Der Kampf um die Glühbirne (G)

Während die Bevölkerung in den G-7-Staaten die G.s erst einmal brav hortet, bemüht sich die Journaille um Kritik am G.-Verbot und am G-Substitut der Lampenkonzerne Osram und Philips: „Energiesparlampe“. Seit heute dürfen desungeachtet keine 100-Watt-G.s mehr verkauft werden….

Vorbemerkung:

Nichts ist politisch, aber alles kann politisiert werden. Am wenigsten allerdings die sogenannten politischen Parteien in der „Demokratie“, denn sie kämpfen um Mehrheiten. Ihr diesbezüglicher (Wahl-)Kampf besteht darin, dass die Kandidaten morgens den Arbeitern vorm Fabriktor erzählen, sie seien für höhere Löhne, mittags den Bauern, sie würde sich für höhere Milchquoten einsetzen, nachmittags den Frauen gestehen, sie seien voll auf ihrer (emanzipatorischen) Seite, und abends ihren Geldgebern und Unternehmern versichern, dass das tagsüber Verkündete natürlich alles nicht so gemeint sei – im Gegenteil. Nachts versichern sie dann ihren Parteifreunden auch noch, dass sie außerordentlich gut im Rennen liegen. Der Kampf um Mehrheiten ist ein Training in Charakterlosigkeit und Unmoral, weswegen immer mehr Schauspieler merken, dass sie den Politikern eigentlich überlegen sind. Und die die Mehrheiten bei den Wählenden bilden, wissen das auch, ebenso wie sie wissen, dass nur Minderheiten produktiv sind. Deswegen kam beizeiten schon der Vorschlag der Rätekommunisten (u.a.Lyotard): „Ein Patchwork der Minderheiten“ zu schaffen, was dann bei Deleuze/Guattari zu einem „Klein-Werden Schaffen“ wurde.



Auf der Internetseite der 1948 gegründeten World Health Organisation der Vereinten Nationen heißt es: „The Executive Board is composed of 34 members technically qualified in the field of health“. 1992 wurde die „Homosexualität“ von der Liste der sozusagen WHO-offiziellen  „Krankheiten“ gestrichen. Dafür gelangte jedoch das „Rauchen“ auf die Liste. Was diese ganzen gesetzgeberischen Verbote zur Folge hatte, unter die wir – Raucher – noch heute zu leiden haben. 1993 wurde dann vom Laboratory of Biochemistry am National Cancer Institute in Bethesda (Maryland) das „Homosexualitäts“-Gen entlarvt/isoliert.

Anfang 2005 schrieb der Wissenschaftsredakteur Joachim Müller-Jung in der FAZ über dieses von ihm so genannte „Rosarote Gen“:

Als Dean Hamer vor ein paar Monaten der amerikanischen Öffentlichkeit seine gesammelten wissenschaftlichen Indizien vorlegte, die beweisen sollten, daß religiöser Glaube in den Genen jedes Menschen mehr oder weniger fix angelegt ist, da ergriff die einen der kalte Schauder und die anderen pure Abscheu. In der Wissenschaftsgemeinde herrschte dagegen eisiges Schweigen. Der Mann, der das Laboratory of Biochemistry am National Cancer Institute in Bethesda (Maryland), einem der angesehensten Institute der weltgrößten und reichsten Forschungsstätte der Welt – den National Institutes of Health -, leitet, mochte mit seinem populären Buch „The God Gene“ die Öffentlichkeit provozieren. Seine Kollegen konnte er damit nicht aus der Reserve locken. Im Gegenteil: Wer genau hinhörte, konnte unter dem gelegentlichen Kopfschütteln einige leise Stoßseufzer der Erleichterung vernehmen. Nicht etwa, weil man meinte, daß hier endlich einer verlautbarte, was längst gesagt werden mußte, sondern vielmehr, weil man hoffte, damit einen bornierten und unbelehrbaren Wichtigtuer endgültig aus dem Dunstkreis wissenschaftlicher Seriosität loswerden zu können.

Vielleicht hatte Hamer ja seine zwanghafte Suche nach jenem Homosexualitätsgen endlich aufgegeben, das ihn vor zwölf Jahren bekannt gemacht und die eigene Zunft im Laufe der Jahre an den Rand der Lächerlichkeit gebracht hatte? Hamers Antwort ist in der März-Ausgabe der Zeitschrift „Human Genetics“ nachzulesen. Die Veröffentlichung, die in diesen Tagen bereits in einer Online-Ausgabe erschien, handelt von der „genomweiten Suche nach der sexuellen Orientierung des Mannes“. Es ist die erste Untersuchung, wie die Gruppe um Hamer betont, in der das gesamte menschliche Genom nach Erbanlagen durchforstet wird, die als Auslöser der männlichen Homosexualität in Frage kommen. Fast das gesamte Erbgut, muß hinzugefügt werden. Denn das winzige Y-Chromosom, auf dem ohnehin wenige Gene vermutet und bisher keinerlei Hinweise auf Besonderheiten von homosexuellen Männern gefunden worden waren, hat man ausgelassen. Bei der Untersuchung handelt es sich um eine sogenannte Mikrosatelliten-Analyse. Das Genom wird dazu in bestimmten variablen Regionen mit einer Reihe von Gensonden in mehr oder weniger großen Abständen „abgetastet“. Auf diese Weise hofften die Forscher auf Regionen im Genom zu stoßen, die sich bei homosexuellen Männern exakt gleichen und damit als potentieller Aufenthaltsort des vermeintlichen Sexualitätsgens – oder mehrerer solcher Gene – in Betracht kommen.

Untersuchungsgegenstand waren die Genome von 456 Männern aus 146 amerikanischen Familien. Die im Schnitt fünfunddreißig- bis vierzigjährigen Probanden waren mit Anzeigen in einschlägigen Schwulenzeitschriften geworben und die Hälfte aus alten Adressendateien Hamers rekrutiert worden. Allen ihnen gemeinsam war außer ihrer selbstdiagnostizierten Homosexualität das besondere familiäre Umfeld: Sämtliche Erbgutspender hatten mindestens einen Bruder, der ebenfalls homosexuell ist oder war.  Ein besonderes Auge hatte Hamer dabei auf das X-Geschlechtschromosom gerichtet, das stets von der Mutter geerbt wird. Im Jahre 1993 hatte Hamer dort den mutmaßlichen Genort für die Anlage zur Homosexualität lokalisiert – genauer: in der Region Xq28. Allen Anfechtungen zum Trotz hat er diese These seither nie aufgegeben. Aus diversen Zwillings- und Familienstudien holte er sich die empirische Bestätigung, ohne jedoch den eigentlichen Erbanlagen wirklich näher gekommen zu sein. Auch diesmal verfolgte Hamer unbeirrt seine Spur. Auch die ungünstigen Ergebnisse, die kanadische Kollegen vor viereinhalb Jahren in der Zeitschrift „Science“ (Bd. 284, S. 571 u. 665) veröffentlichten und die alles andere als einen klaren Zusammenhang zwischen Homosexualität und der verdächtigten Genregion Xq28 ergaben, ließen Hamer kalt.

Freilich hatte der Forscher diesmal Kollegen zur Seite, die die Sache augenscheinlich ergebnisoffener angingen als ihr Mentor. Brian Mustanski, Psychiater an der University of Illinois in Chicago, und der Anthropologe Michael Du Pree von der Pennsylvania State University hegen schon länger den Verdacht, daß die Gründe für die homosexuellen Neigungen, die bei schätzungsweise zwei bis sechs Prozent der Menschen im Laufe des Lebens die Überhand gewinnen, von komplexerer Natur sind, als Hamer vorgibt. Eine Haltung, die durch ihre neue Arbeit nun gedeckt wird. „Unsere Vermutung ist, daß zahlreiche Gene, vermutlich im Zusammenspiel mit vielen Umwelteinflüssen, die Andersartigkeit der sexuellen Orientierung begründen“, kommentierte Mustanski die Resultate der Genomprüfung. Mit anderen Worten: Weder gibt es das einzelne Homosexualitätsgen, noch gibt es eine Sammlung solcher Gene im Erbgut, die man guten Gewissens als Wurzel von Homosexualität bezeichnen könnte. Im Grunde grenzt die Untersuchung an eine veritable Bankrotterklärung Hamers.  An dem legendären Genort Xq28 haben die Wissenschaftler nicht die kleinste Spur einer genetischen Signatur gefunden, die eine Verbindung zur Homosexualität nahelegte. Selbst als sie bei der Nachprüfung einen statistischen Trick anwendeten und nur jene Probanden berücksichtigten, bei denen man aus der Familiengeschichte eine mütterliche Vererbung der homoerotischen Neigung mit dem X-Chromosom vermuten konnte, blieb der statistisch ermittelte Zusammenhang extrem schwach.

Einen etwas deutlicheren Zusammenhang hatte man zwar für drei weitere Genomsektoren auf den Chromosomen sieben, acht und zehn ermittelt. Aber gemessen an den heutigen strengeren Kriterien für die Vererbungsstatistik, handelte es sich lediglich „um eine Region, die nahe an eine statistische Signifikanz grenzt, sowie zwei Regionen, die die Kriterien für eine mutmaßliche Verbindung beinahe erfüllen“, wie die Forscher selbst formulieren. Alles in allem also eine niederschmetternde Bilanz.  Die amerikanische Forschergruppe nimmt das Ergebnis allerdings sportlich: Da man „nur“ 403 Mikrosatelliten-Sonden zur Abdeckung des gesamten Genoms verwendet und damit entsprechend große Lücken gelassen habe, bestehe immerhin die Möglichkeit, daß die eigentlichen Anlagen zur Homosexualität durch das grobmaschige Netz der genetischen Rasterfahndung geschlüpft seien. Zu vermuten steht also, daß Hamer nach seinem Intermezzo als Spritualgenetiker sein Lebensprojekt Schwulengenetik um so energischer weiter verfolgt. Wer weiß, welche exotischen Findlinge er auf diesen Streifzügen durchs Genom nach dem vermeintlichen Gottessegen noch aufspüren wird.

2002 hatte der US-Ökonom Richard Florida ein Buch „The Rise of the Creative Class: And How It’s Transforming Work, Leisure, Community and Everyday Life“ veröffentlicht, das bald berühmt wurde – vor allem für seine steile These, dass man zur „Messung des Kreativ-Potentials von Großstädten im Standortwettbewerb“ bloß  einen „“Bohème- und Schwulenindex“ bräuchte.

Seitdem hat sich in immer mehr politisch korrekten um nicht zu sagen zivilisierten Ländern die Meinung durchgesetzt, dass die Homosexuellen die Glühbirnen unserer durchelektrifizierten Kultur sind. Die Glühbirne war schon immer Symbol für Aufklärung, Sozialismus und Erfindergeist – also für Kreativität. Was lag da näher, als sie auch noch als Symbol der „Kreativen Klasse“ zu adoptieren.  Gemeint war mit der „Creative Class“, ein Begriff des US-Arbeitsministers Robert Reich, jener Teil der Mittelschicht, der von den Segnungen der Elektronik, der so genannten „3. Industriellen Revolution“, profitier – und wovon die Schwulen einen Teil sindt.“Creativity“ entwickelt sich  aber auch und vor allem in der Subkultur, wovon die Schwulen-Scene ebenfalls einen Teil bildet. Wir erinnern uns: In dem ersten „Negerroman“ – von Ralph Ellison „Unsichtbar“ erhellt und heizt der Subkultur-Held sein Kellerloch mit 4.800 Glühbirnen, die er mit illegal gezapftem Strom speist. 1973 griff der bis heute quasi untergetauchte US-Schriftsteller Thomas Pynchon diese Geschichte auf in seinem Roman „Gravity’s Rainbow“ – mit dem Kapitel „Byron die Birne“. Eine Glühbirne, die dem ihre Lebensdauer auf 1000 Stunden verkürzenden Elektrokartell (Siemens/Osram, Philips, General Electric, GE of Britain, Alcatel…)  entkommen ist und den Widerstand gegen diese verbrecherischen Multis zu organisieren versucht. Das reale Vorbild von Byron war die Kohlefadenbirne in der Feuerwehrwache von Livermore, South Almeda County – sie brennt noch heute, seit 103 Jahren bereits. Das ist sie hier:

Die o.e Elektrokonzerne haben jetzt auch aus reinen Profitgründen dafür gesorgt, dass die Glühbirnen, mit der in Europa „nur noch Pfennigbeträge zu verdienen sind“, wie ein Osram-Manager sich gegegenüber „seinem“  Spandauer Betriebsrat ausdrückte, zugunsten der viel teuren Energiesparlampen von Staats wegen verboten wird. Außerdem wurde Osram und Philips das Recycling dieser hochgiftigen und schädliches Licht ausstrahlenden Lampen zugeschanzt. Sie gründete dazu zwei Firmen, die sie – analog zu Fanny Mae und Freddy Mac – „Olav“ und „“Lars“ nannten. Diese sollen die kaputten Birnen dann entsorgen – auf der Grundlage einer „Rücknahme-Verordnung“ aus dem Jahr 2006. Zahlen wird das der Endverbraucher: Denn die in den letzten Jahren gesunkenen Preise für Energiesparlampen (ESL), die die Mitglieder des Elektrokartells, das sich angeblich im Herbst 1989 auflöste,l zum großen Teil in China fertigen jassen (80% aller ESL kommen bereits aus Asien), werden nach dem Glühbirnenverbot wieder um rund 30% steigen

Der kleine beschissene Endverbraucher (König Kunde zynisch genannt) aber auch so mancher Feuilletonist (Sinnstifter ironisch genannt)  will das Glühbirnenverbot nicht kampflos hinnehmen! Im Folgenden einige Beispiele…

In der „Eßlinger Zeitung“ schrieb Friedhelm Röttger am 1. August 2009 einen langen Artikel darüber, der von unseren Vorarbeiten zehrt, die wir zuletzt in „Das Glühbirnenbuch“ (edition selene, Wien) veröffentlichten:

Protuberanzen des Zorns

Fotografiert von einem die Erde in großer Höhe umkreisenden Satelliten, gleicht es einer Sternenkarte, die übersät ist von unregelmäßig verstreuten Lichtquellen unterschiedlicher Helligkeit und Dichte. Ein feines Raster mittlerer Strahlung markiert die dünner besiedelten Gebiete der Länder; die enormen Emissionen von Madrid und Rom, Paris und London, Hamburg und Berlin, Stockholm und St. Petersburg bilden regelrechte Lichtseen. Aber wie die Sterne Sirius und Venus zusammen strahlt bis in den Orbit hinauf die russische Metropole Moskau, wo Lenin im Dezember 1920 die folgenschwere Gleichung „Kommunismus = Sowjetordnung + Elektrifizierung“ aufgestellt hat. Denn die Glühbirne, die, so wollte es der Revolutionär, in jedem Dorf, in jedem Haus leuchten sollte, erhellte nicht, sie blendete nur und verdarb die Augen. Daran hat sich wenig geändert. In dem Maße, wie es um den sowjetischen Kommunismus Nacht wurde, explodiert in Moskau das Licht. Wer im Zentrum der Helligkeit steht, wird der langen Schatten nicht gewahr, die ihr gleißender Kegel auf die Peripherie der Armut wirft. Völlige Dunkelheit auf diesem Nachtbild Europas und Nordafrikas ist die Ausnahme. In den Dörfern und Städten der EU brennen Nacht für Nacht 3,7 Milliarden herkömmliche Glühlampen. Verringern wir die stratosphärische Distanz und tauchen ein in die maßlose Helligkeit der städtischen Nächte, die schon lange keine mehr sind: Im Licht erstrahlen Bankentürme, Straßenzüge, Werbetafeln, Kirchtürme, Schlösser, Ruinen. „Gleißendes Licht ergreift Flughäfen, Atomkraftwerke und Fußballplätze. Trotz Klima- und Wirtschaftskrise kommen laufend Abertausende neuer Lichtquellen dazu“, notiert Marco Evers in seinem Essay „Der Tod der Nacht“.

Die Lichtfinger von Disco-Skybeamern rühren in der rötlichen „Photonensuppe“, welche die Stadtnacht von der Sternennacht trennt. Seltsame Dinge ereignen sich in der Taghelligkeit der Nacht; Nacht, die längst störend in den Ablauf natürlicher Kreisläufe eingegriffen hat: So sind etwa Rotkehlchen, die in der Nähe von Straßenlaternen nisten, zu Nachtsängern mutiert. Nacht, die zum Tage geworden ist, hat nicht nur die Gewohnheiten der Tiere verändert: Wer von den Stadtbewohnern seinen Schlafplatz nicht hermetisch von den Blendungen der Außennachtwelt und der Dauerpräsenz der Verkehrsgeräusche abschotten will, geht zu Bett mit verbundenen Augen und verstöpselten Ohren, also blind und taub.  So schön kann Werbung sein  24 Stunden nach der Entscheidung der EU-Kommission, von September 2009 an die klassische Glühbirne für den Haushaltsgebrauch bis 2012 stufenweise vom Markt zu nehmen, schaltete die Siemens-Tochter OSRAM in den großen deutschen Tageszeitungen eine dreiviertelseitige Anzeige mit folgendem Text: „Grünes Licht für Klimaschutz. OSRAM begrüßt den EU-weiten Abschied von der Glühlampe und schaltet Europa um auf energiesparendes Licht.“ Als bedürfte die kesse Werbeformel für einen ökologischen Sieg über einen ökonomischen Irrtum noch einer illustren Zutat, ragt oberhalb der Textfläche und vor dem Hintergrund einer bizarren Eisberglandschaft eine Riesenbirne aus dem arktischen Meer. In ihr gläsernes Gehäuse hat der Designer eine friedliche Eisbärenfamilie implantiert.

Die Botschaft: Das alte (verschwenderische) Licht geht aus, das neue (sparsame) an, und schon ist die (Um-)Welt wieder das, was sie einmal war. So schön kann Werbung sein.  Inzwischen sind die Vorteile der, wie es im Fachjargon heißt, Kompaktleuchtstofflampe zwar nicht widerlegt, jedoch relativiert worden, unter anderem in ausführlichen Testberichten der Zeitschrift „Öko-Test“ (Oktober 2008). Was nichts an der Tatsache ändert, dass die herkömmliche Glühlampe lediglich fünf Prozent der ihr zugeführten Energie in Licht verwandelt, 95 Prozent dagegen in Form von Wärmestrahlung abgibt. Dennoch haben die EU-Kommissare die Einsparpotenziale maßlos überschätzt. Denn nur 1,5 Prozent des gesamten Energieverbrauchs eines Haushalts geht zu Lasten der Beleuchtung; den weitaus größten Teil verschlingen Heiz- und Warmwasseraufbereitungsanlagen, Waschmaschinen, Trockner, Elektroöfen, Kühl- und Gefrierschränke, Klimaanlagen und Unterhaltungselektronik.  Dass die Herstellung einer einzigen Energiesparlampe bis zu zehnmal mehr Energie verbraucht als die einer Glühlampe, würde man leichter hinnehmen, wenn nicht die neue Sparleuchte, deren „naturfernes“, diffuses Licht von vielen als unangenehm kalt empfunden wird, neben dem Edelgas Argon das hochgiftige Schwermetall Quecksilber enthielte. Zwar ist sein Anteil mit maximal vier Milligramm relativ gering; jedoch reicht er aus, um 6000 Liter Wasser zu vergiften. Während die alte Birne problemlos in den Müll wanderte, unterliegt die lichttechnisch keineswegs optimierte, zudem ästhetisch missratene Energiesparlampe den strengen Auflagen der Sondermüll-Entsorgung.  Man kann es drehen und wenden wie man will: Die Verteufelung der alten Glühbirne, darin sind sich EU-Insider und Kartell-Spezialisten einig, war von langer Hand vorbereitet und nicht denkbar ohne „ein geschicktes Industrie-Lobbying“. Denn seit 2005 sitzen die Lampenhersteller auf ihren neuen, technologisch längst ausgereizten Sparmodellen, ohne nennenswerte Absätze verzeichnen zu können. Das wird sich rasch ändern, dank der an falscher Stelle angesetzten Regulierungsverordnung der EU.

Kenner der Branche, unter ihnen Günther Leising, Professor an der Technischen Universität Graz und Gründer der burgenländischen Firma Lumitech, sind längst der Überzeugung, dass „nach volkswirtschaftlichen und ökologischen Gesichtspunkten das Forcieren der Energiesparlampe heute keinen Sinn mehr macht“. Aus folgendem Grund: Zwar hat die jüngste Lichtrevolution noch nicht den Haushalt, jedoch bereits den technischen Alltag erfasst. Neben Light Emitting Diodes (LED), einer extrem sparsamen, Energie optimal in Leuchtkraft umsetzenden Lichttechnik, wird die Energiesparlampe bald alt aussehen.  Aura des Übersinnlichen  Die Lichtingenieure des 19. Jahrhunderts umgaben ihre Erfindungen, die sie mit theatralem Gestus dem teils verängstigten, teils hingerissenen Publikum vorzuführen wussten, mit der Aura des Unerklärlichen und Übersinnlichen. Die Zeitgenossen dieser Technik-Heroen, die noch an ihr blakendes Gaslicht glaubten, konnten hinter einem Lichtstrahl, der die Dunkelheit aufreißt wie ein Blitz, nichts anderes vermuten als eine himmlische Erscheinung oder, je nachdem, diabolisches Blendwerk. Ein Zeitgenosse des Erfinder-Genies Thomas Alva Edison war der Amerikaner Hiram Stevens Maxim. Er baute 1877 den ersten Typ kommerziellen elektrischen Lichts, der um 1878 aus Europa kam: die Bogenlampe. Eine technisch ausgereifte Variante hatte er auf dem 1915 fertiggestellten New Yorker Equitable Building, dem seinerzeit größten Bürogebäude der Welt, montiert und beleuchtete von dort aus einen Teil des Broadway. Als er einmal in Rochester ein starkes Bogensuchlicht aufbaute und den gebündelten Strahl des Scheinwerfers auf die Freiheitsstatue lenkte, erschien deren Schatten wie ein riesenhaftes Ungeheuer auf dem schwarzen Wolkenhintergrund. Ein „Wunder“, das er, vermutlich vor zahlendem Publikum, wiederholen musste. Mit Erfolg.  Nachtragende Götter  Schon die Götter der Antike waren maßlos – und nachtragend.

Nachdem feststand, dass es Unsterbliche und Sterbliche gibt und die Sterblichen den Unsterblichen angemessene Opfer zu bringen haben, ersann Prometheus, der „zum voraus Denkende“ aus dem Geschlecht der Titanen, eine List, die Zeus wohl durchschaute, auf die er nur zum Schein einging, weil er, wie es hieß, „Böses sann in seiner Seele gegen die Menschen“. Prometheus, der Menschenfreund, schlachtete einen Stier, errichtete zwei Haufen, die er zudeckte, den einen aus Fleisch, den andern, größeren, aus puren Knochen. Zeus wählte das Knochenopfer, rächte sich aber für den Betrug, indem er den Menschen wegnahm, wessen sie notwendig bedurften, das Feuer. Wieder half Prometheus, raubte das göttliche Element und schenkte es den Sterblichen. Diese wurden damit nicht froh. Das mythische Feuer-Licht entpuppte sich als Danaergeschenk, das ewig mit Betrug, Hybris und Vorteilssucht verbunden bleiben und das nie zu denken sein wird ohne seinen Widerpart, die Nacht und die Finsternis und den aus diesem Antagonismus sich nährenden Konflikt.  Tragische Lichtträger  Was die Lichtträger der Mythen und Legenden betrifft, eignet ihnen etwas Tragisches, ja Katastrophisches. In den Metamorphosen des Ovid spielt Luzifer, der andere berühmte Lichtbringer (so die wörtliche Übersetzung seines Namens), noch die strahlende und erhabene Rolle des die gestirnte Finsternis verjagenden und den leuchtenden Tag ankündigenden Morgensterns: „Die Sterne zogen davon, unter Führung Luzifers, der als letzter verschwand.“ Seine Aufnahme in den christlichen Himmel war indes sein Untergang. Denn an dem „glänzenden, schirmenden Cherub“ wurde eines Tages „Missetat“ gefunden, worauf Gott den Hochmütigen vom Himmel stürzte. „Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen“, heißt es im Lukasevangelium. Gustave Doré inszeniert auf dem 1865 geschaffenen Holzstich den Sturz als eine dramatische Vision: Luzifer, getragen von seinen gezackten Flügeln, nimmt Kurs auf den tief unter ihm schwebenden, von gezwirbelten Wolkensträngen bekränzen Erdball. Seine gewölbte Oberfläche schimmert metallisch in den gebündelten Lichtstrahlen eines hinter Wolken verborgenen Scheinwerfers, dessen energetische Kraft sich den Protuberanzen eines göttlichen Zornesausbruchs verdankt.  Prometheus der Gegenwart

Ein stürzender, abstürzender Lichtträger aus unserer Gegenwart, ein idealistischer Prometheus, der mit ökonomischen Interessen der Lampenkartelle kollidierte, war der geniale Dieter Binninger, bis zu seinem Tod 1991 Geschäftsführer einer Weddinger Erfinderwerkstatt. Im Auftrag des Berliner Senats baute er 1976 eine Mengenlehre-Uhr für den Kurfürstendamm. Das Innenleben des heute vor dem Tourist-Information-Center im Berliner Europa-Center stehenden, sieben Meter hohen leuchtenden Zeitanzeigers besteht aus Hunderten von Glühlampen. Weil sie ständig durchbrannten, erfand Binninger, der die Kosten für die Auswechslung der Lampen selber tragen musste, eine Birne, die es auf eine phänomenale Lebensdauer von 150 000 Stunden brachte. Eine gewaltige Leistung, gemessen an der herkömmlichen Lampe, die, gemäß einer Absprache unter den internationalern Konzernen, seit dem Zweiten Weltkrieg lediglich noch 1000 Stunden oder weniger leuchten darf. Binningers Patent, das er 1984 nach fünf Jahre dauernden widrigen Anläufen endlich anmelden konnte, war nicht nur auf erhebliche bürokratische Widerstände gestoßen. Vor allem der Siemenskonzern mit seiner hundertprozentigen OSRAM-Tochter hatte mit allen Mitteln versucht, einen potenziellen Konkurrenten auszuschalten, der OSRAM binnen kurzem um das Marktmonopol gebracht hätte, zumal Binninger auch noch die Absicht hatte, nach der Wende seine „Ewigkeitsglühbirne“ in dem ehemaligen volkseigenen Lampenwerk NARVA zu produzieren.

Den gründlichen Recherchen des „Glühlampenforschers“ Helmut Höge zufolge sollte jedoch nicht Binninger, sondern OSRAM – mehr oder weniger zum Nulltarif – NARVA unter die Konzernfittiche nehmen dürfen: ein Deal, der nach massiven Protesten zurückgenommen werden musste. Jetzt gab Treuhand Dieter Binninger den Zuschlag. Der aber konnte weder mit der Produktion seiner als „volkswirtschaftlich wertvoll“ eingestuften und mit Erfolg auf Flughäfen und in Leuchttürmen getesteten Erfindung beginnen, geschweige denn die Früchte seines Erfindergeistes ernten: Am 5. März 1991 stürzte der mutige Lichtbringer nahe Helmstedt in einer einmotorigen Tobago B 10 unter mysteriösen und bis heute nicht geklärten Umständen tödlich ab. Auch sein Sohn und der Pilot kamen bei diesem Unglück ums Leben.  Byron die Birne  Kartelle denken nicht in ästhetisch-philosophischen, sondern in ökonomischen Kategorien. Kartelle teilen, herrschen, bilden geschlossene Systeme und, vor allem, streben ausschließlich nach Profit. Wie das funktioniert, beschreibt der amerikanische Schriftsteller Thomas Pynchon in seinem 1973 erschienenen kulturkritischen Roman „Gravity’s Rainbow“, auf Deutsch erschienen unter dem Titel: „Die Enden der Parabel“. Verwoben mit den ver(o)schlungenen Handlungssträngen ist eine Episode, die von Byron handelt. Gemeint ist nicht der englische Dichter. Byron ist „’ne alte, alte Glühfadenseele, gefangen im gläsernen Gefängnis einer Babybirne“. Byron die Birne ist von sozialrevolutionärer Gesinnung, träumt von synchronen Explosionen von einer Million Glühbirnen, denn die Birnen sind, bis auf eine Ausnahme, sterblich. Schuld daran ist Phoebus, das internationale Glühbirnenkartell mit Hauptsitz in der Schweiz, kontrolliert von der International General Electric Company, von OSRAM und den Associated Electric Industries of Britain. Phoebus (übersetzt: der Leuchtende), unbescheiden benannt nach dem Beinamen des griechischen Gottes Apoll, diktiert die Preise, bestimmt die Lebensdauer der Glühbirne und teilt die Weltmärkte unter sich auf.  Was Phoebus nicht weiß: Byron ist unsterblich. Als die Lebenszeit der Birne auf die 800-Stunden-Marke zusteuert, wird eine Berliner Kartell-Agentin auf Byron angesetzt, die ihn aus der Fassung schraubt und nach Neukölln in den Keller eines Glasbläsers verschleppt, der sich vor der Dunkelheit fürchtet und Byron ständig brennen lässt. Aber Byron brennt nicht durch, passiert das 1000-Stunden-Limit – eine um jeden Preis zu ahndende Renitenz, weshalb das „Komitee für Leuchtanomalien“ einen „Zerschläger nach Berlin in Marsch“ setzt. Byron die Birne entgeht jedoch dem Anschlag, brennt fortan in sicheren Verstecken und hat nur noch eines im Sinn: sämtliche Mitbirnen von der bösartigen Natur des Kartells zu überzeugen, das in der Glühbirne lediglich die Übermittlerin von mess- und kontrollierbarer Lichtenergie sieht. Byrons subversiver Appell basiert auf der philosophisch-metaphysischen Idee, dass es über und unter dem Band der Strahlungswellen noch andere Frequenzen gibt: So kann eine Birne „Wärme spenden. Eine Birne kann Pflanzen mit Wachstumsenergie versorgen, illegale Pflanzen beispielsweise, versteckt in Schränken. Eine Birne vermag das schlafende Auge zu durchdringen und in den Träumen der Menschen zu wirken“. Aber die Zeit arbeitet gegen die Aufklärerin: „Das Netz ist weit offen, alle Botschaften können abgehört werden, es sitzen genügend Verräter draußen in den Leitungen“.

Postskriptum: Thomas Pynchon hat zwar die Birne Byron erfunden, nicht aber das Phoebus-Kartell, das am 24. Dezember 1924 in Genf gegründet wurde.  Schonungsloser Blick  Gegen die obskuren Strategien eines Weltkartells anzuleuchten, bedarf es mit Sicherheit wirkungsmächtigerer Instrumente als der Glühbirne. Dessen ungeachtet maß ihr der Philosoph Ernst Bloch eine große kulturhistorische Bedeutung bei, nachzulesen in den 1962 erschienenen Schriften „Verfremdungen I“. Dort liest man folgende Eloge: „Ohne Übertreibung läßt sich sagen: Die Glühbirne im schattenarm gewordenen Zimmer hat die Anfechtungen des Nachtgrauens weit gründlicher geheilt als etwa Voltaire.“ Freilich vermag deren Licht, so Bloch, nicht den anderen, den „einwandfreien Spuk“, aus der Welt zu schaffen: nämlich das „Infernalische aus dem menschlichen Abgrund selber“. Was dieses anzurichten vermag, schilderte Picasso auf der großen Guernica-Grisaille aus dem Jahr 1937. An der nicht nachlassenden Wirkung der Bild gewordenen Anklage hat das Motiv einer Glühbirne nicht geringen Anteil. Ihr förmlich in die Nacht stechender Schein gleicht dem schonungslosen Blick, dessen Seh-Schärfe kein Detail der aufgetürmten Vernichtungs- und Trauermetaphorik entgeht.  Aufklärungsarbeit entschieden heiterer Art betreiben in Comic-Entenhausen Carl Barks 1952 geschaffene Tüftlerfigur Daniel Düsentrieb, Erfinder des für ein Mittagsschläfchen nützlichen „Dunkellichts“, und sein pfiffiges „Helferlein“, in dessen Glühbirnen-Kopf es immer wieder geist- und hilfreich aufblitzt. Wesen unkomplizierter Natur sind auch die Glühbirnen in den zahlreichen „Birne“-Kinderbüchern des großen Erzählers Günter Herburger. Und weil der Schriftsteller nach eigenem Bekunden das Licht ohne Birnenform nicht mehr mag und die Glühbirne nicht sterben darf, hat auch er, Pynchon sekundierend, sich eine Birne erdichtet, die ewig leben darf. Womit sie an das Centennial Light anknüpft, die Jahrhundertglühbirne, die, im Jahr 1901 in ihre Fassung im Feuerwehrhaus im kalifornischen Livermore geschraubt, bei einer Leistung von vier Watt 75 Jahre später noch immer brannte, als die Feuerwache ein neues Gebäude bezog. Zu ihrem 100. Geburtstag soll ihr George W. Busch persönlich gratuliert haben. Maßstäbe der Verehrung setzte jedoch der italienische Schriftsteller Filippo Tommaso Marinetti, der in seinem 1909 veröffentlichten „Futuristischen Manifest“ bekannte, jeden Abend zu seiner Glühbirne zu beten.  Joseph Beuys waren derart überspannte Attitüden glorifizierender Technik fremd. In zwei bedeutenden Beuys-Werken erhellt und überwindet die Glühbirne klassische Gegensätze: die zwischen West und Ost, zwischen divergenten Gesellschaftsordnungen in der Performance „Eurasienstab“ (1967); jene zwischen Natur und Kultur in der Skulptur „Capri-Batterie“ (1985), in der die Energie einer vollreifen Zitrone die biomorphe gelbe Lampe symbolisch zum Strahlen bringt.

Erhellendes zum Thema hatte zuvor auch bereits ein SZ-Wirtschaftskommentator beigesteuert:

„Wer Strom spart sorgt dafür, dass weniger Kohlendioxid entsteht. Leider nicht! Wenn die Haushalte in der EU weniger Strom brauchen, dann ändert sich nämlich an der Gesamtzahl der Zertifikate für Emissionen nichts. Der Schadstoffausstoß verlagert sich lediglich. Davon profitieren insbesondere energieintensive Industrien wie die Stahl- oder Aluminiumindustrie. Daran dürfte kaum ein Verbraucher denken, wenn er sich eine klimaschonendere Waschmaschine kauft“ oder gezwungenermaßen von glühbirnen komplett auf energiesparlampen umsteigt.(SZ vom 17.08.2009)

(Der Autor ist im übrigen der Meinung, dass individuelles Loha-Verhalten nicht reicht, sondern nur Zwang – wie z.B.ein Glühbirnenverbot.)

Am 23.08.2009 stand folgender Artikel auf „spiegel online“ –

Glühbirnen-Aus wird zur Farce (Von Ralph Quinke):

Ab September endet in Europa die Glühbirnen-Produktion – doch was von der EU als Maßnahme zum Wohl von Verbraucher und Umwelt verkauft wird, hat Nachteile: Die neuen Energiesparlampen halten oft nicht, was sie versprechen – und können sogar zum Gesundheitsrisiko werden.  Hamburg – Über Energiesparlampen gibt es jede Menge Zahlen: Sie halten mehr als doppelt so lange wie herkömmliche Birnen, sie sind genauso hell und tragen zur Gesundung der Umwelt bei. Das Problem ist: Nichts davon stimmt so richtig. Trotzdem aber soll der Energiesparlampe die Zukunft gehören.  Stefan Schrader bekommt dieser Tage reichlich Post. Tag für Tag liefern Paket- und Kurierdienste massenweise Päckchen und Pakete in Schraders kleinem Laden an einer tristen Ausfallstraße im Hamburger Westen ab. Denn Schrader sorgt vor. Für die Zeit nach dem 31. August. Der Lampenhändler bunkert tausendfach alles, was ab dem 1. September 2009 in Europa nicht mehr produziert und nicht mehr in die EU importiert werden darf: Mattierte Glühlampen in 75 Watt, Globuslampen in 60 Watt, Kryptonlampen in 40 Watt, opalisierte Kerzenlampen in 25 Watt. Der Verkauf der Lampen ist erlaubt, auch nach dem 1. September.  Denn ab diesem Zeitpunkt greift der Abwicklungsplan für die gemeine Glühbirne. Viele Kunden wissen überhaupt nicht, was das bedeutet – sagt Schrader. Zwar seien die meisten darüber informiert, dass ab September die 100-Watt-Glühlampe verboten ist, aber dass auch sämtliche mattierten Lampen vom Markt verbannt werden, ganz gleich, ob sie 10, 40 oder 60 Watt haben, das sei ihnen nicht bewusst. Insgesamt rund tausend Leuchtmittel sind von dem Verdikt betroffen.  Alle Lampen vom Markt  Verfügt hat das Verbot die EU-Energiekommission – vor allem auf Druck der deutschen Bundesregierung. Die Europäer sollen Energie sparen. Weil sie das – offensichtlich – nicht freiwillig tun, maßregelt die Brüsseler Kommission ihre Bürger, indem sie nach und nach sämtliche Glühlampen verbietet.

Zuerst werden laut der Richtlinie „2005/32/EG“ alle mattierten und die klare 100-Watt-Lampe verbannt, im nächsten Jahr folgt die 75-Watt-Lampe, und ab September 2012 soll ganz Europa schließlich glühlampenfreie Zone sein.  „Die Verbraucher denken nicht langfristig“, erklärt Ferran Taradellas Espuny, energiepolitischer Sprecher der EU-Kommission gegenüber SPIEGEL TV. „Sie bezahlen im Supermarkt doch lieber einen Euro für eine Glühlampe anstatt sechs für eine Energiesparlampe, obgleich sie das am Ende fünfzig Euro mehr an Strom kostet! Und weil der Markt so etwas nicht von selbst regelt, mussten wir eine Verordnung erlassen. Damit stellen wir sicher, dass alle Lampen vom Markt verschwinden, die zu viel Energie verbrauchen.“  Doch tatsächlich schießt die EU dabei mit Kanonen auf Spatzen. Denn die Kosten für Beleuchtung machen gerade mal 1,5 Prozent des Energiebedarfs eines privaten Haushalts aus – selbst mit den energieuneffizienten Glühbirnen, die jetzt verbannt werden.  95 Prozent der Energie einer Glühlampe gingen in die Wärme, nur fünf Prozent ins Licht, begründet die EU-Kommission ihr Verbot. Doch was sind die Alternativen? Halogenlampen? Mit denen lassen sich 30 Prozent Energie sparen.

Aber 2016 werden sie auch verboten. Weil sie wie die Glühlampen mehr Hitze als Licht erzeugen. LEDs, Licht emittierende Dioden? Die sind vielleicht die Leuchtmittel der Zukunft, aber längst noch nicht massentauglich und viel zu teuer. Bleiben noch die Kompaktleuchtstofflampen, besser bekannt als Energiesparlampen. Die sind vergleichsweise preisgünstig und nach Herstellerangaben um 80 Prozent sparsamer als Glühlampen. Also offensichtlich der adäquate Ersatz für die gute alte Glühlampe.  Nutzung ist umstritten  Doch der Schein trügt. Denn ihr Nutzwert ist mehr als umstritten. Energiesparlampen seien tickende Zeitbomben, warnen Umweltschützer. Eine Gefahr für Gesundheit und Umwelt.  Die Einsparpotentiale seien weit geringer als allgemein angegeben und in der politischen Diskussion angeführt, warnt „Öko-Test“-Redakteurin Gabriele Achstetter. Nie und nimmer ließen sich 80 Prozent Energie einsparen, wie die Konzerne behaupten.  Um ihre Energiesparlampen an den Mann zu bringen, operieren alle großen Hersteller mit Zahlen, die an Verbraucherbetrug grenzen. Dabei müsste man eigentlich nur etwas genauer hinschauen.  Lampenhändler Stefan Schrader holt eine Spotleuchte in der Energiesparversion mit 80 Grad Ausstrahlwinkel aus dem Regal.

Auf dem Karton ist der große Aufdruck mit 15W = 75W nicht zu übersehen – das Kleingedruckte schon eher: 335cd steht auf der Packung. cd steht für Candela, die Lichtmenge, die die Lampe abgibt. Schrader hält eine 75W-Spotleuchte desselben Herstellers daneben. 80 Grad Ausstrahlwinkel, keine Energiesparversion. Der cd-Wert ist nicht auf dem Karton verzeichnet. Aber im Katalog: 660cd – die Glühlampe strahlt also fast doppelt so hell wie die angeblich vergleichbare Energiesparlampe.  Das Wort „Betrug“ liegt Schrader auf der Zunge. Er versteht die Welt nicht mehr. Besser gesagt: Die EU. Warum verbietet die – abgesehen von der 100-Watt-Lampe – alle matten Lampen?  Weil die Mattierung Licht schluckt, sagt EU-Sprecher Taradellas Espuny.  Er hätte vielleicht mal gemeinsam mit Lampenhändler Schrader einen Blick in den Katalog eines großen Leuchtmittelproduzenten werfen sollen. Dort sind die Lichtleistungen aller Lampen angegeben. Laut Katalog produziert eine klare 60-Watt-Glühlampe 710 Lumen. Und eine mattierte 60-Watt-Glühlampe? Auch 710 Lumen.  Hersteller werben massiv für neue Lichter  Trotzdem werben die Hersteller aggressiv für die Leuchtstofflampen. Schließlich sind die Gewinnmargen weit höher als bei klassischen Glühlampen. Doch als das Magazin „Öko Test“ letztes Jahr 16 marktübliche Modelle untersuchen ließ, kam es zu einem vernichtenden Urteil: Keine der Lampen hielt so lange wie vom Hersteller versprochen. Keine war so hell wie die vergleichbare Glühlampe, die sie ersetzen sollte. Und ohne Ausnahme wurde die Qualität des Lichts mit der Note „mangelhaft“ bewertet. Außerdem empfahlen die Tester, die Leuchtmittel nicht in Körpernähe, beispielsweise in Schreibtischlampen einzusetzen, da ihre Strahlung gängige Grenzwerte um ein Vielfaches übertrafen.

Doch obwohl Skepsis angebracht ist, gibt es einen Ort in Deutschland, der in vorauseilendem Gehorsam schon Ende dieses Jahres glühlampenfrei sein will: Norderney. Wenn es Nacht wird auf der Nordseeinsel, gehen in Cafés, Läden und Wohnungen die Energiesparlampen an. Gesponsert wird die Aktion von einem großen Leuchtmittelhersteller. Entstanden ist die Idee dazu in einer weinseligen Nacht: Der Norderneyer Elektrohändler Uwe Rosenboom saß mit einem Philips-Manager nach einem opulenten Dinner an der Bar, man trank ein Glas Wein, oder vielleicht auch eins mehr, als der Manager bekundete, dass seine Firma eine Gemeinde suche, die man glühlampenfrei machen könne.  Deshalb ist Norderney eine Art Anti-Glühlampen-Bewegung entstanden. Deren Motor ist Tobias Pape. Mit missionarischem Eifer fahndet der städtische Angestellte nach vermeintlichen Umweltsündern, checkt Restaurants und Läden auf die schlimmen Glühlampen. Weil Pape die Einsparmöglichkeiten der Energiesparlampen verklärt und deren Risiken und Nebenwirkungen kleinredet, hält sich der Widerstand der Insulaner in Grenzen – auch weil es für die Glühlampen eine Abwrackprämie gibt. Öffentlichkeitswirksam werden sie vernichtet.  Quecksilber wird zum Risiko  Immerhin lassen sie sich Glühlampen problemlos entsorgen – bei Energiesparlampen ist das anders. Denn die enthalten das hochgiftige Umweltgift Quecksilber.

Das hat die EU zwar seit April in anderen Geräten, die im Haushalt verwendet werden, verboten, in Fieberthermometern oder in Barometern zum Beispiel, aber in der Sparlampe ist es weiter erlaubt.  Höchstens fünf Milligramm dürfen in einer Kompaktleuchtstofflampe verwendet werden. Doch Peter Andres, Lichtplaner in Hamburg, ist sich sicher, dass dieser Grenzwert häufig überschritten wird, vor allem in Billigimporten aus China. „Es ist viel schwieriger“, sagt Andres, „bei der Produktion so wenig Quecksilber wie nur nötig in die Lampe zu geben, um sie zum Leuchten zu bringen. Es ist viel einfacher, statt fünf zehn oder fünfzehn Milligramm reinzuhauen.“  Was passiert, wenn so eine Lampe im Haushalt zu Boden fällt und zerbricht, mag Andres sich gar nicht ausmalen. „Eigentlich müsste dann sofort die Umweltpolizei alarmiert werden“, mahnt auch Gary Zörner von Institut für chemische Analytik in Delmenhorst. Denn das hochgiftige Quecksilber ist unsichtbar, verteilt sich in der Luft und kann verheerende Wirkungen nach sich ziehen. „Nicht die Glühlampe, sondern die Energiesparlampe sollte verboten werden“, sagt Zörner. Für alle, die sich bis zum 1. September nicht ausreichend eindecken, hat Lampendesigner Ingo Maurer eine Lösung: In seinem Studio wurde das „Euro-Kondom“ entwickelt. Das zieht man einfach über eine klare Glühlampe und hat dann das heimelige Licht einer mattierten Lampe. Das Kondom nämlich hat die EU nicht verboten. Noch nicht.

In „Die Welt“ veröffentlichte Harald Willenbrock einen ganzen „Essay“ zum Thema. Dabei handelte es sich um den Vorabdruck eines Artikels, der dann in „Brand Eins“ erschien:

Aus der Fassung

Am frühen Abend des 31. August dieses Jahres werden in den Leuchtenabteilungen von Einrichtungshäusern, Discountern und Baumärkten seltsame Dinge vor sich gehen. Kurz nach Ladenschluss werden in ganz Europa Verkäufer ausschwärmen und jede 100-Watt-Glühbirne einsammeln, die sie noch in den Regalen finden können. Diese Übung wird sich jedes Jahr gegen Ende August wiederholen, nur dass dann die schwächeren Glühlampen dran sind, bis auch die letzte Sieben-Watt-Funzel aus den Sortimenten verschwunden ist.

Läuft alles nach Plan, wird es ab 1. September 2012 zwischen Thessaloniki und Hammerfest keine elektrisierte Birne mehr zu kaufen geben, jedenfalls nicht auf legalem Wege. Händler, die danach noch Glühlampen ordern, riskieren ein Bußgeld von 50 000 Euro. An den Grenzen Europas werden sich Zöllner auf die Jagd nach illegalen Importen machen. Glühlampen, die beispielsweise bei Online-Versendern in Asien oder Osteuropa bestellt und bei der Einfuhr abgefangen werden, sollen vernichtet oder an ausländische Interessenten versteigert werden.

In Europas Fassungen, so hat es die EU Kommission beschlossen, ist für einen 130 Jahre alten Dauerbrenner kein Platz mehr. Künstliches Licht soll in Zukunft ausschließlich von effizienten Leuchtmitteln wie Neonröhren, Halogen- oder Energiesparlampen kommen. Die verbrauchen nach Herstellerangaben lediglich ein Fünftel des Stroms, halten dafür aber das Acht- bis Fünfzehnfache eines Glühlampenlebens. Steigen alle Europäer auf Sparflammen um – so hat es die EU-Kommission berechnet -, sparen sie jedes Jahr fünf Milliarden Euro Stromkosten und 15 Millionen Tonnen Kohlendioxid.

Das ist, so scheint es, endlich mal ein Lichtblick nach all den nachtschwarzen Untergangsszenarien. Ein kleiner Schritt für Europas Verbraucher, aber ein großer Schritt fürs Klima. Einer jener seltenen Fälle, in denen sich EU-Bürokraten und -Politiker einmal zu gemeinsamem Handeln durchringen konnten. Wir haben, so die Botschaft aus Brüssel, endlich den richtigen Dreh gefunden, um die Klimakatastrophe aufzuhalten: Glühlampe raus – Energiesparlampe rein. So einfach ist das.

Aber ist es das wirklich?

„Energiesparlampen – das Ende einer Erfolgsgeschichte“ prangt auf dem Oktober-Titel von „Öko Test“, in dem das Magazin im vergangenen Jahr niederschmetternde Testergebnisse präsentierte. Allen geprüften Energiesparlampen bescheinigen die Tester eine schlechte Lichtqualität. Außerdem erreichten die meisten längst nicht die Helligkeit der 60-Watt-Glühlampe, die sie ersetzen sollten, verbrauchten mehr Strom und gingen schneller kaputt als angegeben. Fazit: „Energiesparlampen sind kein wirklicher Fortschritt und keine Alternative zu Glühlampen.“

Das Echo auf den Artikel, erinnert Gabriele Achstetter, die zuständige „Öko Test“-Redakteurin, „übertraf all unsere Erwartungen“. Leser lamentieren über den „Niedergang“ des Magazins zur „Hauspostille der großen Energieversorger“. „Öko Test“ erweise der „Umweltbewegung insgesamt einen Bärendienst“, kritisiert das Heidelberger IFEU-Institut. „Verantwortungslos“ nennt der Zentralverband der Elektroindustrie den Test, weil er mit lediglich zwei Prüflingen pro Modell weder normgerecht noch repräsentativ gewesen sei. „Mag ja sein“, entgegnet Achstetter, „aber wenn sich ein Verbraucher eine Energiesparleuchte kauft, die nach wenigen Monaten kaputtgeht, ist das ja auch nicht repräsentativ.“

Ein solcher Verbraucher ahnt auch kaum, dass es sich bei der auf den Packungen angegebenen Brenndauer lediglich um die durchschnittliche Lebenserwartung handelt. Und die definieren Hersteller wie Osram als jenen Zeitpunkt, an dem in ihren eigenen Tests die Hälfte ihrer Testlinge ausgefallen ist. Will heißen: Energiesparlampenkauf ist ein Stück weit Glückssache. Das erklärt unter anderem, warum die Stiftung Warentest in ihren Energiesparlampentests zu weitaus positiveren Ergebnissen als die Öko-Tester kommen konnten. Es erklärt aber auch, warum viele Verbraucher von den vermeintlich unverwüstlichen Dauer-Brennern enttäuscht sind. Ohnehin stammen 80 Prozent der hierzulande angebotenen Energiesparlampen aus China, wo es die Produzenten – wie ein Branchenkenner zugibt – „mit den Angaben häufig nicht ganz so genau nehmen“.

Es ist ein Streit, der sofort illustre Klischees wachruft. Auf der einen Seite Klimaschützer und eine vermeintlich verkrustete EU-Bürokratie mit der fahlen Funzel der Öko-Freaks in der Hand. Aufseiten der Glühlampe besorgte Lichtplaner, Früher-war-alles-besser-Nostalgiker und Marktliberale, die hinter jeder Verordnung gleich den Anfang vom Ende der Demokratie wittern.

Die vorderste Front der Glühlampengegner bilden EU-Energiepolitiker, die Klimaschützer von Greenpeace und Martin Goetzeler. Goetzeler ist Vorsitzender der Geschäftsführung bei der Siemens-Tochter Osram und damit des – neben Philips – größten Lampenherstellers der Welt. „Glühlampen“, erinnert Goetzeler, „sind quasi Heizgeräte, die nebenbei auch noch Licht absondern. Sie setzen lediglich fünf Prozent des Stroms in Helligkeit und 95 Prozent in Abwärme um. Und deshalb sind sie einfach nicht mehr zeitgemäß.“ Die Umrüstung auf energieeffizientere Leuchtmittel hingegen verspreche eine „Triple-Win-Situation für Umwelt, Verbraucher, Industrie und Handel“. Zumindest die letzten beiden werden definitiv gewinnen, gilt es doch europaweit 3,5 Milliarden Glühlampen auszutauschen.

Dabei geht es in diesem Kampf längst nicht mehr nur ums Umschalten von einem Leuchtmittel zum anderen. Es geht auch um Freiheit und eine Frage, die im Zeitalter des Klimawandels immer öfter gestellt werden wird: Wie weit dürfen Klimaschützer ins Privatleben eingreifen? Kann eine Regierung ihren Bürgern im Umweltinteresse vorschreiben, wie sie ihre Schlafzimmer zu beleuchten haben? Und bringt es überhaupt etwas?

All das ist neu und nicht leicht zu beantworten. Und so ist der Streit über Glüh- versus Energiesparlampe vor allem ein Lehrstück darüber, wie eine ursprünglich einleuchtende Idee ziemlich düstere Konsequenzen haben kann.

Die Ursprünge dieser Idee lassen sich ziemlich genau zurückverfolgen bis nach Brüssel, in die Rue de la Loi 200, ins Innere eines 14-stöckigen, sternförmig angelegten Verwaltungsbaus aus den Sechzigerjahren, ins Büro von Ferran Tarradellas Espuny.

Tarradellas, 43 Jahre, Katalane, Fan des FC Barcelona und von Beruf Journalist, arbeitet seit neun Jahren im Berlaymont-Gebäude. Jeden Morgen, wenn der energiepolitische Sprecher der EU-Kommission seine Bürozelle betritt, flackern über ihm sechs energieeffiziente Neonröhren auf. Jedes Mal, wenn er das Büro verlässt, schalten Sensoren sie automatisch wieder ab. Überhaupt gebe es heute im gesamten Hauptquartier der EU-Kommission keine einzige Glühlampe mehr, berichtet Tarradellas. Die EU-Kommission, das ist seine Botschaft, meine es ernst mit dem Klimaschutz. Und weil Tarradellas ein freundlicher Mensch und von seiner Sache spürbar überzeugt ist, erklärt er auch dem x-ten Journalisten noch einmal ganz geduldig, was sich die EU-Kommission mit dem Glühlampenverbot so gedacht habe.

Ich gebe Ihnen ein Beispiel, beginnt Tarradellas. Vor einiger Zeit habe er bei seinem Haus sämtliche alten Fenster gegen neue, doppelverglaste austauschen lassen. Die Umrüstung habe ihn zwar viel Geld gekostet, werde sich ob ihrer Energieeffizienz aber binnen weniger Jahre bezahlt machen. „Jeder von uns“, erklärt Tarradellas, „hat heute die Wahl, ob er weiterhin die Heizung aufdrehen und sein Geld für Energieimporte nach Russland oder Saudi-Arabien überweisen will. Oder ob er eine Doppelverglasung einbauen lassen und damit europäischen Handwerkern Arbeit geben, in der EU Wachstum generieren und langfristig viel Geld sparen will. Das ist nicht nur eine Frage des Klimaschutzes, sondern auch der Wettbewerbsfähigkeit. Das kann sich in der EU in Millionen neuer Jobs übersetzen.“

Und weil das so ist, hat sich Tarradellas‘ Chef, der EU-Energiekommissar Andris Piebalgs, diese EU-Direktive ausgedacht. Sie heißt „Anordnung zur Durchführung der Richtlinie 2005/32/EG des Europäischen Parlaments und des Rates im Hinblick auf die Festlegung von Ökodesign-Anforderungen an nicht gerichtete Haushaltslampen“ und ist in Deutschland als das Glühbirnenverbot bekannt. In Wirklichkeit ist sie Teil eines gigantischen Maßnahmenpakets namens „European Commission Action Plan on Energy Safety“, mit dem die Europäische Union in den nächsten Jahren gewaltige 20 Prozent Energie einsparen will.

Mit diesem Ziel vor Augen durchforsten Pribalgs Fachleute derzeit unter anderem Computer, Waschmaschinen und Klimaanlagen auf der Suche nach Einsparpotenzialen. Insgesamt 14 Produktgruppen haben sich die Ermittler vorgenommen. Die effizientesten Modelle dürfen bleiben, das ist ihre Logik, die ineffizienten müssen verschwinden. Und als Erstes hat es eben die Glühlampe getroffen.

Sie ist, was die Klimaveränderung betrifft, Täter und Opfer zugleich. Darin ähnelt sie dem Menschen. Und vielleicht erklärt das die aufgeregten Reaktionen.

„Verstehen Sie uns nicht falsch“, fährt Tarradellas fort, „wir schreiben niemandem etwas vor. Wir fördern auch keine Energiesparlampen. Wir promoten gar nichts. Wenn Sie LED’s möchten, nehmen Sie LED’s. Wenn Sie ein romantisches Dinner planen, wählen Sie meinetwegen das warme Licht einer Halogenlampe. Das Einzige, was Sie in Zukunft nicht mehr nehmen können, ist ein ineffizientes Leuchtmittel, das zu einem großen Teil Wärme statt Licht erzeugt.“

Mit dieser Logik weiß sich Tarradellas weltweit in bester Gesellschaft. In Australien, Neuseeland, Kanada, Irland und Kalifornien ist der Abschied von der Glühlampe ebenfalls beschlossene Sache. In Panama verschenkt die Regierung im Zuge der sogenannten Operacion Bombillo sechs Millionen Sparlampen an die Bevölkerung. Auf Norderney hat der Bürgermeister gleich die ganze Insel zur glühlampenfreien Zone erklärt. Am New Yorker Broadway tauschen Musicaltheater im Zuge der Initiative „Broadway goes Green“ 10 000 Glüh- gegen Energiesparlampen aus. Landesweit sollen die birnenförmigen Brennkörper in den USA ab 2012 ausgeknipst werden. Es wird weltweit eng für die Glühlampe.

Überhaupt, meint Tarradellas, sei der ganze Streit seiner Meinung nach nur eine Scheindebatte, angezettelt von einigen Medien und Mitgliedern des Europäischen Parlaments. „Wir sind viel in Europa unterwegs, und nirgendwo hat es Demonstrationen für die Glühlampe gegeben. Es hat auch niemand Steine nach uns geworfen. Die Europäer stehen hinter uns.“

Zumindest in Deutschland können der Energiekommissar und sein Sprecher nicht allzu häufig unterwegs gewesen sein. Hierzulande boomt die Nachfrage nach Glühlampen wie selten zuvor. Seit Bekanntgabe des Glühlampenverbots verkaufen Baumarktriesen Praktiker und Max Bahr doppelt so viele 100-Watt-Birnen wie im Jahr zuvor. Konkurrent Hornbach meldet zweistellige Umsatzzuwächse über alle Glühlampentypen hinweg. Und auch bei Ikea hamstern Kunden, als drohte ab morgen ewige Düsternis. Die Deutschen stehen treuer zur Birne, als es einem Energiekommissar recht sein kann.

Klack“, „Klack“, „Klack“ machen die Glasröhren, jede einen guten Meter lang, sobald sie gummigepolstert in die Maschine rollen. Dort werden sie erhitzt, in spargellange Stücke geschnitten, auf Förderbändern weitertransportiert, beschichtet, im sogenannten Hot Kiss zweier Gasflammen zu Lampenbögen zusammengelötet, mit Elektroden injiziert und auf einen Sockel mit Vorschaltgerät gepfropft. Keine halbe Stunde dauert es, bis aus einer Glasröhre eine Energiesparlampe geworden ist.

20 Millionen Energiesparlampen jährlich laufen auf diese Weise im Augsburger Osram-Werk vom Band. Das Werk arbeitet rund um die Uhr im Dreischichtbetrieb, und es ist gut möglich, dass die Arbeiter in Zukunft noch einen Zahn zulegen müssen. Osrams Marktforscher rechnen damit, dass mit Inkrafttreten des Glühlampenverbots die Nachfrage nach Energiesparlampen jedes Jahr um 16 Prozent wächst.

Noch fertigen ihre Kollegen im westfälischen Wipperfürth, im französischen Molsheim und Nove Zamky (Slowakei) Osram-Glühlampen für den europäischen Markt. Dort hat sich wegen des aktuellen Glühlampenbooms das eigentlich längst geplante Runterfahren der Produktion noch einmal verzögert. Spätestens in drei Jahren aber ist Schluss. Bis dahin sollen die Fertigungsstraßen auf Halogenlampenbau umgestellt und die 800 Mitarbeiter umgeschult werden.

Für Osram bedeutet das einen großen Abschied – etwa so, als würde ein großer Autohersteller seinen letzten Wagen mit Verbrennungsmotor vom Band schieben. Wenn in drei Jahren die letzte Glühlampe aus einer Osram-Maschine ploppt, kappt das Unternehmen Wurzeln, die über 120 Jahre und bis zu Emil Rathenau zurückreichen.

Rathenau, ein Maschinenbauingenieur und Unternehmer, hatte 1882 dem Erfinder Thomas Alva Edison sein Glühlampenpatent für Deutschland abgekauft. Rathenaus Deutsche Edison Gesellschaft, die später in Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft umgetauft und unter dem Kürzel AEG weltberühmt wurde, gründete 1919 zusammen mit Werner von Siemens und anderen Beteiligten eine eigene Glühlampentochter. Ihr Name ist ein Kunstwort aus den Glühwendel-Materialien Osmium und Wolfram. Zu ihrem Erkennungszeichen bestimmte die Osram GmbH KG, die 1976 komplett von Siemens übernommen wurde, eine leuchtend weiße Glühlampe auf orangefarbenem Grund. Das ist, von wenigen Veränderungen abgesehen, bis heute so geblieben.

Mit anderen Worten: Osram ist Glühlampe. Und umgekehrt.

Mittlerweile aber, sagt Osram-Chef Martin Goetzeler, denke seine Firma über eine Änderung ihres Logos nach. Denn nur noch fünf Prozent seines 4,6-Milliarden-Euro-Umsatzes macht der Konzern, der im vergangenen Jahr mit dem Nachhaltigkeitspreis des Bundespräsidenten ausgezeichnet wurde, mit Glühlampen. 60 Prozent steuern hingegen die „energieeffizienten“ Leuchtkörper bei, zu denen Goetzeler auch die Energiesparlampen zählt. Die wurden 1985 von Osram-Technikern überhaupt erst hausgebrauchstauglich gemacht, indem sie die vormals externen Vorschaltgeräte in die Lampensockel integrierten. Von Osram stammt auch die geniale Marketingidee, die korrekte, aber strunznüchterne Bezeichnung „Kompaktleuchtstofflampe“ gegen die der programmatischen „Energiesparlampe“ auszutauschen.

Genützt hat es ihr wenig.

Heute, fast ein Vierteljahrhundert nach ihrer Markteinführung, kaufen die Europäer immer noch sechs Mal so viele Glüh- wie Energiesparlampen. Im vergangenen Jahr stagnierte der Umsatz mit den vermeintlichen Sparwundern sogar. Christian Schraft zweifelt in solchen Momenten manchmal an der Weisheit der Konsumenten.

„Wir versuchen seit 20 Jahren, den Menschen energiesparende Beleuchtung nahezubringen“, sinniert der Leiter des Geschäftsbereichs Consumer Lighting bei Osram. „Aber wenn man sieht, in welch aberwitzigen Mengen sie immer noch Glühlampen kaufen, muss man sagen: Es hat nicht gereicht.“

Das ist der tiefere Grund, warum die EU-Kommission den Europäern jetzt per Lampenbann die Entscheidung abnimmt. In einer Zeit, in der sich Verbraucher schon um Riester oder Rürup, die rechtzeitige Darmkrebsfrüherkennung, den ökologischen Footprint von Lebensmitteln oder den Kohlendioxidausstoß ihres nächsten Autos kümmern sollen, kann sich niemand auch noch fürs richtige Leuchtmittel interessieren.

Die schönste Verteidigung der Glühbirne schrieb der Schriftsteller Ulf Erdmann Ziegler – bereits eine Woche vor dem „Fest des Lichts“ 2008:

Der Gegenspieler der Sonne

Wir sollen in einem Styroporbunker sitzen, über uns eine Batterie Sonnenkollektoren, und nikotinfrei in die DSL-Röhre starren, die mutige Politikerinnen von Schmuddelkram befreit haben. Vor dem Schlafengehen, wenn wir das weiße Licht löschen, lesen wir noch einmal in der von den Iren abgelehnten EU-Verfassung, um zu wissen, wie gut für uns gesorgt wird und gesorgt werden wird. Dann träumen wir bilderlos.  Der Lette Andris Piebalgs war Lehrer für Mathematik und Physik und kann insofern bestimmt gut rechnen. Aber er hat keine Augen im Kopf. Sonst könnte er nicht, aufgestiegen zum „Energiekommissar“ der Europäischen Union, die Abschaffung des häuslichen Lichts per Gesetz verordnen wollen. Dieses häusliche Licht besteht nicht aus einer Glühbirne. Im Gegenteil, die nackte Glühbirne ist jedem Cartoonisten geläufig als Symbol für den Knast.

Es ist eine Kultur von Lampen, die teils handwerklich, teils industriell hergestellt werden, der Kristallleuchter zum Beispiel als Feier des Lichts. Die lamellenförmige Lampe von Poul Henningsen, die in Skandinavien die Familien zusammenhält. Oder die Kaiserlampe für den Schreibtisch, die soeben neu aufgelegt worden ist. Weil sie als warmstrahlender Helm des entstehenden Gedankens unübertroffen ist.  Aalto und Wright, May und Mies, Wright und Ando: sie haben sich gut überlegt, wie Menschen wohnen können, allein und gemeinsam, in Massen oder einsam. Sie und einige tausend andere Architekten von Finnland bis Venezuela haben das moderne Wohnen erfunden, das Haus umgekrempelt, als System beschrieben. Manche haben eine Lampe dazugefügt. Aber alle haben ihre Vorstellung von Interieurs auf die Polarität natürlichen und künstlichen Lichts gebaut, und das künstliche Licht wurde technisch bestritten von einem glühenden Faden.

Es ist richtig, dass die Erfindung aus dem neunzehnten Jahrhundert stammt. Im zwanzigsten ist sie perfektioniert worden. Dass sie für den Ärmsten erschwinglich ist, beweist das Genie ihrer Entwickler. Ob im Drahtkäfig einer Baubeleuchtung oder als Lichtquelle eines raffinierten Reflektors, es ist immer dieselbe Birne. Sie hat nahezu die Universalität einer Währung und ist beinahe so nützlich wie ein Laib Brot.  Leider ist die Glühbirne Opfer übler Nachrede geworden. Es wird behauptet, sie spende zu 95 Prozent Wärme und zu fünf Prozent Licht. Die üble Nachrede liegt im Gebrauch des Wortes „Licht“. Nach der Vorstellung von Technokraten ist nämlich Licht ein Grad von Helligkeit. In Wirklichkeit spendet der Glühfaden, geschützt in seiner Glaskapsel, ein spezifisches Licht, dessen Wandlungsfähigkeit sein Merkmal ist: von grell bis sanft, von bestimmt bis anheimelnd, Scheinwerfer und Kerze in einem, begünstigt dadurch, dass sich der Faden – schon immer – dimmen lässt.

Die Glühbirne ist wirklich der Gegenspieler zur Sonne, deren Licht ja auch in Tausenden von Tönen und Graden erscheint. Dass die Glühbirne physisch wärmt, ist nicht immer sinnvoll. Aber der Staubsaugermotor läuft auch nicht kalt. Die Physik der Glühbirne produziert in der Tat nur bedingt Helligkeit, aber Helligkeit ist es, was die EU-Bürokraten blendet.  Wenn es darum ginge, über viele Stunden einen hohen Grad von Helligkeit zu erzeugen, hätte man bereits seit Jahrzehnten in der Neonröhre eine Alternative gehabt. In Wohnküchen rund ums Mittelmeer ist das auch üblich – warum nicht.  Hier aber sprechen wir von Gesetzen und Verordnungen. Die Europäische Union, vergessen wir das nicht, wollte einst die Vielfalt europäischer Weinflaschen abschaffen, solange Brüssel noch geeicht war auf Standard und Vergleich. Jetzt sind die Öko-Zeloten am Ruder. Sie wollen uns einreden, es gebe eine Alternative zum Glühfaden, aber es gibt sie nicht. Seit zwanzig Jahren ist ein Ungetüm in Entwicklung, das Elektrosmog produziert, in der Fertigung Quecksilber braucht und als Sondermüll entsorgt werden muss (aber nicht wird). Dafür, dass es das „spar“ im Namen trägt, ist seine Leistung kümmerlich; man muss das Licht drei Stunden anlassen, damit es lohnt. Seine Leistung dürfen wir seit Jahren in Restaurants genießen, die klimatisiert sind, und in Hotelzimmern, deren Betreiber zu geizig sind, uns richtig Licht zu machen, während die Minibar den Strom aus der Steckdose zieht.

Selbst die raffiniertesten Lampenschirme können nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieses Licht kälter als kalt ist. Es ist tot. Sollte es so kommen, wie die Zeloten wollen, „dürfte es einen Boom für Psychiater geben“, sagt der Leuchtengestalter Ingo Maurer.  Man stelle sich vor, die EU beschlösse, von 2009 an den Frachtverkehr zu ersetzen, die Achtzehntonner zuerst und dann alle anderen. Die Fracht müsste stattdessen mit Zeppelinen befördert werden. Der Vergleich ist nicht so abwegig. Der Zeppelin schien durchaus eine große Zukunft vor sich zu haben. Er ist ein technologisches Ungeheuer mit tausenderlei Tücken. Man kann nicht wissen, ob – wenn genügend Intelligenz versammelt, Zeit und Geld investiert worden wäre – er nicht den Autofrachtverkehr hätte ablösen können. Aber: Er blieb ein Enigma, ein Euro-Grab, ein blinder Fleck der Branche. Und genau das ist die Energiesparbirne bis heute. Sie ist nicht der Fuß des Fortschritts, sondern seine Krücke. Sie produziert mehr Helligkeit als Wärme. Aber aus häuslicher Sicht kein Licht.  Was der Herr Piegals beim Abendessen von seiner Frau und seinen drei Kindern sieht, ist nur ein Teil ihrer physischen Erscheinung. Dasselbe gilt für die Speisen, die auf dem Tisch stehen, und das Porzellan, in dem sie serviert werden. Kein menschliches Auge kann die Auslassungen im Rotspektrum korrigieren. Gemälde und Fotografien abzugleichen ist im europäischen Kunstlicht der Zukunft nicht möglich.

Als Nachkriegskind habe ich gelernt, Lichter zu löschen, wenn ich ein Zimmer verlasse. Im Gegensatz zur stärkenden Kraft des Lebertrans war diese Lehre vernünftig. Man muss die Lichter eben löschen, wenn man sie nicht braucht. Die Sparsamkeit der Glühbirne liegt in der Zeit, in der sie nicht brennt.  Der Nachbar darf zwei Tiefkühltruhen unterhalten, mit seinem SUV über die Autobahn jagen und abends mitten in der Stadt einen Kamin entzünden. Dagegen gibt es natürlich ein Mittel. Die Besteuerung nämlich. Wenn man die Energiekosten herunterzwingen will, dann muss Energie eben teuer sein. Warum sollte ein zweiter Durchlauf meiner Spülmaschine gesetzeskonform, der Betrieb meiner Artemide-Leselampe aber illegal sein? Vielleicht möchte die EU übermorgen Zeitungen verbieten, weil man Text doch auch schön auf dem Bildschirm lesen kann.  Es geht um viel mehr als ein Stück häuslicher Behaglichkeit, es geht um den Raum, die Bilder, das Subjekt. Es geht um die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart. Es geht nicht nur um irgendein Gefühl für die Welt, sondern darum, wie sie vor dem Auge wirklich erscheint. Sollen die Auswanderer ihre Neue Welt – Kalifornien oder Australien – doch beleuchten, wie sie wollen. Es sind ja auch Puritaner. Die haben Angst vor ihren eigenen Schatten. Dies aber ist Old Europe. Wenn wir es schlecht beleuchten, wird es ein Ersatz seiner selbst sein, mehr nicht.

Weitaus gründlicher als die hier zitierten Journalisten hat sich Moritz Gieselmann mit dem Glühbirnen-Austauschprogramm der EU beschäftigt. Er arbeitet als Kameramann und Lichtplaner in Wien und bereitet zur Zeit zusammen mit dem Regisseur Christoph Mayr einen Film über das „Thema“ vor. Im Wiener „Standard“ schrieb er kürzlich aus aktuellem Anlaß noch folgenden Kommentar:

Das war es also: Die gute alte Glühbirne ist Geschichte. Ob die neuen Energiesparlampen halten, was die Industrie verspricht, ist eine andere Frage. Ein kritisches, gar nicht sentimentales Nachwort.

Nächste Woche gibt es sie nicht mehr: Glühlampen ab 100 Watt und alle matten Glühbirnen dürfen nicht mehr erzeugt, bestellt und importiert werden. Der Einzelhandel darf noch seine Lagerbestände verkaufen, dann ist Schluss. Die Zöllner an den EU-Außengrenzen sind angewiesen, Glühlampen, die bei Reisenden gefunden werden, zu beschlagnahmen.

Aus diesem Anlass noch einige Informationen zu Glüh- und Sparlampe:  Der Anteil von Privathaushalten am Gesamtstromverbrauch beträgt 20 Prozent, davon werden elf Prozent für die Beleuchtung verwendet. Vom Gesamtstromverbrauch werden also 2,2 Prozent für die Beleuchtung von Privathaushalten verwendet.  Wenn die Sparlampenlobby das Einsparungspotenzial durch Sparlampen mit 80 Prozent annimmt, ergibt sich eine Einsparung von 1,76 Prozent des Gesamtstromverbrauchs.

Zum Vergleich: Durch den krisenbedingten Produktionsrückgang in der Industrie ist der Strombedarf seit Anfang letzten Jahres um acht Prozent gesunken. Und: Das Einsparungspotenzial von 80 Prozent stimmt so auch nicht: Sparlampen sind kleine, aber hochkomplexe elektronische Geräte: Sie beziehen elektrische Energie nicht nur über die Phase, sondern auch über den Nullleiter, das ist der sogenannte Leistungsfaktor. Der liegt im Schnitt bei 0,5, das bedeutet, dass noch einmal genauso viel Leistung wie über die Phase über den Nullleiter verbraucht wird – eine glatte Halbierung der Einsparung.

Gemessen und verrechnet wird nur der Strom, der über die Phase fließt – die Energie, die über den Nullleiter kommt, muss aber ebenfalls erzeugt werden. Vattenfall, einer der größten europäischen Stromerzeuger, hat vorsorglich angekündigt, dass der Strompreis erhöht wird, falls der Effekt des Leistungsfaktors der Sparlampen in der Stromerzeugung spürbar wird.  Und so haben wir dann alle schöne, teure Sparlampen daheim, die Einsparung von vier bis fünf Euro im Monat bei der Stromrechnung schmilzt dahin, weil der Strom schon wieder teurer wird …

Wir wissen, dass wir CO2 einsparen müssen, um den Klimawandel halbwegs in den Griff zu kriegen. Ab 2012 sollen so durch das Verbot der Glühlampen 15 Millionen Tonnen CO2 in der EU eingespart werden – vier Promille der gesamten europäischen CO2-Emission.  Global gesehen irrelevant, wenn man bedenkt, dass allein China jährlich 5000 Millionen Tonnen CO2 in die Luft bläst, mit einer Steigerungsrate von mehr als zehn Prozent jährlich.  Unterm Strich bedeutet die europäische Einsparung von vier Promille eine Verzögerung der Zunahme der globalen CO2–Emission um gerade einmal eine Woche.

Das Quecksilber hoch giftig ist und das Sparlampen bis zu fünf Milligramm Quecksilber enthalten, ist bekannt. Trotzdem landet noch immer ein großer Teil der ausgebrannten Lampen im Hausmüll – unsere Enkel werden sich bedanken.  Der größte Teil der in Europa verkauften Sparlampen wird in China hergestellt, einem Land, das nicht gerade für drakonische Umweltvorschriften und Arbeitsschutzrecht bekannt ist. Trotzdem ordnete die Stadtverwaltung von Foshan Tests in der Nanhai-Feiyang-Lampenfabrik an. 68 der 72 untersuchten Arbeiterinnen waren so mit Quecksilber vergiftet, dass sie ins Spital mussten.  Durch die erhöhte Produktion von Sparlampen nimmt auch der Abbau von Quecksilber großen Aufschwung: Wegen der starken Nachfrage werden in der Provinz Guizhou Minen wiedereröffnet, die erst vor einigen Jahren stillgelegt wurden, weil die Flüsse tot, die Felder vergiftet und die Menschen krank waren. Ein hoher Preis für ein reines Umweltgewissen.

Ist Licht gleich Licht? Kann man das kontinuierliche Spektrum einer Glühlampe mit dem diskontinuierlichen einer Sparlampe überhaupt vergleichen? Im Licht der Glühlampen sind alle Farben enthalten, Sparlampen mischen typischerweise drei Frequenzen zu einem Licht, das weiß erscheint – die Zwischentöne fehlen.  Die besten warmweißen Sparlampen haben einen Farbwiedergabe-Index von 85, alle Glühlampen den größtmöglichen Index von 100. Der Farbwiedergabe-Index beschreibt die Qualität der Farbwiedergabe von Licht, wie stark sich die wahrgenommene Farbe eines Objekts bei der Beleuchtung mit verschiedenen Lampen ändert. Zu behaupten, dass kein Unterschied zwischen einem Index von 85 und von 100 wahrnehmbar sei, ist ungefähr so intelligent wie eine demokratische Abstimmung darüber, ob ein Musikinstrument verstimmt sei oder nicht.

Zum Schluss: Matte Glühlampen geben genauso viel Licht wie klare, das kann man in jedem Prospekt nachlesen. Trotzdem sind ab 1. September alle matten verboten, nicht nur die ab 100 Watt. Dass Hersteller und Handel ein kleineres Sortiment einfacher verwalten können, ist verständlich, aber dass die Brüsseler Bürokratie der Industrie bei der Sortimentsbereinigung per Gesetz unter die Arme greift, nicht.

Wie lange wird die Glühbirne trotz ihres Verbots noch Symbol für Aufklärung, Sozialismus und Erfindergeist bleiben? Das fragen sich nun nicht nur die schwulen Kreativen.

Alle Photos besorgte Peter Grosse

Kommentare (3)

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  1. pollerkunst fortsetzung. diesmal: poller vor transpi. haben wir in einem befreundeten ordner gefunden:
    http://pic.atpic.com/de/1555743/600
    ps wir haben von Dir noch keine antwort erhalten, hat sich der fall nun geklärt? bei uns ist keine mail eingetroffen, wie sich die sache
    http://wikinews030.wordpress.com/2009/05/26/feuilleton-under-construction/#comment-99
    nun weiter entwickelt…

  2. Ulrike Schäfer (Treptow):

    Als nächstes folgt ein Kühlschrank-Verbot. Das betrifft mich noch viel mehr, denn ich habe immer noch einen „foron“-Kühlschrank von DKK Scharfenberg, Thüringen. Für die galt zu DDR-Zeiten, dass sie per Gesetz 25 Jahre halten mußten – aus ressourcensparenden Gründen.

    Er frißt aber relativ viel Energie. So wie auch einige Kühlschränke aus dem Westen. Dagegen will die EU nun vorgehen.

    Der taz-reporter Peter Unfried hat in seinem Buch „Al Gore, der neue Kühlschrank und ich“ schon angedeutet, was für Kühlschränke wir dann nur noch haben dürfen…

    gruß

  3. Einfach statt einer 100-Watt-Birne zwei 60-Watt-Birnen reinschrauben.