Archive for November, 2009

27.11.2009 von Helmut Höge
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Springerstiefelpresse und Hausaltäre

von Helmut Höge

Was für ein reaktionärer Schwachkopf der Verlagsgründer Axel Caesar Springer war – weiß man: Er ließ sich von seinem Hausastrologen einen Besuchstermin bei Chruschtschow ausrechnen und nutzte diesen dann, um ihn im Kreml ebenfalls unter Berufung auf irgendwelche Sternkonstellationen zu einer Änderung seiner Außenpolitik zu bewegen. Angeblich soll er auf Sylt mal einen Strichjungen zu Tode gepeitscht haben und jeder seiner Geliebten einen Turm gebaut haben. Dann verglich er den siegreichen israelischen “Wüstenfuchs” Dajan mit Rommel – daher sein verlogener Philosemitismus, den alle Redakteure “mit Leben” zu füllen hatten (nach dem 11.9. mußten seine Redakteure sich auch noch schriftlich verpflichten, gedanklich stets an der Seite der USA zu kämpfen).

So wie der Tagesspiegel täglich unter dem Motto “rerum cognoscere causas” antritt, hatte  auch Axel Springer 1959 ein Credo für seinen Medienkonzern: “Ich war mir seit Kriegsende darüber klar, dass der deutsche Leser eines auf keinen Fall wollte, nämlich… weiter lesen

26.11.2009 von Helmut Höge
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Gefühle/Emotionen/Affekte (2)

von Helmut Höge

Die Eintragungen zuvor bezogen sich auf die Feeling-Forschung, vornehmlich der FU, was ist aber mit der Gefühls-Lehre?

Hier drei “Impressionen” (“Impries” im Unijargon) von der studentischen Kampffront sowie einige Pressemeldungen dazu:

1.

Umsetzung oder die Kunst der Überzeugungs-Strategie

FU-Studenten gehen in die Umsetzungsphase. Wie vermitteln sie ihrem Präsidium, daß ihre Forderungen diesmal nicht in den Papiermüll passen werden?

Diesiges Wetter, Mittwochnachmittag, den besetzten Plenarsaal an der FU füllt das leise Klicken von Tastaturen. Auf den Monitoren erscheinen die Adminseiten universitärer Protestlisten, der Administrationszugang zu bildungsstreik-berlin.de, ab und an klicken Studenten auch auf die „letzten Anderungen“ des angeschlossenen und bundesweit vernetzten Wikis. Was tut sich hier, zwischen Klickgeräuschen und leisen Direktgesprächen zwischen AG-Vertretern, Veranstaltungsorganisatoren, Voküköchen und diversen hilfsbereiten und regelmäßig vorbeischauenden weiteren Studenten?

Bei der letzten Vollversammlung in diesem Hörsaal, der zweiten seit Beginn der… weiter lesen

26.11.2009 von Helmut Höge
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Gefühle/Emotionen/Affekte (1)

von Helmut Höge

Die “Mobile Akademie” von Hannah Hurtzig gastiert vom 3. bis zum 5.Dezember im Hau 1, Stresemannstraße 29. Diesmal geht es thematisch um Gefühle/Emotionen und Affekte – und wie immer um eine Ausdehnung und Aufbereitung des  diesbezüglichen (universitären) Wissens auf bzw. für die Straße und das dort eventuell daran interessierte Publikum (Amüsierpöbel?).

Dazu heißt es in der Vorankündigung:

Für die meisten Empfindungen fehlt es an Worten. Oder umgekehrt: Man hat immer nur jene Gefühle, für die man Worte hat, die man definiert oder interpretiert. Dabei sprechen wir notgedrungen in einem Jargon, in jener Sprache, die uns zur Verfügung steht. Letztlich scheint dann das, was gefühlt wird, dem zu entsprechen, was formuliert wird. So kreieren Erzählschablonen Gefühle, assistiert von einem wuchernden Konsultations- und Beratungsmarkt mit seinem in alle öffentlichen und privaten Bereiche reichenden Terror einer therapeutischen Sprache.
Beobachten Sie Ihre verbalen Selbstvergewisserungsstrategien und Ihre emotionale Selbstverzauberung am Schauplatz der Intimität!weiter lesen

22.11.2009 von Helmut Höge
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Einige Anti-Darwinismen

von Helmut Höge

1.

Forscher finden Blechschaden-Gen

(Überschrift aus dem “Westfalen-Blatt”)

2.

“Der Wettbewerb (um Ressourcen) hat weder für das Entstehen noch für das Aussterben von Arten irgendeine Bedeutung. Mit uns Menschen kann man hier nicht argumentieren, da wir heute kaum noch der natürlichen Selektion unterliegen.”

(Elisabeth Vrba, Evolutionsbiologin)

3.

4.

5.

“Wenn die Artbildung durch Wettbewerb geschieht, dann würden wir nicht diese Schübe (bei den Fossilienfunden) sehen… Ich mag es nicht, wenn Leute in unserem Fach mit Begriffen wie ‘kompetitive Artbildung’ um sich werfen, ohne genau zu sagen, wie das gehen soll. Es ist doch interessant, dass die Idee gerade in Amerika so populär ist – der am meisten kapitalistisch ausgerichteten Gesellschaft von allen. Ich sehe das an meinen Studenten: Die sind vom Konkurrenzdenken geradezu durchdrungen! Bis zu dem Punkt, wo sie krank werden oder sich umbringen…

Vielleicht färben gesellschaftliche Vorstellungen auf die Art und Weise ab,weiter lesen

16.11.2009 von Helmut Höge
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Sumpfgärten zeigen (16)

von Helmut Höge

“Vom Sumpf zum Themenpark” (der Tagesspiegel über die erfolgreiche Entwicklung von Orlando. Florida)

Da kann man ein Kind drauf setzen, auf diese Blätter.

“Der Gestus Münchhausens, wie er sich und sein Pferd am eigenen Schopf aus dem Sumpf zieht, wird zum Schema einer jeden Erkenntnis, die mehr sein will als bloßer Entwurf.” (Theodor W. Adorno)

Die Schlacht am Teutoburger Wald im Jahr 9 nach Christi, in der einige germanische Stämme unter der Führung von Hermann dem Cherusker drei Legionen des römischen Feldherren Varus partisanisch aufrieben, jährt sich in diesem Jahr zum 2000. Mal. Die Nachkommen der Sieger von damals wollen das ganz groß feiern – unter der Schirmherrschaft von Angela Merkel. “Die Kanzlerin wagt sich damit auf sumpfiges Gelände”, erklärte dazu Gustav Seibt in der Süddeutschen Zeitung. Damit ist nicht das ursprünglich moorige Schlachtfeld gemeint, dass sich im übrigen neuesten englischen Erkenntnissen zufolge gar nicht mehr dort befindet –… weiter lesen

12.11.2009 von Helmut Höge
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Blühende Gärten zeigen (15)

von Helmut Höge

Sind die Rosen nicht prächtig?!

“Der Garten, das war das Einzige, was mich vor dem Verrücktwerden bewahrt hat.” (Ludvik Vaculik über die Zeit nach 1968; ähnlich äußerten sich auch Bohumil Hrabal, Vaclav Havel und Pavel Kohut)

Im Frühjahr 2009 widmeten sich zwei  Berliner Künstler im Haus der Demokratie dem Thema “Arm-Reich”. Zuvörderst hatten sie jede Menge Leute angeschrieben, sich dazu im Rahmen eines “Mail Art Projekts” brieflich zu äußern. Deren Rückmeldungen hingen oder standen nun im “Robert-Havemann-Saal”, während sich zwei Referenten über “Gemein und Gut” aussprachen. Die erste Künstlerin, Eva Willig, sah eine Möglichkeit, die “Spaltung in Arme und Reiche” aufzuheben, in der Landnahme und -bearbeitung. Sie begann bei Karl dem Großen, der ein “Regelwerk” erließ, mit dem festgelegt wurde, wie und womit seine Lehensgüter zu bestellen waren, u.a. mit 73 Pflanzen und 16 Gehölze, die zum Wohle der Bevölkerung angepflanzt werden sollten. Daraus zog sie für… weiter lesen

12.11.2009 von Helmut Höge
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Mauerfall/Glühbirnenverbot/Schiller

von Helmut Höge

Zur Erinnerung:

Just als der Treuhandchef Detlef Rohwedder erschossen wurde, lief “Der Maulwurf” mit Lino Ventura im Fernsehen. Dabei geht es um einen reaktivierten Geheimagenten mit Tötungslizenz.

Die Nachricht von Rohwedders Exekution wurde in den Film eingeblendet.

Eine Würgeschlange hat zwei Glühbirnen verschluckt. Was tun?

Sie wird operiert – und anschließend der Presse vorgeführt: Sie lebt und die Glühbirnen funktionieren auch noch.

Die taz wollte wissen, wie der Osten den Westen beeinflusst hat, seit er von diesem quasi übernommen wurde:

Angeblich kommen die Ostdeutschen besser als die Westdeutschen mit gesellschaftlichen Umbrüchen klar, weil sie bereits einen durchgestanden haben. Dies trifft, wenn überhaupt, eher auf Frauen als auf Männer zu. Weil sie sich nicht so wie diese auf eine bestimmte qualifizierte Tätigkeit festgelegt haben, trauen sie sich eher zu, auch eine ganz andere Arbeit zu übernehmen, wenn es denn sein muß. Nicht ohne Grund schickten die West-Exekutoren… weiter lesen

10.11.2009 von Helmut Höge
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Die Rhön zeigen (14)

von Helmut Höge

Siehst Du, einen Kudamm gibts hier auch schon.

Ab 2008 zeigte mir Antonia Herrscher über fast zwei Jahre hinweg immer mal wieder “ihre” Rhön. Wir machten Photos und Interviews. Das erste führten wir mit zwei Kurden, die den “Apollo-Grill” in Wildflecken betrieben und wo es den einzigen öffentlichen Internetanschluß weit und breit gab.

1.

Enver Umur und Mehmet Ayan kamen im Sommer 2006 in die Rhön. Genaugenommen war es ihr Onkel, der dort – in Wildflecken – einen leeren Laden für sie fand, den Suzanna, ihre Cousine dann anmietete. Er stand leer. Zuletzt hatte darin ein in Wildflecken ansässig gewordener Russlanddeutscher aus Kasachstan einen Alkoholausschank betrieben, sein Geschäft lief jedoch nicht gut. Einen großen Teil seiner russisch-orientalisch anmutenden Kneipendekoration, zu der auch das in der DDR millionenfach reproduzierte Bild von Walter Womacka “Am Strand” gehörte, das als Briefmarkenmotiv auch “Liebespaar am Strand” heißt, hinterließ er im Laden.… weiter lesen

09.11.2009 von Helmut Höge
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Russland zeigen (13)

von Helmut Höge

Der Weg zur klassenlosen Gesellschaft? Voila!

Lamarxismus

Die 1900 veröffentlichte Evolutionstheorie  “Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt” von Peter Kropotkin wird immer wieder neu aufgelegt. Sie war gegen Darwin gerichtet, der als Motor der  Entwicklung der Arten die Konkurrenz und das “Überleben der Tüchtigsten” ausgemacht hatte. Nachdem 1859  Darwins Hauptwerk “On the Origin of Species by means of Natural Selection”, erschienen war, hatten bereits Marx und Engels gewitzelt, der Autor habe dabei bloß das üble Verhalten  der englischen Bourgeoisie auf die Tier- und Pflanzenwelt projiziert, wobei er sich auch noch von der Begrifflichkeit des  unsäglichen Nationalökonomen Malthus leiten ließ. So etwa wie laut Marx umgekehrt “das Geheimnis des Adels die Zoologie” ist. Kropotkin ging in seiner Darwin-Kritik noch einen russischen Schritt weiter: Dort war Darwin in sozialistischen Kreisen überaus populär, weil es nach ihm kein begründetes Hochwohlgeboren mehr geben konnte, auch dass der Mensch  vom Affen… weiter lesen

05.11.2009 von Helmut Höge
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DDR zeigen (12)

von Helmut Höge

Ich wollt vorher noch was sagen!

15.Mai (1966)
Heute habe ich meinen Schreibtisch im Büro des Bremer Tierparks, der dem Inder George Munro gehört, bezogen. Ich soll für ihn übersetzen und seiner Frau helfen, die Korrespondenz zu erledigen. Das ist zwar nicht genau das, was ich mir früher immer vorgestellt hatte – damals wollte ich später Zoologie zu studieren und dann in der Serengeti z.B. arbeiten, aber ich bin umgeben von Großtieren. Das ist schon mal was.

1.Juni

Die tägliche Arbeitsbesprechung findet im Bungalow der Familie Munro statt, wo wir bei Country-Musik morgens zusammen frühstücken. Die drei Kinder gehen danach zur Schule und wir anderen drei durch den Park ins Büro.

4. Juni

Die zwei älteren Töchter spielen nachmittags immer mit einigen ihrer Klassenkameraden auf dem Zoogelände. Wenn ich irgendetwas dort erledigen muß, hilft mir manchmal Jennifer, die jüngere der beiden. Sie kennt sich gut mit Tieren aus,… weiter lesen