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vonChristian Ihle 11.12.2009

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Na, das war aber eine Überraschung, als der laziest man in rock (38 veröffentlichte Songs in neun Jahren) urplötzlich ankündigte, dass statt des überfälligen Strokes-Albums auf einmal ein fertiges Soloalbum vor der Tür stünde!
Ohne Singleveröffentlichung, ohne Videoclip, mit sehr, sehr vereinzelten Liveshows und nur acht Liedern auf seinem Solodebütalbum kann man „Phrazes“ aber wohl dennoch als Nebenprojekt klassifizieren, das die Schubladen von all dem Zeugs leeren sollte, das nicht auf die nächste Strokes-Platte passen würde – keine schlechte Idee, zeichneten sich die Strokes doch immer durch den Willen zur absoluten Reduktion aus. Fett waren immer die anderen.

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(„Albumtrailer“)

Dennoch: der Albumopener „Out Of The Blue“ ist so nah an Jules’ Hauptband wie es überhaupt nur geht – und sei es auch nur, um die werte zufällige Malreinhörerschaft geschickt in dieses Soloalbum zu locken. Denn auf den weiteren Stücken kann man zwar nicht vermeiden, bei dieser Stimme immer wieder an jenes Album zu denken, aber musikalisch zeigt sich Casablancas erheblich breiter aufgestellt als er das auf Strokes-Alben bisher zuließ. So ist das vorab veröffentlichte „11th Dimension“ sichtlich von der Zusammenarbeit mit Pharrell (auf „Drive Thru“) geprägt und bounct und springt wie ein FutureHiphop infizierter Popderrwisch durch die Gegend, dass es eine wahre Freude ist. „4 Chords Of The Apocalypse“ greift dagegen – wie bereits „Under Control“, ein vergessener, aber dennoch brillanter Song der Strokes – auf das Stax-Erbe, auf den rompin’-stompin’-Soul der 60er zurück. Während der Ausflug in die Prog-Rock-Gefilde „River Of Brakelights“ einige Wochen benötigt, um sich wirklich festzusetzen, ist am überraschendsten und besten der Cyber-Country von „Ludlow St.“. Im Herzen ist „Ludlow St.“ derart traditioneller Country, dass ihn Webb Pierce persönlich hätte schreiben können, aber Casablancas überzieht diesen einfachen, simplen Country-Song mit einer geradezu absurden Instrumentendichte und fährt eine Produktion auf, die die technikselige Euphorie der 80er mit den Mitteln der ausgehenden noughties verknüpft.

So präsentiert der einstige Retter des Rock’n’Roll ein überraschendes, abwechslungsreiches Album, das in seinen guten Momenten („Out Of The Blue“, „11th Dimension“, „Ludlow St.“) nichts weniger als brillant ist, aber als EP mehr überzeugen würde, da insbesondere gegen Ende doch klassisches B-Seiten-Material als Füllstoff herhalten muss. Guter Appetithappen, aber dennoch warten wir jetzt erst einmal gespannt, was die wichtigste Band der letzten zehn Jahre noch für die neue Dekade im Köcher hat. (Christian Ihle)

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Anhören!
* Out Of The Blue
* 11th Dimension
* Ludlow St.
* 4 Chords Of The Apocalypse

Im Netz:
* Homepage
* MySpace
* Indiepedia

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