Archive for Januar, 2009

27.01.2009 von Gerhard Dilger
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Weltsozialforum: Kuscheln statt streiten?

von Gerhard Dilger

Ein zentrales Thema des Weltsozialforums in Belém wird Amazonien sein. Auch auf dem “Forum über Theologie und Befreiung”, das am Sonntag zu Ende ging, drehten sich viele Aktivitäten um die bedrohliche Lage für Mensch und Natur in der Neun-Länder-Region. Im Foyer wurde an die Ordensfrau Dorothy Stang erinnert, die ihren Einsatz für brasilianische Kleinbauern 2005 mit dem Leben bezahlte.

Stargast war der 70-jährige Befreiungstheologe Leonardo Boff, der klarsichtig die Krise Amazoniens und der Welt analysierte. “Das Weltsozialforum muss Druck auf die brasilianische Regierung ausüben, damit sie eine klare Amazonienpolitik entwickelt”, sagte er in einem Interview. Bislang gebe es nur punktuelle Maßnahmen gegen die Waldzerstörung, aber keinen kohärenten Plan, kritisierte Boff: “Wir brauchen keinen Plan zur Beschleunigung des Wachstums, sondern zur Integration und zum Erhalt Amazoniens.”

Doch bei seinen öffentlichen Auftritten zeigte sich eine Schwäche, die viel mit der politischen Kultur der lateinamerikanischen Linken zu tun hat: Kontroverse Debatten… weiter lesen

25.01.2009 von Benjamin Kiersch
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Evo forever?

von Benjamin Kiersch

Morgen ist in Bolivien wieder autofreier Wahlsonntag – allerdings wird der Unterschied zu einem normalen Sonntag nicht so deutlich sein wie sonst: der Autoverkehr hat in den letzten Monaten merklich abgenommen, erzählen Freunde aus Cochabamba – im öl- und gasreichen Bolivien herrscht seit ein paar Wochen chronischer Benzinmangel. Die staatliche Ölfirma YPFB hat Probleme, die Nachfrage nach dem Treibstoff zu decken, und so lassen viele Bolivianer, statt stundenlang an der Tankstelle anzustehen, ihr Auto in der Garage.

Auf die Popularität von Evo Morales, der YPFB im ersten Jahr seiner Regierungszeit verstaatlicht hatte, hat das keinen Einfluss: Die überwiegende Mehrheit wird morgen allen Prognosen nach für die Verfassung stimmen, die eine klare Handschrift des Movimiento al Socialismo (MAS) trägt und von der Opposition als inkohärent und nicht vereinbar mit der UN-Menschenrechtserklärung kritisiert wird. Spannend ist nur, ob Evo Morales das Ergebnis des Referendums vom August 2008 noch übertreffen… weiter lesen

19.01.2009 von Gerhard Dilger
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Eduardo Galeano zum Krieg gegen die Palästinenser

von Gerhard Dilger

Operation straffreies Blei

Zu seiner Rechtfertigung produziert der Staatsterrorismus Terroristen: Er sät Hass und erntet Alibis. Alles deutet darauf hin, dass es gelingen wird, durch dieses Gemetzel, das nach Angaben seiner Täter mit den Terroristen aufräumen soll, diese zu vervielfältigen.

***

Seit 1948 sind die Palästinenser zu einer lebenslangen würdelosen Unterwerfung verurteilt. Nicht einmal atmen dürfen sie ohne Genehmigung. Sie haben ihre Heimat verloren, ihr Land, ihr Wasser, ihre Freiheit, alles. Ihnen wird nicht einmal zugestanden, die eigene Regierung zu wählen. Wenn sie diejenigen wählen, die sie nicht wählen dürfen, dann werden sie bestraft. Gaza wird bestraft. Der Landstreifen ist zu einer Mausefalle geworden, seitdem Hamas die Wahlen 2006 sauber gewonnen hat. Etwas Ähnliches geschah 1932, als die kommunistische Partei die Wahlen in El Salvador gewonnen hatte. In ein Blutbad getaucht, mussten die Salvadoraner ihr ungehöriges Betragen sühnen und seither immer wieder unter Militärdiktaturen leben. Demokratie ist ein Luxus, den… weiter lesen

07.01.2009 von Gerhard Dilger
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Armer Juan Valdez!

von Gerhard Dilger

Kolumbiens Kaffeeunternehmer verstehen keinen Spaß.

Wegen dieses Comicstrips, der vor Tagen in vielen US-Zeitungen abgedruckt war, will der nationale Kaffeepflanzerverband den Karikaturisten Mike Peters verklagen. Denn der hatte darin das allseits beliebte Kaffeemaskottchen Juan Valdez mit dem organisierten Verbrechen in Verbindung gebracht.

“Reine Zeitverschwendung”, findet Peters’ kolumbianischer Kollege Matador: “Niemand wird wegen eines Cartoons darauf verzichten, eine Tasse köstlichen kolumbianischen Kaffees zu sich zu nehmen”.

Die Verbandsfunktionäre hätten sich an der Gelassenheit ihrer Kollegen von Coca Cola oder Chiquita ein Vorbild nehmen sollen, meint Matador. Die hätten ihn wegen seiner Karikaturen, in denen er auf die Verbindungen der Multis zu den rechtsextremen Paramilitärs anspielte, auch nicht behelligt.