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vonChristian Ihle 25.04.2009

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Zwei Schmähkritiken über Polit-Talkshows innerhalb weniger Tage vom gleichen Autor? Wird’s da nicht ein bisschen öde? Ja, vielleicht, andererseits schießt der gute Reinhard Mohr hier so schön übers Ziel hinaus, dass man ihn doch zitieren möchte (und am besten auch gerne wissen, welche Getränke der Gute so zu sich nimmt, während er aus beruflichen Verpflichtungen Nacht um Nacht der Qual von Polittalkshows ausgesetzt ist. Reinhard Mohr – der Oliver Kalkofe des bourgeoisen Online-Feuilletons):

„Gesine „Schnatterinchen“ Schwan, die famose sozialdemokratische Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten, wollte da keinesfalls zurückstehen und datierte den sozialen Aufstand schon mal punktgenau auf Juli/August 2009: In zwei oder drei Monaten könnte die „Wut“ der Leute „deutlich“ angewachsen sein. Irgendwann würden die „Halteseile reißen“, sagte sie der „Frankfurter Rundschau“. Na wunderbar. Vielleicht können wir uns dann die blöde Bundestagswahl am 27. September ganz sparen und gleich einen revolutionären Wohlfahrtsausschuss à la Robespierre einrichten.

Und leise rattert die Guillotine am Gendarmenmarkt.

Im Ernstfall würden Frau Schwans amtliche Redenschreiber dann allerdings viel zu tun haben, um den handgreiflichen Aufruhr der Massen wieder in die Bahnen ziviler präsidentieller Vernunft zu lenken. Dazu müssten die Fernsehansprachen einer Bundespräsidentin Schwan wenigstens bis an die türkische Mittelmeerküste, nach Mallorca und Ibiza, an die Costa Blanca und die französische Atlantikküste reichen, dorthin also, wo sich die krisengeplagten und potentiell revolutionären deutschen Volksmassen im Hochsommer wieder in ihren Zelten, Wohnwagen und Ferienanlagen verbarrikadieren, um ihren althergebrachten Riten des Urlaubsglücks zu frönen.

Man hat den Eindruck, dass gerade biedere deutsche Gewerkschaftsbürokraten wie Sommer, Bsirske & Co., die bei einer wirklichen sozialen Eruption als erste ins gut verbunkerte und voll möblierte Reduit der politischen Klasse flüchten würden, neidisch nach Frankreich blicken, wo Arbeiter ihre Chefs als Geiseln nehmen, Produktionsanlagen demolieren und Betriebe besetzen. Hierzulande sind organisierte Tarifpartnerschaft und Sozialstaat immer noch derart wirksam, dass der Gedanke an Arbeiteraufstand und Revolte, gar eine gewalttätige Revolution, noch nicht aufgekommen ist.

Muss man sie also herbeireden? Soll man schon mal Sandsäcke im Keller stapeln? Die eingerosteten Handfeuerwaffen vom letzten Krieg aus der Kiste holen? Ist das bloße Wichtigtuerei, taktisches Kalkül oder schlicht verantwortungslose Dummheit, wie Bundeswirtschaftsminister Guttenberg meint?“

(Reinhard Mohr in SpiegelOnline über die Talkshow „Maybrit Illner“)

Inhaltsverzeichnis:
* 150 Folgen Schmähkritik

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