröder-Putin-Pipeline” genannt.
Von Wyborg bis Greifswald/Lubmin werden von Nord Stream AG zwei Leitungsstränge mit einer Länge von je 1.200 km durch die Ostsee verlegt. Von Greifswald/Lubmin wird eine Leitung – die OPAL – in Richtung Süd bis Olbernhau/Erzgebirge mit einer Gesamtlänge von 480 km durch WINGAS Transport und eine zweite Leitung – die NEL – in Richtung West mit einer Gesamtlänge von 370 km durch E.ON Ruhrgas zur Anbindung an das deutsche und europäische Netz errichtet.
Beteiligte Konzerne und Konsortien sind Nord Stream AG, GAZPROM-GERMANIA, Wintershall/BASF AG und E.ON Ruhrgas AG /… weiter lesen
18.09.2007 von Helmut Höge
“Es gibt immer zu viel Deutung und nie genug Fakten. Die Akte durch Deutung sind am gefährlichsten für die Freiheit.” (Francois Ewald)
Erst interpretierte der Siemenskonzern Ende der Achtzigerjahre seine führende Rolle im internationalen Elektrokartell IEA um – zu einem auf freiberufliche Agenten beruhenden Schmiergeldsystem. Statt einer “Kriegskasse” gab es nun “schwarze Kassen” auf Geheimkonten. Festangestellte Mitarbeiter wurden, wenn sie aufflogen und gegen sie ermittelt wurde, entlassen, gleichzeitig aber mit einer “individuellen Pensionszusage” beruhigt. Der vor kurzem entlassene Anti-Korruptionsbeauftragte von Siemens, Albrecht Schäfer, berichtete laut SZ am 20.Juni 2006 dem Prüfungsausschuss des Konzernvorstands über ein Liechtensteiner Verfahren “gegen einen ehemaligen Mitarbeiter”. Gleichzeitig legte er einen 40-seitigen Report über das im Haus praktizierte Schmiergeldsystem bei der Auftragseinholung vor.
In diesem Werk interpretierte er das “System” noch einmal neu – und um: Danach hatten sich mehrere Mitarbeiter zu einer “Bande” zusammengeschlossen – zum Nachteil von Siemens schwarze Kassen im Ausland eingerichtet und… weiter lesen
18.09.2007 von Helmut Höge

Diesen umlegbaren Poller ließ der Hausmeister eines Berliner Blumengroßmarkts installieren. Weil die Autos links und rechts davon trotzdem noch auf den Mitarbeiter-Parkplatz kamen, schraubte er zusätzlich ein rotweißes Querblech oben an den Poller ran. Dieses hatte jedoch den Nachteil, dass beim Umlegen des Pollers, um zu den reservierten Parkplatzen zu gelangen, die Mitarbeiter nun über das Querblech fahren mußten, das schon nach kurzer Zeit völlig verbogen war. Der Hausmeister blieb jedoch gelassen – er nennt die Konstruktion nun Flügel-Poller – photographiert hat ihn Antonia Herrscher.
18.09.2007 von Helmut Höge
Die Bild-Zeitung meldet heute, dass die fünf Lausitzdörfer Kerkwitz, Grabko, Atterwasch, Groß-Gastrose und Taubendorf mit insgesamt etwa 1000 Einwohnern den Braunkohlebaggern des schwedischen Schweinekonzerns Vattenfall weichen müssen: “Schon in zehn Jahren geht die Vertreibung los”. Die Betroffenen haben sich bereits zu einer Protestgemeinschaft zusammengeschlossen, die grenzüberschreitend aktiv ist – und zwar nach Tschechien hin, dort in Nordböhmen um die Stadt Most herum sollen nämlich ebenfalls etliche Dörfer den Braunkohlebaggern weichen.
Daneben gab und gibt es noch eine Initiative zur Rettung der Lakomaer Teiche in der Lausitz, die ebenfalls von Vattenfall weggebaggert werden sollen. Die Grüne Liga gab kürzlich ihren Kampf dagegen auf, weil sie mit den Prozeßkosten überfordert war. Aber die Initiativgruppe macht weiter. Zuletzt verschickten sie folgende mail:
Abbaggerung der Lacomaer Teiche bleibt unverantwortlich
Geld regiert die Welt
Aufruf zum Protest gegen Vattenfall
Die Abbaggerung der Lacomaer Teiche durch Vattenfall bleibt unverantwortlich, auch wenn die gerichtlichen Verfahren dagegen beendet… weiter lesen