Archive for Mai, 2009

16.05.2009 von Imma-Luise Harms
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Samstag, 16. Mai

von Imma-Luise Harms

Heute morgen sind die Wörter schon da. Kontemplation und Effektion.

Gestern: Baurausch im Bauwagen. Der heißt nicht Bauwagen, weil man da immer dran baut, sondern weil man den so nimmt, wie er ist, ihn wo hinzieht, von da ausschwärmt und baut. Anders hier. Unser Bauwagen (oder mein Bauwagen – Thomas hat mir seine Hälfte geschenkt) bleibt eine Baustelle, denn es gibt immer was zu verbessern.
Der Wagen hat zwei Zimmer. Die linke, früher von Thomas bewohnte Hälfte habe ich gestern zur Kaschierung der zerlöcherten und verbeulten Innenostpappe mit Holz getäfelt, das ich von J. und R. geschenkt gekriegt habt. Die Decke gespachtelt und dünn gestrichen, die Wände geweißt, also auch das Holz, das weiß, aber schmuddelig war. Dann das geschenkte Bett zusammengebaut und auf Füße gesetzt. Feine 1,40 Matratze jetzt. Und die Möbel wieder eingeräumt, so viel reingingen. Mit dem hinteren Fenster muss ich mich noch wann anders beschäftigen,… weiter lesen

15.05.2009 von Imma-Luise Harms
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Freitag, 15. Mai

von Imma-Luise Harms


ach, es sind noch keine Worte da
hier nur ein Bild. Das reicht dann ja.

14.05.2009 von Imma-Luise Harms
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Donnerstag, 14. Mai

von Imma-Luise Harms


gestern: eine harte Prüfung für mich. M. hat mich fünf Stunden über seine Sicht der Welt und die ihr innewohnenden Probleme informiert. Ohne jede Pause. Ohne jede Frage an mich. Eine Freundschaft aus zurückliegender Zeit; wir haben uns Jahre nicht gesehen. Thomas sagt später: „Der war doch immer so. Hast du das vergessen?“ Ja, hab ich. Aber nun weiß ichs wieder. Der Mann redet in eine anonyme Zuhörerinnenschaft rein und hat sich erinnert, dass ich eine bin, die bereit ist, ihm zuzuhören. Ich hab mich mit großer Willensanstrengung daran gehindert, ihm ins Wort zu fallen und die Situation zu problematisieren. Ein Streit hätte bedeuten können, die Beziehung zu aktualisieren. Und das will ich nun nicht mehr.
Wie kommt es nur, dass Männer den unbezwingbaren Impuls haben, Frauen die Welt zu erklären? Ihnen Dinge aufzureden, die sie entweder längst wissen oder niemals wissen wollten? Das ist ein Übergriff. Hat… weiter lesen

13.05.2009 von Imma-Luise Harms
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Mittwoch, 13. Mai

von Imma-Luise Harms

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gestern: wie geplant, neues Zimmer mit dem neuen Bett versöhnt. (Ach, das war gar nicht geplant!) Auto gewaschen, innen und außen, bevor es zur Entrostung in die Werkstatt kommt. Da sind so kleine schwarze Stippen überall, die müssen ab, damit man überhaupt sehen kann, wo genau der Rost ist. Viel Sinn wird’s wohl nicht mehr haben, einmal TÜV vielleicht. Aber: ein sauberes, ein gepflegtes Auto fährt besser, finde ich. Es hebt das Vertrauen, vom Mensch zum Auto und vom Auto zum Menschen.
Treffen bei Ch.W., wo Ende Mai der Kunsteinsatz sein soll. Ein in die Landschaft gebetteter Vierseitenhof, durch deren geöffnete Scheunentore man vom Baum-bestandenen, Aufsitzrasenmäher-gepflegten Innenhof auf die bis zum Horizont maiglühenden Felder blickt. Die Künstler wuseln umher, checken die Randbedingungen ihrer Installagen. Ich filme. Schon wieder. Wer soll das alles schneiden? Die Kamera hat einen Brumm drauf. Das muss beseitigt werden.
Abends die Worte des… weiter lesen

12.05.2009 von Imma-Luise Harms
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Dienstag, 12. Mai

von Imma-Luise Harms


gestern: die Bettenscharade hat zu einer wüsten Bauorgie geführt. Das auszustoßende Bett wurde doch wieder umgearbeitet, hier gesägt, da gehobelt, das Ganze neu verschraubt, Bettkasten-Schubladen gebaut. Zimmer umräumen, damit das Bett in den Raum passt. Zeugen geholt: „Na, wie findet ihr das?“ „—.“ Weitere Verbesserungspläne für die Gesamtsituation. Die Füße des alten Bettgestells, aus rohen Dachlatten dermaleinst zusammengezimmert, mit einem eleganten Schrägschnitt in die Designerklasse hineinveredelt. Ich komme mir vor wie die Stiefmutter von Aschenputtel mit ihren zwei irgendwie unpassenden Töchtern, denen sie die Ferse und den Zehen abschneidet, und dann nutzt es doch nix. Aber die Füße sind verstümmelt.
Muffelig zum Abendbrot mit Thomas und O. Ich hasse es, wenn er zum Essen ruft, und das ist noch gar nicht fertig. Ich hasse es, wenn die Küche so schlachtfeldmäßig aussieht; ich hasse es, wenn der pampige Milchreis schöngeredet wird. O. und ich verschwinden im Schneideraum, Tonschnitt für… weiter lesen

11.05.2009 von Imma-Luise Harms
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Montag, 11, Mai

von Imma-Luise Harms

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gestern: den ganzen Tag unterwegs. Von Kreuzberg / Übernachtung beim Sohn / zum Bahnhof, nach Bielefeld / Mutter besucht / zurück in den Zug, zurück nach Berlin, zurück nach Reichenowien. Kein Internetschlupfloch, groß genug für einen Tageseintrag. Deshalb Durchgriff auf …

vorgestern: Die rasende Rollerralley durch die Acker-Fahrrinne war einfacher, als ich befürchtet hatte. Die Herde der Highländer umkreist, überholt, von vorn, von hinten und von der Seite gefilmt. L.’s haben ein kleines Interview gegeben, wie’s zu der Herde kam. Ich bin gespannt, ob der Ton ok ist.
Eine Kuh und ein 7 Tage altes Kälbchen sind auf der Winterweide zurück geblieben. Das Kalb ist zu schwach. Es kann nicht trinken, weil die Euterzitzen der Mutter zu dick sind; ihre Milch ist unerreichbar für das Kind. Das Kalb steht auf wackeligen Beinen, nur zerbrechlich dünne Knochen unter dem zotteligen Fell. Es steht da mit gesenktem Köpfchen und schaut… weiter lesen

09.05.2009 von Imma-Luise Harms
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Samstag, 9. Mai

von Imma-Luise Harms

gestern:
turbulenter Tag. Bis Mittag im Farbeimer. Die Fassade wird schön, hell, milchkakaofarben. Es sind gleichzeitig zwei professionelle Gewerke unterwegs. Der Dachdecker macht seine Witzchen mit mir. Ich habe geschlabbert, als ich mit dem langen Pinsel die Dachkante unter der Blechtraufe streiche, die er gerade angebracht hat. Ich hole einen Lappen und wische die Kante ab. „Fertig?“ frage er, ehe er an der Stelle weitermacht. „Ja“, sage ich. „Und was ist das?!“ donnert er mir in den Rücken. Ich drehe mich erschrocken um. Da ist nichts. Er lacht. „Aber kucken tuste doch!“ freut er sich. „Hat das dein Meister immer mit dir gemacht?“ frage ich. Ja, genau. „Ständig hatter mich geärgert“. Der Mann hat goldene Zähne im Mund und einen polnischen Akzent. Auf dem geteerten Dach liegt ein kleines schwarzes Kofferradio. „every woman, every man join the caravan of love – stand up, stand up…“ Die Botschaft kriecht in mein… weiter lesen

08.05.2009 von Imma-Luise Harms
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Freitag, 8.Mai

von Imma-Luise Harms

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Der Sohn meint ja, ich soll mich hier, statt Kalendersprüche zu dreschen, mal wieder mehr aufs Kerngeschäft konzentrieren und vom Land schreiben, also so, dass der/die StädterIn auch merkt, dass es vom Land kommt.
Deshalb ein paar Fachbegriffe, die Thomas aufgeschnappt hat, und ich von ihm: Der Mais geht nicht etwa auf – das tut nur der Mond -, der Mais bricht auf! Der Roggen, der schon etwas eher aufgebrochen ist, schiebt jetzt nach dem Regen mächtig.

gestern: erfolgreich lohngearbeitet, und war sogar auch ganz nett. Heute nochmal; kommen vielleicht hundert Euro zusammen. Einmal tanken und den Polnischkurs bezahlen. Weg isses. Sehr müde gestern wegen wenig schlafen.
Das Treffen in Wilhelmsaue/Oderbruch war aufbauend. Es waren zwar nicht viele da, acht LeutInnen, aber sie können sichs jetzt vorstellen, sie wollens jetzt: Am 7. Juni machen wir den ersten Tauschmarkt im So Oder So (so heißt die Kneipe… weiter lesen

07.05.2009 von Imma-Luise Harms
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Donnerstag, 7. Mai

von Imma-Luise Harms

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Nachtrag zum Kalenderblatt. Nicht jeder wirft es einfach weg. Wegen der Rückseite. Thomas’ Mutter hat die Kalenderblatt-Kochrezepte in ihre Kochbücher gesteckt. Da fallen sie jetzt noch manchmal raus und erinnern daran, dass es einen 23. November 1982 gab – nein: einen 24. November, als sie nämlich das Blatt vom 23. abriss, an dem Johanna W. sich dachte, dass sie das Rezept für die gefüllte Schweineschulter doch aufheben sollte.

gestern: Ärger über Wühlmäuse. Der kleine Garten am Bauwagen macht Kummer. Wir haben vor ein paar Tagen das Laub von der Erde geräumt. Ich dachte noch: ist die aber schön weich geworden unter dem Mulch! Aber das lag daran, dass darunter alles durchlöchert war. Kein Einsäen möglich. Ich alle Gänge niedergestampft, durchgehackt, die Fläche sauber geharkt, bereit zum Furchen-ziehen. Gestern zogen sich schon wieder neue Wühlmausgänge wie Krampfadern unter der glatten Erde lang, von den zarten Salatpflänzchen bis zu den… weiter lesen

06.05.2009 von Imma-Luise Harms
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Mittwoch, 6. Mai

von Imma-Luise Harms

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Der Schlaf der Nacht trennt den gewesenen Tag vom eintretenden wie ein tiefer Graben. Die Ereignisse drängen sich an seinen Rändern, messen sich über die Lücke hinweg mit Blicken, rufen sich etwas zu. Im Gedränge werden gewesene und auf ihren Eintritt wartende Ereignisse in den Graben gestoßen. Als dunkle Spiegelungen durchwandern sie das Traumland am Boden.
Kein Wunder, dass Kinder Angst vorm Einschlafen haben. Einschlafen ist Abspringen ins Nichts. Es ist nie ganz sicher, ob es überhaupt einen nächsten Tag geben wird. Das Ritual tröstet durch die Regelmäßigkeit seiner Wiederholung. Zum Beispiel das Morgengebet:
Wie fröhlich bin ich aufgewacht,
Wie hab ich geschlafen so sanft die Nacht.
Hab Dank im Himmel, oh Vetter mein,
Dass du hast wollen bei mir sein.
Nun sieh auf mich auch diesen Tag,
Dass mir kein Leid geschehen mag.

Der Himmel, wo der Vetter wohnt, könnte jene… weiter lesen