Archive for Oktober, 2008

30.10.2008 von Helmut Höge
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Marx lesen”

von Helmut Höge
“Leute, das konnte wirklich kein Schwein lesen.” (U. Plenzdorf, “Die neuen Leiden des jungen W.”)

Kürzlich inszenierte “Rimini Protokoll” auf einigen Staatsbühnen “Das Kapital, Erster Band”. Unter anderem “spielte” dabei der Mitarbeiter an der unvollendeten “Marx-Engels-Gesamtausgabe” Thomas Kuczinsky mit, der demnächst “Das Kapital” neu herausgibt. Beim Dietz-Verlag verdreifachten sich unterdes die Verkaufszahlen der (alten) “Kapital-”Ausgabe. Zur Begründung meint Verlagschef Jörn Schütrumpf: “Det is die Krise!” Im November kommt Alexander Kluges zehnstündiger Film zum Longseller “Das Kapital” auf den Markt.

Dabei hatte der christdemokratische Ex-Arbeitsministers Norbert Blüm bei der Wiedervereinigung noch frohlockt: “Marx ist tot, Jesus lebt!” In der Tat verbreiteten sich die monotheistischen Religionen und ähnliche Glaubenssysteme nach dem Ende des “wissenschaftlichen Sozialismus” zunächst wie die Pest. Aber seit dem Platzen der Friedensillusionen und Spekulationsblasen gibt es nun ein Zurück: Selbst in den dumpfesten Nonreader-Buchläden häufen sich die antikapitalistischen Analysen. Und immer mehr Studenten… weiter lesen

28.10.2008 von Helmut Höge
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Hausmeisterkunst (294)

von Helmut Höge

blaue kappen

Diese Poller vor den ehemaligen Stallungen des Schlosses Jezeri hat der Hausmeister und Nachtwächter Frantisek Luks (siehe Hausmeisterkunst 293) zwar nicht “gepflanzt”, aber ihre Köpfe immerhin später blau angestrichen, in der selben Farbe wie die Garagentüren. Das war noch in den späten Achtzigerjahren. Von den meisten Pollerköpfen ist die Farbe inzwischen abgewaschen. Foto: Alena Stolpe

28.10.2008 von Helmut Höge
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Warenästhetik (33)

von Helmut Höge

Marx bezeichnete die Ausgaben für Werbung “achtlos”, wie Ludwig Pfeiffer meint, als “faux frais”: Nebenkosten. Da die kapitalistische Produktion von Anfang an eine Überproduktion war und ist, stiegen diese Nebenkosten aber kontinuierlich – und wurden immer raffinierter “investiert”. Bis dahin, dass der BRD-”Werbepapst”  Michael Schirner die Reklame und das Produkt-Design dann als die eigentliche Kunst unserer Tage bezeichnete. Das war den vielen “Art Directors” in den Werbeagenturen aus der Seele gesprochen, denn dabei handelte es sich meist um verhinderte (allzu sicherheitsbedürftige bzw. konsumgeile) Künstler. Schirner war selbst ein solcher – in der Düsseldorfer Werbeagentur GGK, wo auch der Poptheoretiker Diedrich Diederichsen eine Zeitlang kreativ wirkte. Vor ihm arbeitete der Marxist-Leninist Indulis Bilzens dort, d.h. er wurde dafür bezahlt, und zwar saugut, dass er die Werbefuzzis mit seinem “faux frais-Gerede verunsicherte”. Die GGK war sehr avantgardistisch!  Gegründet hatten sie drei seriöse Unternehmer, z.T. aus der Schweiz, die auf  ihre alten Tage… weiter lesen

24.10.2008 von Helmut Höge
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Kollektive Existenzgründungen (32)

von Helmut Höge

Nach der Eröffnung der Verkaufsausstellung “Le Grand Magasin” in der Neuköllner Kommunalgalerie geht es nun um das sogenannte Rahmenprogramm, d.h. um einige Diskussionsveranstaltungen und Filme zum Thema. Das 1. Thema lautet: “Ware als Kunst” – und richtet sich nicht mehr an die europäischen Produktivgenossenschaften (um ihre Produkte im Genossenschaftskontext und nicht neben der Marktkonkurrenz auszustellen), sondern in die andere Richtung – an die Kunstvermittler: Kann man Waren mit kollektiver Signatur ausstellen? Heute, da immer mehr Künstler ihre Produkte von bis zu 120 eigenen Mitarbeitern oder von einer bzw. mehreren Fremdfirmen herstellen lassen – und sie bloß noch als Autor signieren…

Das 2. Thema dreht sich dann wieder um Genossenschaften bzw. um Alternativbetriebe und kollektive Existenzgründungen: Wie geht das, speziell in Berlin, wo man so etwas neuerdings staatlich fördert? Und was spricht dafür bzw. dagegen?

Als 3. sollen zwei Filme über die größte Produktivgenossenschaft der Welt – Mondragon – gezeigt werden:… weiter lesen

24.10.2008 von Helmut Höge
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Hausmeisterkunst (293)

von Helmut Höge

tschechien-poller

Vor dieses Schloß in Jezeri kommen einmal edle nutzlose Schloß-Poller aus einer Sonderanfertigung, aber jetzt – während der Renovierung des Objekts durfte der Hausmeister und Nachtwächter Frantisek Luks auf die Schnelle ein paar Absperr-Poller zusammenkloppen: Dazu nahm er neun rostige Eisenplatten und schweißte darauf neun ebenso rostige Eisenstangen. Diese ebenso funktionalen wie schmucklosen Poller verband er dann mit rotweißem Absperrband. Die zwei hier auf dem Bild sichtbaren photographierte Alena Stolpe.

23.10.2008 von Helmut Höge
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Unter Jenaer Jenossen (31)

von Helmut Höge

Man braucht bloß irgendwo zu stochern, schon stößt man auf neue Genossenschaften. Nicht nur, dass der Dichter Bert Papenfuß regelmäßig die Jenenser “Wagner Café”-Truppe anarchomäßig auf dem Laufenden hält. In Jena fand letzte Woche auch noch eine Attac-Veranstaltung im  “Kassablanka” statt. Dieser staatlich geförderte Kulturclub ist ebenfalls ein Kollektivbetrieb, d.h. ein eingetragener Verein mit der Theke als angeschlossene GmbH.

“Wir-eG statt Ich-AG. – Vom autoritären ‘Sozialstaat’. zur autonomen Solidargesellschaft. – Arbeitsertrag versus Kapitalertrag” so lautete die Ankündigung der Genossenschaftsveranstaltung von Frank Bernhardt. Wobei er erwartete, dass man dabei u.a. auch auf die E-Commerce-Genossenschaft “Towerbyte”, also auf einige lokale Solidargemeinschaften, zu sprechen käme.

Leider waren die “Towerbyte”-Genossen selbst verhindert. Sie haben inzwischen sogar noch eine weitere Genossenschaft gegründet – die “Tower-Venture”, wie am nächsten Tag von ihnen zu erfahren war. Und zwar im “Tower”, das ist der große Uni-Turm in der Mitte der Stadt, um den sich dort quasi alles dreht.… weiter lesen

21.10.2008 von Helmut Höge
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Konsumguerilla und “romantischer Konsum” (30)

von Helmut Höge

Der neue “Campus”-Band “Konsumguerilla” von 22 Wissenschaftlern heißt im Untertitel – etwas zurückhaltender als der des Buches “Marke Eigenbau” von Friebe und Ramge: “Widerstand gegen Massenkultur” – mit Fragezeichen. Immer wieder geht es darin jedoch um das selbe Phänomen, das auch der Trendschnüffler Mathias Horx (“Technovolution”) und die Trendforscher Norbert Bolz (“Das konsumistische Manifest”) sowie Boris Groys (“Der Künstler als Konsument”) gerne bearbeiten.

Die Herausgeber – Birgit Richard, Alexander Ruhl und Hary Wolff – schreiben: “Der Band befaßt sich mit unterschiedlichen Ebenen des Konsums sowie damit verbundenen, (sub-)kulturell überformten Konsumpraktiken und -stilen.” Ihre Autoren stützen sich dabei u.a. auf Michel de Certeaus alltagspartisanische Spurensuche “Kunst des Handelns”, Roland Barthes Produktsemiotik “Mythen des Alltags”, Thorstein Veblens “Theorie der feinen Leute”, Walter Benjamins “Passagenwerk”, Wolfgang Fritz Haugs “Kritik der Warenästhetik”, Daniel Millers “Theorie des Shopping”, Pierre Bourdieus Distinktionsanalyse “Die feinen Unterschiede” und Jay Conrad Levinsons Wirtschaftsratgeber “Guerilla-Marketing”.

“Dem Guerilla-Image wohnt ein eigener,… weiter lesen

20.10.2008 von Helmut Höge
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Hausmeisterkunst (292)

von Helmut Höge

Diese Konstruktion des Bremerhavener Hausmeisters Enno Sühren besteht aus drei Pollerstangen.

14.10.2008 von Helmut Höge
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Das Ding an sich und für mich (29)

von Helmut Höge

Vorarbeiten zu einer “Theorie des kommunikativen Handels”

Man kann sich der Leistungsschau der europäischen Produktivgenossenschaften “Le Grand Magasin” sowohl von den Produkten als auch von deren Produktion her nähern. Und natürlich von der “ansprechenden” Ausstellungs- bzw. Verkaufsästhetik – ihrer Präsentation in der Neuköllner Galerie.

Beginnen wir mit den Produkten, den Dingen… Welche Geschichten lassen sich an ihnen festmachen – erzählen? Wenn die kapitalistische Gesellschaft als eine ungeheure Warenansammlung und damit Geschichtensammlung erscheint, dann sollte man vielleicht mit ihrem Nullpunkt beginnen. In ethymologischer Hinsicht befindet sich dieser dort, wo man noch nicht zwischen “Ding” und “Thing” unterscheidet – vor der ersten Warenproduktion. Wenn der Wissenssoziologe Bruno Latour von einer “Dingpolitik” spricht, dann meint er genau diese “archaische” Bedeutung von Zusammenkommen/Versammlung und Sache/Angelegenheit, für deren Wiederaufgreifen er in seinen Büchern, aber auch 2005 mit der Ausstellung “Making Things Public” plädiert. Die Dingpolitik, die wir ins Spiel bringen, versammelt jedoch keine… weiter lesen

14.10.2008 von Helmut Höge
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Hausmeisterkunst (291)

von Helmut Höge

bei firma MUS

Hier war der Hausmeister – der Unternehmensgruppe MUS im böhmischen Most – schneller als die Firma, die den Zaun hinter dem Bürogebäude aufstellen sollte, um dort den Fahrern den Weg auf den MUSeigenen Parkplatz zu verstellen: Sie sollen von vorne kommen und sich an der mit einem Poller kombinierten Rufsäule neben dem Pflanzpoller aus Waschbeton anmelden – beim Pförtner, der gleichzeitig  auch Hausmeister ist.  Photo: Alena Stolpe