http://blogs.taz.de/popblog/wp-content/blogs.dir/1/files/2018/01/Bildschirmfoto-2018-01-17-um-19.24.57.png

vonChristian Ihle 11.09.2014

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

Mehr über diesen Blog



1. Der Film in einem Satz:


Mulholland Drive“ als Soap-Opera-Satire


2. Darum geht‘s:


Die junge, definitiv etwas weirde Agatha (Mia Wasikowska) kommt in Hollywood an, hat große Träume, verliebt sich in einen Limousinen-Chaffeur (Robert Pattinson), schreibt mit Carrie „Prinzessin Leia“ Fisher (Carrie Fisher), die sie über Twitter kennengelernt hat, an einem Drehbuch und beginnt als persönliche Assistentin einer Diva im Sinkflug (Julianne Moore) zu arbeiten. Parallel dazu sehen wir eine typisch dysfunktionale Hollywood-Familie: der Vater ist der Physiotherapeut/Psychotherapeut der Stars (John Cusack), der Sohn Benjie ein nun adoleszenter Kinderstar frisch aus der Drogenentzugsklinik und die Mutter die Managerin und Glucke der Familie. Da Hollywood ein Dorf ist, hängt alles mit allem zusammen und zwar auf eine Art und Weise, die jeder (Mystery-)Soap-Opera zur Ehre gereichen würde. Aber wer fordert schon Realismus in einer Satire über Hollywood?





„Maps To The Stars“ ist krude, uneben, brutal, wirr, zynisch und unangenehm. Also eine willkommene Rückkehr des „alten“ David Cronenberg, der sich wohl doch nicht vollständig auf die gediegenen Alterswerke wie den Sigmund-Freud-Film „A Dangerous Method“ (dt.: „Eine dunkle Begierde“) zurückziehen will. Durchaus unterhaltsam, aber mit jeder fortschreitenden Minute unglaubwürdiger, entwickelt er ein Neurosenpanorama Hollywoods, das sich gewaschen hat. Verstörend ist dabei die unebene Konstruktion des Films, der übergangslos von Komik zu Tragik wechseln will – oder so zynisch ist, dass er die härtesten Momente (Kindermord, Inzest) auf unangenehm beiläufige, unterhsaltsame oder gar komische Art darstellt.
So lässt einen „Maps To The Stars“ etwas rätselnd zurück: ein Meisterwerk wie der thematisch durchaus ähnliche, aber atmosphärisch völlig anders funktionierende „Mulholland Drive“ seines alten Arthouse-Kollegen David Lynch ist Cronenberg hier sicherlich nicht gelungen, aber die verstörenden Elemente und die frei drehende Erzählfreude sind andererseits eine angenehme Rückkehr zu Cronenbergs Anfängen und eine willkommene Abkehr von einem schwerfälligen Alterswerk der jüngeren Vergangenheit.


3. Der beste Moment:


Die satirischen Hollywood-Elemente sind sicherlich überzeugender als der Mystery-Part, von den Soap-Opera-Teilen ganz zu schweigen.


4. Diese Menschen mögen diesen Film:


Wer nicht allzu zart besaitet ist und ein doch recht selbstreferentielles Werk über die Filmindustrie-Blase sehen möchte.


* Regie: David Cronenberg
* imdb

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/popblog/2014/09/11/maps-to-the-stars-regie-david-cronenberg/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.