Archive for November, 2008

26.11.2008 von Helmut Höge
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Hausmeisterkunst (298)

von Helmut Höge

parkplatz

Der Hausmeister dieses Einkaufs- und Dienstleistungszentrums in Jena installierte für den Benutzer des Parkplatzes “Anwohner 5″ erst einen waagerechten Poller, den er mühsam in das Pflaster eindübeln mußte, damit der beim rückwärts Einparken nicht an die schöne bemalte Rückwand des Hauses knallte. Als das nichts half, griff er zum Pinsel und übermalte die Pflanzenlandschaft, d.h. er malte einen so dicken Stein auf die Wand, dass der Fahrer ihn auch noch im Rückspiegel sehen konnte. Das half. Foto: Antonia Herrscher

26.11.2008 von Helmut Höge
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Organisations-Effizienz

von Helmut Höge

Aus dem tazinternen Intranet:

Liebe tazler,

immer wieder hört man, dass bei kaputter beleuchtung der hausmeister,
und das betrifft auch mich mitunter, nicht schnell genug reagiert. Hier
deswegen ein Hinweis, wie es die Amerikaner machen, vielleicht kann man
daraus lernen:

Auf dem Opel-Gelände in Rüsselsheim ist im Büro des Betriebsrats Klaus
Franz eine Neonröhre kaputt. Klaus Franz greift daraufhin zum Telefon
und läßt sich mit der Zentrale verbinden, die unten im selben
Bürokomplex sitzt. Das kann man als tazler noch nachvollziehen.

Da es sich bei Opel aber um ein Tochterunternehmen des US-Konzerns
General Motors (liebevoll GM genannt) handelt, verbindet die
Telefonzentrale Klaus Franz mit der Konzern-Telefonzentrale, die aus
einem outgesourcten Call Center in Detroit besteht. Von dort wird der
Auftrag weitergeleitet an das “World-Wide-Facility Management”, von dem
man hier nicht genau weiß, wo es überall domiziliert ist, auf alle… weiter lesen

25.11.2008 von Helmut Höge
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Wirtschaft und Sport/Wirtschaft als Sport

von Helmut Höge

Jetzt wissen wir, woher dieser unausrottbare Blödsinn in den Kapitalmedien kommt, auf die Wirtschaftsseiten stets die Sportseiten folgen zu lassen: Er stammt vom “Vater der Sozialen Marktwirtschaft” Ludwig Erhard. Die Initiative “Neue Soziale Marktwirtschaft” eine hochkarätige Proseccorunde mit quasi eigenem “Bundespressestrand” an der Spree hat gerade in einer Anzeige noch mal daran erinnert – mit einem seiner Lieblingssprüche:

“In der Marktwirtschaft wie im Fußball sind feste Regeln die Voraussetzung für ein faires Spiel.”

So richtig los ging es damit allerdings erst in den Achtzigerjahren – mit der Verlagerung der Produktion nach China und dem Kreieren von immer neuen Finanzprodukten auf der anderen Seite – in den USA, wo dafür bald nur noch konsumiert wurde – ökonomisch gesprochen. Im hin und her gerissenen Deutschland wurde daraufhin in den schicken Wohnbezirken das Spiel an der deregulierten Börse populär und in den verelendenden Vierteln das Spiel in den deregulierten Sport-Wett-Läden.

So… weiter lesen

24.11.2008 von Helmut Höge
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Hausmeisterkunst (297)

von Helmut Höge

runde tonne

Hier hat der Haus- und Hofmeister Detlef K. (46) für die Kinder seines Chefs, den norddeutschen Möhrenkönig Adolf Lippermann, mittels eines rotweißen Tonnenpollers einen kleinen privaten Verkehrsübungsplatz auf einem ehemaligen Silagefundament eingerichtet – in seiner Freizeit. Foto: Peter Grosse

21.11.2008 von Helmut Höge
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Wie weiter? Überbrückungsgeld!

von Helmut Höge

Unter dieser Frage berichtete ich über einige öffentliche “Krisen”-Debatten im Kreuzberger Hochzeitssaal. Die sich ausdehnende Finanz- und Immobilienkrise hat inzwischen in der Politik zu einem “neoliberalen Keynsianismus” geführt: immer mehr Branchen verlangen nach Staatsknete, wie man das früher nannte. Etwas verzagtere Politiker fragen unterdes: Was ist, wenn sie das Geld in einem Jahr verpulvert haben? Kriegen sie dann Neues?

In der Zwischenzeit fand in den Milchschaumbezirken eine neue Diskussionsrunde statt: im Raucherbuchladen “b-books” und im noch amerikanisierteren Nichtraucherbuchladen “pro qm ” stellten Stephan und Ralph Heidenreich ihr neues (goldenes) Merve-Buch “Geld” vor, das die Krise direkt angeht, d.h. Ralph , Vermessungsamt Biberach, erzählte seinem Bruder seine Gedanken über den derzeitigen Stand der Geld-Ökonomie. Und der HUB-Doktorant Stephan hat das Ganze dann durch seinen kulturwissenschaftlichen Stil- und Begriffs-Apparat gefiltert. Manchmal ist dabei dennoch irritierenderweise von “Ich” die Rede. Macht aber nichts.

Man muß eigentlich die schönsten Stellen daraus hier vorstellen, ich… weiter lesen

11.11.2008 von Helmut Höge
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Evoluzzer im Vormarsch (35)

von Helmut Höge

Auch das kommende “Darwin-Jahr” gehört noch zur Genossenschafts-Diskussion. Denn es ist mit ein Grund dafür, dass kein Schwein – in den Jobcentern, bei der IHK, bei den Banken und sonstigen Beratungsstellen – einen über Genossenschaften informiert: Alle wollen eher, dass man sich alleine selbständig macht. Aber das muß näher erklärt werden:

Es häufen sich derzeit auf geradezu unanständige Weise die Darwin-Biographien. Und “das darwinistische Denken, insbesondere das Prinzip der ‘Variation und Selektion’ ist heute auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften allgemein verbreitet,” schreibt Jared Diamond in seinem Vorwort zu Ernst Mayrs “Das ist Evolution”, in dem der Autor selbst meint: “Ob wir es uns klarmachen oder nicht: Das gesamte Denken der heutigen Menschen wird vom Evolutionsgedanken zutiefst beeinflußt – man ist sogar versucht zu sagen: bestimmt.” Kürzlich fand in Berlin eine Tagung des Zentrums für Literaturforschung (ZfL) über die “Kultur der Evolution” statt (Näheres dazu später).

Die Mehrzahl… weiter lesen

09.11.2008 von Helmut Höge
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Hausmeisterkunst (296)

von Helmut Höge

zwei blumentoepfe

Ein paar Läden weiter hat der alexandrinische Hausmeister und Teebringer Said noch einmal einen Olivenölkanister mit Erde und einer Palme gefüllt, den er als mobilen Poller einsetzt, um Platz für den Waren-Anlieferungsverkehr frei zu halten. Da ein Poller aber nicht genügt, wie im Bild sichtbar, hat er noch einen zweiten mobilen Poller – bestehend aus einem Plastikblumentopf, gefüllt mit Erde und einem Nadelbäumchen – organisiert. Dieser wurde jedoch bei seinem ersten Einsatz sogleich von einem PKW gerammt, wobei eine Ecke des Topfes abbrach. Deswegen stellte er ihn zur Sicherheit auf den schmalen  Bürgersteig, wo er nun jedoch eher die Fußgänger behindert als Autos vom Parken abzuhalten. Die Palme im Olivenölkanister ist derweil fast eingegangen (wahrscheinlich von den zu heißen Auspuffabgasen, denn Said hat sie eigentlich ziemlich regelmäßig gegossen). Kurz vor dem Sterben hat die Pflanze jedoch noch einige Notableger ausgetrieben, in die der Hausmeister jetzt seine Hoffnung setzt. Photo:… weiter lesen

09.11.2008 von Helmut Höge
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“Le Grand Magasin”/Ausstellungsbesprechungen (34)

von Helmut Höge

1. Märkische Allgemeine Zeitung

Kunst macht Kasse

Künstler und Kommerz / Andreas Wegner verkauft Waren aus Produktionsgenossenschaften

Der Kunstmarkt ist keine Kuschelecke. Das Klischee vom darbenden Maler, der erst posthum gewürdigt wird, ist längst passé. Heute machen sich Künstler öffentlichkeitswirksame Verkaufsstrategien zunutze. Wie der Brite Damien Hirst: Der brachte kürzlich seine Werke selbst zu Sotheby’s – ohne Hilfe einer Galerie. Einen Großteil der 223 Arbeiten hatte er eigens dafür produziert. Das Ergebnis war eine beispiellose Kapitalschlacht: 114,4 Millionen Pfund brachte die Auktion ein.

Auch der japanische Künstler Takashi Murakami hat keine Berührungsängste mit Kommerz. In seiner aktuellen Frankfurter Ausstellung hat er einen Louis-Vuitton-Shop installiert, in dem von ihm gestaltete Täschchen verkauft werden. Der Titel der Ausstellung: „©Murakami“.

Was Andy Warhol anstieß, treiben diese Künstler auf die Spitze: Kunst wird als Label und Motor für Wertsteigerung begriffen. Auch Andreas Wegner macht sich diesen Mechanismus zunutze: „Le Grand Magasin“ steht über der… weiter lesen

08.11.2008 von Helmut Höge
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Unter 1-Europäern/Die Lausitz noch mal

von Helmut Höge

“Früher gehörte dem die Welt, der ein gutes Pferd und eine Stunde Vorsprung hatte. Das ist vorbei.” (Ettohciuq Nod)

Was im Internet nicht alles als “Donquichotterie” abgetan wird… Unglaublich! In den “Grundrissen” schrieb Karl Marx: “Wenn wir nicht in der Gesellschaft, wie sie ist, die materiellen Produktionsbedingungen und ihnen entsprechenden Verkehrsverhältnisse für eine klassenlose Gesellschaft vorfänden, wären alle Sprengversuche Donquichotterie”. Rosa Luxemburg kam später in ihrer Kritik an Eduard Bernsteins Revisionismus noch einmal auf diese Anspielung auf Cervantes zurück: “Da sind wir glücklich bei dem Prinzip der Gerechtigkeit angelangt, bei diesem alten, seit Jahrtausenden von allen Weltverbesserern in Ermangelung sicherer geschichtlicher Beförderungsmittel gerittenen Renner, bei der klapprigen Rosinante, auf der alle Don Quichottes der Geschichte zur großen Weltreform hinausritten, um schließlich nichts andres heimzubringen als ein blaues Auge.”

1977 beging ich einmal mutwillig eine solche “Donquichotterie”, indem ich mich mit einem Pferd plus Satteltasche auf den Weg machte. Jeder hat… weiter lesen

04.11.2008 von Helmut Höge
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Hausmeisterkunst (295)

von Helmut Höge

palme im eimer

Diesen mobilen Poller, bestehend aus einem zerbeulten Olivenöltank und einer jämmerlich zugerichteten Palme, bastelte der für diesen Einkaufsstraßenabschnitt zuständige Hausmeister und Teebringer Said in Alexandria. Sein Poller hat die Funktion, einen Platz für den Lieferverkehr frei zu halten. Photo: Mariella Mosler. Die Hamburger Künstlerin hält sich dort gerade mit einem Künstlerstipendium auf. Und die Objekte von Said, demnächst folgen noch weitere “flagrante Poller” von ihm, haben es ihr anscheinend angetan.

Anders der DDR-Schauspieler Manfred Krug, der mehr an den Hausmeistern selbst ein Interesse hat, wie er der taz-redakteurin Corinna Stegemann gerade in einem Interview gestand:

Wissen Sie, ich habe als kleiner Junge immer die Hausmeister am meisten geliebt, die so polterig waren und eine tiefe Stimme hatten, die dann so laut schimpften: “Ey, du, wenn du das noch mal machst, dann kannst du was erleben!” Da wusste ich immer schon nach einer Minute: keine Gefahr. Aber so der sanfte… weiter lesen