Archive for März, 2011

31.03.2011 von Helmut Höge
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Der Kairo-Virus – Chronik seiner Ausbreitung/Eindämmung (45)

von Helmut Höge



“Frauen von Algier”. Photo: kunstkopie.de

Frauen in Algier heute. Photo: nzz.ch

“Es gibt nicht im Verhältnis zur Macht den einen Punkt der großen VERWEIGERUNG – die Seele der Revolte, den Brennpunkt aller Rebellionen, das reine Gesetz des Revolutionärs. Aber es gibt Widerstände, von denen jeder ein Sonderfall ist: sie sind möglich, notwendig, unwahrscheinlich, spontan, wild, einzelgängerisch, konzertiert, kriechend, gewalttätig, unversöhnlich, bereit zu Verhandlungen, eigennützig oder bereit zum Opfer…”(Michel Foucault)


Das “Informationsprojekt Naher und Mittlerer Osten” (INAMO) hat eine Sondernummer zu den Arabischen Aufständen veröffentlicht: “Game over” – es enthält großenteils Aufsätze aus dem INAMO-Archiv über die Länder des Nahen und Mittleren Ostens, eine aktuelle Ausgabe über die Lage in den Ländern, in denen derzeit Aufstände sind oder sich vorbereiten oder erneut einen Anlauzf nehmen, erscheint im April 2011.

Auch die Zeitschrift “Wildcat” befaßt sich in ihrer Frühjahrs-Ausgabe mit den “Aufständen in Nordafrika”. Ebensoweiter lesen

30.03.2011 von Helmut Höge
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Der Kairo-Virus – Chronik seiner Ausbreitung/Eindämmung (44)

von Helmut Höge

“Die ARD-Fernsehserie “Lindenstraße” dreht wegen der Atomkatastrophe von Japan eine komplett neue Szene für die nächste Folge,” meldet dpa heute morgen.

Aus Japan selbst berichtet der Spiegel: “Im Ozean nahe den Meilern wurde eine Belastung von radioaktivem Jod gemessen, die 3355fach höher ist als erlaubt. Der Chef des AKW-Konzerns Tepco ist in eine Klinik eingeliefert worden.”

Noch eine idiotische dpa-Meldung: “Tepco will Fukushima-Redaktor nie mehr ans Netz nehmen.” Und: “Japanische Regierung erwägt Verstaatlichung von Tepco”. Das möchten auch die arabischen Herrscher mit den aufständischen Massen machen: sie wieder verstaatlichen.

Gestern abend fand dazu eine ärgerliche Veranstaltung zum Allarabischen Aufstand statt – in der Heinrich-Böll-Stiftung, wo sich stets Halbpromis staatstragende Gedanken machen, so auch diesmal. Wobei sich die Debatte um das Soros-Lieblingswort “Transition” drehte. Dieser Scheißbegriff bedeutet, dass es sich bei den arabischen Oppositionellen ebenso wie zuvor bei den Osteuropäer um Kinder der Demokratie handelt, die wir als erwachseneweiter lesen

28.03.2011 von Helmut Höge
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Der Kairo-Virus – Chronik seiner Ausbreitung/Eindämmung (43)

von Helmut Höge

In Tokio wurde die Kirschblütensaison eröffnet, meldet AP heute um 10 Uhr 1, in einer weiteren Meldung heißt es:

Die japanische Regierung hat “eingeräumt, dass es im havarierten Atomkraftwerk Fukushima zu einer Kernschmelze gekommen ist”.

Die Berliner Zeitung interviewte den Germanisten Kennosuke Ezawa über die niedergehaltene Panik der Japaner:

“Nach Tagen der Beschwichtigung und dem häppchenweise Preisgeben von Informationen durch Regierung und Kraftwerksbetreiber lassen die Japaner ihrer Wut inzwischen auch öffentlich freien Lauf. Wie ist die bislang so stoische Leidensfähigkeit zu erklären?

Die positive Seite dieser unglaublichen Selbstbeherrschung zeigt sich etwa im Fehlen von Plünderungen. Alles liegt herum, aber keiner nimmt sich etwas. Das hat auch seine Schattenseiten. Vor allem bei jungen Japanern finde ich es erstaunlich, wie konservativ sie sind. Sie passen sich an und verhalten sich wie schon ihre Großeltern. Ich bekomme manchmal Briefe von Studenten, geschrieben in einem so altertümlichen Japanisch. Nur Floskeln. Bei einem alten Mann… weiter lesen

27.03.2011 von Helmut Höge
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Der Kairo-Virus – Chronik seiner Ausbreitung/Eindämmung (42)

von Helmut Höge

Libysche Aufständische auf dem Vormarsch. Photo: rundschau-online.de

Der CSU-Generalsekretär Dobrindt brachte es auf den Punkt:

“Diejenigen, die gestern gegen Kernenergie und heute gegen Stuttgart 21 demonstrieren, die müssen sich dann auch nicht wundern, wenn sie übermorgen irgendwann ein Minarett im Garten stehen haben.” (Zitiert von Patrick Bahner im taz-Interview über sein Buch “Die Panikmacher”)

Der RWE-Chef Jürgen Großmann hat den AKW-Streit einmal abfällig als einen “Religionskrieg” bezeichnet. Heute nennt ihn die FAS einen “Verlierer: Den alten Kraftprotz hat das Glück verlassen”. In Bahrain, in Syrien und im Jemen versuchen die Herrschenden ebenfalls, die Niederschlagung der Oppositionsbewegung als einen von außen gesteuerten Religionskrieg darzustellen.

AFP meldet um 15 Uhr 55:

“Techniker versuchen seit Tagen, in dem Atomkraftwerk durch das Kühlen der Brennstäbe eine komplette Kernschmelze noch zu verhindern. Experten zufolge könnte eine teilweise Schmelze in den Reaktoren aber längst begonnen haben. Auch ein Experte des französischen Instituts für… weiter lesen

24.03.2011 von Helmut Höge
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Der Kairo-Virus – Chronik seiner Ausbreitung/Eindämmung (41)

von Helmut Höge

Die Frankfurter Rundschau berichtet:

Im blog “My Heart’s in Accra” meint der Autor, dass der Kairo-Virus sich auch südlich der Sahara ausgebreitet hat: In Gabun, Djibute und im Sudan “demonstrierten Tausende gegen die Regierung” und an der Elfenbeinküste eskaliert die Auseinandersetzung, es ist schon fast ein Bürgerkrieg.Nur nimmt kaum jemand diese Aufstände zur Kenntnis, weil die Beteiligten sich nicht wie in der arabischen Region derart umfassend des Internets, Facebook etc. bedienen.

“Die Zeit” schreibt über Libyen:

“Der Aufstand verwandelt sich gerade in einen langen Bürgerkrieg.”

In der taz veröffentlichte Martin Lejeune gestern ein Gespräch mit Rida Benfayed, dem Sprecher des oppositionellen Nationalrats im Osten Libyens. Über die Ziele der “Rebellen” sagte dieser:

Wir wollen einen gerechten demokratischen Vielvölkerstaat, in dem nicht ein Stamm, eine Sippe über das Schicksal des ganzen Landes entscheidet. Wir wollen Wahlen, Parteien, ein Parlament, freie Presse, all das, was ihr auch in Deutschland habt.

Und wennweiter lesen

23.03.2011 von Helmut Höge
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Der Kairo-Virus – Chronik seiner Ausbreitung/Eindämmung (40)

von Helmut Höge

Heute scheint ein quasi-innehaltender Reflexionstag fürs Feuilleton zu sein.

In der Frankfurter Rundschau wird die Katastrophen-Vergleicherin Rebecca Solnit interviewt:

Japan ist, verglichen mit Haiti, eine sehr wohlhabende Gesellschaft, es gibt all diese Ressourcen. Es gibt viel sozialen Zusammenhalt, es ist zudem eine sehr einheitliche Gesellschaft. Aber vieles ist derzeit schwer zu beurteilen, weil die Regierung einiges vertuscht. Auch die Medienberichterstattung bei Katastrophen ist sehr unterschiedlich, in manchen Fällen hat man das Gefühl, alles zu erfahren, in anderen fragt man sich: was geht dort wirklich vor? Wie viele Menschen haben irgendwo für sich allein Zuflucht gesucht, wie viele haben offizielle Notunterkünfte erreicht, wie viele haben bei Familienangehörigen Unterschlupf gefunden? Und ich habe das Gefühl, obwohl ich die Nachrichten sehr sorgsam verfolge, dass ich hier kein klares Bild habe.

Eine Menge Journalisten machen einen furchtbaren Job, sie wiederholen Klischees und verbreiten Gerüchte. Oft bringen die Leute statt Fakten das, von dem sie… weiter lesen

22.03.2011 von Helmut Höge
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Der Kairo-Virus – Chronik seiner Ausbreitung/Eindämmung (39)

von Helmut Höge

“Es gibt immer zu viel Deutung und nie genug Fakten. Die Akte durch Deutung sind am Gefährlichsten für die Freiheit.” (Francois Ewald)

Die taz-Kolumnistin Isolde Charim schreibt heute über den “Weltuntergang mit Zuschauern”, obwohl ich eher von einem “Weltaufgang” reden würde, ist ihr Text nicht uninteressant:

“Die Wucht, die Dimension, die Dichte der dramatischen Ereignisse der letzten Wochen verschlägt einem den Atem. Tunesien, Ägypten, Libyen und dann Japan, Japan. Die Geschehnisse in Jemen, Bahrain oder Syrien kriegt man schon kaum mehr mit. Man hängt an den Livetickern, verfolgt die ständigen Updates, ist online dabei. Die Ereignisse werden quasi gleichzeitig erlebt und wahrgenommen. Aber sind sie deshalb auch schon globale, gemeinsame Geschehnisse?

Der slowenische Philosoph Mladen Dolar erzählte einmal die Geschichte, wie er und seine Familie bei einem Alarm während des kurzen Kriegs in Slowenien über die Straße zu den Schutzräumen liefen, während internationale Kamerateams dastanden und sie dabei filmten… weiter lesen

21.03.2011 von Helmut Höge
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Der Kairo-Virus – Chronik seiner Ausbreitung/Eindämmung (38)

von Helmut Höge

Kinoplakat. Photo: home.datacomm.ch

Dänemark hat sich im Kreis der Westallianz gegen Gaddafi zurückgemeldet – bei den Nachrichtenagenturen, dpa zitiert heute morgen eine veröffentlichte Kopenhagener “Meinung”:

“Die internationale Gemeinschaft kann die Revolution für die Libyer gewinnen. Und auch wenn die Flugverbotszone funktioniert, bringt das Gaddafi noch nicht weg. Wir können nur hoffen, dass die Libyer vor einem Massaker bewahrt werden. Das sind die harten Realitäten, über die die politischen Führer offen sprechen sollten. So könnte eine Neuauflage der verlogenen Rhetorik verhindert werden, die die Operationen im Irak und in Afghanistan begleitet hat.”

Die Nachrichten aus Libyen werden dergestalt zunehmend verdrängt von Meldungen/Meinungen über Libyen – das ist nicht gut.

In der Süddeutschen Zeitung meint der Libyen-Reporter Thomas Avenarius:

“Die arabische Revolution hat ihre Unschuld verloren. Mit dem Eingreifen des Westens läuft der Aufstand nun Gefahr, seine ureigene Legitimation zu verlieren. Das Aufbegehren gegen Gaddafi bewegt sich in die Arena der… weiter lesen

20.03.2011 von Helmut Höge
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Kairo-Virus/Tokio-Panik

von Helmut Höge

Photo: rocknord.net

“Warum die Japaner nur scheinbar gelassen auf die Katastrophe reagieren?” fragt sich Christoph Neidhart in der Süddeutschen Zeitung vom 20.März:

Am Schluß heißt es dazu: “Und zu sagen, sie seien gelassen, weil ihre Panik nicht sichtbar wird, ist westliche Arroganz.”

Zuvor hatte er uns erklärt: “Das Schriftzeichen, das die Japaner für das Adjektiv ‘japanisch’ gebrauchen, ist ‘wa’, es bedeutet heute Harmonie, Friede Gleichgewicht. Dieses ‘wa’ ist nur erreichbar, wenn sich alle darum bemühen, wenn sie sich also der Gruppe unterordnen.”

Die Nachrichtenagentur dpa titelte heute morgen:

“Ich will dahin, wo die story ist,” in diesem Fall so nahe an den havarierten Reaktor in Fukushima wie möglich, gemeint war damit der letzte ausländische Journalist dort, ein Amerikaner, er berichtete:

Tag für Tag hätten in Fukushima immer weniger Geschäfte geöffnet, Restaurants und Geschäfte hätten keine Lebensmittel und kein Trinkwasser mehr. “Gestern hatten nur wenige Tankstellen für ein paar… weiter lesen

18.03.2011 von Helmut Höge
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Der Kairo-Virus – Chronik seiner Ausbreitung/Eindämmung (37)

von Helmut Höge

Die “Tokio-Panik” ist möglicherweise ebenso anstreckend wie der “Kairo-Virus”:

Vorweg:

“The Russians have an understanding of Rhizom-War,” meinte Alexander Brener in der Prenzlauer Berg Kneipe des Anarcho-Ehepaars Papenfuß/Fellien: “Rumbalotte” (Abkürzung von “Ruhm und Ehre der baltischen Rotbannerflotte”). Der botanische Begriff “Rhizom” wurde von den Philosophen Gilles Deleuze und Felix Guattari aufgegriffen – als Modell für ein gleichsam unterirdisch-verknüpftes Beziehungsgeflecht Widerständiger. Der Philosoph Alexander Brener kommt aus Russland, wo er laut der Kunstkritik “zum Kulminationspunkt des Moskauer Aktionismus” heranreifte – mit nicht selten gewalttätig endenden Performances. Als er seinen Aktionsradius nach Westen hin ausdehnte, tat er sich mit der Wiener Slawistin Barbara Schurz zusammen. Ihre gemeinsamen “Abenteuer”, etwa auf einer Lesung von Toni Negri in einer italienischen Millionärsvilla, in einer Irrenanstalt im Kongo und in der Trotzki-Villa in Mexiko, wo sie auf ein Nachkommen der einst von Trotzki gezüchteten Riesenkaninchen stießen, veröffentlichten sie als Berichte in der Zeitschrift “Gegner” des Basisdruck… weiter lesen