Archive for August, 2008

29.08.2008 von Claudius Prößer
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Per Girokonto zu Madonna

von Claudius Prößer

Wie man liest, kamen Madonnas Fans beim “Sticky&Sweet”-Konzert im Berliner Olympiastadion nicht recht in die Gänge, mehr noch, ein Viertel der 75.000 Plätze soll leer geblieben sein. Mit einem derart kühlen Empfang für die 50-jährige Entertainerin ist in Santiago nicht zu rechnen. Ganz im Gegenteil, alle wollen am 10. Dezember ins Estadio Nacional, alle sind aufgekratzt und durch den Wind, denn es ist das erste und vermutlich letzte Mal, dass la reina del pop ein Konzert in Chile gibt.

Natürlich können nicht alle ins Stadion. Und über die Frage, wie die Veranstalter das Publikum aussieben, ist ein erbitterter Streit ausgebrochen. Sicher, allein die Ticketpreise zwischen 35 und 250 Euro garantieren, dass nur ein Bruchteil der Interessenten reelle Chancen hat, in Sichtweite der der Pop-Göttin zu gelangen. Andererseits geben eingefleischte Fans, wenn’s denn sein muss, auch ein Monatsgehalt für die Eintrittskarte aus. Am demokratischsten wäre in… weiter lesen

29.08.2008 von Florencia Abbate
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Spiele unter Nachbarn

von Florencia Abbate

Die Kreativität von Fußballfans ist ein bereits heute ein Klassiker im lateinamerikanischen Cyberspace. Nach der 3:0-Niederlage Brasiliens gegen Argentinien veröffentlichten die Fans der Batista-Truppe eine Reihe Poster, auf denen sie sich über die Elf von Trainer Dunga lustig machen: „Voce abuso“, „Tristeza nao tem fim“, „La alegría no es solo brasileña“, “Lloraldinho”, “Kun-Fu Dunga” und (3:0 Dunga-Dunga”, sind einige der Slogans, mit denen die Brasilianer verhöhnt werden. Diese hatten es mit der Niederlage gegen ihren historischen Erzrivalen wieder einmal versäumt, die erste Fußball-Goldmedaille bei den Olympischen Spielen zu gewinnen. Das olympische Gold ist der einzige Titel, der dem fünffachen Weltmeister noch fehlt. Das Ergebnis beendete die beachtliche Siegesserie der Brasilianer, die in den letzten 15 Jahren kein einziges entscheidendes Spiel gegen ihre argentinischen Brüder verloren hatten. Den letzten Sieg konnten die Argentinier im Viertelfinale der Copa América feiern, allerdings im Elfmeterschießen. Damals… weiter lesen

27.08.2008 von Claudius Prößer
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Richter, General und Folterknecht

von Claudius Prößer

Unbedingt ansehen: Nur noch bis zum 2. September ist der, wie ich finde, hervorragende US-Dokumentarfilm “The Judge and the General” im Netz abrufbar. Die für den Public Broadcasting Service (PBS) produzierte Doku beschreibt, wie der chilenische Richter Juan Guzmán ab 1998 und bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2005 gegen Augusto Pinochet und andere Täter der Militärdiktatur ermittelte. Guzmán hatte 1998 eine Sammelklage von Angehörigen Ermordeter und Verschleppter übernommen, nicht weil er sich besonders dafür interessiert hätte, sondern weil es das interne Turnusverfahren des Gerichtshofs so ergab.

Die eigentliche Geschichte, die der Film erzählt, steckt denn auch weniger in der Tatsache, dass Guzmán erreicht hat, die Selbstamnestie der Militärs aufzuhebeln (was spannend genug ist), sondern in seiner Wandlung von einem stillen Befürworter des Pinochet-Regimes hin zu einem seiner gefährlichsten Verfolger. Der Richter, der weite Teile der Doku aus dem Off… weiter lesen

27.08.2008 von Benjamin Kiersch
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Kauf’ mich!

von Benjamin Kiersch

Es ist ein kurioses Spektakel, das jedes Jahr zu unterschiedlichen Zeiten an verschiedenen Orten Boliviens stattfindet – diese Woche ist es in Quillacollo zu besichtigen: der Alasitas-Markt. Auf einer Tradition der Aymara beruhend, werden auf dem Markt Miniaturen aller Art feilgeboten: so kann man für ein paar Bolivianos ein Haus, ein Uni-Diplom, ein Auto, Geldbündel oder einen Frisörsalon erstehen. Das Objekt der Begierde wird dann einer Ch’alla unterzogen: mit Kokablättern drapiert, mit Bier Wein oder am besten reinem Alkohol besprenkelt, ein paar brennende Zigaretten und Räucherstäbchen dazugelegt… und schon sind, dank des Gottes Ekeko, der von den Aymara verehrt wird, weil er Reichtum, Fruchtbarkeit und Glück bringt, im nächsten Jahr die Chancen gut, dass sich die Mini-Apotheke in eine echte wandelt.

A propos Fruchtbarkeit: wer eine Familie gründen will, kann im Alasitas-Standesamt schon mal zur Probe heiraten und kriegt eine… weiter lesen

26.08.2008 von Claudius Prößer
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Allende in Klötze

von Claudius Prößer

Puerto Montt, unsere kleine, verregnete Stadt im Süden des Landes, besitzt etwas, was in Chile noch lange nicht Normalität ist: eine Salvador-Allende-Straße. Die steil ansteigende und ziemlich unansehnliche Ausfallstraße, die kürzlich bis zur Uferpromenade verlängert wurde (im Rahmen des Infrastrukturprogramms zur 200-Jahr-Feier der chilenischen Unabhängigkeit) dürfte sogar eine der größten und längsten im Lande sein. In Santiago gibt es lediglich eine Avenida Salvador Allende weit draußen an der Peripherie, dafür aber immer noch eine Avenida 11 de Septiembre zur dankbaren Erinnerung an den Putsch von 1973.

Was in Chile rar ist, gibt es andernorts zuhauf. Diese hübsche Website hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle Salvador-Allende-Straßen und -Gassen, -Ruen und -Avenuen der Welt fotografisch zu dokumentieren. Auch Schulen, Krankenhäuser und Bibliotheken sind dabei, sowie ein Öltanker namens Pablo Neruda und ein Planet namens Víctor Jara. Mit Abstand führend bei… weiter lesen

25.08.2008 von Gerhard Dilger
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¡Viva el Paraguay!

von Gerhard Dilger

Seit 10 Tagen ist er nun schon Paraguays Präsident, der kürzlich durch den bayerischen Papst von seinem Bischofsamt freigestellte Fernando Lugo.

Lugo und Chávez singen

Mit Margarita Mbywangi ernannte der Befreiungstheologe erstmals eine Indígena zur Vorsitzenden des nationalen Indigenen-Instituts, dann schickte er fast die gesamte Armee- und Polizeiführung in den Ruhestand.

„Ich habe keine Angst vor Chávez, ich habe keine Angst vor Evo“, verkündete Lugo am Tag der Amtseinführung – und schmetterte abends mit seinem venezolanischen Kollegen demonstrativ den Mercedes-Sosa-Song „Todo cambia“.

Einen guten Eindruck von der Aufbruchstimmung in Paraguay vermittelt das Tagebuch von Hermann und Ute Schmitz, den rührigen Begründern der Pro Paraguay Initiative im niederrheinischen Kempen.


P. S. Die Amtseinführung war auch ein lateinamerikanisches Fest. Hier Fernando Lugo mit den großen alten Linken Leonardo Boff (Brasilien), Eduardo Galeano (Uruguay) und Ernesto Cardenal (Nicaragua):

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23.08.2008 von Gerhard Dilger
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Wim W. was here

von Gerhard Dilger

Wim Wenders war gerade in Porto Alegre.

Wim Wenders in Porto Alegre

Im Rahmen der Vortragsreihe Fronteiras do Pensamento (Grenzen des Denkens) plädierte der hierzulande sehr geschätzte Filmemacher für ein Kino, das sich stark an spezifischen Orten und Kulturen orientiert – im Gegensatz zu einem „globalen Einheitskino“: „Jene anonymen internationalen Produktionen langweilen mich zu Tode.“

Besonders würdigte Wenders die Filme von Glauber Rocha, einem der Begründer des avantgardistischen cinema novo der 60er Jahre. „Vorher war Brasilien für mich ein metaphorisches Land, ein verrückter Geisteszustand“, bekannte ein gut gelaunter Wenders, „damit lag ich wohl gar nicht so verkehrt.“

Neben Rochas Antônio das Mortes (1969) hätten ihn die Politklassiker Memorias del subdesarrollo (Kuba, 1968) und La hora de los hornos (Argentinien, 1968) beeinflusst, erzählte er.

Walter Salles´ Motorcycle Diaries (2004), die Verfilmung von Che Guevaras frühen Tagebuchaufzeichungen, lobte er als Beispiel für einen „optimalen“… weiter lesen

23.08.2008 von Claudius Prößer
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Der Herr der Hiebe

von Claudius Prößer

Der gemeinste, verschlagenste, rücksichtsloseste Macho, den Chile je erlebt hat – er tobt sich Tag für Tag auf den Bildschirmen aus. José Luis Echenique heißt er, man kennt ihn aber auch als El Señor de la Querencia. José Luis ist Großgrundbesitzer, ihm gehört das Gut “La Querencia” im Norden von Santiago und im Jahr des Herrn 1920. Wen das Los getroffen hat, auf José Luis’ Latifundium zu arbeiten, der muss mit dem Schlimmsten rechnen: Der patrón geht nicht nur gewohnheitsmäßig fremd und beutet seine Arbeiter nach Strich und Faden aus, er prügelt, vergewaltigt und mordet auch. Um anschließend in der gutseigenen Kapelle niederzuknien und um Vergebung zu bitten.

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Das von Wikipedianern zusammengetragene Sündenregister des Gutsherrn ist beachtlich, und nicht von ungefähr hat die vom staatlichen Kanal TVN aufwändig produzierte Fernsehserie bereits zu erhitzten politischen Debatten geführt.… weiter lesen

23.08.2008 von Florencia Abbate
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Wo Buenos Aires NICHT ist*

von Florencia Abbate

Während Buenos Aires sich als glänzende Touristenmetropole gibt, die mit europäischem Charme, feinem Stil und Kosmopolitismus viele Menschen anzieht, sind die Provinzen im Norden Argentiniens wie Salta und Jujuy sehr arm und leiden in absurder Weise unter dem verantwortungslosen Vorgehen der Industrie.

Palpala, 14 km von San Salvador de Jujuy entfernt, ist heutzutage die am schlimmsten verschmutzte Stadt in Argentinien, dank der Industrie, die sich dort niedergelassen hat. In diesem Ort mit ungefähr 48000 Einwohnern, gibt es 40 Fabriken, die hauptsächlich Eisen und Stahl verarbeiten. Umweltschutz ist ein Fremdwort für diese Industrie. Von 100 Einwohnern, die sich im Rahmen einer Studie auf Bleivergiftung im Blut untersuchen ließen, war bei 32 der Befund positiv. In der Region gibt es noch nicht einmal ein Krankenhaus, in denen diese Menschen behandelt werden können. Die Umweltverschmutzung und der Gesundheitszustand der Einwohner sind so katastrophal, dass in Palapa der Notstand ausgerufen wurde. Trotzdem verklappt die… weiter lesen

23.08.2008 von Benjamin Kiersch
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Irrwege der Migration

von Benjamin Kiersch

Es hörte sich nach einem fantastischen Angebot an: Im Juli suchte die Baufirma Cidenbol aus Cochabamba Arbeiter für Bauprojekte einer Partnerfirma – im russischen Rostow am Don. Für nur 5000 US-Dollar, so versprach die Firma, könnten Interessierte einen Reisepass, ein Arbeitsvisum in Russland und ein Ticket nach Rostow bekommen. Dort angekommen, könnten sie für die Arbeit auf der Baustelle 1500-2000 US-Dollar im Monat verdienen, bei freier Kost und Logis.

So machten sich 240 Arbeiter am 20. Juli auf die lange Reise von Cochabamba nach Rostow am Don; viele, nachdem sie einen Kredit aufgenommen hatten, um die Reisekosten aufzubringen.

Die Realität in Rostow freilich sah anders aus als das, was der Geschäftsführer von Cidenbol seinen Mitarbeitern bzw. Opfern versprochen hatte: die Arbeiter aus Cochabamba wurden in einem Haus untergebracht, das nach Aussage von einigen Arbeitern, die mit Familienangehörigen telefonieren konnten, mehr ein Gefängnis als eine würdige Behausung war: jedem wurde eine… weiter lesen