Archive for the ‘Geschichte’ Category

17.04.2010 von Claudius Prößer
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Andrusco tritt ab

von Claudius Prößer

Sebastián Piñera hat kein gutes Händchen fürs Personal: Nachdem im März die Ernennung eines regionalen Verwaltungschefs zurückgezogen werden musste, weil dieser mutmaßlich mit der Colonia Dignidad verstrickt war, ist jetzt der Chef der Gendarmería zurückgetreten. Der Ex-Polizeigeneral Iván Andrusco leitete Chiles uniformierte Justizvollzugsbeamte nur 22 Tage lang. In einem am Freitag vegröffentlichten Schreiben beklagte er eine “Hetzkampagne”, die angeblich nicht einmal vor Morddrohungen Halt gemacht habe.

Sicher ist: Mit drei brutalen Morden wird Andrusco selbst in Verbindung gebracht – dem sogenannten Caso Degollados vom März 1985. Damals waren drei Mitglieder der im Untergrund agierenden Kommunisten entführt worden, man fand sie am nächsten Morgen mit aufgeschlitzten Kehlen in der Nähe des Flughafens. Der Fall schlug derart hohe Wellen, dass wenige Monate später sechs Angehörige des polizeilichen Geheimdienstes Dicomcar zu lebenslänglichen Freiheitsstrafen verurteilt wurden. Polizeigeneral und Junta-Mitglied César Mendoza musste seinen Posten räumen.

Andrusco gehörte damals der Dicomcar an und… weiter lesen

14.04.2010 von Claudius Prößer
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Kein Check-in für den Dichter

von Claudius Prößer

Man sollte der chilenischen Rechten dankbar sein: Ihre Fraktionen im chilenischen Abgeordnetenhaus haben mit den Ex-Christdemokraten der PRI gegen eine Umbenennung des Flughafens von Santiago in Aeropuerto Internacional Pablo Neruda gestimmt. Es waren 44 Stimmen gegen 38 von Vertretern der Concertación, den drei Kommunisten sowie zwei Abgeordneten der rechten RN, die es offenbar doch nicht für eine so schlechte Idee hielten, den Heimatflughafen von LAN Airlines auf den Namen des chilenischen Dichterfürsten zu taufen. Die Initiative war im Jahr 2004 von Abgeordneten der Concertación auf den Weg gebracht worden.

Die sind jetzt natürlich sauer: “Die Rechte hat ideologische Vorurteile und will nicht verstehen, dass Figuren wie Neruda Weltbürger sind”, befand der sozialistische Abgeordnete Alfonso De Urresti, der die Vertreter der rechten Allianz für Chile aufforderte, sich endlich “weiterzuentwickeln”. Natürlich kam die Attacke postwendend zurück: Eine “kleingeistige Debatte” sei das, fand der Fraktionschef der rechten UDI, Patricio Melero:… weiter lesen

06.03.2010 von Benjamin Kiersch
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Oscarverdächtiges Geheimnis

von Benjamin Kiersch

Pünktlich zur bevorstehenden Oscar-Verleihung schickt uns Martin Brauer aus Argentinien einen Text über den Film  “El secreto de sus ojos”, der als “bester fremdsprachiger Film” nominiert ist:

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Wenn an diesem Sonntag in Hollywood der rote Teppich ausgerollt wird, wird die Welt erfahren, ob der Film „Das Geheimnis ihrer Augen“ den zweiten Oscar für einen argentinischen Film nach „Die offizielle Geschichte“ (1986) erhält.

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Es gibt viele Berührungspunkte zwischen beiden Filmen:  Zum einen beleuchten beide die dunkelste Vergangenheit Argentiniens, die Repression in den siebziger Jahren. Zum anderen war die Drehbuchautorin von „Die offizielle Geschichte“ die erste Professorin von Campanella, dem Regisseur von „Das Geheimnis seiner Augen“.

Ein Anliegen des Films ist es, den Abschnitt der argentinischen Geschichtsschreibung zu beleuchten, der eine klare Trennlinie zwischen der Präsidentschaft Isabel Peróns und dem Militärputsch im März 1976 zieht, als ob bis unmittelbar zu diesem Zeitpunkt alles in bester Ordnung gewesen… weiter lesen

14.01.2010 von Gerhard Dilger
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Eduardo Galeano über Haiti

von Gerhard Dilger

Die apokalyptischen Bilder aus Haiti verdecken eines: Der westliche Teil der Insel Hispaniola war nicht immer ein “Katastrophenland”.

Der weiße Fluch

von Eduardo Galeano

Am ersten Tag diesen Jahres wurde die Freiheit 200 Jahre alt. Keiner hat es bemerkt, oder beinahe keiner. Einige Tage später bekam Haiti, das Geburtstagskind, ein wenig Platz in den Medien. Nicht aufgrund des Jahrestages der universellen Freiheit, sondern wegen eines Blutbads, das schließlich zum Sturz des Präsidenten Aristide führte.

Haiti war das erste Land, in dem die Sklaverei abgeschafft wurde. Allerdings schreiben die bekanntesten Enzyklopädien und die meisten Lehrtexte England diese historische Ehre zu. Es stimmt, dass das Weltreich, das zuvor Weltmeister im Sklavenhandel war, eines Tages die Meinung änderte; doch die Abschaffung durch die Briten geschah 1807, drei Jahre nach der Haitianischen Revolution, und sie war so wenig überzeugend, dass England 1832 die Sklaverei noch einmal verbieten musste.

Die Negierung Haitis ist nichts… weiter lesen

24.12.2009 von Claudius Prößer
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Frei-Mord: Die Wahrheit kommt ans Licht

von Claudius Prößer

Was für ein Timing: Als der Untersuchungsrichter Alejandro Madrid Anfang Dezember Haftbefehle gegen sechs Personen wegen Mordes an Eduardo Frei Montalva ausstellen ließ, war das genau sechs Tage vor der Präsidentschaftswahl – zu der Eduardo Frei Ruiz-Tagle, Sohn des früheren Präsidenten und selbst Ex-Präsident, als Kandidat antrat. Dass die seit Jahren laufenden Ermittlungen ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt in der Nennung mutmaßlicher Schuldiger gipfelten, wurde von Vertretern der rechten Opposition sofort als Wahlbeeinflussung gerügt. Wegen dieses zumindest nicht völlig abwegigen Verdachts ist höchst fraglich, ob der Fall Frei dem Kandidaten in der anstehenden Stichwahl eher hilft oder schadet.

Dabei ist die nunmehr offizielle Feststellung, dass Frei Montalva 1982 Opfer eines Giftmords wurde, eine mittlere Sensation. Der Christ­de­mo­krat war eine wichtige Oppositionsfigur unter Pinochet, als er sich in einer Pri­vat­kli­nik einer harmlosen Leistenbruchoperation unterzog. Mehrere Wo­chen später war er tot – aufgrund unvorhersehbarer Komplikationen durch eine Bauchfellentzündung mit… weiter lesen

04.12.2009 von Claudius Prößer
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Víctors letzter Auftritt

von Claudius Prößer

Jetzt bekommt der chilenische Sänger Víctor Jara doch noch ein wür­di­ges Begräbnis: Seit Donnerstag und noch bis Samstag sind die sterb­li­chen Überreste des 1973 vom Militär ermordeten Sängers in der nach ihm benannten Stiftung in Santiago aufgebahrt. Hunderte haben bislang schon Totenwache gehalten, allen voran Jaras Witwe Joan und die beiden Töchter. Am Samstag soll Jara mit allen Ehren auf dem Hauptfriedhof beigesetzt werden. Dort lag er bereits seit seiner heimlichen Bestattung am 18. September 1973. Vor mehreren Monaten hatte ein Un­ter­su­chungs­rich­ter die Exhumierung angeordnet.

Hier eine Fotogalerie von Jaras Totenwache (Foto oben: dpa).

08.11.2009 von Claudius Prößer
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Glos und die Generäle

von Claudius Prößer

Michael Glos hält den “Bolivarismus” von Hugo Chávez für eine Be­dro­hung – nicht, weil Chávez gerade erklärt hat, dass er nur drei Mi­nu­ten zum Duschen braucht, sondern weil er “seine Ideen auch in anderen la­tein­ame­ri­kanischen Ländern finanziert”. Der ehemalige Bun­des­wirt­schafts­minister ist gerade mit einer Delegation der Hanns-Seidel-Stiftung zu Besuch in Chile. Dem Mercurio hat er ein kleines Interview gegeben.

El Mercurio: Und wie sehen Sie die wirtschaftliche Entwicklung in der Region?

Michael Glos: Was das betrifft, ist Chile ein vorbildliches Land. Ich weiß, dass die Generäle sich selbst in wirtschaftlichen Dingen für nicht allzu kompetent hielten und deshalb Experten ins Land geholt haben. Das hat dazu geführt, dass die Wirtschaft hier eine sehr positive Entwicklung durchgemacht hat, dass Chile in der Region führend ist. Natürlich ent­schuldigt das nicht, dass es in diesem Land Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen gegeben hat. Aber es ist auch eine Tat­sa­che, dass hier die… weiter lesen

28.09.2009 von Claudius Prößer
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Apathische Revolutionäre, abgründige Dienstmädchen

von Claudius Prößer
Schade. “Dawson – Isla 10″, Miguel Littíns Film über das Kon­zen­tra­tions­la­ger, das Pinochets Junta für hochrangige Politiker der Uni­dad Popular auf einer patagonischen Insel einrichtete, enttäuscht die Er­war­tun­gen. Und die waren hoch, denn noch gibt es nicht allzu viele Filme, die die Ereignisse rund um den Putsch von 1973 erzählen. Außer­dem ist Littín so etwas wie der Altmeister des chilenischen Films und ein einsamer dazu – zwischen ihm und den vielen Jungfilmern, die heute dank einer ver­gleichs­wei­se generösen Förderung ein Debüt nach dem anderen ab­lie­fern, klafft eine große, leere Lücke.

Leider ist Littín, was Erzähltechniken und Experimentierfreude angeht, auch irgendwo in den Siebzigern hängen geblieben. “Dawson – Isla 10″, der auf dem autobiografischen Buch des ehemaligen Häftlings Sergio Bitar beruht, ist ein Film ohne jede Überraschung, eine An­ein­an­der­rei­hung von Begebenheiten, die Bitar tagebuchartig auf­ge­schrie­ben hat, letztlich ein Kostümfilm, dessen Ende man schon vor­herweiter lesen

11.09.2009 von Claudius Prößer
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Dawson kommt ins Kino

von Claudius Prößer
Miguel Littin soll sehr bedauert haben, dass der heutige 11. September, Jahrestag des Putsches von 1973, auf einen Freitag fällt. So konnte sein jüngster Film Dawson – Isla 10 nicht an diesem hochsymbolischen Datum anlaufen, denn auch in Chile wird das Kinoprogramm immer donnerstags erneuert. Bereits am Mittwoch freilich trat sich Chiles Politprominenz bei der Vorpremiere auf die Füße – inklusive Präsidentin Michelle Bachelet und ihrem Minister Sergio Bitar, der sich an diesem Abend selbst auf der Leinwand bewundern durfte. Verkörpert wird er in Littíns Film über das Gefangenenlager, das die Militärs für hochrangige Politiker der Unidad Popular auf der patagonischen Dawson-Insel eingerichtet hatten, von Benjamín Vicuña. Eine schlaue Besetzung, denn Vicuña ist der Shooting-Star des chilenischen Films, und so wird “Dawson – Isla 10″ trotz des sperrigen historischen Themas vermutlich auch viele junge Menschen in die Säle locken.

22.06.2009 von Benjamin Kiersch
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Die Rückkehr der Sonne

von Benjamin Kiersch

Pünktlich zum 21. Juni beschloss die Regierung unter Evo Morales vorgestern, ebendiesen Tag in Bolivien ab 2010 zum offiziellen Feiertag zu erklären. Vor 500 Jahren verboten die spanischen Besetzer den Aymara,  das Fest der Rückkehr der Sonne (Willakatuti) zu feiern, und oktroyierten den Bewohnern des Hochlands den gregorianischen Kalender auf, nach dem das Jahr am 1. Januar beginnt – das darf man sich so vorstellen, als würde die Regierung in Berlin erklären, in Deutschland sei Silvester ab sofort am 30. Juni abzuhalten.

Seit einiger Zeit wird Willakakuti, das Neujahrsfest der Aymará, das sich heute zum 5517sten Mal jährt, mit rituellen Zeremonien wieder begangen. Die wichtigste Feier findet in Tihuanaco statt: Tausende Menschen versammeln sich jedes Jahr in der eisigen Nacht in der antike Tempelstadt der Aymará auf knapp 4000 Meter Höhe, erwarten fröstelnd den Aufgang der Sonne, deren erste Strahlen genau in die obere… weiter lesen