Zugegeben, ich bin ein wenig spät dran, ist Eric Pfeil doch drüben im FAZ-Blog schon seit Monaten in Love with Locas. Aber nachdem ich die Kölner auf dem Reeperbahnfestival bei einem ganz bezaubernden Auftritt in der Prinzenbar gesehen habe, führt kein Weg mehr am vierten LiL-Album “Lemming” vorbei, auf dem mit “Manifest” einer der besten Songs des Jahres zu finden ist, in dessen Text Björn Sonnenberg die mögliche Gleichzeitigkeit von erhobener Faust und liebender Umarmung wie wohl keiner zuvor thematisiert. Der Missing Link zwischen Reinhard Mey und Ja, Panik (was nur und ausschließlich positiv zu verstehen ist!):
Da ist kein Gegensatz, von Zerstörung zu singen
Und trotzdem weder bitter noch hart zu werden
Mein Herz ist groß genug für einen Hass und eine Liebe, die alles… weiter lesen
10. Christiane Rösinger: “Songs Of L & Hate” (Indiepedia)
.
Von Kleinkunst-Pastiche (der Song “Berlin”) bis zu Dylan-Hommage (das Albumcover) reichte Christiane Rösingers überraschendes Spätwerk “Songs Of L & Hate” (das im Titel wiederum Leonard Cohen zitierte). Andreas Spechtl, Mastermind der österreichischen Wahlberliner und letztjähriger Album-Des-Jahres-Gewinner Ja, Panik, unterstützte in den Arrangements, gibt Rösingers Ein-Mann-Backing-Band und verheiratet so die Scheitern-als-Kunst-Texte Rösingers mit der zart antreibenden Energie seiner Hauptband.
Höhepunkte:
* Berlin
* Desillusion
* Es Ist So Arg
Charts:
D: – / UK: -
9. Television Personalities: “A Memory Is Better Than Nothing” (Indiepedia)
.
Die selbst für TVP-Heads unübersichtliche Diskographie der britischen Do-It-Yourself-Legende Dan Treacy erfuhr in diesem Jahr einen Neuzugang, den wir – ehrlich gesagt – nicht mehr erwartet hatten. Das konziseste Werk, das Treacy seit den 80ern veröffentlicht hat, erstmals seit langem wieder mit einer durchgängig überzeugenden Band und einer ausgefeilten Produktion, die dennoch nie Treacys Verrücktheit zu verstecken sucht. Wahrscheinlich das beste Album des Jahres, das von niemandem gehört wurde. Brillant.
Höhepunkte:
* The Good Anarchist
* Walk Towards The Light
* A Memory Is Better Than Nothing
Charts:
D: – / UK: -
8. Laura Marling: “I Speak Because I Can” (Indiepedia)
.
Man muss sich immer wieder bewusst daran erinnern: Laura Marling ist 1990 geboren. Gerade 20 Jahre alt geworden. Und hat trotzdem schon das zweite hervorragende Album ihrer Karriere veröffentlicht. Die unprätentiöse Göttin der britischen Folkszene, die von wirklich allen nur mit Bewunderung betrachtet wird, die selbst einen Jack White um Worte ringen lässt (und eine ebenfalls bemerkenswerte kleine Single spontan bei ihrem Studiobesuch aufnimmt), die mit “I Speak Because I Can” den minimalistischen Sound von “Alas I Cannot Swim” behutsam erweitert ohne ihn gleich der Stadion-Folk-Behandlung des Lebensabschnittpartners Marcus Mumford (& Sons) zu unterziehen.
Höhepunkte:
* Goodbye England (Covered In Snow)
* Alpha Swallows
* Devil’s Spoke … weiter lesen
Das Debütalbum der blutjungen Britin Laura Marling war 2008 – etwas überraschend – unser Album des Jahres. Doch bis heute stehen wir zur damaligen Entscheidung: von allen Singer/Songwritern und New-Folk-Künstlern Englands konnte Laura auf Albumlänge überzeugen wie niemand sonst, obwohl in ihrem Umfeld viele Acts ebenfalls beeindruckende Alben (Emmy The Great, Johnny Flynn, Mumford & Sons, Noah & The Whale …) veröffentlichten.
Der Indie-Pop-Song des Jahres aus England. Die Eel-Pie-Jungs ließen diesmal alle Indie-Progrock-Tendezen daheim und entschieden sich für puren Pop. Der Song wäre schon für sich genommen der große Höhepunkt ihres zweiten Albums gewesen (das leider nicht ganz dieses Niveau halten konnte), doch dann kommt nach 2:05 Minuten die mit unserer Album-des-Jahres-Krone ausgezeichnete Laura Marling um die Ecke und verzaubert, in jeder Hinsicht.
10. Santogold: “Santogold” (Indiepedia)
Santogold war 2008 überall. Von Jay-Z zu N.E.R.D. und Julian Casablancas riss sich jeder um die New Yorkerin. Überall war sie auch auf ihrem Album unterwegs. Santi White streifte so viele Genres auf ihrem Debüt, dass man lediglich den Black Metal Knaller vermissen wollte. Aber auch so bekamen wir von M.I.A.-Stuff („Creator“) zu Indierock („Lights Out“), Pop-Punk („You’ll Find A Way“) und Hip-Hop-Reggae („Shove It“) alles was wir wollten – und mehr. Höhepunkt war natürlich der Besuch in den 80ern via „L.E.S. Artistes“, das auch nach gut 15 Monaten nichts von seiner Wucht und Würde verloren hat. … weiter lesen
Der britische Plattenkäufer ist auch nicht besser! Da strömen die Engländer in die Plattenläden, um die von der Industrie protegierten Jungschnepfen Adele und Duffy auf Platz eins zu kaufen, wohingegen die Mädchen, die wirklich mit Seele und Hirn am Start sind, ihres Erfolgs weiter harren dürfen und Emmy The Great noch nicht einmal einen Plattenvertrag hat. Laura Marling ist da – obwohl noch jünger – schon ein Schrittchen weiter. … weiter lesen
Lily, Katie und Amy… die britische Insel hat ihre Liebe zu krediblen Songwriterinnen entdeckt. Nach den großen und zum Teil sehr überraschenden kommerziellen Erfolgen der Damen Winehouse, Allen und Nash stehen bereits eine Garde Nachfolgerinnen an, die zum Teil sogar bessere Lieder singen (Emmy) oder aber noch größeren Erfolg einfahren werden (Adele). Wir stellen die wichtigsten vor und werfen in unserer Jahresvorausschau für Singer/Songwriter, die noch kein Debütalbum veröffentlicht haben, auch noch ein Auge auf zwei besondere Songwriter der männlichen Gattung. … weiter lesen