Posts Tagged ‘Dilma Rousseff’

09.02.2011 von Gerhard Dilger
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Eine andere Welt ist möglich? – Hunderttausende gegen Belo Monte

von Gerhard Dilger

“Eine andere Welt ist möglich? – Kampf um Amazonien” – so heißt der Dokumentarfilm, den Regisseur Martin Keßler nun auch in Brasilien vorgestellt hat.

Es handelt sich um den besten Film über den geplanten Bau des Megastaudamms Belo Monte am Rio Xingu, einem Nebenfluss des Amazonas. Keßler lässt vor allem jene zu Wort kommen, die von dem höchst umstrittenen Megaprojekt bedroht sind und sich seit Jahrzehnten dagegen wehren, etwa den austrobrasilianischen Bischof Erwin Kräutler. Zudem hat er das Weltsozialforum in Belém 2009 genutzt, um den Kontext von Belo Monte auszuleuchten. Die von den brasilianischen Steuerzahlern hoch subventionierte Wasserkraft kommt vor allem multinationalen Aluminiumkonzernen zugute.*

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Antonia Melo von der lokalen Protestbewegung beklagt sich in diesem Ausschnitt (ab 1:19), dass Regierung und der Staatsbetrieb Eletronorte den Dialog verweigern. “Viele reden über Amazonien, ohne es zu kennen”, sagt der damalige Präsident… weiter lesen

25.06.2010 von Gerhard Dilger
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Lula im Labyrinth

von Gerhard Dilger

Oft reicht der Platz in der Zeitung nur für das Allernötigste. Ganze 80 Zeilen hatte ich vorgestern, um den Besuch von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva in Altamira zu würdigen, bei dem er den Bau des Megastaudamms Belo Monte vehement verteidigte. Ein paar wichtige Details möchte ich hier nachtragen.

Es war eine Wahlkampfveranstaltung für seine Parteifreundin Ana Júlia Carepa (r.), die im Oktober als Gouverneurin des Amazonas-Bundesstaats Pará wiedergewählt werden will. Ohne ein Bündnis mit der Zentrumspartei PMDB, deren Seilschaften wiederum den staatlichen Stromsektor dominieren, ist das allerdings undenkbar. Die Staudammgegner, die Lula in seiner kurzen Rede spöttisch attackierte, hatten am Vortag die Transamazônica-Landstraße blockiert. Ins Stadion, das mit Regierungsanhängern besetzt war, wurden die meisten erst gar nicht hineingelassen. Besonders empörte sie, dass ein “kooptierter” Xikrin-Indígena auf der Bühne so präsentiert wurde, als wären die Urvölker der Region für das Wasserkraftwerk.

Stunden später… weiter lesen

12.01.2010 von Gerhard Dilger
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Lula hebt ab

von Gerhard Dilger

Höher geht´s nimmer: Le Monde und El País ernannten ihn im Dezember zum Mann des Jahres 2009, die Financial Times immerhin zur elfwichtigsten Persönlichkeit der Nullerjahre: Sieben Jahre nach seinem umjubelten Amtsantritt wird Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva umschwärmt wie noch nie.

Lula mit Wunschnachfolgerin Dilma Rousseff

Auch in seiner Heimat ist Lula  – der Name ist eine Koseform von Luiz und hat anderslautenden Gerüchten zum Trotz nichts mit mit dem gleichnamigen Tintenfisch zu tun – populärer denn je: Für die BrasilianerInnen ist er Vertrauenswürdigste im ganzen Land, will das Umfrageinstitut Datafolha anhand einer Liste von 22 Männern und fünf Frauen herausgefunden haben, die zudem fast alle weiß sind.

Auf den vorderen Rängen folgen Nachrichtensprecher William Bonner, der einmal verriet, als idealen Gesamtzuschauer stelle er sich einen brasilianischen Homer Simpson vor, dann der katholische Charismatiker Marcelo Rossi und Schnulzenkönig… weiter lesen

08.12.2009 von Gerhard Dilger
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Weltklimaanlage Amazonien

von Gerhard Dilger

Zwischen den Baumriesen tollen Affen herum, über ihren Köpfen fliegt eine Gruppe Papageien vorbei. Von einer Anhöhe am südlichen Rand des Amazonasbeckens fällt der Blick auf dichten, tiefgrünen Regenwald, der sich kilometerweit in die Ferne zieht.

Doch die Idylle trügt. Schwarze Rauchschwaden und das Gekreisch von Kettensägen gehören im weltweit größten Tropenwald immer noch zum Alltag. Deswegen möchte Brasilien, wo zwei Drittel des Amazonasgebietes liegen, auf dem Weltklimagipfel in Kopenhagen mit seinen Maßnahmen zum Waldschutz punkten.

Der immerfeuchte Amazonas-Dschungel beherbergt unzählige Heilpflanzenarten – und gilt als größte Klimaanlage der Erde: Der Wald fängt die Sonnenenergie ein und verwandelt sie in enorme Mengen Wasserdampf. Die dadurch entstehenden Wolken versorgen den Wasserkreislauf und kühlen das Weltklima ab. Durch die Brandrodung droht ein gegenteiliger Effekt: Bei der Bodenbearbeitung werden große Mengen Kohlenstoff freigesetzt und in Verbindung mit Sauerstoff zum Treibhausgas Kohlendioxid umgewandelt – das Weltklima heizt sich auf.

Die Zerstörung der größten Tropenwälder… weiter lesen

27.01.2009 von Gerhard Dilger
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Weltsozialforum: Kuscheln statt streiten?

von Gerhard Dilger

Ein zentrales Thema des Weltsozialforums in Belém wird Amazonien sein. Auch auf dem “Forum über Theologie und Befreiung”, das am Sonntag zu Ende ging, drehten sich viele Aktivitäten um die bedrohliche Lage für Mensch und Natur in der Neun-Länder-Region. Im Foyer wurde an die Ordensfrau Dorothy Stang erinnert, die ihren Einsatz für brasilianische Kleinbauern 2005 mit dem Leben bezahlte.

Stargast war der 70-jährige Befreiungstheologe Leonardo Boff, der klarsichtig die Krise Amazoniens und der Welt analysierte. “Das Weltsozialforum muss Druck auf die brasilianische Regierung ausüben, damit sie eine klare Amazonienpolitik entwickelt”, sagte er in einem Interview. Bislang gebe es nur punktuelle Maßnahmen gegen die Waldzerstörung, aber keinen kohärenten Plan, kritisierte Boff: “Wir brauchen keinen Plan zur Beschleunigung des Wachstums, sondern zur Integration und zum Erhalt Amazoniens.”

Doch bei seinen öffentlichen Auftritten zeigte sich eine Schwäche, die viel mit der politischen Kultur der lateinamerikanischen Linken zu tun hat: Kontroverse Debatten… weiter lesen

01.09.2008 von Gerhard Dilger
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Frauenpower in Brasilien

von Gerhard Dilger

So wie es heute aussieht, könnte nach Chile und Argentinien auch Brasilien bald von einer Präsidentin regiert werden. Die Favoritin für 2010 heißt Dilma Rousseff und ist bereits seit 2002 die starke Frau in der Regierung. Zunächst war sie für Bergbau und Energie zuständig, und seit drei Jahren laufen sämtliche Fäden bei der Präsidialamtsministerin von Luiz Inácio Lula da Silva zusammen. In diesem Job hat die Exguerillera ihren Ruf als effiziente und unbestechliche, wenn auch alles andere als grüne Technokratin noch gefestigt.

Dilma Rousseff in Porto Alegre

Der charismatische Volkstribun Lula nämlich beabsichtigt zunächst nicht, erneut zur Wiederwahl anzutreten – anders als etwa seine Kollegen Hugo Chávez in Venezuela oder Álvaro Uribe in Kolumbien. Doch ein langfristiges Machtprojekt verfolgt auch der ehemals radikale Mitbegründer der Arbeiterpartei PT. Daher baut er die loyale Rousseff als Nachfolgerin auf. 2014 – so ein realistisches Szenario – könnte er dann wieder selbst zum Zug kommen.

Seit… weiter lesen