Posts Tagged ‘Pinochet’

11.06.2010 von Claudius Prößer
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Aus für einen Nostalgiker

von Claudius Prößer

Keine zwei Monate hat er sich auf seinem Posten gehalten: Miguel Otero, im April von Präsident Sebastián Piñera als Botschafter im Nachbarland Argentinien eingesetzt, hat am Dienstag sein Rücktrittsgesuch eingereicht, das von der Regierung in Santiago umgehend angenommen wurde. Gestolpert ist der fast 80-Jährige über seine stramm reaktionären Ansichten, insbesondere eine Apologie des Putsches und der Pinochet-Diktatur. Für Piñera bedeutet die Abdankung seines Parteifreunds eine weitere Blamage nach diversen unglücklichen Personalentscheidungen (wie zuletzt im Fall Iván Andrusco).

Was war passiert? Der Jurist Otero, renommierter Anwalt und in den Neunzigerjahren Senator für die rechte Partei Renovación Nacional, hatte sich geärgert, weil die argentinische Tageszeitung Clarín anlässlich seiner Ernennung eine recht ätzendes Porträt verröffentlicht hatte – das Porträt eines enthusiastischen Putschisten, der in leitender Funktion an der Universidad de Chile Razzien gegen linke Dozenten und Studenten mitverantwortete, später an der demokratisch nicht legitimierten Gesetzgebung der Militärjunta mitwirkte und sich… weiter lesen

09.12.2009 von Claudius Prößer
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“Ich twittere den ganzen Tag”

von Claudius Prößer

taz-Argentinienkorrespondent Jürgen Vogt hat kurz vor den Präsidentschaftswahlen in Chile den Überraschungskandidaten Marco Enríquez-Ominami (36) interviewt. Das latin@rama-Blog veröffentlicht die vollständige Fassung des auf taz.de erschienenen Gesprächs.

Herr Enríquez-Ominami, sind Sie ein Linker?

MEO: Ein fortschrittlicher Linker.

Als sie sich als Kandidat aufgestellt haben, sind Sie abgegangen wie eine Rakete. Fast aus dem Stand heraus kamen sie auf 13 Prozent. Wie erklären sie sich diesen Erfolg?

MEO: Mein erster Wahlslogan war: Chile hat sich verändert. Also nicht nur, dass sich Chile verändern muss, sondern sich bereits verändert hat. Dagegen irrt sich die Concertación, wenn sie vorgibt, Chile hätte sich zwar verändert, aber man könne noch immer Politik machen wie in der Zeit um 1988. Über vieles wurde und wird nicht gesprochen. Wir bieten eine neue Form des Politikmachens: Mutig, ehrlich, glaubwürdig. Das ist nichts Neues in der Welt, aber neu für die politische Klasse in… weiter lesen

11.12.2008 von Claudius Prößer
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Recht und Rache

von Claudius Prößer
Am 10. Dezember 2006, vor genau zwei Jahren also, starb Augusto Pi­no­chet Ugarte 91-jährig an Herzversagen. Zu einer Verurteilung für die auf seine Weisung geschehenen Verbrechen war es nicht mehr ge­kom­men.



Oben: Vor einem Jahr war’s ein Jahr her.

Unten: Pinochet-Fans bei dessen Totenfeier vor zwei Jahren (Foto: The Clinic)

Am gestrigen zweiten Todestag wurde auch die Komplizenschaft zwi­schen einflussreichen Teilen der katholischen Kirche und den Putschis­ten von ’73 wieder einmal mehr als deutlich. Kardinal Jorge Medina ließ es sich nicht nehmen, eine Gedenkmesse in der Militärkathedrale zu ze­le­brie­ren und in seiner Predigt Pinochets Opfer moralisch zu dis­kre­di­tie­ren:

Unser Land braucht die Vergebung, es ist der einzige Weg zum Frieden. Statt zu vergeben, verlangen aber viele “Gerechtigkeit” – ein Wort, das ein anderes, hässlicheres Wort verbirgt, das sie sich nicht trauen auszusprechen. Dieses Wort heißt “Rache”.

Der Kardinal, von 1998weiter lesen

06.10.2008 von Claudius Prößer
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Aerobic killed Pinochet

von Claudius Prößer
Gestern vor 20 Jahren verlor Pinochet das Plebiszit, das ihn für wei­te­re acht Jahre im Amt bestätigen sollte. Es war keine vernichtende Nie­der­la­ge – aber immerhin. Aus diesem Anlass heute zwei historische Vi­deo­clips: die Wahlwerbung der NO-Kampagne (Nein zu Pinochet), die nach anderthalb Jahrzehnten Diktatur von vielen Chilenen als extrem er­fri­schend erlebt wurde, sich dabei aber jedes nur denkbaren Zahn­pas­ta­re­kla­me-Klischees bedient. Auch Aerobic wurde da getanzt.

Die Gräuelkampagne, mit der das Pinochet-Lager (das SÍ) seine Gegner zu diskreditieren suchte, kam nicht ganz so gut an:

Besonders erhellend der Spruch Aunque el marxista se vista de seda, marxista queda (“Auch wenn der Marxist sich in Seide kleidet, er bleibt doch ein Marxist” – der Original-Spruch geht so ähnlich, man muss nur mono - Affe – für marxista einsetzen).

27.08.2008 von Claudius Prößer
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Richter, General und Folterknecht

von Claudius Prößer

Unbedingt ansehen: Nur noch bis zum 2. September ist der, wie ich finde, hervorragende US-Dokumentarfilm “The Judge and the General” im Netz abrufbar. Die für den Public Broadcasting Service (PBS) produzierte Doku beschreibt, wie der chilenische Richter Juan Guzmán ab 1998 und bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2005 gegen Augusto Pinochet und andere Täter der Militärdiktatur ermittelte. Guzmán hatte 1998 eine Sammelklage von Angehörigen Ermordeter und Verschleppter übernommen, nicht weil er sich besonders dafür interessiert hätte, sondern weil es das interne Turnusverfahren des Gerichtshofs so ergab.

Die eigentliche Geschichte, die der Film erzählt, steckt denn auch weniger in der Tatsache, dass Guzmán erreicht hat, die Selbstamnestie der Militärs aufzuhebeln (was spannend genug ist), sondern in seiner Wandlung von einem stillen Befürworter des Pinochet-Regimes hin zu einem seiner gefährlichsten Verfolger. Der Richter, der weite Teile der Doku aus dem Off… weiter lesen