Wer an einem 22. Januar inmitten der Regenzeit eine neue Verfassung in Kraft setzt, der laeuft Gefahr, dass die Jubilaeumsfeierlichkeiten verregnen. So war es auch zu Beginn des 4. Jahres des “Plurinationalen Staates Bolivien”. Wer den Feiertag nicht nutzte, um sich zu Hause zu erholen und wie viele Strassenhaendler zur Arbeit auszog, der musste sich oder seine Waren vor heftigen Wasserfaellen schuetzen. Die Euphorie der ersten Jahre verflogen, Stimmung und Erwartungen gedaempft, selbst bei der Regierung … weiter lesen
Posts Tagged ‘TIPNIS’
“Der TIPNIS hat gesprochen”, titelt die Beilage der bolivianischen Regierung zu den grossen bolivianischen Tageszeitungen am vorweihnachtlichen Sonntag. Und 80% der Gemeinden haetten „Ja“ zum Bau der heftig umstrittenen Ueberlandstrasse mitten durch das indigene und Naturschutzgebiet gesagt. 11 der 69 Gemeinden haetten sich geweigert, an der Befragung teilzunehmen, nur 3 haetten „Nein“ zum Strassenbau gesagt. Eine oekologische Strasse sei vereinbart worden, hatte der fuer oeffentliche Bauten zustaendige Minister Sanchez kurz zuvor mitgeteilt. Ueber das entscheidende, bislang weitgehend erhaltene Stueck Natur hinweg sollte die Strasse als Bruecke ueber die Baumwipfel hinweg gefuehrt werden, damit die Tiere sich ungestoert bewegen koennten. Doch ob das alles so einfach ist und die von der Regierung angegebenen Zahlen stimmen, wird in Bolivien diskutiert. … weiter lesen
Erhobenen Hauptes, aber mit leeren Händen: TIPNIS-Marschierer kehren nach Hause zurück
von Peter StrackZwei Monate (siehe Fotoreportage) waren sie marschiert, hatten mitten im Winter zwei Wochen lang der Kaelte auf der Strasse vor dem Vizepraesidentenpalast, dem Traenengas und den Wasserwerfern getrotzt und nicht einmal ein Gespraech mit Evo Morales erreicht. Der Praesident und seine Mitarbeiter hatten unterdessen keine Anstrengungen gescheut, ihre Heimatregion, den TIPNIS aufzusuchen, Aussenbordmotoren zu verteilen, Versprechungen zu machen und die indigenen Organisationen zu spalten.
Dies mag der Hauptgrund gewesen sein, dass die Marschierer am 10. Juli beschlossen, in ihre Doerfer zurueckzugehen, um sich dort weiter fuer die Erhaltung des in Suedamerika inzwischen einzigartigen Oekotops und gegen den geplanten Strassenbau mitten durch das indigene Territorium und Naturschutzgebiet einzusetzen. … weiter lesen
Nach 61 Tagen und mit im Vergleich zum 8. Marsch deutlich reduzierter Kulisse, gleichwohl herzlich empfangen, ist gestern der 9. Marsch der Tiefland-Indigenas in La Paz eingetroffen. 200 Kinder, zum Teil auf den Armen ihrer Muetter oder von Feuerwehrleuten und die meisten schwer erkaeltet – eines starb in derselben Nacht - gehoerten zu den ersten der ca. 1000 Menschen, die auf der Plaza Mayor San Francisco eingetroffen waren, um dort eine Dauerwache einzurichten, bis ihre Forderungen, den TIPNIS Nationalpark zu respektieren und die geplante Ueberlandstrasse um das indigene Territorium herumzufuehren, Gehoer bei der Regierung finden. … weiter lesen
Eigentlich schien im Oktober alles klar nach dem sechswoechigen VIII. Marsch der Tieflandvoelker, nach vergeblichen Versuchen der Regierung, den Marsch zu stoppen, und dem anschliessenden von der Mehrheit der Bevoelkerung umjubelten Einzug der Demonstranten nach La Paz. Praesident Evo Morales hoechstpersoenlich einigte sich “von Indígena zu Indígena”, und ohne laestige Einmischung von Umweltorganisationen, auf ein Gesetz zum Schutz des indigenen Territoriums und Naturschutzgebiet Isiboro Securé (TIPNIS), und schloss den urspruenglich geplanten Bau einer Ueberlandstrasse mitten durchs Herz dieser gruenen Lunge definitiv aus.
Doch dabei hatte er die Rechnung ohne seine wichtigste Basis gemacht, die Organisation der Kokabauern im Chapare. … weiter lesen
„Derzeit ist nur wenig Andrang”, machte mir der schon von wiederholtem Anstehen bekannte Mitarbeiter der Migrationsbehoerde im bolivianischen Cochabamba Hoffnung, als ich ihn letztens zufaellig im Kleinbus traf. Auf dem Weg in seine Behoerde. Und in der Schlange, die an diesem Morgen recht schnell voranrueckte, standen auch kaum mehr als 20 Interessenten, brasilianische Studenten, Priester, Nonnen … Aber als ich nach einer halben Stunde dran war, hiess es nur: Um 14 Uhr 30 wiederkommen!
Die Wartenummern, mit denen man sich die Zeit ein wenig einteilen koennte, und von denen ein Hinweisschild anweist, sie sich zu besorgen, gaebe es nicht. Fast puenktlich stand ich nachmittags wieder vor dem Buero Nummer 3, das zum wiederholten Male die gleichen Angaben aufnehmen, in den Computer eingeben und ein Foto fuer den neuen Ausweis machen sollte. Die Zahl der Wartenden, die sich um vier Stuehle draengten und immer wieder von Polizisten gebeten wurden, doch… weiter lesen
„Mama, wo geht es jetzt hin?“, fragte ein Junge heute morgen auf der Fahrt in das Stadtzentrum von Cochabamba besorgt seine Mutter, als der Bus ploetzlich in eine Seitenstrasse abbog. „Da wird wohl irgendjemand wieder die Strasse blockieren“, lautete die lakonische Antwort. Doch der Grenzkonflikt zwischen den Provinzen Oruro und Potosí wird derzeit ebenso verhandelt wie der zwischen den Munizipien Colcapirhua und Tiquipaya im „Herz der Mutter Erde“ selbst. Und die Kokabauern aus dem Chapare, die derzeit gegen den Baustopp der Strasse durch das indigene und Naturschutzgebiet TIPNIS mobilisieren, haben sich erst einmal zu Beratungen zurueckgezogen. … weiter lesen
¡Viva Bolivia! Evo Morales hat beschlossen, die umstrittene Fernstraße jetzt doch nicht durch den TIPNIS-Nationalpark bauen zu lassen.
Die Richterwahl in Bolivien war fuer die Demokratie ein schwieriger Schritt voran. Dabei hat ihr groesster Verlierer ueberhaupt nicht kandidiert: Praesident Evo Morales.
Es waere so schoen gewesen. Frueher wurden die obersten Richterposten Boliviens im parlamentarischen Geschacher mit Guenstlingen der eigenen Partei besetzt. So kam es mancherorts nie zur Verurteilung eines Politikers, so offensichtlich die Vergehen auch waren. Nun sieht die neue Verfassung vor, dass die Richter als Fachleute auf einer Vorschlagsliste des Parlaments vom Volk gewaehlt werden. Um die Wahl nicht zu politisieren, und damit auch der materielle Besitz nicht entscheidet, wurden Wahlkampagnen deshalb gleich verboten.
Nur dass die Regierungspartei MAS im Parlament, anders als in der Bevoelkerung, noch eine 2/3 Mehrheit hat. Und deshalb hatte sie sich gleich gar nicht die Muehe gemacht hat, mit der widerspenstigen Opposition zu Kompromissen bei der Vorschlagsliste zu kommen. So wurde die Wahl zu dem, was sie eigentlich nicht werden… weiter lesen
“Bolivien hat in den größten Herausforderungen unserer Zeit Führungsstärke gezeigt”, schreibt Pablo Solón, der bis Ende Juni Boliviens UN-Botschafter war, in einem offenen Brief an Evo Morales.
Morales und Solón auf dem Alternativen Klimagipfel von Cochabamba
“Wir dürfen nicht die Rezepte des gescheiterten Entwicklungsdenkens wiederholen, das das Verhältnis der Menschheit zur Mutter Erde bis an eine Bruchstelle gebracht hat”, so Solón weiter. Um die derzeitige Krise zu überwinden, wünscht er sich, dass Morales die Fernstraße um das TIPNIS-Schutzgebiet herum bauen lässt. Die Verantwortlichen für den Polizeieinsatz am letzten Sonntag sollten bestraft werden.
Der Brief schließt mit dem Appell: “Wir müssen einen breiten partizipativen Prozess einleiten, eine landesweite Debatte um eine neue Agenda im Rahmen des Guten Lebens”.
Hier die englische Übersetzung:
President and






