Filmtagebuch: Der Leichenverbrenner von Juraj Herz (1968)

One of a kind. Ein völlig alleinstehendes Werk in der Filmgeschichte: „Der Leichenverbrenner“ von Juraj Herz, Tschechoslowakei 1968, ist eine demente Farce von bemerkenswerter Grausamkeit, aber erzählt in den schönsten Bildern des frühen Resnais.
Herz zeigt den Wahnsinn eines kunstbeflissenen Kleinbürgers, Kreamtoriumsvorarbeiters und opportunistischem Antisemiten in der besetzten Tschechei der End-30er. Es ist nie ganz klar, wo der Wahnsinn endet und der schnöde Opportunismus beginnt, wofür die Dalai Lama – Visionen und die Hitler – Trugbilder verantwortlich sind und wieviel doch nur der unbedingte Aufstiegswillen eines Kleinbürgers an Leid, Mord und Totschlag verursacht.

Ein Meisterwerk in ruhigen Bildern, expressionistischem Schwarzweiß und orchestralen Tönen, aber auch wildesten Bildkompositionen, fließenden, scheinbar schnittfreien Szeneriewechseln, subjektiven Weitwinkelkameraperspektiven und bedächtig gesprochenen Ungeheuerlichkeiten, an deren Ende alle zum Opfer werden, der Krematoriusmvorarbeiter aber zum Reiniger der Welt. Ein phänomenaler Film, subversiv bis zum Schmerz und nur durch die Kraft des Absurden in der Lage, von diesem Wahnsinn Zeugnis abzulegen.
Ich bin lange nicht mehr so schrecklichfasziniert, verstörtbegeistert von einem Film gewesen.

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