Album des Monats Januar / Platz 3: Antony & The Johnsons – The Crying Light
von Christian Ihle
Mit “The Crying Light” gerät das seltsame Künstlerleben des Antony Hegarty in eine neue Umlaufbahn. Fast vier Jahre ist es nun her, dass “I Am a Bird” den quasi-religiösen Mercury Prize gewann. Diese vier Jahren haben gereicht, um den Mythos um Antony & The Johnsons gären zu lassen. Diverse Nebenprojekte – unter anderem das New Yorker Disco-Projekt “Hercules & Love Affair” im vergangenen Jahr – sorgten weiterhin dafür, den putzig-androgynen, irgendwie aber auch todtraurigen Antony zum Posterboy werden zu lassen. Die Le Monde nannte etwa Charles Atlas Filmprojekt TURNING, an dem Antony & The Johnsons beteiligt waren, ein “Concert-manifeste transsexuel“. Und wer die aktuelle Spex auch nur in die Hände nimmt, spürt, dass da ein neuer Typus Bohemien gereift ist. Aber hält sein neuer Output auch wirklich, was die Lorbeeren versprechen?
Mit Sicherheit. “The Crying Light” hat eine unberührbare Schönheit, die, im Gegensatz zu früheren Werken, nun nicht mehr ausschließlich aus seiner Falsett-Stimme her rührt. Im Gegenteil: A Capella und Orchester stehen unverrückbar nebeneinander. Zwischen diesen beiden Polen spielen sich Antonys Dramen ab, begleitet von mitunter mehr als 20 Musikern. In “Another World” wird herzzerreißen gejammert, während ein Klavier im Raum fast zu verschwinden scheint. “I need another place / Will there be peace?” fragt Antony Hegarty. In “Aeon” reißt er mit Pathos die Rockstar-Pose an sich, im abschließenden “Everglade” bricht sich ein Orchester Bahn. Es ist Antony Hegarty zu wünschen, dass “The Crying Light” das Jahr überdauert. Seine Schönheit müsste eigentlich zu jeder Jahreszeit funktionieren. (Robert Heldner)
Anhören!
* Her eyes are underneath the ground
* Kiss my name
* Everglade
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