Archive for the ‘Literatur’ Category

16.08.2012 von Gerhard Dilger
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Deutschkurse bei Stefan Zweig

von Gerhard Dilger

Von Andreas Behn

Stefan Zweig war entschlossen: “Ehe ich aus freiem Willen und mit klaren Sinnen aus dem Leben scheide, drängt es mich, eine letzte Pflicht zu erfüllen: Diesem wundervollen Lande Brasilien innig zu danken, das mir und meiner Arbeit so gute und gastliche Rast gegeben.” Kurz darauf nahm sich der österreichische Schriftsteller zusammen mit seiner zweiten Ehefrau Charlotte Altmann das Leben. Es war das Jahr 1942, in Europa tobte der Krieg.

Seine damaliges Haus in Petrópolis, rund 80 Kilometer von Rio de Janeiro entfernt, ist seit ein paar Wochen ein Kulturzentrum. “Das Stefan-Zweig-Haus ist zugleich ein Museum, ein Platz für Ausstellungen und ein Ort, an dem sich Künstler treffen und Kunst gelehrt wird,” sagt Zweig-Biograf Alberto Dines. “Es ist ein ganz winziges Häuschen, aber mit großer gedeckter Terrasse und wunderbarem Blick”, schrieb Zweig in einem Brief.

Dines ergriff bereits vor… weiter lesen

06.03.2012 von Gerhard Dilger
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Happy Birthday, Gabo!

von Gerhard Dilger

Von Graham Greene habe er gelernt, die Karibik in eine “poetische Synthese” zu bringen, verriet Gabriel García Márquez einmal: “Mit einigen verstreuten Elementen, die in einen sehr feinen und realen subjektiven Zusammenhang gebracht werden – mit dieser Methode kann man das ganze Rätsel der Tropen auf den Duft einer verrotteten Guave reduzieren”.

Geboren wurde “Gabo”, wie sie ihn in Kolumbien nennen, vor genau 85 Jahren im Karibikdorf  Aracataca, dem erklärten Vorbild für den mythischen Ort Macondo in “Hundert Jahre Einsamkeit” (1967). Das melancholische Epos um die Buendía-Sippe, von Mario Vargas Llosa als “totaler Roman” bezeichnet, wurde auf Anhieb zum Bestseller.

Doch García Márquez war immer mehr als ein begnadeter Literat. Wie viele lateinamerikanische Autoren pflegte er lange Jahre den Journalismus, den “besten Beruf der Welt”, wie er oft erklärte. Für die Tageszeitung El Espectador, in der seine ersten Kurzgeschichten erschienen waren, berichtete er als Korrespondent aus Europa, darunter illusionslose… weiter lesen

22.02.2012 von Gerhard Dilger
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Amerigo, America

von Gerhard Dilger

Ein bedauerlicher Irrtum? Eine Ironie der Geschichte? Oder doch mehr als ein Zufall? Noch immer streiten sich manche Gelehrte, ob der amerikanische Kontinent seinen Namen zu Recht nach Amerigo Vespucci (1451-1512) trägt – jenem Kaufmann und Seefahrer, der heute vor 500 Jahren gestorben ist.

Fest steht: Wie sich die Europäer in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts die “Neue Welt” vorstellten, geht maßgeblich auf die in vielen Variationen erschienenen Reiseberichte Vespuccis zurück.

1507 veröffentlichte der Freiburger Kartograf Martin Waldseemüller seine Weltkarte, auf der sich zum ersten Mal die Bezeichnung “America” findet – dort, wo heute Brasilien liegt. Begleitet wurde die kunstvoll gestaltete Weltkarte von 2,28 mal 1,25 Metern Größe von einer Einführung in die neue Weltkunde des Entdeckungszeitalters und einer kleinen Globus-Segmentkarte. Die gedruckten Einzelteile ergaben – ausgeschnitten und auf eine Holzkugel geklebt – einen Globus.

Waldseemüller und sein Kollege Matthias Ringmann begründen in dieser… weiter lesen

27.10.2011 von Gerhard Dilger
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Trotzkis Schrei im Ohr

von Gerhard Dilger

Der kubanische Autor Leonardo Padura erzählt die Geschichte des gescheiterten Realsozialismus

Von Tobias Lambert, Lateinamerika Nachrichten 448

In seinem neuen Buch “Der Mann, der Hunde liebte” widmet sich der in Havanna lebende Autor Leonardo Padura einem Thema, das in den realsozialistischen Ländern jahrzehntelang als Tabu galt. Er erzählt die Geschichte des von Stalin verstoßenen Leo Trotzki und seines Mörders, dem Katalanen Ramón Mercader. Dabei verknüpft Padura zentrale Ereignisse des 20. Jahrhunderts zu einem großen Roman, der eng an den Fakten bleibt und dennoch stetig die Spannung steigert.

Ohrenbetäubend erschallt der Schrei am 20. August 1940 durch den Innenhof. Vergeblich wehrt sich der von Stalin zum Tode Verurteilte Lew Dawidowitsch alias Leo Trotzki gegen sein vorgezeichnetes Schicksal. Ein Schrei, ein Biss in jene Hand, die ihm soeben einen Eispickel in den Schädel geschlagen hat, zu mehr reicht die Kraft nicht aus. Trotzkis mühevoll vorgebrachte Worte an seine Wachleute, dass… weiter lesen

05.03.2011 von Gaby Küppers
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Humor als Waffe gegen die Verzweiflung

von Gaby Küppers

Interview mit Moacyr Scliar (1937-2011)

Er beschrieb die Welt, in der er lebte, und heraus kamen in jeder Hinsicht phantastische Geschichten. Moacyr Scliar, Sohn einer jüdisch-russischen Einwandererfamilie, kannte als Arzt Alltag, Wünsche und Ängste der Menschen im brasilianischen Süden sehr genau. Das Sichtbarmachen des Hintergrundes im scheinbar Vordergründigen war seine Kunst. Mit ihrem nachdenklich-traurigen Humor gehören seine Kurzgeschichten mit zu dem Besten, was die brasilianische Gegenwartsliteratur zu bieten hat. 1994 habe ich Scliar interviewt.

Eines der zentralen Themen Ihrer Literatur ist das jüdische Brasilien. Wie groß ist die jüdische Gemeinde in Brasilien in etwa, und wo lebt sie hauptsächlich?

Nun, die jüdische Gemeinde in Brasilien ist sehr klein. Es handelt sich um schätzungsweise 150 000 Personen bei einer Gesamtbevölkerung in Brasilien von rund 150 Mio Menschen. Sie macht also bei weitem nicht einmal ein Prozent der Bevölkerung aus. Aber auch wenn die Anzahl der Leute sehr klein ist, sind sie… weiter lesen

02.03.2011 von Gerhard Dilger
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Moacyr Scliar: Ein großer Erzähler und Humanist

von Gerhard Dilger

Moacyr Scliar ist tot. Und ganz Porto Alegre trauert. Das ist durchaus keine Übertreibung, denn gab wohl keinen Schriftsteller, der in Brasilien über alle – auch ideologischen – Grenzen so beliebt war. Das stimmt vor allem in seiner Heimatstadt. Hier war Scliar, der stets gut gelaunte, humorvolle und leidenschaftliche Arzt, Erzähler und Kolumnist jüdischer Herkunft auch noch ein Symbol des Regionalstolzes – allerspätestens seit seiner Wahl in die Brasilianische Akademie der Geisteswissenschaften vor acht Jahren.

73 Jahre wurde der Sohn einer bessarabischen Auswandererfamilie alt, mindestens 73 Bücher hat er  allein in Brasilien veröffentlicht. Er gehörte auch zu den meistausgezeichneten, meistübersetzten Autoren des Landes. Seine ins Deutsche übertragenen Klassiker wie Die Ein-Mann-Armee (1973) oder Ein Zentaur im Garten (1980) sind nur noch antiquarisch erhältlich, seine Kurzgeschichten wurden im deutschen Sprachraum nur vereinzelt veröffentlicht. In den USA hingegen fand er große Anerkennung.

Zum Allerbesten gehören neben einer ganzen Reihe… weiter lesen

15.11.2010 von Gerhard Dilger
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Die 170 Minuten mit Paul McCartney

von Gerhard Dilger

Unter kultur- und sozialwissenschaftlichen Gesichtspunkten erscheint das Konzert Paul McCartneys am Sonntag, dem 7. November 2010, im südbrasilianischen Porto Alegre auf den ersten Blick unergiebig. Allerdings bat der 68-jährige Ex-Beatle gegen Ende seines fast dreistündigen, gewohnt professionellen, aber dennoch rundum begeisternden Auftritts im fast ausverkauften Beira-Rio-Stadion zwei seiner jungen weiblichen Fans auf die Bühne. Auf einem großen Plakat hatten sie ihn um ein Autogramm auf den Arm gebeten, das sie sich anschließend eintätowieren lassen wollten.

Wie sich in der kurzen Unterhaltung mit McCartney herausstellte, kamen die beiden Mädchen aus Porto Alegre und Florianópolis. Letzteres löste in dem mit einem ausgeprägten Regionalstolz ausgestatteten Publikum, das der Rockmusiker zuvor mit fast akzentfrei vorgetragenen Redewendungen wie “ah, eu sou gaúcho (“Ah, ich bin Gaúcho” – also Einwohner des Bundesstaates Rio Grande do Sul) umschmeichelt hatte, Pfiffe aus, worauf McCartney erstaunt fragte: “What’s wrong with Florianópolis?”, um sogleich hinzuzufügen: “I’m from Liverpool.”

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17.10.2010 von Gerhard Dilger
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Kleinverleger ganz groß

von Gerhard Dilger

Auch wenn die Zeiten für Kleinverlage härter geworden sind – auf der Frankfurter Buchmesse sind immer noch erfreulich viele von ihnen präsent.

Einer von ihnen ist Cielo Naranja, der von dem umtriebigen Dichter und Literaturkritiker Miguel D. Mena aus der Dominikanischen Republik geleitet wird.

Seit 1984 veröffentlicht Mena nach dem Prinzip “books on demand” Literatur aus seiner karibischen Heimat. Das Verlagsprogramm umfasst mittlerweile gut 60 Titel. Mehr über die dominikanische Literatur und die Schwierigkeiten, sie in der europäischen Verlagslandschaft zu platzieren, erzählt der Wahlberliner in diesem Interview.

16.10.2010 von Gerhard Dilger
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Washington Cucurto über Carlos Menem und die Argentinier

von Gerhard Dilger

Noch ein Highlight von der Frankfurter Buchmesse: Die Präsentation der liebevoll edierten zweisprachigen Anthologie Neue argentinische Dichtung (luxbooks, Wiesbaden 2010).


Es lasen die Autoren Fabián Casas (2. v. l.), Washington Cucurto (2. v. r.) sowie die Herausgeber Timo Berger (l.) und Gustavo López (r.).

Eine Kostprobe von Washington Cucurto:

Die Frau aus Paraguay sagt über dieses Land

“Ein mit allen Wassern gewaschener lüsterner Araber wird der zweite Präsident, / der zum dritten Mal die Blauweiße küsst.” (…) Aber ist an dem Ganzen nicht der Araber schuld? / Da antwortet die Frau aus Paraguay: / “Schuld sind wir selbst, weil wir so bescheuert sind.”

15.10.2010 von Gerhard Dilger
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Ariel Magnus in Frankfurt

von Gerhard Dilger

Der argentinische Schriftsteller und taz-Autor Ariel Magnus stellte auf der Frankfurter Buchmesse seinen wunderbaren Roman Ein Chinese auf dem Fahrrad vor.

Magnus las aus der deutschen Übersetzung vor und stellte sich anschließend den Fragen seines jungen Publikums. Ein schönes Interview mit ihm findet sich hier.