Archive for November, 2008

28.11.2008 von Claudius Prößer
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Sie wollen Geld

von Claudius Prößer

Tu Gutes und rede darüber? Tu Gutes und mach daraus eine gigantische Show! Dieses Wochenende ist Teletón in Chile.

Seit Wochen ist das Land in Aufruhr. Seit Wochen sammeln Familien, Schulklassen, Firmenbelegschaften, Fußballvereine Geld für das größte Benefizereignis des Jahres. Am Samstag werden all ihre Beiträge mit großem Brimborium und Publikum addiert, zusammen mit Großspenden von Unternehmen und Mäzenen, Opposition und Regierung, vor allem aber den Kleinstspenden hunderttausender Chilenen, die ihre Pesos in eine der aus diesem Anlass 24 Stunden geöffneten Filialen der Banco de Chile tragen. Auch B. hat im Rahmen einer schulinternen Sammelaktion 1.000 Pesos in den großen Topf der guten Tat getan.

Die Teletón Chile gibt es seit 1978, ins Leben gerufen hat sie der TV-Showman Mario Kreutzberger, der als “Don Francisco” nicht nur jedem Chilenen, sondern den meisten Lateinamerikanern ein Begriff ist. Die Idee stammt freilich aus den USA, erfunden hat… weiter lesen

25.11.2008 von Gerhard Dilger
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Zehn Jahre Chávez

von Gerhard Dilger

Am 6. Dezember 1998 gewann Hugo Chávez seine erste Präsidentenwahl, bei den Regionalwahlen am Sonntag konnte die bürgerliche Opposition ihr seither bestes Ergebnis erzielen.

Wie sieht die Zwischenbilanz nach fast zehn Jahren “bolivarianischer Revolution” aus?  Äußerst sehenswert dazu ist die Dokumentation The Hugo Chávez Show, die heute abend vom öffentlichen US-Netzwerk PBS ausgestrahlt wird.

21.11.2008 von Claudius Prößer
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Die kleinen Roten

von Claudius Prößer

Fußball-WM in Chile! Die Welt blickt voller Begeisterung auf dieses lange, schmale Land, das zum zweiten Mal seit 1962 die Meisterschaft ausrichtet. Das Volk jubelt und strömt in die für umgerechnet rund 80 Millionen Euro renovierten Stadien von Chillán, Temuco, Coquimbo und La Florida …

Ganz so groß ist die Begeisterung dann wohl doch nicht, leider. Ob die U-20-Weltmeisterschaft der Frauen jenseits der Anden Beachtung findet, ist von hier aus schwer zu beurteilen, im Lande selbst wird das Event eher distanziert wahrgenommen. Eine Machosportart in einem Ma­cho­land, gespielt von jungen Damen – da überwiegt bei den männ­li­chen Fußballfans immer noch das Befremden, und weibliche gibt es so gut wie keine. Las rojitas se las traen lautete im Vorfeld der Wer­be­slo­gan des staatlichen Fernsehsenders TVN: Dass “die kleinen Roten es in sich haben” (la Roja ist der Kosename der – mänlichen – Nationalmannschaft, die in roten Trikots… weiter lesen

20.11.2008 von
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Bizarrer Auftritt von Kolumbiens Vizepräsident

von

Heute morgen warb Francisco Santos, seines Zeichens kolumbianischer Vizepräsident, im Strassburger Plenum des Europaparlaments für den längst gescheiterten „Drogenkrieg” seiner Regierung.

Anhand einer hübschen Power-Point-Präsentation über das Regierungsprogramm „Shared reponsibility”, die man sich in einer ähnlichen Version auch im Internet ansehen kann (hier unter „Learn More”), behauptete der Statthalter von Staatschef Álvaro Uribe, dass Kokaanbau und Kokainproduktion die größte Ursache für die Umweltzerstörung in Kolumbien seien.

Anschließend forderte er die EU-ParlamentarierInnen dazu auf, den Repressionskurs seiner Regierung, den er „frontalen Kampf gegen den Drogenhandel” nannte, zu unterstützen.

Leider verschwieg Santos, dass die Zusammenarbeit mit der UN-Drogenbehörde UNODC, die das Programm mitentwickelt hatte, mittlerweile eingeschränkt wurde. Stein des Anstoßes war eine im Juni 2008 veröffentlichte UNODC-Studie, wonach die Kokaanbauflächen in Kolumbien im vorigen Jahr um 27 Prozent zugenommen hatten (im jüngst von Washington abgestraften Bolivien waren es 5 Prozent).

Außerdem sei nicht die Koka der Umweltzerstörer Nummer eins,… weiter lesen

13.11.2008 von Claudius Prößer
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Ende eines Superzyklus

von Claudius Prößer

Kupferhochofen in Chiles größter staatlicher Mine Chuquicamata (Foto: lakerae/flickr)

In der Innenstadt von Santiago versanken die Bürgersteige gestern Abend in Papierschnipseln – die Reste der Proteste, mit denen die Anef, die Vereinigung der chilenischen Staatsangestellten, eine 14,5-prozentige Lohnerhöhung gefordert hatte. Die Demonstrationen fanden vor dem Hin­ter­grund eines zweitägigen Streiks statt, der von der Müllabfuhr bis zum Standesamt praktisch alle kommunalen und staatlichen Dienst­leis­tun­gen lahmlegte. In den kommenden Tagen wird wieder mit Finanzminister Andrés Velasco verhandelt.

Der hat allerdings seit neuestem eine gute Ausrede, um den Zuschlag abzulehnen, der die Einkommen im Vergleich zu November 2007 um real 4,6 Prozent anheben würde: Der Kupferpreis ist, auch dank der welt­weiten Finanzkrise, wieder im Keller.

Dabei hatten die Chilenen noch im Sommer mit Genugtuung zur Kenntnis genommen, dass selbst die olympischen Goldmedaillen von Beijing größtenteils aus chilenischem Kupfer bestanden. Der chinesische Boom (nein,… weiter lesen

12.11.2008 von Benjamin Kiersch
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Ñatitas heizen Priester ein

von Benjamin Kiersch

Alle Jahre wieder, am 8. November, 8 Tage nach Allerheiligen, füllen sich die Friedhöfe im bolivianischen Altiplano mit Ñatitas, kunstvoll geschmückten Totenköpfen, und ihren Besitzerinnen. Die Schädel sind wichtige Begleiter  in vielen bolivianischen Haushalten: sie halten Diebe ab, bringen Kunden ins Geschäft oder helfen den Kindern durch Schule und Studium. Oft sind es die Gebeine längst verstorbener Vorfahren, sie werden vererbt oder verschenkt, sie haben einen Namen und gehören zur Familie.

Für ihre Arbeit werden sie einmal im Jahr gehuldigt: geputzt, mit Hüten und Tüchern geschmückt, ein paar Zigaretten zwischen die Zähne geklemmt, pilgern die Familien mit ihren ñatitas auf den Friedhof, wo die Schädel auf Blumen gebettet einer Messe lauschen dürfen. Normalerweise.

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Dieses Jahr jedoch erließ der Erzbischof von La Paz, Edmundo Abastoflor, einen Runderlass an die Priester, der den Schädelkult als unchristlich geißelte und seinen Untergebenen kurzerhand verbot, einen Segen über die schönen Schädelweiter lesen

12.11.2008 von Florencia Abbate
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Die offenen Adern Argentiniens

von Florencia Abbate

Letzte Woche, vom 3.-7. November, protestierten die vom Bergbau betroffenen Gemeinden in Argentinien. Vor dem Ort, an dem der Bergbaukongress “Argentinia Oro 2008” stattfand, wurde eine Zeltstadt errichtet, um gegen die internationalen Bergbaukonzerne zu protestieren, die Argentiniens Ressourcen plündern und die Natur mit giftigen Zyaniden verschmutzen.

Der Protest wurde von der Unión de Asambleas Ciudadanas (UAC) organisiert, einer Organisation, in der sich die Gemeinden aus 14 Provinzen Argentiniens zusammengeschlossen haben, darunter zahlreiche Gruppen der indigenen Bevölkerung. Mit der Aktion machten die Demonstranten auf die schädlichen Auswirkungen der Goldindustrie aufmerksam. Die Minenbetreiber gehen im Dunklen ihren schmutzigen Geschäften nach, sind kaum in den Medien präsent. Die Minen sind außerhalb der großen Ballungsräume und arbeiten ohne Pickel und Stemmeisen, ja, fast ohne Personal. Es sind hochtechnisierte Industrien mit riesigen Maschinen, die jedes Jahr Gold im Wert von Millionen exportieren.

Mehr als 150 Bergbaukonzerne sind in Argentinien aktiv, darunter Großfirmen… weiter lesen

05.11.2008 von Gerhard Dilger
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Talkin´ bout a revolution

von Gerhard Dilger
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05.11.2008 von Claudius Prößer
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Kinder, lasst das Kiffen sein

von Claudius Prößer

Zu Cannabisprodukten haben viele Chilenen ein angenehm entspanntes Ver­hält­nis, was natürlich auch auf den vergleichsweise hohen Konsum zu­rück­zu­füh­ren sein könnte. An gutes Gras zu kommen, ist selten ein Pro­blem – in einem Land mit viel Platz und viel Sonne käme jedenfalls nie­mand auf die Idee, Zimmer-Plantagen unter künstlichem UV-Licht an­zu­le­gen. Keine Erleuchtung war dagegen die Entscheidung der Re­gie­rung von Anfang des Jahres, Marihuana auf eine Stufe mit Drogen wie Kokain und der zerstörerischen pasta base zu stellen, insbesondere was das Straf­maß für den Handel angeht.

Am meisten Sorgen aber macht der staatlichen Drogenkontrollbehörde Conace der verbreitete Cannabisgebrauch unter Jugendlichen und deren mangelndes Problembewusstsein. Einer im vergangenen Jahr durch­ge­führ­ten Erhebung zufolge haben fast 16 von 100 Schülern zwi­schen der 8. und der 12 Klasse mindestens einmal in den letzten zwölf Monaten Marihuana konsumiert – wobei es unter den Achtklässlern fünf und unter den Schulkameraden aus der Zwölften… weiter lesen

02.11.2008 von Gerhard Dilger
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Eine muss es sagen

von Gerhard Dilger

Ich sitze in meinem Hotelzimmer in San Salvador, und dank DW-TV erlebe ich taz-Kollegin Adrienne Woltersdorf fast live im heutigen Presseclub. Unsere Frau in Washington zeigt sich als größter Obama-Fan in der Korrespondentenrunde, denn Obama wäre “ein Präsident, der nicht nur dem Kapital dienen wird“.

Das hoffen auch die meisten TeilnehmerInnen des diesjährigen Iberoamerikagipfels, der vorgestern zu Ende gegangen ist. Brasiliens Präsident Lula, der noch während des Gipfels nach Kuba weiterflog, drückt Obama die Daumen: “Ebenso wie Brasilien einen Metallarbeiter gewählt hat, Bolivien einen Indígena, Venezuela Chávez und Paraguay einen Bischof, so außergewöhnlich wäre es, wenn in der größten Volkswirtschaft der Welt ein Schwarzer zum Präsidenten gewählt würde”.

Der greise Revolutionsführer Fidel Castro zeigte sich in seiner Kolumne “Überlegungen des Compañero Fidel” über dieses Statement höchst angetan. Auch Cristina Fernández de Kirchner aus Argentinien und Rafael Correa aus Ecuador haben sich… weiter lesen