Archive for the ‘Literatur’ Category

27.10.2011 von Gerhard Dilger
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Trotzkis Schrei im Ohr

von Gerhard Dilger

Der kubanische Autor Leonardo Padura erzählt die Geschichte des gescheiterten Realsozialismus

Von Tobias Lambert, Lateinamerika Nachrichten 448

In seinem neuen Buch “Der Mann, der Hunde liebte” widmet sich der in Havanna lebende Autor Leonardo Padura einem Thema, das in den realsozialistischen Ländern jahrzehntelang als Tabu galt. Er erzählt die Geschichte des von Stalin verstoßenen Leo Trotzki und seines Mörders, dem Katalanen Ramón Mercader. Dabei verknüpft Padura zentrale Ereignisse des 20. Jahrhunderts zu einem großen Roman, der eng an den Fakten bleibt und dennoch stetig die Spannung steigert.

Ohrenbetäubend erschallt der Schrei am 20. August 1940 durch den Innenhof. Vergeblich wehrt sich der von Stalin zum Tode Verurteilte Lew Dawidowitsch alias Leo Trotzki gegen sein vorgezeichnetes Schicksal. Ein Schrei, ein Biss in jene Hand, die ihm soeben einen Eispickel in den Schädel geschlagen hat, zu mehr reicht die Kraft nicht aus. Trotzkis mühevoll vorgebrachte Worte an seine Wachleute, dass… weiter lesen

05.03.2011 von Gaby Küppers
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Humor als Waffe gegen die Verzweiflung

von Gaby Küppers

Interview mit Moacyr Scliar (1937-2011)

Er beschrieb die Welt, in der er lebte, und heraus kamen in jeder Hinsicht phantastische Geschichten. Moacyr Scliar, Sohn einer jüdisch-russischen Einwandererfamilie, kannte als Arzt Alltag, Wünsche und Ängste der Menschen im brasilianischen Süden sehr genau. Das Sichtbarmachen des Hintergrundes im scheinbar Vordergründigen war seine Kunst. Mit ihrem nachdenklich-traurigen Humor gehören seine Kurzgeschichten mit zu dem Besten, was die brasilianische Gegenwartsliteratur zu bieten hat. 1994 habe ich Scliar interviewt.

Eines der zentralen Themen Ihrer Literatur ist das jüdische Brasilien. Wie groß ist die jüdische Gemeinde in Brasilien in etwa, und wo lebt sie hauptsächlich?

Nun, die jüdische Gemeinde in Brasilien ist sehr klein. Es handelt sich um schätzungsweise 150 000 Personen bei einer Gesamtbevölkerung in Brasilien von rund 150 Mio Menschen. Sie macht also bei weitem nicht einmal ein Prozent der Bevölkerung aus. Aber auch wenn die Anzahl der Leute sehr klein ist, sind sie… weiter lesen

02.03.2011 von Gerhard Dilger
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Moacyr Scliar: Ein großer Erzähler und Humanist

von Gerhard Dilger

Moacyr Scliar ist tot. Und ganz Porto Alegre trauert. Das ist durchaus keine Übertreibung, denn gab wohl keinen Schriftsteller, der in Brasilien über alle – auch ideologischen – Grenzen so beliebt war. Das stimmt vor allem in seiner Heimatstadt. Hier war Scliar, der stets gut gelaunte, humorvolle und leidenschaftliche Arzt, Erzähler und Kolumnist jüdischer Herkunft auch noch ein Symbol des Regionalstolzes – allerspätestens seit seiner Wahl in die Brasilianische Akademie der Geisteswissenschaften vor acht Jahren.

73 Jahre wurde der Sohn einer bessarabischen Auswandererfamilie alt, mindestens 73 Bücher hat er  allein in Brasilien veröffentlicht. Er gehörte auch zu den meistausgezeichneten, meistübersetzten Autoren des Landes. Seine ins Deutsche übertragenen Klassiker wie Die Ein-Mann-Armee (1973) oder Ein Zentaur im Garten (1980) sind nur noch antiquarisch erhältlich, seine Kurzgeschichten wurden im deutschen Sprachraum nur vereinzelt veröffentlicht. In den USA hingegen fand er große Anerkennung.

Zum Allerbesten gehören neben einer ganzen Reihe… weiter lesen

15.11.2010 von Gerhard Dilger
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Die 170 Minuten mit Paul McCartney

von Gerhard Dilger

Unter kultur- und sozialwissenschaftlichen Gesichtspunkten erscheint das Konzert Paul McCartneys am Sonntag, dem 7. November 2010, im südbrasilianischen Porto Alegre auf den ersten Blick unergiebig. Allerdings bat der 68-jährige Ex-Beatle gegen Ende seines fast dreistündigen, gewohnt professionellen, aber dennoch rundum begeisternden Auftritts im fast ausverkauften Beira-Rio-Stadion zwei seiner jungen weiblichen Fans auf die Bühne. Auf einem großen Plakat hatten sie ihn um ein Autogramm auf den Arm gebeten, das sie sich anschließend eintätowieren lassen wollten.

Wie sich in der kurzen Unterhaltung mit McCartney herausstellte, kamen die beiden Mädchen aus Porto Alegre und Florianópolis. Letzteres löste in dem mit einem ausgeprägten Regionalstolz ausgestatteten Publikum, das der Rockmusiker zuvor mit fast akzentfrei vorgetragenen Redewendungen wie “ah, eu sou gaúcho (“Ah, ich bin Gaúcho” – also Einwohner des Bundesstaates Rio Grande do Sul) umschmeichelt hatte, Pfiffe aus, worauf McCartney erstaunt fragte: “What’s wrong with Florianópolis?”, um sogleich hinzuzufügen: “I’m from Liverpool.”

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17.10.2010 von Gerhard Dilger
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Kleinverleger ganz groß

von Gerhard Dilger

Auch wenn die Zeiten für Kleinverlage härter geworden sind – auf der Frankfurter Buchmesse sind immer noch erfreulich viele von ihnen präsent.

Einer von ihnen ist Cielo Naranja, der von dem umtriebigen Dichter und Literaturkritiker Miguel D. Mena aus der Dominikanischen Republik geleitet wird.

Seit 1984 veröffentlicht Mena nach dem Prinzip “books on demand” Literatur aus seiner karibischen Heimat. Das Verlagsprogramm umfasst mittlerweile gut 60 Titel. Mehr über die dominikanische Literatur und die Schwierigkeiten, sie in der europäischen Verlagslandschaft zu platzieren, erzählt der Wahlberliner in diesem Interview.

16.10.2010 von Gerhard Dilger
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Washington Cucurto über Carlos Menem und die Argentinier

von Gerhard Dilger

Noch ein Highlight von der Frankfurter Buchmesse: Die Präsentation der liebevoll edierten zweisprachigen Anthologie Neue argentinische Dichtung (luxbooks, Wiesbaden 2010).


Es lasen die Autoren Fabián Casas (2. v. l.), Washington Cucurto (2. v. r.) sowie die Herausgeber Timo Berger (l.) und Gustavo López (r.).

Eine Kostprobe von Washington Cucurto:

Die Frau aus Paraguay sagt über dieses Land

“Ein mit allen Wassern gewaschener lüsterner Araber wird der zweite Präsident, / der zum dritten Mal die Blauweiße küsst.” (…) Aber ist an dem Ganzen nicht der Araber schuld? / Da antwortet die Frau aus Paraguay: / “Schuld sind wir selbst, weil wir so bescheuert sind.”

15.10.2010 von Gerhard Dilger
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Ariel Magnus in Frankfurt

von Gerhard Dilger

Der argentinische Schriftsteller und taz-Autor Ariel Magnus stellte auf der Frankfurter Buchmesse seinen wunderbaren Roman Ein Chinese auf dem Fahrrad vor.

Magnus las aus der deutschen Übersetzung vor und stellte sich anschließend den Fragen seines jungen Publikums. Ein schönes Interview mit ihm findet sich hier.

08.10.2010 von Gerhard Dilger
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Juan Carlos Onetti über den Literaturnobelpreis für Mario Vargas Llosa

von Gerhard Dilger

Der uruguayische Großmeister Juan Carlos Onetti hat sich mehrfach über seinen 27 Jahre jüngeren Kollegen und Bewunderer Mario Vargas Llosa geäußert.

1977, über eine Begegnung in San Francisco elf Jahre zuvor: „Ich sagte zu ihm, ohne dass er anschließend beleidigt war: Schau, Mario, du hast zur Literatur eine eheliche Beziehung – du musst von dann bis dann deine Pflicht erfüllen. Für mich ist das ein Verhältnis zu einer Geliebten: Wenn ich Lust habe, dann schreibe ich, verrückt, absurd, was auch immer“.

1989: „Ich bewundere einige seiner Bücher, vor allem, weil ich fühle, dass er ein unermüdlicher Arbeiter ist“. Und, als die Mitglieder eines französischen Fernsehteams auf seinen letzten noch verbliebenen Zahn starrten: „Ich hatte einmal ein wundervolles Gebiss, aber das habe ich Vargas Llosa geschenkt“.

Mehr zum Verhältnis zwischen “Dinosaurier” Vargas Llosa und Onetti hier.

14.04.2010 von Claudius Prößer
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Kein Check-in für den Dichter

von Claudius Prößer

Man sollte der chilenischen Rechten dankbar sein: Ihre Fraktionen im chilenischen Abgeordnetenhaus haben mit den Ex-Christdemokraten der PRI gegen eine Umbenennung des Flughafens von Santiago in Aeropuerto Internacional Pablo Neruda gestimmt. Es waren 44 Stimmen gegen 38 von Vertretern der Concertación, den drei Kommunisten sowie zwei Abgeordneten der rechten RN, die es offenbar doch nicht für eine so schlechte Idee hielten, den Heimatflughafen von LAN Airlines auf den Namen des chilenischen Dichterfürsten zu taufen. Die Initiative war im Jahr 2004 von Abgeordneten der Concertación auf den Weg gebracht worden.

Die sind jetzt natürlich sauer: “Die Rechte hat ideologische Vorurteile und will nicht verstehen, dass Figuren wie Neruda Weltbürger sind”, befand der sozialistische Abgeordnete Alfonso De Urresti, der die Vertreter der rechten Allianz für Chile aufforderte, sich endlich “weiterzuentwickeln”. Natürlich kam die Attacke postwendend zurück: Eine “kleingeistige Debatte” sei das, fand der Fraktionschef der rechten UDI, Patricio Melero:… weiter lesen

25.03.2010 von Benjamin Kiersch
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Ausgezeichnete Wüstenliteratur

von Benjamin Kiersch

Wer die Geschichten der Atacamawüste hören will, kann 20 Stunden nach Santiago de Chile fliegen, dort einen Bus Richtung Arica nehmen, weitere 20 Stunden nach Norden fahren, sich irgendwo nördlich von Antofagasta an der Panamericana aussetzen lassen, am besten an einer verlassenen Siedlung einer Salpetermine, sich auf einen Stein setzen, den Blick in die flimmernde unendliche Weite schweifen lassen und den Geschichten lauschen, die einem die Wüste erzählt. Oder aber man kann in die Buchhandlung seines Vertrauens gehen und irgendein Buch von Hernán Rivera Letelier erwerben, sich auf eine Bank im Park oder zu Hause aufs Sofa setzen, und zu lesen beginnen.

Hernán Rivera Letelier. Foto: La Estrella de Iquique

Hernán Rivera, Jahrgang 1950, ist in der Atacama aufgewachsen. Er erzählt von der Wüste, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als der Salpeter, der dort abgebaut worde, zu den wertvollsten Rohstoffen der Welt gehörte. Er… weiter lesen