On My Stereo: April 2009

Was dreht sich eigentlich so auf den Plattentellern des Popblogs, losgelöst von allen Release-Notwendigkeiten? On My Stereo:

Manic Street Preachers – Jackie Collins Existential Question Time

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Interessiert es eigentlich noch jemanden, dass die Manic Street Preachers immer noch weiterspielen? Wenn nicht: jammerschade. Die verbliebenen drei Waliser haben die Gedichtbüchlein des auf immer verschollenen ehemaligen Bandmitglieds Richey Edwards geplündert und veröffentlichen im Mai ein kompromissloses, raues Werk, das begeistert wie kein Manics-Album seit Jahre mehr.

The Kinks – Harry Rag

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Aus der Reihe: deutsche Punkgrößen bennen sich nach englischen Songs – Harry Rag, Sänger und Gitarrist von S.Y.P.H., nahm sich die britischste aller britischen Bands zum Vorbild und nannte sich nach dem zu Unrecht weniger bekannten Kinks-Song „Harry Rag“ aus dem Album „Something Else“.

The Clash – Janie Jones

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Zurecht wird „Janie Jones“ gedroppt, wenn die Protagonisten in Nick Hornbys „High Fidelity“ eine Top-5-Liste der besten Album-Opener erstellen. Das vielleicht beste Punkalbum aller Zeiten, das selbstbetitelte Clash-Debüt, eröffnet seinen Reigen mit „Janie Jones“, einem Song über eine Bordellbesitzerin aus London.
Als Peter Hein noch der bestaussehendste Mann des Landes war, nannte sich der Mittagspause/Fehlfarben-Sänger nach diesem Clash-Song. 1982 nahm übrigens eine Punk-Supergroup aus The Clash und den Blockheads (of Ian Dury fame) eine von Joe Strummer produzierte Single auf, bei der die echte Janie Jones den Gesangspart übernahm.

The Slickers – Johnny Too Bad

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A propos The Clash: der Film „Rude Boy“, eine seltsame Mischung aus Spielfilm und Dokumentation über einen Roadie der Clash, wäre als Zeitzeugnis schon sehenswert genug, wird aber unverzichtbar, weil er einer Generation von Punkfans die Schönheit des Slickers-Songs „Johnny Too Bad“ nahe brachte, einem klassichen Trojan-Records-Track.

The Rakes – The Light From Your Mac

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Die ewig unterschätzten Popblog-Lieblinge aus England legen mit The Light From Your Mac nicht nur die Basslinie, sondern auch noch den Betrunken-Abschlepp-Song des Jahres vor: „Don’t Show Me The Fucking Futon!“

The Velvet Underground – Pale Blue Eyes

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Romantischer geht es da schon bei Onkel Lou und den Velvets zu. Auf ihren dritten, selbstbetitelten Album findet sich mit „Pale Blue Eyes“ einer der zartesten Folksongs, den die eher für ausufernden Krach berühmt gewordene Band je eingespielt hat. Aber auch hier kann es Lou Reed nicht lassen, einen anfangs unschuldig wirkenden Song gegen Ende noch eine seltsame Wendung zu geben: „It was good what we did yesterday. / And I’d do it once again. / The fact that you are married, / Only proves, you’re my best friend. / But it’s truly, truly a sin. / Linger on, your pale blue eyes.“

The Horrors – Who Can Say

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Wenn eine NME-Titelgeschichte je einer Band geschadet hat, dann war das bei The Horrors der Fall. Wer um alles in der Welt sollte auch eine Band ernst nehmen, die sich so fotografieren lässt?
Wer sich allerdings näher mit dem ersten Album befasste, entdeckte eine Band, die zwar selten über die Hommage hinaus kam, aber dafür eine ganz offensichtlich herausragend sortierte Plattensammlung gerade obskurster Tracks besitzt. War das Debüt ein Garagenpunk-Knaller amtlicher Natur, überrascht Album Nummer Zwei damit, dass die Horrors 15 Jahre in der Zeit nach vorne gesprungen sind und bei 1979 ankamen. The Teardrop Explodes für 2009 anyone? Song des Jahres, jemand?

The Maccabees – No Kind Words

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Das Debütalbum der Maccabees ist in der Masse der Post-Libertines-Bands leider etwas untergegangen, hatte aber vor allem in „Toothpaste Kisses“ einen unerwarteten Hit. Das zweite Album ist etwas weniger räudig produziert und lässt mit „No Kind Words“ auf Großes hoffen.

Ben Lee – Wake Up To America

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Evan Dando hat in seiner langen Karriere ja viele große Songs gesungen, doch kaum einer war besser als „Hard Drive“ auf dem „Baby I’m Bored“ Soloalbum. Ausgerechnet „Hard Drive“ war jedoch gar nicht von Dando selbst geschrieben, sondern von Kumpel Ben Lee. Ironischerweise hat Lee selbst auch nie einen besseren Song aufgenommen. Was nimmt es also Wunder, dass sich Lee für den Höhepunkt seines neuen Albums „Rebirth Of Venus“ an eigene vergangene Glanzleistungen erinnert und im Stil von „Hard Drive“ mit „Wake Up To America“ einen kritischen, aber dennoch affirmativen USA-Song schreibt: „I once got a fortune cookie that said / America is a place where people can invent themselves / So when I found myself making out with two girls at once at the Linkin Memorial in Washington, DC / I knew what that fortune cookie said had been / Beautiful, strange and true.“

Adolar – Marjokart vs. Kettcar

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Das gute deutsche Punklabel „Unterm Durchschnitt“ hat im April mit Adolar eine Band am Start, die sich zwischen dem peters.-Debütalbum, den Goldenen Zitronen und Turbostaat einen kleinen, feinen Kettcar-Diss erlaubt: „Damals haben wir Mariokart gespielt / und Du hörst heute Kettcar / und siehst so komisch aus.

Missent To Denmark – Where Are My Glasses?

Dann bleiben wir doch gleich einmal bei kleinen, deutschen Gruppen. Die bayrische Band Missent To Denmark, die einst mit „Open Book“ zeigten, dass es Coldplay auch in Deutschland geben könnte, bewegen sich auf dem neuen Song „Where Are My Glasses“ stärker in die Richtung der alten Radiohead.

Doves – There Goes The Fear

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Die immer bemerkenswert unaufgeregt agierende britische Band Doves kehrt dieser Tage mit ihrem neuen Album zurück – Grund genug, an einen der beiden überirdisch großen Hits ihres „The Last Broadcast“ Album zu erinnern. „There Goes The Fear“, das Wolken vertreiben und Himmel zerreissen könnte:
„Think of me when you’re coming down /
But don’t look back when leaving town today /
There goes the fear again, let it go“

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