30.08.2011 von Helmut Höge
Falling Apart – Six Pieces:

1. Das Lebenspartnerschaftsergänzungsgesetz
Auf dem Kairoer Tahrirplatz diskutierte eine Arbeitsgruppe (unter gelber Zeltplane), ob man nicht die Vielehe wiederbeleben – und sie auf homosexuelle Beziehungen erweitern solle. Die Teilnehmer begriffen diese Gemeinschaftsform als eine zeitgemäße Anwort sowohl auf den Übergang von Bluts- zu Wahlverwandtschaften als auch von privatem zu kollektivem Wirtschaften – d.h. zu Genossenschaften, die derzeit unter den Kleinbauern am Nil geradezu massenhaft zur Verbesserung ihrer Einkaufs- und Vertriebs-Möglichkeiten gegründet werden. Bei den Diskutanten handelte sich jedoch überwiegend um junge Städter beiderlei Geschlechts.
In Deutschland hat man vor einigen Jahren bereits die christlich-bürgerliche Einehe erweitert – indem man sie auch auf gleichgeschlechtliche Partner anwendete. Diese müssen nicht einmal auf Kinder verzichten: In den gleichgeschlechtlichen Ehen können die Männer Kinder adoptieren und die Frauen die Ehe mit einer Insemination quasi ausdehnen. Zu all dem hat die Regierung der BRD 2001 ein Gesetz… weiter lesen
29.08.2011 von Helmut Höge

Arab Woman 2. Photo: mouthonly.com
Die taz ist schon so verpraktikantet und auf die “Facebook-Generation” abonniert, dass sie mit tödlicher Sicherheit in jedem Aufstand, wo immer er stattfindet, eine schöne Praktikantin als Anführerin und Lightfigur ausmacht: zuletzt – jetzt – in Chile die junge “Subcomandantin Camila”, wie die Auslandsredaktion sie zärtlich nennt. Wahr ist, jedenfalls für alle, die Aufstände für das wahre Lebenselixier halten, dass es in Chile schön abgeht. Vor drei Tagen passierte jedoch Unschönes: die Polizei erschoß einen 16jährigen Demonstranten.
Auch in Berlin erschoß die Polizei eine sich etwas ungewöhnlich verhaltende Frau namens “Andrea H.”. Deswegen findet übermorgen eine Demo gegen Bullenterror statt: um 19:00 – d.h. eine Kundgebung vor dem Haus der Ermordeten. Ort: Senftenberger Ring 66, Märkisches Viertel, Berlin-Reinickendorf. Die Veranstalter schreiben: “Die Zeiten werden rauher. Sind Psychiatriebetroffene zukünftig nicht mehr sicher, ob sie vielleicht von der Polizei erschossen werden? So geschehen am 24.August 2011… weiter lesen
26.08.2011 von Helmut Höge
Im Ringen um die Wahrheit

Oriental Beauty. Photo: canvaz.com
Vor einiger Zeit dachte ich noch: Mensch, bei “Kairo-Virus 13″ hör ich aber auf mit den blog-eintragungen zum Arabischen Aufstand – bis dahin muß er sich doch über die halbe Welt ausgebreitet haben…Das hat er inzwischen auch schon fast, aber ich bin bereits beim Kairo-Virus 113, d.h. er breitet sich langsamer als erhofft aus, und mutiert dabei auch immer wieder (teilweise durch Angriffe von überall her auf ihn). Egal. In den letzten Wochen gab es immer wieder Irritationen von Seiten der Ex-Kommunisten, Chavez-Anhänger, Castroisten und vor allem den KGB-Machthabern in Russland, die in ihrer Presse ein ganz anderes Bild von den Volksaufständen in Libyen und Syrien vermittelten. Danach wurden diese grundsympathischen Regime von miesen CIA-bezahlten Söldnern quasi heimtückisch angegriffen.
Desungeachtet haben diese West-Verbrecher, Rebellen liebevoll im Pentagon genannt, das Gaddafi-Regime in Libyen so gut wie liquidiert, aus Syrien meldet AP… weiter lesen
23.08.2011 von Helmut Höge

Photo: zazzle.de
“Ihr nähert euch den Männern
lieber als den Frauen
um Eure Leidenschaften zu stillen.”
(Koran, Sure sieben, eine von vielen Übersetzungen)
Der “Kairo-Virus” ist nicht erst seit diesem Jahr virulent. Berichte über Orientreisen – das ist seit dreihundert Jahren ein eigenes Genre, dem sich inzwischen ein weiteres zugesellt: feministische Doktorarbeiten über Berichte von orientreisenden Frauen.
“Der Orient fasziniert viele Frauen. Das Leben im Orient und Arabien ist stark von Sinnen und Sinnlichkeit geprägt,” heißt es im Internet-Forum “Frauenreisen”. Von dieser Faszination leben inzwischen hunderte von Reiseveranstaltern in Europa und USA, die Frauenreisen in den Orient anbieten. Das Gros der Frauen aus dem Westen organisiert seine Reisen in den Orient allerdings selbst, d.h. fährt auf eigene Faust. Wobei z.B. die Amerikanerinnen zur Sicherheit stets einen Ehering tragen, auch wenn sie nicht verheiratet sind, und überdies auf ihre Rucksäcke und Jacken die kanadische Flagge genäht haben. Den… weiter lesen
22.08.2011 von Helmut Höge

Libysche Rebellen haben einen Sandhaufen eingenommen. Photo: theintelligence.de
Libyen lebt auf! In Benghasi wird schon gefeiert. Während die Regime in Gaza und Israel und die ägyptischen Militärs nach besten Kräften sich bemühen, den Unmut ihrer Bevölkerungen nach außen zu kanalisieren, haben die Rebellen in Libyen Gaddafis Herrschaft durch Einnahme von Tripolis faktisch beendet.
Alle möglichen Pappnasen – einschließlich der Regierungen in Polen und Deutschland – bieten den Rebellen bereits an, ihnen beim demokratischen Aufbau des Landes zu helfen. Die taz widmet dem vermeintlichen Sieg im Volksaufstand morgen vier Seiten:
1. Am frühen Montagmorgen brachten die Rebellen auch den Grünen Platz im Herzen von Tripolis unter ihre Kontrolle. Auf dem Platz hatten seit Beginn des Aufstandes im Februar regelmäßig Kundgebungen von Anhängern des Machthabers stattgefunden. Fernsehsender zeigten Hunderte von Menschen, die auf dem Platz in der Nähe des Anwesens von Gaddafi feierten und Freudenschüsse abgaben. Andere schossen… weiter lesen
16.08.2011 von Helmut Höge
A Workingclass-Hero was something to be

Arbeitsmigranten in Libyen. Photo: Kybeline.com

Ein spanischer Gewerkschafter erklärt den streikenden arabischen Arbeitsmigranten ihre Rechte. Photo:marks-photo.de
Es gibt auf Deutsch das Tagebuch einer englischen Gouvernante, Phyllis Ellis, die die Kinder eines saudischen Prinzen, von denen es über 10.000 in Saudi-Arabien gibt, unterrichtete: “Die Frauen des Wüstenpalastes. Mein Jahre im arabischen Harem”. Man kann kaum mehr als zehn Seiten auf einmal lesen – derart schrecklich ist die Schilderung des alltäglichen Nichtstuns der saudischen Frauen und Mädchen und all der Nichtigkeiten, mit denen die Autorin sich dort beschäftigte, beschäftigen mußte.
Dabei wird in Saudi-Arabien hart gearbeitet, allein diese ganzen “Wüstenpaläste” beschäftigen hunderte von Arbeiter aus aller Welt – als Dienstpesel. So fahren z.B. selbst bei kleineren Picknick-Ausflügen in die Wüste Köche, Getränkereicherinnen, Zeltaufsteller und Schneider mit.
Die taz berichtete über die Lage der Arbeiter in Saudi-Arabien:
Gewalt durch Arbeitgeber,… weiter lesen
15.08.2011 von Helmut Höge
Manchmal passiert es, dass ein Virus von einem anderen Virus vorübergehend quasi überlagert wird. Zwar breiten sich derzeit die Zeltlager-Proteste – “Tentifada” in Israel genannt – aus, gleichzeitig gibt es jedoch auch ein sozusagen weltumspannendes “Drei Schwestern”-Coming-Out:

Hier inszenieren drei saudische Schwestern in einer Einkaufszone von Riad Tschechows Stück als Street-Performance. Im Buch der Regeln von Ibn Kaldaun heißt es: “Wenn Du drei Schwestern hast, mußt du höllisch aufpassen.” Photo: koptisch.wordpress.com

Hier haben drei Schwestern aus Baden-Baden nach der Lektüre des gleichnamigen Tschechows-Stückes spontan die Schlüsselszene am Birkenwald nachgestellt – obwohl es in und um Baden-Baden gar keinen Birkenwald gibt, wie man sieht. Photo: Archiv Hoege
Gleichzeitig wird derzeit bzw. demnächst an 24 Gymnasien, vom “Theaterprojekt Berlin-Istanbul” sowie am Basler Theater, am Wiener Theater in der Josefstadt, am Thalia-Theater Hamburg, am Schauspiel Frankfurt, am Theater Konstanz, am Schauspielhaus Bochum, an den Münchner Kammerspielen, auf… weiter lesen
10.08.2011 von Helmut Höge

Ostberliner Frühling. Photo: coldwarhistory.us

Prager Frühling. Photo: dradio.de
Wenn man die sozialen Netzwerke durchforstet scheint “London” die Phantasie von links bis rechts mehr zu inspirieren als “Kairo”, “Madrid” und “Israel”, zu schweigen von “Libyen”, “Syrien” und “Jemen” – es geht in jedem Fall um Aufstände, aber noch ist keine der Bastionen, gegen die sie sich richten, wirklich gefallen.
In dem rechten Antiintellektuellenblatt (ein Pleonasmus) “Die Welt” schreibt Ulf Porschardt über die “Londoner Krawalle”: “Europa wird wieder ein brodelnder Kontinent. In Griechenland und Spanien protestieren Jugendliche, in London randalieren sie. Was läuft da schief?” Dieser Porschardt denkt mit seinen 18 1/2 Jahren schon absolut und völlig verblödet staatsmännisch: Er fragt nicht “Warum protestieren die Jugendlichen nicht auch in Berlin,. Zürich, Hamburg oder Husum…?” Sondern unterstellt in seiner Stasifrage, dass da irgendwas “schief” gelaufen ist – in der Staatsführung, weswegen einige Jugendliche aus dem Ruder gelaufen sind. Aber vergessen… weiter lesen
07.08.2011 von Helmut Höge

Heidi und Bernd Schmalstieg aus Wuppertal besuchten während ihres diesjährigen Ägypten-Urlaubs in Kairo das Ägyptische Museum. Hier posieren sie vor dem Haupteingang.
Aus dem Museum meldet dpa:
Das Ägyptische Museum in Kairo, mit rund 120 000 Exponaten die weltweit bedeutendste Sammlung alter ägyptischer Kunst, ist während der regierungsfeindlichen Proteste zu Jahresbeginn vom Geheimdienst als Kommandozentrale missbraucht worden. Das geht aus Zeugenaussagen hervor, die Museumsdirektor Tarik al-Awadi bei den Ermittlungen gegen Ex-Innenminister Habib al-Adli zu Protokoll gab.
Als die Militärpolizei am 9. März eine Pro-Reform-Kundgebung auf dem Tahri-Platz auseinanderjagte und Demonstranten festnahm, richtete sie in den Kellern des Museums für kurze Zeit richtiggehende Folterkammern ein. Die gefangenen Demonstranten wurden dort geschlagen und misshandelt. Die Mädchen und jungen Frauen unter ihnen wurden so genannten “Jungfräulichkeitstests” unterzogen – ihre Intimzonen wurden gewaltsam entblößt und gefilmt.
In den letzten Tagen kamen die ersten deutschen Orienttouristen wieder zurück. Hier eine Vorschau auf ihre… weiter lesen
05.08.2011 von Helmut Höge

Photo: kleinezeitung.at.:“Saudi-Arabien: eine 18-jährige Muslimin – die dritte von links – gewann eine Miss-Wahl, ohne ihren Körper oder auch nur ihr Gesicht zu zeigen” Eigentlich ist das ziemlich fortschrittlich. Wir haben jedenfalls früher an den Unis auch immer alle Seminarscheine bekommen – ohne anwesend gewesen zu sein. Und hier geht es bloß um Haut zeigen. Als die Bolschewiki in den 20er- und 30er-Jahren im Zuge der Bolschewisierung des sowjetischen Orients und der Befreiung der islamischen Frauen eine “Entschleierungs”-Kampagne durchführten, geschah dies u.a. mit Hinweis auf die Gesundheitsschädlichkdeit der Hautverschleierung, was einige eilfertige Mediziner flugs mit Zahlen über die größere Anfälligkeit der verschleierten Frauen für Rachitis unterfütterten. Umgekehrt werden natürlich auch die islamischen Ge- und Verbote inzwischen mehr und mehr “wissenschaftlich” flankiert.
AP:
“Nicht einmal zwei Jahre nach seiner Einweihung droht das Burdsch Chalifa in Dubai seinen Superlativ als höchster Wolkenkratzer der Welt schon wieder zu verlieren: Saudi-Arabien… weiter lesen