“Seine Augen waren offen. Alle, die da lagen, hatten offene Augen. Dieses Bild geht mir bis heute nicht aus dem Kopf.”
Anfang dieser Woche hat Héctor Herrera Olguín als Zeuge vor dem Untersuchungsrichter Juan Eduardo Fuentes ausgesagt, der die Ermordung des Sängers Víctor Jara in den Tagen nach dem Militärputsch 1973 aufklären soll. Das Verfahren war vor einem Jahr eingestellt worden, wurde aber nach anhaltenden Protesten neu aufgerollt. Herrera Olguín war im September 1973 ein junger Mitarbeiter der Meldebehörde von Santiago. Er musste mit einem Kollegen rund dreihundert Tote in der Gerichtsmedizin identifizieren, bevor die Leichen – auf Anordnung der Militärjunta unter striktem Ausschluss der Öffentlichkeit – beerdigt wurden.
Herrera Olguín hatte damals den populären Sänger trotz der massiven Verstümmelungen erkannt und seiner Frau Joan die Nachricht vom Tod ihres Mannes überbracht. Darüber gesprochen hatte der Mann, der einige Jahre später in seine jetzige Heimat Frankreich flüchtete, bis… weiter lesen
In Brasilien hat die staatliche Atomfirma Eletronuclear einen Zwischenfall im AKW Angra 2 eingeräumt. Bereits am 15. Mai sei bei Reinigungsarbeiten in einem Gebäude neben dem Meiler südlich von Rio de Janeiro radioaktives Material freigesetzt worden, heißt es in einer Erklärung der Firma vom Dienstagabend. Bei vier Mitarbeitern, die sich in dem Raum befunden hätten, sei eine leichte atomare Verseuchung festgestellt worden.
Nach einer Entgiftung und einer medizinischen Untersuchung seien die Mitarbeiter in bester Verfassung, teilte Eletronuclear mit. Auch die Umwelt sei durch den “ungewöhnlichen Vorfall” in keinster Weise beeinträchtigt worden.
Umweltgruppen kritisierten die verspätete Bekanntgabe des Zwischenfalls. In Brasilien sei alles, was mit Kernenergie zu tun habe, von einem Mantel des Schweigens umhüllt, sagte Marcelo Furtado von Greenpeace. Zudem sei ein und dieselbe Behörde sowohl für die Förderung als auch die Kontrolle der Atomkraft zuständig.
An dem Küstenstreifen zwischen Rio de Janeiro… weiter lesen
Wer etwas über skurrile chilenische Jugendkulturen erfahren möchte und späte Sendezeiten nicht scheut, ist herzlich eingeladen, am Samstag um 1.45 Uhr (also Sonntag) einen Beitrag im arte-Magazin “Tracks” über die Pokemones zu verfolgen. O-Ton Arte:
Pokemones: Sexuelle Revolution bei den chilenischen Kids
In Europa flößt das “Emo”-Phänomen den Eltern Angst ein: Grell geschminkte Teenager, die der Bisexualität frönen und mit morbiden Gruppierungen sympathisieren, sorgen bei den Erwachsenen für Unbehagen. In Chile gilt die Bewegung, die dort “Pokemone” genannt wird, als so skandalträchtig, dass sogar die Fernsehnachrichten als Aufmacher darüber berichten. In einem erzkatholischen Land, dessen kulturelles Leben noch immer von den Jahren der Diktatur geprägt ist, zeigen sich die Pokemones ungeniert in öffentlichen Parks, wo sie nicht selten Opfer rechtsextremer Skinheads werden. Das Kamerateam von “Tracks” hat sich in den Straßen Santiagos und in den Diskotheken der chilenischen Jugend umgeschaut, wo der “Ponceo” getanzt wird – ein… weiter lesen
Der Mann ist 35 Jahre jung, Abgeordneter der Sozialistischen Partei Chiles und will im Dezember Präsident werden. Nicht von seiner Partei, sondern von Chile. Seine Chancen stehen besser, als man vermuten könnte.
Marco Enríquez-Ominami heißt der Mann, der die Chefs der regierenden Concertación (darunter die Sozialisten) als “Dinosaurier” bezeichnet. Der glaubt, die “Lösungsansätze der 70er-, 80er- und 90er-Jahre” hätten “weder die Kraft noch ausreichend Legitimität, um radikale Reformen einzuleiten”. Seine eigenen Lösungsansätze sind im Netz unter www.marco2010.cl nachzulesen: mehr Solidarität und weniger Neoliberalismus, mehr Demokratie und Transparenz, bessere Rechte für Arbeitnehmer und Verbraucher, bessere Bildung, konsequenterer Umweltschutz. Ganz so radikal klingt das nicht, aber wegen Enríquez-Ominami kriegt derzeit mancher Politiker der Concertación täglich büschelweise graue Haare.
“Marquito”, wie ihn Camilo Escalona, der Vorsitzende der Sozialistischen Partei, einmal abfällig genannt hat, strebt das höchste Amt der Republik nämlich ohne den Segen der regierenden Koalition an. Die schickt… weiter lesen
Mario Benedetti ist tot. Der uruguayische Schriftsteller starb am Sonntagabend 88-jährig nach langem chronischen Leiden in seiner Wohnung in Montevideo.
“Die Weltliteratur hat einen schmerzlichen Verlust erlitten”, sagte der Autor Mauricio Rosencof, der die Kulturabteilung der Stadtverwaltung von Montevideo leitet, gegenüber der Zeitung El Observador. “Aber die vielleicht tiefgründigste Botschaft, die uns Benedetti hinterlässt, lautet: Das Vergessen ist voller Erinnerung.” .
Zu Benedettis wichtigsten Werken gehören der Roman Gracias por el fuego (1965), die Erzählungen Con y sin nostalgia (1977), die GedichteViento en el exilio (1981) und Theaterstücke wie Pedro y el capitán (1979). Nach dem Militärputsch von 1973 verbrachte Benedetti, der die marxistische “Bewegung des 26. März (M26)” mitgegründet hatte, zehn Jahre im Exil, unter anderem auf Kuba und in Spanien.
“Benedettis Werk ist zweifellos ein fester Bestandteil der spanischsprachigen Literatur”, so Rosencof. “Es gibt keinen Sänger, der nicht eines seiner Gedichte vertont hätte.… weiter lesen
Bei einem Treffen am 11. Mai in der Casa Rosada hat der Vorstand des kanadischen Bergbauunternehmens Barrick Gold Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner über den Start des Pascua-Lama-Projekts informiert. Pascua Lama, eines der derzeit größten Bergbauprojekte weltweit, sieht Investitionen von rund drei Miliarden Dollar vor.
Das riesige Investitionsvolumen hatte das Unternehmen schon im Jahr 2001 angekündigt, als es die Machbarkeit des Projekts prüfte, bei dem beiderseits der argentinisch-chilenischen Grenze Silber und Gold abgebaut werden sollen. Die Mine soll nach bisherigen Planungen Ende 2012 ihren Betrieb aufnehmen und in den ersten fünf Jahren 750.000 bis 800.000 Unzen Gold sowie 35 Millionen Unzen Silber im Jahresdurchschnitt fördern. Die Gesamtdauer des Projekts wird auf 25 Jahre geschätzt. Am Ende hätte Barrick 18 Millionen Unzen Gold und 718 Millionen Unzen Silber gefördert.
Sowohl in Argentinien als auch in Chile stößt das Vorhaben auf heftigen Widerstand durch die Bewohner des betroffenen Gebietes,… weiter lesen
Bolivien hat ein Problem, seit 1879: Es fehlt der Zugang zum Meer. Seit hundertdreißig Jahren schwelt der Territorialkonflikt mit dem Nachbarn Chile, der im ersten Jahr des Salpeterkriegs die bolivianische Küstenregion um Antofagasta annektierte. Kein Schnee von gestern, jedenfalls nicht für Bolivien: Die Verhandlungen mit Chile über freien Zugang zum Pazifik stehen auf der Agenda von Präsident Evo Morales ganz oben.
Jetzt haben drei chilenische Architekten ihrem Außenminister Mariano Fernández einen verblüffend einfachen Vorschlag zur gütlichen Lösung des Konflikts unterbreitet: Bolivien baut einfach einen hundert Kilometer langen Tunnel zum Pazifik – genau unter der Grenzlinie zwischen Chile und Perú. Das unterirdische Viadukt transportiert gleich auch noch Gas und Öl und endet auf einer künstlichen Insel vor der chilenisch-peruanischen Küste, die mit dem Aushub aufgeschüttet wird. Dass da vorher noch keiner drauf gekommen ist.
Man könnte die Idee als Albernheit abtun, wären ihre Urheber… weiter lesen
Gerade mal ein Jahr ist es her, da versuchte die peruanische Regierung, das Europäische Parlament (EP) mithilfe eines Antrags der Europäischen Volkspartei (EPP, Zusammenschluss der konservativen und rechten Parteien) zu instrumentalisieren, um im eigenen Land soziale Protestbewegungen und Menschenrechtsorganisationen zu kriminalisieren. Jetzt lanciert sie eine Neuauflage jener Offensive, die sie als Antiterrorkampf verkauft – und wieder stehen die Menschenrechtsorganisationen am Pranger.
Mit dem Unterschied, dass die sozialdemokratische Fraktion sich diesmal der offensichtlich manipulierten Initiative nicht verweigerte. Am 7. Mai 2009, bei einer der letzten Abstimmungen der zu Ende gehenden Legislaturperiode, enthielten sich die meisten SozialdemokratInnen der Stimme, wohl wissend, dass sie damit der Zustimmung des Hauses insgesamt den Weg öffneten; die spanischen Sozis votierten sogar für den EPP-Vorschlag, die MRTA-Guerilla auf die EU-Liste terroristischer Vereinigungen zu setzen.
Allen Grund zur Freude: Perus Präsident Alan García
Im April 2008, im Vorfeld des EU-Lateinamerika-Gipfels der Staatschefs in der peruanischen Hauptstadt Lima,… weiter lesen
Chile ist vernetzter als jedes andere lateinamerikanische Land, so viel steht fest. Die Dichte hochwertiger, also schneller Internetanschlüsse ist enorm, aber noch bleiben große Lücken in der Fläche. Vor allem ärmere Haushalte können es sich nicht leisten, sich das Netz ins Haus zu holen – aber jetzt hat sich Telefónica Chile, Tochter der spanischen Telefónica und landesweit größter Anbieter, etwas ganz Innovatives ausgedacht und seit Wochen aggressiv beworben: Banda Ancha Libre heißt es, sprich: Breitband für lau. “Surf gratis – und das für immer” lautet der Slogan, und beim Produkt-Launch in der vergangenen Woche war auch Pablo Bello da, Staatssekretär für Telekommunikation, der sich persönlich als Speerspitze der Digitalisierung versteht und im Vorstand der Stiftung País Digital sitzt.
Screenshot: www.telefonicachile.cl
Inzwischen haben viele aufmerksame Blogger das Kostenlos-Internet analysiert (hier, hier oder hier) und als großen Schwindel gebrandmarkt. Dass man für einmal Modem-Kaufen à 29.900… weiter lesen
Die Präsidentschafts-Kampagne von Sebastián Piñera hat einen neuen Unterstützer. Und nicht irgendeinen: Mit Fernando Flores Labra springt ein Mann auf den Zug der Rechten auf, der nicht nur Finanzminister unter Allende war, sondern auch von 1973 bis 1976 in verschiedenen Straflagern der Diktatur zubrachte, unter anderem auf der Isla Dawson.
Am Mittwoch ist Flores seinen ganz persönlichen Pakt mit den politischen Erben seiner Verfolger eingegangen. Der 66-jährige Unternehmensberater und Senator, dessen achtjähriges Mandat im kommenden Jahr endet, hat seine Bewegung Chile Primero einer “Coalición del Cambio” hinzugefügt, der vor allem Piñeras Partei Renovación Nacional und die ultrarechte UDI angehören. Er selbst, ursprünglich Sozialist, war vor zwei Jahren aus der sozialdemokratischen Demokratie-Partei (PPD) ausgetreten, die zusammen mit der sozialdemokatischen Radikalen Partei (PRSD), der sozialdemokratischen Sozialistischen Partei (PS) und der sozialdemokratischen Christdemokratischen Partei (PDC) das Regierungsbündnis Concertación bilden. Sein Vorwurf: In der Koalition… weiter lesen