30.10.2010 von Helmut Höge

“Waffeln für die Hasenstrasse” (Hamburger Soli-Parole)
Am 19.September wurden die Buchläden “Schwarze Risse” (Mehringhof), “oh 21″ (Oranienstraße) und “M99″ (Manteuffelstraße) durchsucht – nach den linksradikalen Zeitschriften “Interim”, “Prisma”, “Radikal”, nach Plakaten und Flugblättern. Die betroffenen Kollektive müssen sich langsam was dagegen einfallen lassen. Sie planen erst einmal eine Veranstaltung: “Innerhalb des letzten Jahres wurden die Läden von Schwarze Risse fünfmal, der Infoladen M99 viermal und der Buchladen oh21 und der Antifa-Laden Fusion/Red Stuff zweimal durchsucht,” heißt es dazu in einem Flugblatt der drei Buchläden.
Begründet wurden die Durchsuchungen mit dem § 130a StGB “Anleitung zu Straftaten” – mittels Schriften, die verbreitet werden oder mit Worten auf einer Versammlung. Dieser Paragraph wurde 1976 eingeführt – nachdem die Studentenbewegung zuvor bereits ihren Höhepunkt überschritten und einige kleine Gruppen sich radikalisiert hatten. Neu ist nun, dass die Vorwürfe “Anleitung zu Straftaten” nicht mehr nur gegen die unbekannten Zeitschriften-Herausgeber, sondern auch gegen die… weiter lesen
18.10.2010 von Helmut Höge

DDR-Arbeiterporträt 1
Übermorgen findet eine Vorstellung des Buches von Annette Jensen über die Ostbetriebe nach der Wende statt: am 20.10 also um 19 Uhr 30 im taz-café. In der Vorankündigung heißt es: “Politisch war die Deutsche Einheit schnell unter Dach und Fach – wirtschaftlich nicht. Einen erheblichen Anteil daran hatten Währungsunion und Treuhand. Wie haben die Menschen in den Betrieben Wende und Absturz erlebt? Was ist aus ihnen geworden? Annette Jensen hat eine Geschichte von unten geschrieben. ”
Mit der Autorin diskutieren werden dabei der letzte Betriebsratsvorsitzende des Ostberliner Werks für Fernsehelektronik (WF) Wolfgang Kibbel und die Wirtschaftsredakteurin der taz Ulrike Herrmann.

DDR-Arbeiterporträt 2
1996 berichtete ich über das Werk für Fernsehelektronik in Oberschwöneweide:
Oberschweineöde, so nannten die Arbeiter das Industriegebiet Oberschöneweide im Berliner Bezirksteil Köpenick zu DDR-Zeiten. Heute ist es dort noch öder: Viele Läden stehen leer, Häuser sind “ausgewohnt” und vernagelt. Das Fabrikgelände an der Spree… weiter lesen
13.10.2010 von Helmut Höge
Der Holzjournalist und Politaktivist Christian Specht kam heute mit einer Unterschriftenliste zur Gründung einer “Bürgerbewegung” an. “Das unterschreib ich nicht,” sagte ich, der sich sonst an jeder seiner komischen Unterschriftensammlungen beteiligt, “da fehlt doch das Wichtigste – wofür oder wogegen. Da fehlt ein Hauptbahnhof,” sagte ich. Enttäuscht zog er von dannen, mußte mir aber recht geben. Anscheinend hatte ihn der wachsende Stuttgarter Widerstand gegen das Großprojekt “Stuttgart 21″ so nervös gemacht, dass er hier auch unbedingt so etwas initiieren wollte.
Die Hysterie steht am Anfang jeder Wissenschaft, meinte Jacques Lacan einmal.



Der Bewegungsforscher Dieter Rucht vom Wissenschaftszentrum Berlin, hat inzwischen schon die Reaktion der Schwaben auf Großprojekte erforscht:
Wo sie sich noch in den Zwanziger- und Dreißigerjahren gehorsamst auf Eingaben an die Obrigkeit beschränkten, die höchstens eine polizeiliche Drangsalierung der Absender bewirkten, “schimpfen die Leute heute nicht mehr nur am Stammtisch, wenn sie etwas empört,”… weiter lesen
11.10.2010 von Helmut Höge

Neue Poller in Nordhausen: aus zerschredderten Trabis, Beton und polierten Kieselsteinen
“Die Ökonomie gibt den Ausschlag, sie diktiert dem Konsum ihre Befehle. In einer auf das Elend begründeten Gesellschaft haben die elendesten Produkte das naturnotwendige Vorrecht, dem Gebrauch der großen Masse zu dienen.” (Karl Marx in: “Das Elend der Philosophie”). Das gilt jetzt erst recht, denn laufend sondern sich “edelste Produkte” von den für die “große Masse” bestimmten ab: Gerade ist ein zweites Internet, nur für Wohlhabende, die dafür zahlen, in Vorbereitung. Mit dem US-Betreiber Verizon hat der Suchmaschinenkonzern Google ein Abkommen ausgehandelt, welches zumindest für mobil übertragene Daten die Schlussfolgerung zulässt, Google wolle gern einen Premiumtransport für seine Inhalte. Und die Bundesnetzagentur warnt derzeit, weil Google und die Telekom wohl Gespräche über ein ähnliches Anliegen führen. Im Kern geht es um die Frage, ob alle im Netz gleich sind oder manche gleicher. Ob ein Frauenhaus, ein Freundeskreis oder… weiter lesen
05.10.2010 von Helmut Höge
Aus gegebenem Anlaß (taz-genossenschafts-Jahresversammlung) sei noch einmal an den Genossenschafts-Vordenker Charles Fourier erinnert.
Der “Utopische Sozialist” war der Erfinder des “bedingungslosen Grundeinkommens” – als nur recht und billige Kompensation der zuvor verlorenen Weiderechte, der Jagd-, Fischerei und Holzeinschlagsrechte – infolge ihrer Privatisierung, die jetzt gerade die letzte Allmende-Ressource “Wasser” erfaßt hat. Das sei hier aber nur am Rande erwähnt.

Poller und Pilon vor der Deutschen Botschaft in Kiew. “Die Botschaft war so dermaßen abgepollert”, schreibt dazu der Photograph und Pollerbuch-Herausgeber Philipp Goll, dass es geradezu eine deutsche Message war.
Charles Fourier ging es in seinem berühmten Genossenschafts-Projekt “Phalanstère” um eine Transformation der Arbeit in Lust. Bedingung dafür ist, so schreibt er seinem Hauptwerk “Theorie der vier Bewegungen und der allgemeinen Bestimmungen”, eine möglichst heterogene Zusammensetzung der Kollektive: “Sie bestehen aus Personen, die sich in jeder Hinsicht voneinander unterscheiden, in Alter, Besitz, Charakter, Verstand etc. Die Mitglieder… weiter lesen
03.10.2010 von Helmut Höge
“Der ehemalige chinesische Bauer Wei Jingpeng lebt davon, dass er im Gelben Fluß Wasserleichen einsammelt – und sie an die Angehörigen verkauft, viele dieser Toten wurden ermordet”. (dpa)
Während die Männer immer erbitterter um Wasserrechte kämpfen, erfreuen sich die Frauen eher am feuchten Element. Dennoch sind 70% aller Wasserleichen Frauen.


Als “Wasserleiche” bezeichnen die Esoteriker totes Wasser. Das von ihnen favorisierte Gegenteil nennen sie “Aqua Viva”. Claudia Basrawi, die demnächst in den Berliner Sophiensälen ein Theaterstück zum Thema aufführt, schreibt in ihrem Prospekt: “In dem Stück ‘Wasser’ geht es um die Erscheinungsvielfalt des Wassers und um die Symbolik, die sich durch seine kulturgeschichtliche Bedeutung entwickelt hat und damit auch um seine ökologische Dimension.” Die Autorin zitiert dazu aus Hartmut Böhmes “Kulturgeschichte des Wassers”: “Wer mit der Erscheinungsvielfalt des Wassers vertraut ist, wird leichter einräumen, dass jene Trennung von Subjekt und Objekt, wie sie für die neuzeitliche Wissenschaft… weiter lesen