vonChristian Ihle 20.08.2012

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

Mehr über diesen Blog



1. Der Film in einem Satz:


42.



2. Darum geht‘s:

Zwei Archäologen finden in einer alten Höhle Wandmalereien, die darauf deuten, dass frühe Menschen Besuch aus dem All hatten. Unterstützt von dem Unternehmen Weyland Industries brechen sie mit mit einer Mannschaft zu einem fernen Planeten auf, den sie nach Entzifferung der Malereien als Heimat der Erschaffer der Menschheit vermuten. Sie suchen den Ursprung unseres Lebens, sie suchen Gott, sie suchen Aliens – letzten Endes wohl einfach den Sinn des Lebens.


Als Ridley Scott ankündigte, er selbst würde ein „Prequel“ zu „Alien“, seinem Durchbruchfilm von 1979, drehen, war die Spannung groß. Zwar hat „Alien“ drei mehr oder weniger okaye Fortsetzungen gefunden, aber alle neuen Interpretationen wichen entschieden vom minimalistischen Horror des Erstlings ab, der genreprägend wie wohl kein anderer Film über außerirdisches Leben war. Man kann mit Fug und Recht argumentieren, dass Ridley Scott hinsichtlich der Bedeutung für das Science Fiction – Genre in den letzten 40 Jahren nur von Ridley Scott übertroffen wurde: mit seinem drei Jahre später gedrehten Blade Runner.


[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=gCryADcgWCQ[/youtube]


Dass „Prometheus“ nun nicht so epochal geworden ist wie „Alien“, geschenkt. Gute Ansätze findet man zuhauf, die ersten 45 Minuten sind interessante und vor allem bildgewaltig erzählte Science-Fiction. Insbesondere die Entdeckung des (Achtung, leichte Spoiler!) von Außerirdischen geschaffenen Tempels ist beeindruckend und steht einer ähnlichen Szene aus dem Original in nichts nach – leider kippt aber die zweite Hälfte von „Prometheus“ in wirre Standard-Science-Fiction, der es nie gelingt, einen Spannungsbogen aufzubauen. Die Entscheidung, kaum die berüchtigten „Aliens“ der Vorgängerfilme einzusetzen, ist einerseits löblich, weil den schwierigeren Weg nehmend, andererseits fällt Scott aber kein vernünftiges Substitut ein.

So wirkt die zweite Hälfte von „Prometheus“ wie mehrere Filme in einem: wir haben die Zombieszene, wir haben die Alienszene, wir haben die heroisch-pathetische Selbstopferungsszene Marke „Independence Day“ und wir haben die Mensch-trifft-seinen-Schöpfer-Szene. Die Einzige, die funktioniert? Die Alien-Szene, deprimierenderweise. Dass vor allem die Schöpfer-Begegnung so enttäuscht, ist wahrscheinlich der größte Makel des Films – immerhin entscheidet sich „Prometheus“ ja bewusst, die „Alien“-Thematik nur anzureissen und stattdessen eine metaphysische Diskussion zu suchen. Dass wir keine Antworten auf Fragen nach dem Sinn des Lebens bekommen, meinetwegen. Aber dass wir selbst die Motivation mancher Figuren nun in einem möglichen zweiten Teil suchen müssen, ist gelinde gesagt, handwerklich ungeschickt. Beziehungsweise eine Frechheit.

Schön wäre es auch, wenn sich jemand finden würde, der Dialoge in Science-Fiction-Filmen schreibt, die einen ob Plattheit und Pathos nicht vor Scham im eigenen Kinosessel versinken lassen. Auch zweifelt man als Blockbuster-Regisseur heutzutage offensichtlich an der Auffassungsgabe der Zuschauer: wie schon Christopher Nolan, der in „The Dark Knight Rises“ wirklich jeden einzelnen Gedanken, jede offensichtlichste Andeutung (mehrfach) ausformulieren lässt, kann auch Scott nicht anders. Subtilität (die „Alien“ und „Blade Runner“ damals durchaus besessen haben!) sucht man in „Prometheus“ vergeblich.


[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=GH95_7HjQn4[/youtube]



Dass es auch anders geht, zeigt die Figur des menschenähnlichen Androiden David, der brillant von Michael Fassbinder gespielt wird. Andererseits: wie traurig ist es, wenn der Roboter die mit weitem Abstand interessanteste Figur in einem Zweistundenfilm über die Suche nach Gott, Herkunft der Menschheit, Außerirdischen und dem Sinn des Lebens ist?



3. Der beste Moment:

Die visuelle Umsetzung mit ihren teilweise wirklich atemberaubenden Bildern, Hologrammen, Landschaften. Selbst der Einsatz von 3D ist zum Gutteil weit weniger ärgerlich als befürchtet. Wenn Scott jetzt noch die Eier gehabt hätte und all die überflüssigen Actionszenen, deren einziger Zweck ein lautes „Schau! WIR NUTZEN HIER 3D TECHNIK!“ war, wegzulassen, dann wäre „Prometheus“ tatsächlich (atmosphärisch) einer der besseren Science-Fiction-Filme der letzten Jahre geworden. So ist Scott ordentliche Blockbuster-Unterhaltung gelungen, die leidlich unterhält und dank seines Eintopf-Drehbuchs trotz großer Redseligkeit mehr verwirrt als erklärt. Aber immerhin: wenigstens nicht so ein Ärgernis wie Nolans „The Dark Knight Rises“.



4. Diese Menschen mögen diesen Film:

Leider letzten Endes dann doch mehr die Liebhaber moderner Blockbuster als die alten Alien-Anhänger.



* Regie: Ridley Scott
* imdb

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

http://blogs.taz.de/popblog/2012/08/20/prometheus-regie-ridley-scott/

aktuell auf taz.de

kommentare

  • „Mensch-trifft-seinen-Schöpfer“ funktioniert, soweit ich mich erinnere, nur in Komödien, wenn überhaupt. Anderswo gelingt das entweder schrecklich pathetisch oder einfach nur peinlich, wie z.B. die Begegnung mit dem ‚Großen Geist‘ der Maschinenwelt am Ende von ‚Matrix-Revolutions‘.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.