Kurt Cobain: Montage of Heck (Regie: Brett Morgen)

1. Der Film in einem Satz:


Kurt Cobains Leben, erst pre fame – dann mit Courtney.


2. Darum geht‘s:


Kurt Cobain – der eine oder andere wird den Namen schon einmal gehört haben – war Sänger der amerikanischen Rockband Nirvana und so für einige Zeit der größte Musikstar der Welt. Heroinsucht und Depressionen trieben ihn 1994 in den Selbstmord.

„Montage Of Heck“ zeichnet sein Leben nach, wählt dabei aber einen anderen Weg als die klassische Star-Biographie. Wie der Titel bereits andeutet, handelt es sich mehr um eine (wenngleich chronologische) Collage als um eine große Nacherzählung der Erfolgsjahre. Mit zuvor nicht dagewesenem Zugang zu privaten Familienvideos gelingt es Regisseur Brett Morgan vor allem sehr gut, ein Bild des pre fame Cobain zum Leben zu erwecken. Die Erzählung über die jungen Jahre als hyperaktives Kind, das mit Medikamenten ruhig gestellt und von einem Verwandtschaftsteil zum nächsten geschoben wurde, erlaubt mehr Einblick in die Konfusion in Cobains Kopf als das bisher gängige Rockstar-zerbricht-an-Druck-und-Heroin-Motiv, das zumeist das Suizid-Narrativ von Cobain medial bestimmte.

In dieser ersten Hälfte hat „Montage Of Heck“ zweifelsohne seine stärksten Momente: Wenn Cobain in Tonbandaufnahmen von sich selbst erzählt, seiner Suche nach *irgendetwas* im Leben, das er dann im Punk findet. Hier ist Cobain aufgeweckt und interessant, eine spannende, zerrissene Figur auf der Suche nach – in Ermangelung eines besseren Wortes – Sinn.


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Doch wenn zur Hälfte des Films die große Karriere von Nirvana beginnt, gelingt es „Montage Of Heck“ nicht mehr, zu vermitteln, für was Cobain steht, was Cobain überhaupt will (außer später eben Courtney). Cobain verliert scheinbar seine Suche nach einem Sinn und der Film über ihn verliert damit seinen Fokus. Zum einen sind die nun in Schlaglichtern erhellten Karriere-Sprünge von Nirvana oft genug nacherzählt worden, zum anderen wird auch Cobain selbst mit dem Ruhm, dem Druck, dem Wasauchimmer leider ein vergleichsweise uninteressanter Rockstar, der außer der einen oder anderen antikommerziellen Pose und einer wie eine Monstranz vor sich hergetragenen Verweigerungshaltung nicht allzuviel interessantes mehr zu erzählen hat.

Wirklich ärgerlich ist aber das letzte Drittel des mit Zwei-Stunden-Plus viel zu langen Films, das zum Gutteil aus privaten Videos aus dem Courtney-Love-Schatzkästchen besteht. Wenn nun der „private Cobain“ wenigstens ein anderer, aufgeweckterer, interessanterer Typ gewesen wäre! Aber er ist der gleiche Maunzi wie in den Interviews und vor den Fernsehkameras. Die privaten Aufnahmen von Kurt & Courtney, mit Kind, ohne Kind, sind damit letztlich exploitativ und sensationsheischend (ohne dass es etwas sensationelles zu sehen gäbe) – so man nicht übergroßes Interesse daran hat, die nackte Courtney Love in der letzten Stunde durch ihre Homevideos paradieren zu sehen. Man kann nur dankbar sein, dass es damals noch kein YouPorn gab.



3. Der beste Moment:


Besonderen Reiz gewinnt „Montage Of A Heck“ durch den Ansatz, die reichlich vorhandenen, originalen Notizblock-Aufzeichnungen Cobains animiert zum Leben zu erwecken – ebenso wie eine längere Zeichentricksequenz, die eine gesprochene Tape-Rekorder-Erzählung von Cobain in Bilder übersetzt und einen Blick auf seine verlorenen Jahre als Teenager erhaschen lässt.


4. Diese Menschen mögen diesen Film:


Sicherlich die Cobainiacs und all jene, denen allein der voyeuristische Blick ins Privatleben schon einen Gewinn verspricht.
In der ersten Hälfte des Films, den pre fame Jahren, liegt dagegen die Stärke von „Montage Of A Heck“


* Regie: Brett Morgen
* imdb

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