11.06.2010 von Claudius Prößer
Keine zwei Monate hat er sich auf seinem Posten gehalten: Miguel Otero, im April von Präsident Sebastián Piñera als Botschafter im Nachbarland Argentinien eingesetzt, hat am Dienstag sein Rücktrittsgesuch eingereicht, das von der Regierung in Santiago umgehend angenommen wurde. Gestolpert ist der fast 80-Jährige über seine stramm reaktionären Ansichten, insbesondere eine Apologie des Putsches und der Pinochet-Diktatur. Für Piñera bedeutet die Abdankung seines Parteifreunds eine weitere Blamage nach diversen unglücklichen Personalentscheidungen (wie zuletzt im Fall Iván Andrusco).

Was war passiert? Der Jurist Otero, renommierter Anwalt und in den Neunzigerjahren Senator für die rechte Partei Renovación Nacional, hatte sich geärgert, weil die argentinische Tageszeitung Clarín anlässlich seiner Ernennung eine recht ätzendes Porträt verröffentlicht hatte – das Porträt eines enthusiastischen Putschisten, der in leitender Funktion an der Universidad de Chile Razzien gegen linke Dozenten und Studenten mitverantwortete, später an der demokratisch nicht legitimierten Gesetzgebung der Militärjunta mitwirkte und sich… weiter lesen
24.02.2009 von Florencia Abbate
Am 12. Februar dachten in Buenos Aires viele Menschen an Julio Cortázar, der vor 25 Jahren starb. So auch die Latin@rama-Autorin Florencia Abbate: Hier ist ihre persönliche Hommage an den großen argentinischen Autor.
Als ich Anfang der 90er Jahre begann, Julio Cortázar zu lesen, gehörte es zum guten Ton unter Argentiniern, Lobesreden auf Borges zu halten – selbst wenn sie keins seiner Werke gelesen hatten. Nur wenige erinnerten sich an Cortázar, wie er es verdient hätte: Er war aus der Mode gekommen, und seine moralischen und politischen Botschaften wurden weitestgehend ignoriert.

Während ich später durch Lateinamerika reiste, freute ich mich um so mehr, dass die Bewunderung für Cortázar keine Grenzen zu kennen scheint: Überall redeten Leser, Kritiker und Autoren mit derselben Hochachtung von Cortázar. Juan Carlos Onetti verehrte ihn genauso wie Roberto Bolaño. Der Chilene, nicht dafür bekannt, große Worte zu verlieren, sagte… weiter lesen
08.10.2008 von Florencia Abbate
In Historias extraordinarias, seinem zweiten Spielfilm, erzählt der argentinische Regisseur Mariano Llinás drei Geschichten aus der Provinz Buenos Aires.

In der Tat ein außergewöhnlicher Film: In vier Stunden entwirft Llinás ein filmisches Mosaik aus drei Erzählsträngen und vielen weiteren kleinen Begebenheiten, kommentiert durch eine sonore Stimme aus dem Off, und mit einer echten Independent-Ästhetik, die spannend und nüchtern zugleich ist. Wie schon Llinás’ erster Film Balnearios (2002) wurde Historias extraordinarias auf dem letzten Bafici-Festival, dem Independent-Kinofestival in Buenos Aires, präsentiert. Das Publikum war begeistert, und der Film gewann mehrere Preise. Er ist nach Leonera von Pablo Trapero und La mujer sin cabeza von Lucreia Martel, die in Cannes gezeigt wurden, sowie El nido vacío von Daniel Burman das vierte argentinische Kinohighlight in diesem Jahr.
„Nach diesem Film wird man besser filmen und denken müssen“, schreibt der Regisseur Santiago Palavecino über Historias extraordinarias in einer Kritik in der… weiter lesen
19.09.2008 von Florencia Abbate
Tausende ArgentinierInnen zeigten am Montag auf einer Demonstration ihre Solidarität mit Boliviens Präsident Evo Morales und verurteilten das Verhalten der USA in der Region. Der Umzug endete vor der bolivianischen Botschaft in Buenos Aires, wo die Demonstranten die Nationalhymne Boliviens sangen.
Organisiert wurde die Kundgebung von dem unabhängigen Gewerkschaftsverband CTA (Central de Trabajadores Argentinos), sozialen Bewegungen wie Barrios de Pie und Libres del Sur, der Kommunistischen Partei, der Sozialistischen Partei sowie der Humanistischen Partei.
„Rassisten und Söldner raus aus Bolivien: Branko Marinkovic und Philip Goldberg” und “Nein zur Autonomie der Großgrundbesitzer” war auf den Transparenten zu lesen. Hugo Yasky, Chef der CTA, verlas eine Stellungnahme, unterzeichnet von 60 Organisationen und 400 Politikern, Gewerkschaftern, Menschenrechtsexperten, Künstlern und Intellektuellen aus Argentinien. Das Dokument drückt die „eindeutige Unterstützung für den Verfassungsprozesses sowie für Präsident Evo Morales“ aus, sowie die „energische Ablehnung aller derjenigen, die das Land mit… weiter lesen
07.09.2008 von Florencia Abbate
Vor zwei Wochen begann das zehnte Tango-Festival in Buenos Aires: ein Spektakel der Superlative. 200.000 Besucher (davon 30 Prozent Touristen) vergnügten sich auf 133 Veranstaltungen, davon 89 Konzerten. Im Rahmen des Festivals fand die sechste Tango-Weltmeisterschaft statt. Die 5100 Karten für das Finale am Montag im Luna Park waren im Handumdrehen ausverkauft. Im Wettbewerb der Kategorie „Tango Salon“ nahmen 269 Paare teil, in der Kategorie „Tango Escenario“ 137 Paare.
Das Finale mit den schönsten und akrobatischsten Choreografien bestritten 16 Paare: vier aus Buenos Aires, drei aus anderen Provinzen Argentiniens, sechs aus Kolumbien und drei aus Japan. Das ekstatische Publikum im randvollen Obras-Stadion bejubelte die Weltmeister des Tango Salón, Daniel Nacuchhio und Cristina Sosa. Cristina und Daniel, gerade 25 bzw. 29 Jahre alt, hatten vor dem Weltmeistertitel bereits die Meisterschaft in Buenos Aires in den Kategorien Tango und Milonga gewonnen. Die beliebtesten Tango-Musiker des… weiter lesen