
Dass wir immer ein besonderes Auge auf das Berlin-Festival werfen, liegt nicht nur daran, dass es vor unserer Haustür liegt – sondern vor allem am außergewöhnlichen Booking, das weit stärker anglozentrisch zu sein scheint als bei den meisten anderen deutschen Festivals. Auch in diesem Jahr bestätigt sich das wieder, absolvieren mit Suede und Primal Scream doch alte britische Heroen einen ihrer sehr seltenen Festivalauftritte in Deutschland.
Neben dem Booking-Aspekt war uns im Interview mit Festivalmacher Conny Opper aber vor allem wichtig, wie die organisatorischen Ärgerlichkeiten der letzten Jahre angegangen werden. War vor zwei Jahren vor allem ein Soundproblem zu beklagen, musste letztes Jahr das Festival nachts abgebrochen werden, woran wohl die kurz zuvor stattgefundene Love Parade – Katastrophe ihren Anteil hatte, wie Conny Opper andeutet:
Popblog: Auf welche Band freust Du Dich denn am meisten?
Conny Opper: Auf unseren Headliner: Die Beginner. Das ist ja deren Reunionshow, erstes Deutschlandkonzert und damit auf jeden Fall ein Highlight für mich, zumal die Band ja wirklich seit 2004 keine einzige Show mehr zusammen gespielt hat. Wie ich höre, werden auch in Hamburg und anderen Städten schon Fanbusse gechartert.
Popblog: Da ist Euch schon eine Sensation gelungen… Wie kam es eigentlich dazu, dass, praktisch aus dem Nichts, eine Reunion stattfindet?
Opper: Das stand schon ein wenig im Raum, auch andere Festivals hatten schon angeklopft. Wir hatten Glück und haben den Zuschlag bekommen, was sicherlich auch im Festivalkalender begründet liegt, da der September-Termin für die Band optimal ist. Auch die Credibility vom Berlin Festival hat eine Rolle gespielt, dass die Jungs zum Teil schon in Berlin wohnen und wir wiederum seit Jahren gute Kontakte mit Buback, der Agentur der Beginner, haben.
Ansonsten denke ich, dass der Freitag unheimlich stark ist. Mit James Blake um 14 Uhr haben wir den wohl stärksten Opening Act, den man sich wünschen kann! Bewusst, damit er das Gelände für sich hat und keine Störgeräusche bei seiner fragilen Musik zu befürchten sind. Und es soll auch ein Anreiz für das Publikum sein, ein wenig früher auf das Festivalgelände zu kommen, da muss man in Berlin ja schon immer Sorge tragen…
Popblog: … 14 Uhr ist ja auch kurz nach dem Frühstück für Berliner Verhältnisse…
Opper: lacht Richtig! Und direkt danach kommt ja auch einer der spannendsten Acts dieses Jahr mit Austra, bevor wir dann mit Battles und The Rapture weitermachen.
Popblog: Bei The Rapture war ich auch ehrlich gesagt überrascht, wie früh die spielen “müssen”. Kann aber – was gut möglich ist – auch sein, dass ich die Bekanntheit der Band überschätze. The Rapture sind für mich persönlich schon der Act, auf den ich mich am meisten freue, spielen die doch auch nur alle fünf Jahre mal hierzulande.
Opper: Ich habe die zufällig dieses Jahr in Australien gesehen und war begeistert vom Liveauftritt! Und sie haben auch so wahnsinnig tolles neues Material im Gepäck. Das ist sicher eine Show, auf die man sich besonders freuen kann.
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Dass das Festival nachmittags so stark besetzt ist, liegt natürlich auch daran, dass auf dem Tempelhofer Geländer um 24 Uhr Ende ist. Abends sind dann vor allem Primal Scream und Suede zwei zentrale Bands fürs Line-Up.
Popblog: Primal Scream sind ja auch nicht gerade Dauergäste in Deutschland, ich wüsste selbst nicht mal, wann die zuletzt hierzulande auf einem Festival gespielt haben. Ich hatte ja immer gedacht, dass Primal Scream die perfekten Headliner für das Melt-Festival wären, da sie wie kaum eine andere Band den Brückenschlag aus einerseits Rocknroll-Musik und andererseits der Rave-Culture verkörpern.
Das ist mir aber auch schon in den letzten Jahren beim Berlin Festival aufgefallen: ihr habt für ein deutsches Festival immer einen starken Fokus auf Bands, die in England einen ganz besonderen Ruf haben, wie Ian Brown als Headliner beim allerersten Berlinfestival oder Jarvis Cocker, Pete Doherty – oder eben in diesem Jahr Suede und Primal Scream. Worin ist das begründet?
Opper: Meine Partnerin Hilary Kavangh kommt ja aus Irland, deshalb sind die Verbindungen zur Insel natürlich sowieso schon eng – und neuerdings haben wir einen Partner aus England mit im Boot, Festival Republic, die dort das Leeds und Reading Festival veranstalten. Das ist also eher eine natürliche Entwicklung, als dass wir uns gezielt pro-britisch positionieren würden.
In diesem Jahr finde ich das Berlin Festival sehr international, für deutsche Verhältnisse ist das schon ein einmaliges Line-Up. Wir hoffen dass wir einem Namen wie “Berlin Festival”, der ja ein urbanes, vielfältiges Festival andeutet, gerecht werden.
Popblog: Weil Du gerade das Urbane ansprichst… die Wege sind ja beim Berlin Festival immer angenehm kurz, die Bühnen nah beieinander. Andererseits hatte ich schon den Eindruck, dass ihr im letzten Jahr die Möglichkeiten, die der Flughafen Tempelhof als Location eigentlich bietet, nicht wirklich ausgeschöpft habt.
Ein großes Problem waren im Vorjahr auch die Eingangskontrollen bei den Nebenbühnen: es hilft mir ja nichts, wenn der Weg kurz ist, ich aber trotzdem beim Einlass 20 Minuten anstehe… Was war eigentlich dafür der Grund? Waren das Sicherheitsbedenken nach der Katastrophe bei der Love Parade?
Opper: Tatsächlich wurde wegen der Love Parade das Sicherheitskonzept mit der Polizei so erarbeitet. Das ist sicher nicht optimal gelaufen für viele Besucher.
Für uns ist deshalb wichtig, dass wir Konsequenzen aus der Kritik ziehen. Deshalb haben wir drei zentrale Punkte geändert. Erstens geht das Festival nur bis 24 Uhr auf dem Flughafen, danach gibt es den Club XBerg auf dem Arena-Gelände die ganze Nacht. Zweitens werden die Hangars komplett geöffnet und drittens die Bühnen quer gestellt, so dass komplette Einsicht in die Hangars besteht und die Bands sozusagen “auf das Rollfeld hinaus” spielen. Der große Vorteil dadurch ist, dass keinerlei Bewegungseinschränkungen auf dem Gelände vorhanden sind, keine Schranken oder Zwischeneinlasskontrollen.
Popblog: Vom Sound her wird es keine Probleme geben, wenn alle Bühnen “offen” sind? Nicht, dass sich die Sounds bei parallel spielenden Acts überlappen?
Opper: Nein, das ist alles machbar. Beim Melt ist das ja ähnlich, wir werden vom Abstand und der Ausrichtung her das so berücksichtigen, dass wir keine Probleme beim Sound haben werden.

Popblog: Wird man durch die offenen Hangars dann endlich auch die Wiese vom Flughafenfeld mitnutzen können?
Opper: Nein, es wird weiterhin auf den Asphaltbereich beschränkt sein. Organisatorisch ist das auch nicht so leicht zu bewerkstelligen, denn es handelt sich dabei um zwei komplett getrennte Bereiche. Das Gras gehört zum Park, der für die … weiter lesen