23.04.2012 von Peter Strack

Landschaft im TIPNIS, Foto: Bastian Mueller, Quelle: www.eltipnisesvida.org
Eigentlich schien im Oktober alles klar nach dem sechswoechigen VIII. Marsch der Tieflandvoelker, nach vergeblichen Versuchen der Regierung, den Marsch zu stoppen, und dem anschliessenden von der Mehrheit der Bevoelkerung umjubelten Einzug der Demonstranten nach La Paz. Praesident Evo Morales hoechstpersoenlich einigte sich “von Indígena zu Indígena”, und ohne laestige Einmischung von Umweltorganisationen, auf ein Gesetz zum Schutz des indigenen Territoriums und Naturschutzgebiet Isiboro Securé (TIPNIS), und schloss den urspruenglich geplanten Bau einer Ueberlandstrasse mitten durchs Herz dieser gruenen Lunge definitiv aus.
Doch dabei hatte er die Rechnung ohne seine wichtigste Basis gemacht, die Organisation der Kokabauern im Chapare. … weiter lesen
04.02.2012 von Peter Strack
„Derzeit ist nur wenig Andrang”, machte mir der schon von wiederholtem Anstehen bekannte Mitarbeiter der Migrationsbehoerde im bolivianischen Cochabamba Hoffnung, als ich ihn letztens zufaellig im Kleinbus traf. Auf dem Weg in seine Behoerde. Und in der Schlange, die an diesem Morgen recht schnell voranrueckte, standen auch kaum mehr als 20 Interessenten, brasilianische Studenten, Priester, Nonnen … Aber als ich nach einer halben Stunde dran war, hiess es nur: Um 14 Uhr 30 wiederkommen!
Die Wartenummern, mit denen man sich die Zeit ein wenig einteilen koennte, und von denen ein Hinweisschild anweist, sie sich zu besorgen, gaebe es nicht. Fast puenktlich stand ich nachmittags wieder vor dem Buero Nummer 3, das zum wiederholten Male die gleichen Angaben aufnehmen, in den Computer eingeben und ein Foto fuer den neuen Ausweis machen sollte. Die Zahl der Wartenden, die sich um vier Stuehle draengten und immer wieder von Polizisten gebeten wurden, doch… weiter lesen
19.11.2011 von Peter Strack

1,3 Mio Dollar fuer jeden KM Zerstoerung: Protest gegen Strassenbau, Quelle: El Dia
„Mama, wo geht es jetzt hin?“, fragte ein Junge heute morgen auf der Fahrt in das Stadtzentrum von Cochabamba besorgt seine Mutter, als der Bus ploetzlich in eine Seitenstrasse abbog. „Da wird wohl irgendjemand wieder die Strasse blockieren“, lautete die lakonische Antwort. Doch der Grenzkonflikt zwischen den Provinzen Oruro und Potosí wird derzeit ebenso verhandelt wie der zwischen den Munizipien Colcapirhua und Tiquipaya im „Herz der Mutter Erde“ selbst. Und die Kokabauern aus dem Chapare, die derzeit gegen den Baustopp der Strasse durch das indigene und Naturschutzgebiet TIPNIS mobilisieren, haben sich erst einmal zu Beratungen zurueckgezogen. … weiter lesen
22.10.2011 von Gerhard Dilger
¡Viva Bolivia! Evo Morales hat beschlossen, die umstrittene Fernstraße jetzt doch nicht durch den TIPNIS-Nationalpark bauen zu lassen.
17.10.2011 von Peter Strack
Die Richterwahl in Bolivien war fuer die Demokratie ein schwieriger Schritt voran. Dabei hat ihr groesster Verlierer ueberhaupt nicht kandidiert: Praesident Evo Morales.
Es waere so schoen gewesen. Frueher wurden die obersten Richterposten Boliviens im parlamentarischen Geschacher mit Guenstlingen der eigenen Partei besetzt. So kam es mancherorts nie zur Verurteilung eines Politikers, so offensichtlich die Vergehen auch waren. Nun sieht die neue Verfassung vor, dass die Richter als Fachleute auf einer Vorschlagsliste des Parlaments vom Volk gewaehlt werden. Um die Wahl nicht zu politisieren, und damit auch der materielle Besitz nicht entscheidet, wurden Wahlkampagnen deshalb gleich verboten.
Nur dass die Regierungspartei MAS im Parlament, anders als in der Bevoelkerung, noch eine 2/3 Mehrheit hat. Und deshalb hatte sie sich gleich gar nicht die Muehe gemacht hat, mit der widerspenstigen Opposition zu Kompromissen bei der Vorschlagsliste zu kommen. So wurde die Wahl zu dem, was sie eigentlich nicht werden… weiter lesen
30.09.2011 von Gerhard Dilger
“Bolivien hat in den größten Herausforderungen unserer Zeit Führungsstärke gezeigt”, schreibt Pablo Solón, der bis Ende Juni Boliviens UN-Botschafter war, in einem offenen Brief an Evo Morales.

Morales und Solón auf dem Alternativen Klimagipfel von Cochabamba
“Wir dürfen nicht die Rezepte des gescheiterten Entwicklungsdenkens wiederholen, das das Verhältnis der Menschheit zur Mutter Erde bis an eine Bruchstelle gebracht hat”, so Solón weiter. Um die derzeitige Krise zu überwinden, wünscht er sich, dass Morales die Fernstraße um das TIPNIS-Schutzgebiet herum bauen lässt. Die Verantwortlichen für den Polizeieinsatz am letzten Sonntag sollten bestraft werden.
Der Brief schließt mit dem Appell: “Wir müssen einen breiten partizipativen Prozess einleiten, eine landesweite Debatte um eine neue Agenda im Rahmen des Guten Lebens”.
Hier die englische Übersetzung:
President and
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17.09.2011 von Peter Strack

Marsch fuer den TIPNIS
In einem Experiment fuer die Schule sollte meine Tochter diese Woche untersuchen, ob die Sauerstoffproduktion einer Pflanze mit der Menge der einfallenden Sonnenstrahlen waechst. Das Ergebnis war eindeutig und hat Julia in ihrer Ueberzeugung bestaerkt, wie wichtig der Erhalt gerade der Waelder in den sonnenreichen Tropenregionen ist.
Seit dem 15. August marschieren zunaechst 700, inzwischen mehrere Tausend Tiefland-Indígenas aus Protest gegen den geplanten Bau einer Ueberlandstrasse mitten durch den TIPNIS, Indigenes Territorium und Nationalpark Isiboro Sécure, ein Bau der nicht nur das Klima, sondern auch eine dort lebende Vielfalt von 858 Wirbeltierarten, 470 Vogelsorten, 188 Fischen und andere Wassertieren, 500 verschiedenen Heilpflanzen bedrohen wuerde. Und die meisten dort lebenden Arten seien noch gar nicht erfasst, sagt der Biologe Raul Altamirano der Tageszeitung Los Tiempos.
Fuer Praesident Evo Morales, der sich auf internationaler Ebene als Verfechter der Rechte der Mutter Erde und des Klimaschutzes praesentiert, ist Julia jedoch eine jener Naturromantiker, die sich nationalen Interessen, der Entwicklung und dem Fortschritt verweigern. Dank des Starrsinns der Regierung, die ihre einmal getroffene Entscheidung durchboxen will, statt mit den Beteiligten Alternativen und Kompromisse zu suchen, steht im Fall TIPNIS derzeit nicht nur die Natur und die Glaubwuerdigkeit der Regierung auf dem Spiel. Aendert die Regierung nicht ihren autoritaeren Stil, wird bald auch das Buendnis zerbrochen sein, das Evo Morales vor noch nicht allzu langer Zeit mit einer 2/3 Mehrheit an die Macht gebracht hat.
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