Die Uhr für das Putschistenregime in Honduras läuft ab. “Von Washington aus werde ich am Donnerstag nach Tegucigalpa zurückkehren”, kündigte Präsident Manuel Zelaya in Managua an.
Stunden später hielt er bereits eine Rede vor der UN-Vollversammlung. Unterdessen haben die sozialen Bewegungen Honduras lahmgelegt und wollen Zelaya mit einer großen Kundgebung in der Hauptstadt empfangen.
Die liberale spanische Tageszeitung El País bietet auf ihrem Onlineportaleine umfangreiche aktuelle Berichterstattung, mit der lesenswerten Kolumne Rückkehr in die Steinzeit des früheren nicaraguanischen Viezepräsidenten Sergio Ramírez und einer Kurzanalyse ihres erfahrenen Lateinamerikaexperten Miguel Ángel Bastenier: “Die Zeit der Staatsstreiche in Lateinamerika ist vorbei”.
Aktuelle Informationen auf deutsch bei laXXI und Indymedia.
Am Montag hat sich US-Präsident Barack Obama seinen lateinamerikanischen KollegInnen angeschlossen und die Absetzung Manuel Zelayas klar als Staatsstreich verurteilt. Auch Außenministerin Hillary Clinton gab eine Erklärung ab:
War das mehr als eine Pflichtübung? Der MilitärexperteJeremy Scahill weist darauf hin, dass es für Washington ein Leichtes gewesen wäre, den Putsch in Honduras zu unterbinden:
Die USA hätten ihre enorme wirtschaftliche Macht vor dem Putsch nutzen und die Verschwörer dazu auffordern können, davon abzulassen. Die Verbindungen der USA zum politischen und militärischen Establishment in Honduras sind viel zu intensiv, all dass all dies ohne wenigstens stillschweigende Unterstützung oder gezieltes Wegsehen einiger politischer oder militärischer US-Offizieller hätte passieren können.
Auf dem Gipfel des linken Staatenbundes Alba(Boliviarianische Alternative für die Amerikas) in Nicaragua hat Honduras’ weggeputschter Präsident Manuel Zelaya Rückendeckung erhalten.
Zelaya (M. hinten) auf dem Iberoamerikanischen Gipfel 2008
Auch Brasiliens Staatschef Lula verurteilte den Staatsstreich. “Wir können keine andere Regierung außer der von Präsident Zelaya akzeptieren oder anerkennen”, sagte Lula soeben in seiner wöchentlichen Radiosendung Frühstück mit dem Präsidenten, “wenn Honduras nicht seine Position revidiert, wird es inmitten eines riesigen Kontinents demokratischer Länder völlig isoliert bleiben”.
In Honduras hat am Sonntag das Militär gegen den fortschrittlichen Präsidenten Manuel Zelaya geputscht.
Zelaya wurde von Soldaten entführt und in die costaricanische Hauptstadt San José ausgeflogen. Im Ausland wurde der Staatsstreich einhellig verurteilt.
Es war im 21. Jahrhundert der dritte Putsch in der Region – nach dem gescheiterten Staatsstreich gegen Hugo Chávez 2002 und der gewaltsamen Entfernung von Jean-Bertrand Aristide aus Haiti 2004.
In Rios Armenviertel Santa Marta, wo Michael Jackson im Mai 1996 Teile seines Videos They don’t care about usdrehen ließ,
hat er bis heute besonders viele Fans. Rios Gouverneur Sérgio Cabral will dort sogar eine Jacko-Statue aufstellen lassen – ein ziemlich durchsichtiges Manöver, um sich bei der Bevölkerung anzubiedern. Denn für die Favela-BewohnerInnen ist der Songtext so aktuell wie vor 13 Jahren: Politiker interessieren sich gewöhnlich nur vor Wahlen für sie.
Schwer vorstellbar ist in Brasilien eine Aktion wie die von Jarvis Cocker bei einem Jackson-Auftritt in London, als der damalige Pulp-Frontmann auf die Bühne stürmte, um gegen das Messiasgehabe des androgynen Superstars zu protestieren:
Zum zweiten Mal seit Ausbruch der Influenza-A-Epidemie ist jetzt eine ganze Reihe Schweine vom A/H1N1-Erreger befallen – und zwar in der Provinz Buenos Aires.
Zuerst diskriminiert, jetzt auch noch gefährdet: südamerikanische Schweine (hier in Südbrasilien)
Trotz eines frühzeitigen Hinweises der mexikanischen Behörden auf den irreführenden Begriff “Schweinegrippe” hält der sich hartnäckig in den Medien.
Wegen des Winters im südlichen Südmerika breitet sich die A/H1N1-Grippe dort besonders rasch aus. In Argentinien sind bisher 22 Menschen daran gestorben, mehr als in den Nachbarländern. Am schnellsten weltweit schreitet die Epidemie in Chile voran, wo bereits 5.136 Fälle nachgewiesen wurden.
Zur ersten Infektion von Schweinen durch einen Menschen war es Anfang Mai in Kanada gekommen.
Chilenen im Ausland sind drollig. Ständig schießen sie Beweisfotos, die den Daheimgebliebenen zeigen, was sie von der großen weiten Welt gesehen haben. Vor allem aber müssen sie selbst mit drauf sein, gerne in der Gruppe, in allerlei komischen Posen oder mit der zum Victory-V geformten Hand – so ist es in Chile Brauch.
Immerhin die Hände unten gelassen haben die Pressevertreter in der Delegation von Präsidentin Michelle Bachelet, die am Dienstag eine halbstündige Audienz bei ihrem Amtskollegen Barack Obama bekam. Im Anschluss outeten sich die Berichterstatter als hoffnungslose Obama-Fans und überredeten ihn mit Schmeicheleien (“You must come to Chile. Everybody loves you there”) und rationalen Argumenten (“We travelled such a long way”) zu einem Gruppenfoto im Rosengarten des Weißen Hauses. Wie eine aufgekratzte Schulklasse drängelten sie sich um den Präsidenten, die eigene Würdenträgerin vergaßen sie dabei fast.
Zuhause waren natürlich alle neidisch auf die tollen Bilder und schrieben Böses… weiter lesen
Pünktlich zum 21. Juni beschloss die Regierung unter Evo Morales vorgestern, ebendiesen Tag in Bolivien ab 2010 zum offiziellen Feiertag zu erklären. Vor 500 Jahren verboten die spanischen Besetzer den Aymara, das Fest der Rückkehr der Sonne (Willakatuti) zu feiern, und oktroyierten den Bewohnern des Hochlands den gregorianischen Kalender auf, nach dem das Jahr am 1. Januar beginnt – das darf man sich so vorstellen, als würde die Regierung in Berlin erklären, in Deutschland sei Silvester ab sofort am 30. Juni abzuhalten.
Seit einiger Zeit wird Willakakuti, das Neujahrsfest der Aymará, das sich heute zum 5517sten Mal jährt, mit rituellen Zeremonien wieder begangen. Die wichtigste Feier findet in Tihuanaco statt: Tausende Menschen versammeln sich jedes Jahr in der eisigen Nacht in der antike Tempelstadt der Aymará auf knapp 4000 Meter Höhe, erwarten fröstelnd den Aufgang der Sonne, deren erste Strahlen genau in die obere… weiter lesen
Am 12. Juni hat die Compagnie von Pina Bausch das jüngste Stück der 68-Jährigen im Opernhaus Wuppertal uraufgeführt. Wie bei Bausch üblich ist es noch namenlos, aber es verweist auf die Erfahrungen der Truppe in Chile, wo sie im vergangenen Februar auf Einladung des Goethe-Instituts beim Theaterfestivals Santiago A Mil mit “Körper” gastierte. Wie man hört, reisten Bausch und ihre Tänzer anschließend durchs ganze Land, von der Atacama-Wüste bis Chiloé, um Impressionen für die kommende Arbeit einzufangen.
Aber wie viel Chile steckt in “Ein Stück von Pina Bausch” (so der Arbeitstitel)? Den ersten Rezensionen nach zu schließen, eher wenig – aber ganz genau weiß das nur das Auge des Betrachters:
Es muss sehr heiß gewesen sein in Chile, wo Pina Bauschs neues Stück entstand. Und knochentrocken war’s wohl auch – so trocken, dass der weiße (Bühnen-)Boden Risse und gefährliche Spalten bekommt. (Ruhr Nachrichten)
Hortensia Bussi Soto, “La Tencha”, ist tot. Die Witwe des 1973 von den Militärs gestürzten Präsidenten Salvador Allende starb gestern Nachmittag im Alter von 94 Jahren in Santiago.
Die Geschichtslehrerin und Bibliothekarin hatte Allende 1940 geheiratet. Im September 1973, nachdem sich ihr Mann im Moneda-Palast das Leben genommen hatte, musste sie ihn auf Befehl der Militärjunta unter Ausschluss der Öffentlichkeit, streng bewacht und nur im Beisein eines Neffen in Valparaíso beerdigen. 17 Jahre später, nach Chiles Rückkehr zur Demokratie und Bussis Rückkehr aus dem mexikanischen Exil, beerdigte sie ihn erneut, diesmal auf dem Zentralfriedhof von Santiago, mit staatlichen Ehren und unter der Anteilnahme vieler Zehntausender. Dort wird nun auch sie am Samstag beigesetzt werden.
In diesem Beitrag von CNN Chile äußert sich Jacques Chonchol, Landwirtschaftsminister unter Allende, über die einstige Primera Dama.