28.10.2008 von Claudius Prößer
Seit den Kommunalwahlen am Sonntag ist Puerto Montt ein ziemlich einsamer Leuchtturm der auf Staatsebene regierenden Concertación: Nur zwei Hauptstädte der 14 Regionen Chiles (die región metropolitana nicht mitgerechnet) werden noch von Bürgermeistern des Mitte-Links-Bündnisses geführt. Dass die Bürger unserer Stadt den sozialistischen Amtsinhaber mit dem klingenden Namen Rabindranath Quinteros klar wiederwählten, dürfte einfach an dessen jovialer Persönlichkeit liegen – und daran, dass die Stadt trotz aller Lachs-Krisen immer noch floriert. Da liegt eben kein Wechsel in der Luft.
Im Rest des Landes sah das offenbar anders aus: Das rechte Bündnis Alianza por Chile erreichte bei der Wahl der Bürgermeister gut 40 Prozent der Stimmen und toppte damit die Concertación, die zwei Prozentpunkte darunter blieb. Für die Rechten ein Traumergebnis, das aus ihrer Sicht den Sieg bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr vorwegnimmt. Tatsächlich ist es der erste Wahlsieg überhaupt,… weiter lesen
16.09.2008 von Claudius Prößer
Michelle Bachelet war die Freude darüber ins Gesicht geschrieben, dass der Ad-hoc-Gipfel der UNASUR-Staaten mit einem einheitlichen und klaren Signal zu Ende ging. Alles andere wäre kein gutes Omen für das neue Bündnis und kein Ruhmesblatt für ihren Vorsitz gewesen.

So jedoch konnte die chilenische Präsidentin gestern Abend nach einer “langen, aber fruchtbaren Sitzung” im Moneda-Palast eine Erklärung verlesen, mit der sich ausnahmslos alle südamerikanischen Regierungen hinter ihren Kollegen Evo Morales stellen: Der bolivianische Präsident, dessen Legitimität – so das Dokument – im jüngsten Referendum gestärkt worden sei, dürfe sich der Unterstützung der UNASUR-Staaten sicher sein. Die separatistische Gewalt wird ebenso klar verurteilt wie die Versuche, einen Staatsstreich durch Destabilisierung herbeizuführen. Dabei verweisen sie direkt auf die Parallele zum Putsch in Chile vor 35 Jahren.

Damit es nicht bei Verurteilungen und Appellen bleibt, haben die Gipfelteilnehmer die Einsetzung von drei Ausschüssen beschlossen: einer… weiter lesen
15.09.2008 von Claudius Prößer
Insgesamt 234 Festnahmen, davon 160 in Santiago, 22 durch scharfe Munition, Schrotkugeln und Steinwürfe verletzte Polizisten und neun verletzte Demonstranten, davon einer mit einem schweren Schädeltrauma, vermutlich durch eine Tränengaskartusche – das war nach Angaben des Innenministeriums die Bilanz der diesjährigen Protestnacht des 11. Septembers. Immerhin: Es gab keine Toten zu beklagen wie in vergangenen Jahren.
Die Ausschreitungen am “once” finden hauptsächlich in armen Randbezirken, aber auch im Zentrum von Santiago statt, sie haben sich als Gewaltritual längst vom eigentlichen Anlass gelöst. Während der Protest von Attacken auf die Infrastruktur der “eigenen” Viertel geprägt ist (nicht unähnlich dem, was in Berlin-Kreuzberg über viele Jahre hinweg am 1. Mai geschah), fährt die Staatsmacht im Gegenzug an Repressionswerkzeug auf, was die Arsenale hergeben.
Zu Schlagstöcken, Gummigeschossen, Tränengas und Wasser hat sich an diesem 11. September eine neue “nicht-tödliche Waffe” gesellt: Ein Long Range Acoustic Device (LRAD), wie… weiter lesen
14.09.2008 von Claudius Prößer

Sonderlich bekannt ist diese Flagge nicht, weder in Europa, noch in Lateinamerika. Es handelt sich um das Banner der Ende Mai in Brasilia feierlich ins Leben gerufenen Union Südamerikanischer Nationen, UNASUR (bzw. UNASUL). Laut Gründungsurkunde soll sie den Kampf gegen „Ungleichheit, soziale Ausgrenzung, Hunger, Armut und Unsicherheit“ führen und innerhalb von zwei Jahrzehnten eine der EU vergleichbare Integration erreichen, inklusive gemeinsamer Wirtschafts- und Außenpolitik, Währung und Passwesen.
Viel zu sehen ist davon bis jetzt nicht, aber das angesichts der bolivianischen Krise eilig anberaumte Treffen der UNASUR-Staatschefs am Montag könnte der Organisation ein wenig Legitimität verleihen – oder auch nicht. Stattfinden wird es in Santiago, denn Chiles Präsidentin Michelle Bachelet übt derzeit den rotierenden Vorsitz aus. Bis zur Gründung war Chile der einzige südamerikanische Staat gewesen, der keinem der beiden regionalen Bündnisse – Andengemeinschaft und Mercosur – angehörte.
Wer genau am Krisengipfel teilnehmen wird,… weiter lesen
05.09.2008 von Claudius Prößer






Im unterirdischen Centro Cultural Palacio La Moneda, einem der Vorzeigeprojekte der Lagos-Regierung, ist gerade eine niedliche kleine Ausstellung mit dem Titel “Pintacanes” zu sehen. Bei den seriell aus Glasfaser gepressten und künstlerisch gestalteten Hunden handelt es sich im Prinzip um eine Spielart der abscheulichen Berliner Buddybären, aber hier stimmt das Konzept: Kein steriles Wappentier stand Modell, sondern ein kleiner, räudiger Straßenköter, ein quiltro, dem man in den Straßen von Santiago auf Schritt und Tritt begegnet und der deshalb als legitimer Vertreter der Metropole gelten darf. Auch die Verfremdungen haben es in sich. Renommierte bildende Künstler haben sie gemeinsam mit Bewohnern des Stadtteils La Pintana geschaffen, sie erzählen von Sex, Drogen und Armut, von Lebensfreude und einem gewitzten Umgang mit nationaler Identität. Wau!