Guillermo Fariñas hat den Hungerstreik zu seinem politischen Instrument erkoren. Vor ein paar Tagen hat der 48-jährige Psychologe seinen 24. Hungerstreik begonnen. Es konnte der letzte des prinzipienfesten Kubaners sein. Dessen Gesundheit hat schwer gelitten.
Vor rund vier Wochen hat Guillermo Fariñas angekündigt in den Hungerstreik zu treten, wenn der Tod seines Freundes Juan Wilfredo Soto García nicht en detail untersucht werden würde. Am vergangenen Freitag, genau vier Wochen nach seiner Ankündigung am Grab des 46-jährigen Dissidenten, der in Santa Claras Dissidentenszene als “El Estudiante” bekannt war, begann Guillermo Fariñas mit dem 24. Hungerstreik. Sechs Tage wärt der nun und in den vergangenen Tagen haben Elizardo Sánchez von der kubanischen Komission für Menschenrechte und nationale Versöhnung und mehrere prominente Oppositionelle aus Havanna Fariñas in Santa Clara besucht, um ihn von seinem Vorhaben abzubringen.
Erfolglos, wie Elizardo Sánchez im Anschluß an den Besuch gegenüber der internationalen Presse zugab. Sánchez und seine… weiter lesen
In Havanna wurde am Wochenende der erste Häftling seit Beginn der Vermittlungsanstrengungen durch die Katholische Kirche freigelassen. Ein Signal Havannas ans Ausland. Für Guillermo Fariñas, der sich seit über 100 Tagen im Hungerstreik befindet, ist das nicht mehr als ein Anfang – er fordert weitere Gesten der Regierung in Havanna. … weiter lesen
Jetzt hat auch Chile seine Missbrauchsaffäre: Seit Ende April ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den katholischen Priester Fernando Karadima. Mehrere Männer werfen ihm vor, sie wiederholt sexuell belästigt zu haben, während sie – als Jugendliche oder junge Erwachsene – an seiner Pfarrei tätig waren.
Karadima ist kein Unbekannter in Chile: Der charismatische 80-Jährige war “spiritueller Schüler” des 1952 gestorbenen und 2005 heilig gesprochenen Jesuiten Alberto Hurtado, und er scharte an seiner Pfarrei “Sagrado Corazón de Jesús de El Bosque” im Santiagoer Stadtteil Providencia junge Männer aus wohlhabenden Familien um sich, für die er selbst den Glanz der Heiligkeit ausstrahlte. So beschreibt es eines seiner Opfer, der Chirurg James Hamilton, der jetzt in einer Sondersendung des staatlichen TVN sein Schweigen auch öffentlich gebrochen hat. Hamilton und andere, die gegen Karadima klagen, berichten von der Methode des Priesters, sie in einem langsamen Annäherungsprozess zu “Komplizen” der sexuellen Berührungen und… weiter lesen
Wer so schöne Spitzenkleidchen und rote Schuhe trägt, bekommt natürlich nur ungern Konkurrenz von weiblichen Besuchern. Deswegen hatten sich Cristina Fernández und Michelle Bachelet für ihre Papstvisite am Samstag in protokollarisch-züchtiges Schwarz gehüllt, Bachelet als bekennende Agnostikerin verzichtete aber im Gegensatz zu Fernández auf eine Verschleierung. Der Besuch im Vatikan diente der Erinnerung an den vor 25 Jahren hier unterzeichneten “Freundschafts- und Friedensvertrag” zwischen Argentinien und Chile, der die endgültige Beilegung des Beagle-Konflikts bedeutete. Benedikts Vorgänger Johannes Paul und der italienische Kardinal Antonio Samorè hatten seit 1979 zwischen den verfeindeten Militärjuntas vermittelt.
Nachdem Bachelet und Fernández jeweils eine Viertelstündchen mit dem Papst geplaudert und in den einstigen Verhandlungsräumen eine Gedenktafel enthüllt hatten, auf denen sie – offenbar latinisiert – als “Michaela” und “Christina” verewigt worden waren, gab die chilenische Präsidentin der Presse zu Protokoll, dass “Chile ein Land ist, welches bei Auseinandersetzungen mit seinen Nachbarn immer… weiter lesen
Mit dem heutigen 1:0 gegen Ecuador hat sich die bereits für die WM-Teilnahme qualifizierte chilenische Nationalmannschaft noch einen runden Abschluss der eliminatorias gegönnt. Auf Platz zwei der Liste hat sich die Roja hochgearbeitet, nur ein hauchdünner Punkt trennt sie von den Brasilianern. Nach zwölf Jahren endlich wieder vom Weltmeistertitel träumen! Natürlich wird jetzt gefeiert.
Einer, der nach Ansicht vieler Chilenen ein gerüttelt Maß an Verantwortung für diesen Erfolg trägt, ist Trainer Marcelo Bielsa. Dieser Tage dürfte sich der Argentinier kaum auf die Straße wagen: Man würde ihm am liebsten ununterbrochen die Füße küssen dafür, eine junge Mannschaft ohne Stars wie Marcelo Salas oder Iván Zamorano mit liebevoller Strenge und bedingungsloser Hingabe an den Fußball zu einem Team aufgebaut zu haben, das verblüffend gut funktioniert. So groß ist die Hingabe des rosarino, wie ihn die Presse nach seiner Heimatstadt Rosario gerne nennt, dass man ihn seit August… weiter lesen
Katholiken alle Länder, aufgehorcht: Chile kann bald einen Weltrekord vermelden – die größte Karol-Wojtyla-Statue aller Zeiten. Errichtet werden soll das 13,5 Meter hohe Ungetüm (7,5 Meter Bronze-Papst, 6 Meter Sockel) ausgerechnet am Rande von Bellavista, dem Künstler- und Bohemeviertel von Santiago . Seit die private Initiative vor wenigen Tagen publik wurde, regt sich freilich allenthalben Protest gegen den superpapa (so der Publizist Cristián Warnken im Blog des “Mercurio”).
Hintergrund des Aufstell-Papstes, der einem anderen religiösen Wahrzeichen Santiagos, der Marienstatue auf dem Gipfel des San-Cristóbal-Bergs, Konkurrenz machen wird, ist die Umstrukturierung des Viertels, in dem zwei private Hochschulen ihre Hauptquartiere beziehen werden. Die beiden Universitäten – die Universidad San Sebastián und die Universidad Andrés Bello – sollen zusammen mit der traditionsreichen Jurafakultät der Universidad de Chile, die hier seit vielen Jahrzehnten residiert, rund 7.000 Studenten anlocken und neben dem Barrio República ein weiteres Hochschulviertel in der… weiter lesen
Ein Heiliger der ganz besonderen Art: Marcial Maciel (Foto: dpa)
Um eine besonders unappetitliche Mischung aus Katholizismus, Personenkult und Kindesmissbrauch ging es gestern Abend im chilenischen Fernsehen: Der staatliche Sender TVN brachte eine Reportage über die Opfer von Marcial Maciel, dem Gründer der “Legionäre Christi”. Der Mexikaner Maciel (1920-2008) hatte den streng konservativen Orden im Jahr 1941 in Mexiko-Stadt gegründet, heute ist er in über 20 Ländern vetreten, über 600 katholische Priester gehören ihm an. Untrennbar mit der Kongregation verbunden ist die Laienbewegung “Regnum Christi” mit mehr als 60.000 Mitgliedern.
Der charismatische und ausgesprochen papsttreue Maciel führte indes ein Doppelleben. Seit den 60er-Jahren kursierten Gerüchte über sexuellen Missbrauch an Minderjährigen in den Schulen des Ordens – Gerüchte, die sich viel später bestätigen sollten. Da der Mexikaner hohes Ansehen bei Johannes Paul II. genoss – die Legionäre galten als die neue, schlagkräftige Truppe des Vatikans -,… weiter lesen
Wer dieser Tage beim Zappen im Programm des chilenischen Abgeordnetenhauses landet, wähnt sich in einem Seminar der Reproduktionsmedizin. Der Gesundheitsausschuss hat Experten zur Anhörung geladen – durch die Bank Männer -, die in länglichen Powerpoints den Menstruationszyklus zerpflücken und Kurven hormoneller Ausschüttungen interpretieren. Dabei geht es nur um eine Frage: Ist die “Pille danach” eine “Abtreibungspille” oder nicht?
Hintergrund dieses Tuns ist der erbitterter Kampf der katholischen Ultrarechten gegen das Hormon Levonorgestrel, das etwa unter dem Markennamen “Postinor 2″ Schwangerschaften auch noch nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr verhindern kann. Der Wirkstoff bzw. die entsprechenden Präparate sind fast in jedem Land der Welt erhältlich, die WHO empfiehlt ihre Rezeptfreiheit als probates Mittel zur Vorbeugung ungewollter Schwangerschaften.
In Chile, wo Abtreibung selbst dann unter Strafe steht, wenn die Frau vergewaltigt wurde oder durch die Schwangerschaft gesundheitlich gefährdet ist, hat eine Gruppe rechter Parlamentarier im vergangenen Jahr eine Beschwerde eingereicht, der das… weiter lesen
Leonardo Boff hat heute seinen 70. Geburtstag gefeiert.
“Immer wieder neu kreativ zu sein, im wunderbaren Durcheinander zwischen der profanen Wirklichkeit und dem religiösen Denken – das macht mir am meisten Spaß.” Nichts liegt Boff, der sich als “franziskanischen und ökumenischen Katholiken” definiert, ferner als der Gedanke an den Ruhestand. “Bis zum Jüngsten Gericht werde ich für Gerechtigkeit kämpfen”, versichert der Befreiungstheologe.
Genézio Darci Boff wurde 1938 als Enkel italienischer Einwanderer in Concordia im südbrasilianischen Bundesstaat Santa Catarina geboren. Den Namen Leonardo nahm er in einem franziskanischen Priesterseminar an. Von 1965 bis 1970 studierte und promovierte er in München.
Der erste große Einschnitt in seinem Leben war seine Rückkehr nach Brasilien. Im Amazonasgebiet musste der frischgebackene Doktor der Theologie erfahren, dass die dort lebenden Menschen mit “dem hochgescheiten Zeugs aus Deutschland” nichts anfangen konnten. In Petrópolis bei Rio de Janeiro, wo er bis heute lebt, schrieb Boff anschließend das… weiter lesen
“Dieser Tage erleben wir eine große Aufregung, Schwestern und Brüder, weil diese Frau zu Besuch kommt, die mit unglaublicher Dreistigkeit eine verrückte Begeisterung entfacht und unzüchtige, unreine Gedanken weckt. Aber die Unreinheit ist eine Kränkung Gottes und ein Schandfleck auf unserem Herzen.” So weit der bereits im vorangegangenen Post zitierte Kardinal Jorge Medina. Mit “dieser Frau” meint er natürlich Madonna, und seine Analyse stimmt insofern, als die Begeisterung für die reina del pop in Chile tatsächlich keine Grenzen kennt.
Aus den entferntesten Winkeln des langen Landes sind ihre Verehrer angereist, manche haben laut Presseberichten ihren Job dafür geschmissen, andere kampierten schon vor dem Eingang des Nationalstadions, als die Sängerin sich noch in Buenos Aires von ihren dortigen vier Sticky-&-Sweet-Auftritten erholte. Hier eine hübsche Bildergalerie der eingefleischten Fans.
In allen möglichen Internetforen wird nun über das gestrige erste von zwei