27.04.2012 von Gerhard Dilger
Porto Alegre (epd). Argentiniens Zugriff auf die Anteile des spanischen Ölmultis Repsol an der Firma YPF schlägt hohe Wellen: Diese Verstaatlichung dürfte das südamerikanische Land noch lange bereuen, schimpfte EU-Handelskommissar Karel de Gucht. “Wir werden die Folgen dieser Entscheidung über Generationen genießen”, gab der argentinische Innenminister Florencio Randazzo zurück.

Mit seiner selbstbewussten Antwort weiß sich der Linksperonist im Einklang mit der großen Mehrheit seiner Landsleute, wie Umfragen belegen. Am Donnerstag bestätigten 63 von 70 anwesenden Senatoren die Enteignung von 51 Prozent der YPF-Anteile, die bis vergangene Woche von Repsol kontrolliert wurden. Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner setzte damit die Linie ihres Vorgängers und 2010 verstorbenen Ehemanns Néstor Kirchner (2003-07) fort, der Argentinien durch die einseitige Streichung von Auslandsschulden neue wirtschaftliche Spielräume eröffnet hatte.
“Wir Argentinier müssen unsere natürlichen Ressourcen selbst verwalten, im Wasser, auf der Erde und unter der Erde”, erklärte… weiter lesen
21.04.2012 von Peter Strack
Welches sind die Aggregatzustaende des Wassers? Klar: “gefroren, fluessig, gasfoermig”, verkuendet eine Gruppe in dunklen Anzuegen. Nein, fuer die Armen ist Wasser: “Knapp, teuer, verschmutzt oder unerreichbar” kommt das Echo von der Gegenseite.

Banner gemalt von: Saref Kececi, Kreativzentrum Jugendhof Steinkimmen
Eine Szene des Theaterstuecks “Bis zum letzten Tropfen”, das das Kulturprojekt Compa-Teatro Trono aus El Alto in Bolivien erarbeitet hat. Am 22. April, dem Tag der Erde, wird es auf Initiative des bolivianischen Umweltministeriums erstmals in der Kulturstrasse im Viertel Ciudad Satélite auf knapp 4000 Metern Hoehe oeffentlich aufgefuehrt (hier ein Trailer von den Proben). Im nahen Staedtchen Copacabana am Titikakasee, soll am 26. Mai die “Kulturkarawane fuer das Leben” starten, fuer die das Stueck geschrieben wurde. Eine gemeinsame Initiative von Compa-Trono und der regionalen Partnerplattform von terre des hommes. Ziel der Karawane ist die UNO-Konferenz fuer Umwelt und nachhaltige Entwicklung Rio+20. … weiter lesen
13.03.2012 von Peter Strack
Am 13. Maerz, kurz nach Mitternacht ist die legendaere Bergarbeitersprecherin Domitila Chungara im Alter von 75 Jahren gestorben. “Fuer alles musst Du kaempfen” war der Titel des Buches ueber die terre des hommes Frauenkonferenz in Mauloff, auf der die Kinderhilfsorganisation wichtige Impulse bekam fuer die Projektarbeit mit Frauen und Maedchen. Und sich derer zentralen Rolle bei der Durchsetzung von Rechten klar wurde. Eine der prominentesten Teilnehmerinnen damals: Domitila Chungara. Das ganze Leben von Domitila Chungara war ein Kampf. Angefangen mit dem Ueberlebenskampf in den Bergwerken von Lllalagua/Siglo XX, wo sie Sprecherin der Hausfrauenkomitees war (hier eine Radio-Reportage “Fuer eine Handvoll Zinn” ueber die “Stadt der Revolutionaere” auf deutsch mit O-Toenen, in der Domitila erzaehlt) .
An der Seite von Luis Espinal und anderer Gewerkschafter gehoerte sie zu den mutigen Menschenrechtlern, die Ende 1978 mit ihrem unbefristeten Hungerstreik nicht unwesentlich zum Ende der Banzer-Diktatur, zur Rueckkehr der Exilierten und zur Ausschreibung von Neuwahlen… weiter lesen
17.02.2012 von Hildegard Willer
Einer der Gründe, warum der deutsche Aussenminister Guido Westerwelle auf seinem Trip von Brasilien nach Mexiko in Peru Station gemacht hat, liegt vor meiner Haustür:
Aussenminister Guido Westerwelle beim Empfang durch Präsident Ollanta Humala in Peru am 16. Februar. Foto: presidencia perú/flickr.
Jeden Morgen verstopft eine länger werdende Autoschlange die Gassen meines Wohnviertels in der peruanischen Hauptstadt. Längst sind es keine abgehalfterten Schrottautos mehr, oder die bis vor wenigen Jahren noch beliebten Trabis aus koreanischer Produktion. Heute leistet sich die aufstrebende Mittelschicht Perus neue Autos. Ich habe nicht gezählt, wieviele Autos deutscher Fabrikation darunter sind. In den Augen des deutschen Aussenministers dürften es eindeutig zu wenige sein.
Denn Peru gehört in der Liste der bundeseigenen Gesellschaft für Aussenwirtschaft und Standortmarketing „German Trade and Invest“ zu den 10 Top-Exportmärkten für das Jahr 2012. In dieser Liste sind so unterschiedliche Länder wie die Mongolei, Norwegen, Mexiko und eben… weiter lesen
12.02.2012 von Hildegard Willer
Gut 10 000 Bergbaugegner sind am Freitag, den 10. Februar durch Lima marschiert, um im Parlament zwei Gesetzesentwürfe abzugeben: einer soll den Bergbau in Wasserquellgebieten untersagen; der andere Bergbau mittels Zyanid und Quecksilber (was bei der momentanen Technologie einer de-facto-Einstellung des Gold- und Silberbergbaus entsprechen würde). Das letzte Mal waren soviele Menschen Ende Mai 2011 auf den Strassen Limas, um gegen die Kandidatin Keiko Fujimori zu protestieren und für den Kandidaten Humala. Dieses Mal sind es Bergbaugegner aus ganz Peru, die ihre Forderungen auf die Strassen der Hauptstadt tragen.

Am Protestmarsch haben vor allem Bürgerinitiativen aus ganz Peru teilgenommen, die sich gegen Bergbauprojekte auf ihren Gebieten wehren. Konkreter Anlass für den Protestmarsch sind die Auseinandersetzungen um das geplante Goldabbauprojekt “Conga” in Cajamarca, im Norden Perus. In einem 10-tägigen Fussmarsch waren gut 500 Bauern aus Cajamarca nach Lima gekommen , um gegen das von der Regierung Humala unterstützte Projekt zu… weiter lesen
10.02.2012 von Benjamin Kiersch
Ines Freier hat uns den folgenden Gastbeitrag geschickt:

Rio plus 20 wirft seine Schatten voraus: Das Institut für Nachhaltigkeitsstudien (IAAS) veranstaltete in Potsdam eine Vortragsreihe zu nachhaltiger Entwicklung in Lateinamerika. Eine gute Gelegenheit, eine Rückschau auf die Entwicklung des Themas in der Region zu halten…
Nach der ersten UN-Konferenz zu Umwelt und Entwicklung 1992 beschäftigte ich mich mit Konzepten für nachhaltige Entwicklung in Lateinamerika. Die Rio-Konferenz 1992 betonte die Grenzen von Wirtschaftswachstum, Umweltschutz und sozialer Gerechtigkeit. In Chile brannten derweil die Wälder oder besser, was davon übrig war, wenn es nicht zu Holzschnitzeln für den Export verarbeitet wurde. Wirtschaftswachstum wurde um jeden Preis angestrebt.
Aber soziale Gerechtigkeit? Fehlanzeige. Die Gewinne aus dem Export blieben bei wenigen. Bildungs- und Gesundheitswesen waren während der Diktatur privatisiert worden – der Neoliberalismus hatte sein Experimentierfeld gefunden. Die soziale Ungleichheit innerhalb der Bevölkerung wuchs. In den anderen lateinamerikanischen Staaten sah es in den… weiter lesen
03.10.2011 von Gerhard Dilger
Am letzten Freitag gab es eine muntere Bundestagsdebatte zum Thema 50 Jahre deutscher “Entwicklungs”politik – ein guter Anlass, um wieder einmal an Brigitte Erlers Fundamentalkritik “Tödliche Hilfe” (1985) zu erinnern.
Wir dokumentieren die Rede von Heike Hänsel (LINKE):
Man merkt: Viele drängt es, viel zu sagen. Daher finde ich es schade, dass ausgerechnet der Herr Minister heute nichts zu 50 Jahren Entwicklungsministerium zu sagen hat und hier nicht spricht.
(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Harald Leibrecht (FDP): Das ist die Stunde des Parlaments! Weiterer Zuruf von der CDU/CSU: Er lässt uns den Vortritt!)
Ein Tag wie heute ist ein Auftrag, nicht nur zu feiern, sondern auch eine kritische Bilanz zu ziehen, insbesondere wenn wir sehen, dass eine Milliarde Menschen hungert und von Armut betroffen ist.
Die Entwicklungspolitik in den 60er-Jahren war von
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16.08.2011 von Gerhard Dilger
Gegen die Finanzkrise setzt Brasilien auf Schutzmaßnahmen und regionale Integration
Gelassen verfolgt Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff die bisherigen Turbulenzen an den Finanzmärkten. Gegen eine Ansteckung durch die Schuldenkrise in den USA und Europa setzt Brasilien auf Barrieren gegen Spekulationskapital und Dumpingimporte. Mit den Nachbarn in Südamerika will die Regionalmacht noch enger zusammenrücken.
“Wir wissen nicht genau, was auf uns zukommt”, gestand Rousseff dem Wochenmagazin Carta Capital. Wegen der höchst sensiblen Lage will die studierte Ökonomin ihr “Rezept” nicht verraten. Die punktuellen Maßnahmen, die die brasilianische Mitte-Links-Regierung bereits seit Wochen ergreift, würden allerdings fortgesetzt, kündigte sie an.
Sorgen macht der Staatschefin vor allem die Zunahme der Importe, die durch die massive Aufwertung der Landeswährung Real in den vergangenen Jahren begünstigt wurde: Brasilien dürfe nicht mit importierten Produkten überflutet werden, die durch “unfaire, oft sogar perverse Konkurrenz” künstlich verbilligt seien – brasilianische Arbeitsplätze stünden auf dem Spiel.
Die Zahlen… weiter lesen
07.06.2011 von Gerhard Dilger
Südamerikas Linke darf sich über den Wahlsieg von Ollanta Humala in Peru freuen.

Es ist eingetreten, womit vor Monaten kaum jemand gerechnet hatte: Die durch und durch neoliberale, stark auf die USA ausgerichtete Pazifikachse, die zwei Jahrzehnte lang von Chile über Peru nach Kolumbien reichte, hat einen kleinen Riss bekommen. Unter Humala wird sich Peru stärker am Projekt einer Integration Südamerikas unter sozialem Vorzeichen beteiligen, das unter der Führung Brasiliens langsam Formen annimmt.
Von der Autokratentochter Keiko Fujimori hatten sich in- und ausländische Kapitalinteressen eine noch autoritärere Version eines Systems versprochen, durch die die Ressourcen des Andenlandes immer ungehemmter verscherbelt wurden. Inzwischen sind nahezu sämtliche Öl- und Bergbaureserven zur Ausbeutung freigegeben, doch beim Volk kam von den astronomischen Wachstumsraten kaum etwas an.
Auch deshalb ist die ehedem linke Apra-Partei von Nochpräsident Alan García von der Bildfläche verschwunden. Mehr noch: Die vier Kandidaten, die allesamt eine Fortsetzung seines… weiter lesen