Néstor “El Pingüino” Kirchner ist heute in Patagonien einem Herzinfarkt erlegen.
Damit verliert Lateinamerika einen seiner wichtigsten Staatsmänner des letzten Jahrzehnts. Als argentinischer Präsident sorgte der Linksperonist wie kein zweiter dafür, dass die Schergen der Militärdiktatur (1976-83) vor Gericht und im Knast landen – nirgendwo in der Region wird die Aufarbeitung dieser Schreckensära gründlicher vorangetrieben als in Argentinien.
In November 2005 hatte Kirchner seinen wohl größten Auftritt, als er in Mar del Plata zusammen mit dem Brasilianer Lula und Hugo Chávez aus Venezuela das US-Projekt der gesamtamerikanischen Freihandelszone ALCA platzen ließ. Im folgenden Ausschnitt von South of the Border erzählt er von einem Wortwechsel mit George W. Bush.
Dieses Audio ist zugegebenermaßen von bescheidener Qualität, soll aber nur belegen, dass Sebastián Piñera, wenn er Deutsch vom Blatt liest, ein bisschen so klingt wie Charlie Chaplin im “Großen Diktator”. Immerhin: Auf Englisch parlierte der chilenische Präsident, der seine Kindheit in den USA verbrachte, nicht akzent-, aber weitgehend fehlerfrei, und fremdschämen musste man sich am vergangenen Donnerstag im Audimax der Berliner Humboldt-Universität vor allem über die ebenfalls auf Englisch vom Blatt gestotterten Worte des HU-Präsidenten Jan-Hendrik Olbertz, der den Staatsgast in seinem Haus begrüßte.
Piñeras Powerpoint-Vortrag über die großen Pläne, die er für sein Land hat, brachte wenig Neues: In den kommenden acht Jahren werde Chile die Armut endgültig besiegen und Teil der Ersten Welt werden – das sage er “mit der gebotenen Bescheidenheit”. Als Besucher der Veranstaltung konnte man sich freilich davon überzeugen, dass Piñera alles ist, aber nicht auf den Mund gefallen: Die… weiter lesen
Auch wenn die Zeiten für Kleinverlage härter geworden sind – auf der Frankfurter Buchmesse sind immer noch erfreulich viele von ihnen präsent.
Einer von ihnen ist Cielo Naranja, der von dem umtriebigen Dichter und Literaturkritiker Miguel D. Mena aus der Dominikanischen Republik geleitet wird.
Seit 1984 veröffentlicht Mena nach dem Prinzip “books on demand” Literatur aus seiner karibischen Heimat. Das Verlagsprogramm umfasst mittlerweile gut 60 Titel. Mehr über die dominikanische Literatur und die Schwierigkeiten, sie in der europäischen Verlagslandschaft zu platzieren, erzählt der Wahlberliner in diesem Interview.
Noch ein Highlight von der Frankfurter Buchmesse: Die Präsentation der liebevoll edierten zweisprachigen Anthologie Neue argentinische Dichtung (luxbooks, Wiesbaden 2010).
Es lasen die Autoren Fabián Casas (2. v. l.), Washington Cucurto (2. v. r.) sowie die Herausgeber Timo Berger (l.) und Gustavo López (r.).
Eine Kostprobe von Washington Cucurto:
Die Frau aus Paraguay sagt über dieses Land
“Ein mit allen Wassern gewaschener lüsterner Araber wird der zweite Präsident, / der zum dritten Mal die Blauweiße küsst.” (…) Aber ist an dem Ganzen nicht der Araber schuld? / Da antwortet die Frau aus Paraguay: / “Schuld sind wir selbst, weil wir so bescheuert sind.”
Der argentinische Schriftsteller und taz-Autor Ariel Magnus stellte auf der Frankfurter Buchmesse seinen wunderbaren Roman Ein Chinese auf dem Fahrrad vor.
Magnus las aus der deutschen Übersetzung vor und stellte sich anschließend den Fragen seines jungen Publikums. Ein schönes Interview mit ihm findet sich hier.
Heute Nacht soll sie beginnen, die Bergung der 33 seit zwei Monaten in der Mine San José eingeschlossenen Bergleute. Dass die Rettungsaktion bald vorbei ist, möchte man nicht nur den Verschütteten und ihren Familien wünschen, sondern auch der chilenischen und der Weltöffentlichkeit. So präsent war Chile schon lange nicht mehr in den internationalen Medien – mit einem Thema, das menschlich so bewegend wie politisch irrelevant ist. Wobei: Politisch ist es natürlich schon, wenn eine glückliche Fügung – das Überleben der Bergleute und die Chance, sie wohlbehalten aus 700 Metern Tiefe an die Oberfläche zurückzuholen – von den Regierenden ebenso wie von den Medien bis zum letzten Tropfen ausgepresst wird. Die Livecams, Dauerreportagen, Hintergrundanalysen, 3-D-Animationen überstürzen sich seit Wochen, und immer nutzen Präsident Piñera und seine Minister jede sich bietende Gelegenheit, ihre Verdienste in dieser nationalen Angelegenheit zu unterstreichen.
Sicher: Die Kosten der Aktion sind immens und wurden… weiter lesen