vonChristian Ihle 31.05.2009

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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„Wie die Grünen unverdrossen ihre Schleimspur ziehen und versuchen, sich im gegenwärtigen Wahlkampf als eine Art romantische Plattform in der FDP zu gebärden, verdient Respekt. Keiner anderen Partei gelingt es so überzeugend, dem Klischee zu entsprechen, das es von ihr gibt. Auch daher gilt noch immer das alte Gesetz: Was die Grünen angeht, bleibt bei Menschen mit einem Rest Würde im Leib der Ekel das alle anderen Regungen beherrschende Gefühl.

»Mit WUMS für ein besseres Europa!« ist derzeit auf den Wahlplakaten zu lesen. »WUMS« steht für: »Wirtschaft und Umwelt, menschlich und sozial«. Die damit zur Schau gestellte Mischung aus mutwilligem Infantilismus und inhaltsfreiem Getöse wird gelungen kombiniert mit dem ebenso bemüht-krampfhaft wie peinlich-verlogen auf vermeintlichen Jugendjargon getrimmten Slo­gan »Europa klar machen«.

Allerdings wird die unfassbar armselige Simulation von so etwas wie Frische oder Widerständigkeit, die mit solchen Sprüchen hergestellt werden soll, auf einem Plakat nahezu perfekt ergänzt von der Gestalt und Physiognomie Bütikofers, eines Narkotikums in Menschengestalt, in dem das, wofür die Grünen stehen, gewissermaßen Fleisch geworden ist und der wie kaum ein anderer dazu geeignet scheint, die Ödnis und bürokratische Elendsverwaltung grüner »Realpolitik« widerzuspiegeln.

Wie elend und heruntergekommen dieser Verein ist, verrät obendrein das Kleingedruckte auf den Plakaten, in dem ganz und gar im Gratisphra­senjargon der Politreklameschwallköpfe von einem »grünen Zukunftspaket« die Rede ist. Doch als argloser Mensch empfindet man bereits Ekel, wenn sich einem Leute, die man aus Gründen des Anstands und der Würde nicht kennt und auch nicht kennen lernen möchte und mit deren Treiben man nichts zu schaffen haben will, schamlos als »Rebecca und Reinhard« oder »Jürgen und Renate« anempfehlen.

Auch auf der Webseite der Grünen wird man mit einem üblen Streber namens »Titus« konfrontiert, der sich als Student vorstellt und einen nicht nur ebenso ungefragt duzt, sondern freilich auch »ganz gespannt auf die Debatten hier« und mächtig stolz auf den »tollen Ausweis« ist, den er als Gast des Parteitags erhalten hat. In kurzen Videoschnipseln freut er sich über die »Blaskapelle«, die »ordentlich Stimmung macht«, oder »den Cem«, der im Hintergrund gerade eine »sehr mitreißende Rede« hält. Bei allem Ekel vor so offensichtlichem liebedienerischen Geschleime und bei allem Erstaunen über die Bereitschaft zu solch freimütigem Zurschaustellen von geistigem Stillstand empfindet man als Betrachter nun auch noch etwas anderes: Mitleid mit der Partei. Wenn solche Milchbubis mit Matsch in der Rübe von den Grünen als lebende Beweise für ihren »Wums« und ihren Zukunftspaketquatsch vorgeführt werden, erhält man einen trefflichen Eindruck von der jungen Klientel dieser Partei, im Vergleich zu der die Spießer und Jungzombies aus den Jugendorganisationen anderer Parteien geradezu wie aufgekratzte Revolutionäre wirken. Es handelt sich um die Leute, die bereits im Kindergarten jeden mit bösen Blicken bedacht haben, der sein Kaugummipapierchen achtlos wegwarf, und die heute, als Erwachsene, ihren Geltungsdrang befriedigen und ihre Pfadfindergesinnung ausleben, indem sie dem Kapitalismus ein grünes Heile-Welt-Hütchen aufsetzen wollen und ein »Moos-Graffito« für das Nonplusultra von Dissidenz halten.

Das Onomatopoetikum »Wums« findet man nicht selten in Comics. Es bezeichnet das Geräusch, das entsteht, wenn einem besonders unsympathischen Gesellen die Fresse poliert wird.“

(Thomas Blum in der Jungle World)

Mit Dank an Knopfauge!

Inhaltsverzeichnis:
* Die ersten 200 Folgen Schmähkritik

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http://blogs.taz.de/popblog/2009/05/31/schmaehkritik_203_die_gruenen/

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kommentare

  • die linkspartei jugend hat doch auch diese assoziation gehabt…und ne anzeige in der taz geschaltet: „auch bomben machen wums“ oder so ähnlich. naja, wahl“kämpfe“ sind halt nix für schöngeister

  • genau, ein hoch auf die kunst des verrisses! selbstzensur findet ja eh schon genug statt. und dass mit den abenteuerlichen mutmaßungen zu kinderstube und gesinnung?

  • Ja, das trifft es schon. Es war immer Grundprinzip der Schmähkritik-Rubrik, dass ich mir weder die Schmähung zu eigen machen muss noch eine Schmähung nicht bringen würde, nur weil ich sie unfair finde. Es soll lediglich die Kunst des Verrisses oder die Wut des Schreibenden in den Fokus rücken.

  • Ich plädiere dafür, die in dieser Kategorie veröffentlichten Texte vorrangig bezüglich ihres Schmähpotentials zu diskutieren. Über die Grünen an sich kann man jawohl wirklich irgendwo anders diskutieren – wenn man denn unbedingt will.

    Hier würde ich lieber tiefenpsychologische Analysen über den geistigen Zustand des Verfassers lesen, etymologische Erörterungen der Wortwahl und darauf basierende abenteuerliche Mutmaßungen zu Gesinnung und Kinderstube von Schmäher und Geschmähtem, wüste Beschimpfungen und möglichst viele seltene Schimpfwörter. Vielen Dank.

    Den Kapitalismus mit seinem „grünen Heile-Welt-Hütchen“ zum Beispiel wink ich ohne zu zögern durch!

  • Hat die jungle world über die Grünen irgendwann mal was anderes abgesondert als sowas?
    Und muss man eigentlich dämlich, lese & verständnisschwach oder den Grünen zugeneigt sein um so einen Text schlicht scheiße zu finden?
    Ich hoffe nicht.

  • Was halt dabei rauskommt, wenn Menschen kurz vor der Rente sich jugendlich-revolutionär gebärden. Ich habe jedenfalls sehr gelacht.

  • vielleicht sagt der text halt doch mehr über den autor aus als über die grünen? macht ja auch nichts, jeder darf ja so korrekt und aufrecht durchs linke leben gehen wie er möchte. und wahrscheinlich, das ist jetzt meine projektion, wohnt der autor in berlin oder hamburg oder sonstwo, wo es echt schwer ist, cool zu sein. die grünen als hassobjekt? geschenkt. aber hat nicht selbiger autor nicht mal in der jungle world einen total-verriß eines tocotronic album publiziert? grüße aus niederbayern, k

  • Ein ganz, ganz herrlicher Kommentar. Der in der Jungle World, der des dämliches Lesers mit Hang zu den Grünen – und auch der, der dem lieben Blogautor die Arbeit abnimmt.

  • Ich nehme Herrn Ihle mal die Arbeit ab.
    Lieber Besserwisser wie von Ihnen richtig erkannt ist Herr Ihle Autor dieses Blogs.
    Die Einträge unter der Kategorie „Schmähkritik“ sind jedoch Zitate anderer Autoren/Medien, für versierte Leser und Versteher auch an dem Inhalt der angehängten Klammern zu erkennen (hier „Thomas Blum in der Jungle World“). Sollten Sie über genug IT-Kenntnisse verfügen könnten Sie sogar mittels eines sogenannten Mausklicks auf die Worte Jungle World den original Artikel „hervorzaubern“.
    Aufgrund ihrer Lese- und Verständisschwäche, gepaart mit der bodenlosen dummdreistigkeit sich Besserwisser zu nennen, gehe ich davon aus das Sie bald ihren erhofften Listenplatz bei der Partei erhalten die zu ihnen passt wie die sprichtwörtliche Faust aufs Auge.

    In diesem Sinne WUMS!

  • Der Autor der Zeilen sollte sich mal zum Psychiater begeben und klären lassen, woher seine unbegründete Wut auf die Grünen rührt. Er muß im Kindergarten schreckliche Erlebnisse gehabt haben, die er bis heute nicht verarbeitet hat. Armer Herr Ihle. Dabei könnte das Leben so schön sein.

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