Gestern vor 20 Jahren verlor Pinochet das Plebiszit, das ihn für weitere acht Jahre im Amt bestätigen sollte. Es war keine vernichtende Niederlage – aber immerhin. Aus diesem Anlass heute zwei historische Videoclips: die Wahlwerbung der NO-Kampagne (Nein zu Pinochet), die nach anderthalb Jahrzehnten Diktatur von vielen Chilenen als extrem erfrischend erlebt wurde, sich dabei aber jedes nur denkbaren Zahnpastareklame-Klischees bedient. Auch Aerobic wurde da getanzt.
Die Gräuelkampagne, mit der das Pinochet-Lager (das SÍ) seine Gegner zu diskreditieren suchte, kam nicht ganz so gut an:
Besonders erhellend der Spruch Aunque el marxista se vista de seda, marxista queda (“Auch wenn der Marxist sich in Seide kleidet, er bleibt doch ein Marxist” – der Original-Spruch geht so ähnlich, man muss nur mono - Affe – für marxista einsetzen).
Auch in Lateinamerika wird der Versuch Homer Simpsons, Barack Obama zu wählen, gerade zum Renner im Netz:
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Der Ausschnitt ist auch ein Seitenhieb auf die mit den Republikanern verbandelte Wahlautomatenfirma Diebold, berichtet das Internetportal ElArgentino.com.
Erst vor ein paar Monaten empörten sich Argentiniens Peronisten über eine Simpsons-Episode, in der ihr Führer Juan Domingo Perón verunglimpft wurde. Daraufhin gab es prompt eine geniale “peronistische” Version:
Insgesamt 234 Festnahmen, davon 160 in Santiago, 22 durch scharfe Munition, Schrotkugeln und Steinwürfe verletzte Polizisten und neun verletzte Demonstranten, davon einer mit einem schweren Schädeltrauma, vermutlich durch eine Tränengaskartusche – das war nach Angaben des Innenministeriums die Bilanz der diesjährigen Protestnacht des 11. Septembers. Immerhin: Es gab keine Toten zu beklagen wie in vergangenen Jahren.
Die Ausschreitungen am “once” finden hauptsächlich in armen Randbezirken, aber auch im Zentrum von Santiago statt, sie haben sich als Gewaltritual längst vom eigentlichen Anlass gelöst. Während der Protest von Attacken auf die Infrastruktur der “eigenen” Viertel geprägt ist (nicht unähnlich dem, was in Berlin-Kreuzberg über viele Jahre hinweg am 1. Mai geschah), fährt die Staatsmacht im Gegenzug an Repressionswerkzeug auf, was die Arsenale hergeben.
Zu Schlagstöcken, Gummigeschossen, Tränengas und Wasser hat sich an diesem 11. September eine neue “nicht-tödliche Waffe” gesellt: Ein Long Range Acoustic Device (LRAD), wie… weiter lesen
Im unterirdischen Centro Cultural Palacio La Moneda, einem der Vorzeigeprojekte der Lagos-Regierung, ist gerade eine niedliche kleine Ausstellung mit dem Titel “Pintacanes” zu sehen. Bei den seriell aus Glasfaser gepressten und künstlerisch gestalteten Hunden handelt es sich im Prinzip um eine Spielart der abscheulichen Berliner Buddybären, aber hier stimmt das Konzept: Kein steriles Wappentier stand Modell, sondern ein kleiner, räudiger Straßenköter, ein quiltro, dem man in den Straßen von Santiago auf Schritt und Tritt begegnet und der deshalb als legitimer Vertreter der Metropole gelten darf. Auch die Verfremdungen haben es in sich. Renommierte bildende Künstler haben sie gemeinsam mit Bewohnern des Stadtteils La Pintana geschaffen, sie erzählen von Sex, Drogen und Armut, von Lebensfreude und einem gewitzten Umgang mit nationaler Identität. Wau!
Unbedingt ansehen: Nur noch bis zum 2. September ist der, wie ich finde, hervorragende US-Dokumentarfilm “The Judge and the General” im Netz abrufbar. Die für den Public Broadcasting Service (PBS) produzierte Doku beschreibt, wie der chilenische Richter Juan Guzmán ab 1998 und bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2005 gegen Augusto Pinochet und andere Täter der Militärdiktatur ermittelte. Guzmán hatte 1998 eine Sammelklage von Angehörigen Ermordeter und Verschleppter übernommen, nicht weil er sich besonders dafür interessiert hätte, sondern weil es das interne Turnusverfahren des Gerichtshofs so ergab.
Die eigentliche Geschichte, die der Film erzählt, steckt denn auch weniger in der Tatsache, dass Guzmán erreicht hat, die Selbstamnestie der Militärs aufzuhebeln (was spannend genug ist), sondern in seiner Wandlung von einem stillen Befürworter des Pinochet-Regimes hin zu einem seiner gefährlichsten Verfolger. Der Richter, der weite Teile der Doku aus dem Off… weiter lesen
Der gemeinste, verschlagenste, rücksichtsloseste Macho, den Chile je erlebt hat – er tobt sich Tag für Tag auf den Bildschirmen aus. José Luis Echenique heißt er, man kennt ihn aber auch als El Señor de la Querencia. José Luis ist Großgrundbesitzer, ihm gehört das Gut “La Querencia” im Norden von Santiago und im Jahr des Herrn 1920. Wen das Los getroffen hat, auf José Luis’ Latifundium zu arbeiten, der muss mit dem Schlimmsten rechnen: Der patrón geht nicht nur gewohnheitsmäßig fremd und beutet seine Arbeiter nach Strich und Faden aus, er prügelt, vergewaltigt und mordet auch. Um anschließend in der gutseigenen Kapelle niederzuknien und um Vergebung zu bitten.