24.12.2009 von Claudius Prößer

Was für ein Timing: Als der Untersuchungsrichter Alejandro Madrid Anfang Dezember
Haftbefehle gegen sechs Personen wegen Mordes an
Eduardo Frei Montalva ausstellen ließ, war das genau sechs Tage vor der Präsidentschaftswahl – zu der Eduardo Frei Ruiz-Tagle, Sohn des früheren Präsidenten und selbst Ex-Präsident, als Kandidat antrat. Dass die seit Jahren laufenden Ermittlungen ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt in der Nennung mutmaßlicher Schuldiger gipfelten, wurde von Vertretern der rechten Opposition sofort als Wahlbeeinflussung gerügt. Wegen dieses zumindest nicht völlig abwegigen Verdachts ist höchst fraglich, ob der Fall Frei dem Kandidaten in der anstehenden Stichwahl eher hilft oder schadet.
Dabei ist die nunmehr offizielle Feststellung, dass Frei Montalva 1982 Opfer eines Giftmords wurde, eine mittlere Sensation. Der Christdemokrat war eine wichtige Oppositionsfigur unter Pinochet, als er sich in einer Privatklinik einer harmlosen Leistenbruchoperation unterzog. Mehrere Wochen später war er tot – aufgrund unvorhersehbarer Komplikationen durch eine Bauchfellentzündung mit… weiter lesen
29.05.2009 von Claudius Prößer

“Seine Augen waren offen. Alle, die da lagen, hatten offene Augen. Dieses Bild geht mir bis heute nicht aus dem Kopf.”
Anfang dieser Woche hat Héctor Herrera Olguín als Zeuge vor dem Untersuchungsrichter Juan Eduardo Fuentes ausgesagt, der die Ermordung des Sängers Víctor Jara in den Tagen nach dem Militärputsch 1973 aufklären soll. Das Verfahren war vor einem Jahr eingestellt worden, wurde aber nach anhaltenden Protesten neu aufgerollt. Herrera Olguín war im September 1973 ein junger Mitarbeiter der Meldebehörde von Santiago. Er musste mit einem Kollegen rund dreihundert Tote in der Gerichtsmedizin identifizieren, bevor die Leichen – auf Anordnung der Militärjunta unter striktem Ausschluss der Öffentlichkeit – beerdigt wurden.
Herrera Olguín hatte damals den populären Sänger trotz der massiven Verstümmelungen erkannt und seiner Frau Joan die Nachricht vom Tod ihres Mannes überbracht. Darüber gesprochen hatte der Mann, der einige Jahre später in seine jetzige Heimat Frankreich flüchtete, bis… weiter lesen
02.04.2009 von Florencia Abbate
In der Nacht vom 31. März verstarb Raúl Alfonsín, der erste demoratisch gewählte Präsident Argentiniens (1983-1989) nach dem Ende der blutigen Militärdiktatur 1976-1982. Am 1. April pilgerten Tausende zum Parlamentsgebäude in Buenos Aires, um sich von Alfonsín zu verabschieden. Er starb im Alter von 82 Jahren an Lungenkrebs. Er wird als ehrlicher Mann in Erinnerung bleiben, der im Gegensatz zu Carlos Menem nie in Korruptionsskandale verwickelt war, und als eine der wichtigsten Figuren der Partido Radical und der Sozialdemokratie Argentiniens in die Geschichte eingehen.

Sein letzter öffentlicher Auftritt war Anfang Oktober letzten Jahres aus Anlass einer Feier des 25. Jubiläums seiner Amtseinführung in der Casa Rosada, dem Präsidentenpalast. Dort sagte er, umgeben von radikalen, sozialistischen und peronistischen Politikern: „Mein politisches Handeln war immer bestrebt, die Autonomie der demokratischen Institutionen und die rechtmäßige Regierung zu stärken“.

Dem einzigen Präsidenten, der uns zeigen… weiter lesen