31.10.2007 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in östlicher Richtung.
Heute hat Wolfgang Frömberg – früher Redakteur beim Kölner Spex, jetzt bei intro – ein Interview ins Netz gestellt.
Darin habe ich viele Fragen beantwortet, die man mir in letzter Zeit häufig stellte: Über die 68er Bewegung und die Selbstexorzierung ehemaliger Hundertfünfzigprozentiger wie Joscha Schmierer, Gerd Koenen und KD Wolff. Es ist ein langes Gespräch geworden, das mit der »März-Revolte«, den Literaturproduzenten, der Postmoderne und den Trivialmythen beginnt. Wir sprachen über fiktionale und nicht-fiktionale Literatur, über Zensur, über Zweitausendeins, den ehemaligen Konzern der »Zweiten Kultur«, der längst zum Neckermann für Mainstream-Intellektuelle wurde, über Bernward Vespers ›Reise und natürlich über ›Schröder erzählt‹ im Speziellen und die Lage des Buchmarkts im Allgemeinen.
(JS)
30.10.2007 von Schröder & Kalender
Es ist schon dunkel, wir sehen also nicht, wie der Bär flattert.
Soeben wollten wir uns ziemlich ermüdet von Produktionsstrapazen mit einem Absinth in der Sofaecke niederlassen und – ja, noch nicht den Kamin, aber doch zwei Kerzen anzünden. Da machte es im Mac »pling!«, eine Mail unseres Kölner Freundes Gregor war eingegangen. Seht selbst wie perfekt die Morphogenese funktioniert:
»Liebe Barbara, lieber Jörg,
Jetzt werden die Tage wieder kürzer, die Abende länger. Kann man ja auch mal bei Kerzenlicht sitzen, näch.
Auf bald, wie immer, Gregor«

(GH / BK / JS)
30.10.2007 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in nordöstlicher Richtung.
Am 24. Oktober ist der Berliner Stand-up-Poet Michael Stein gestorben. Wir lernten den radikalen Künstler 1993 bei einem Auftritt im Benno-Ohnesorg-Theater kennen. Darauf folgte am nächsten Tag eine Sendung bei Radio Fritz, es war auch die letzte dieser Art. Heiko Werning forderte in seinem tazblog dazu auf, die Welt mit Erinnerungen und Nachrufen zu Michael zuzupflastern. Was wir uns nicht zweimal sagen lassen!
Hier also ein Text aus ›Schröder erzählt: Klasse gegen Klasse‹:
Im ›Auerbach‹ auf der Köpenicker Straße trafen wir Wiglaf Droste, Gerhard Henschel und Michael Stein, alle mit ihren Freundinnen, außerdem saß noch Jürgen Balitzki, der Redakteur von Radio Fritz, mit am Tisch. Was die Qualität des Schickimicki-Lokals angeht, so bestand diese lediglich aus den langen weißen Bistroschürzen der Kellnerinnen. Das Essen war grauenvoll: Barbaras Seewolf halbroh und kalt, meine Hirschkalbskeule zäh, über die anderen Köstlichkeiten schweigt des… weiter lesen
29.10.2007 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in nördlicher Richtung.
Heute war wenig los bei Aldi, an der Gemüsetheke stand eine sechzigjährig, grauhaarige Dame und guckte abwesend Löcher in die Luft – dachte ich. Ich parkte den Einkaufswagen neben ihr und wollte Kartoffeln, Feldsalat und Champignons aus dem Regal nehmen. Da sah ich einen Greis, er war klein und hutzelig, hinter seinen großen Ohren steckten Hörgeräte, und er trug eine Brille mit dicken Gläsern. Ich kenne einige Neunzigjährige, egal ob Frau oder Mann, in diesem Alter beginnt die Haut stark zu schrumpfen, entsprechend klein wirkt der Gesichtsschädel auf dem dünnen, faltigen Hals.
Immer, wenn ich an ihm vorbei nach den Champignons fassen wollte, schlurfte er ein wenig in meine Richtung. Er griff nach einer neuen Packung, hielt sie dicht vor die dicken Brillengläser und drückte mit beiden Daumen fest auf die Pilze in der Cellophanverpackung, legte sie kopfschüttelnd wieder zurück und nahm sich die… weiter lesen
28.10.2007 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in nördlicher Richtung.
Das burleske Hippie-Bilderbuch ›LOVE LOVE‹ aus dem Jahr 1971 werden wir jetzt in Fortsetzungen bringen. Die Hardcore-Fotos im soften Jasmin-Stil machte Rosa Camerada. Ebenso wie ›Lucys Lustbuch‹ sorgte dieser Titel für Abmahnungen, Verbote und andere juristische Querelen. Die näheren Einzelheiten stehen in der 2. Folge von ›Schröder erzählt‹ mit dem Titel ›Eine Million und fuffzig‹.
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26.10.2007 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in östlicher Richtung.
In den Jahren 1989 bis 1996 lebten wir in der Nähe von Landsberg am Lech. 2001 erschien dann ›Ratten und Römer‹, eine Folge von ›Schröder erzählt‹, in der wir über dieses ›bayerische Argentinien‹ berichten.
Aus Anlaß des Erscheinens von ›Er stand in Hitlers Testament‹ über Karl-Otto Saur, den Planer des Projekts ›Ringeltaube‹, bringen wir unsere Landsberg-Erzählungen in Fortsetzungen.
Uns so geht es weiter:
Na bitte, bereits 1960 waren die Kriegsverbrecher zu »Kriegsverurteilten« mutiert. Nach all dem wundert es einen kaum noch, daß der Friedhof, auf dem viele der ›Rotjacken‹ begraben sind, seit 1988 unter Denkmalschutz steht. Und fast schon selbstverständlich kam es uns vor, als wir erfuhren: Der Platz, an dem die SS das benachbarte KZ-Lager IV mit 268 Menschen niederbrannte, wurde zu einer Kiesgrube verwandelt. Dies nur als Anmerkung zur Diskussion um das Holocaust-Denkmal. Solange die Leute an den Schauplätzen der Verbrechen… weiter lesen
24.10.2007 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in östlicher Richtung.
Im Lidl-Markt gestern gegen zwanzig Uhr: Drei junge Mädchen mit extrem aufgebauschten Frisuren und eingearbeiteten Haarteilen, Typ Amy Winehouse, stark geschminkt, stehen an der Kasse neben meiner Reihe, wollen eine Flasche Frizzante bezahlen. Vor ihnen ist aber noch ein Punk dran, er hat sein Haar blau gefärbt, trägt eine dreißig Zentimeter hohe Irokesenfrisur. Die Mädchen reden laut über ihn, offensichtlich um ihn zu provozieren.
Die eine sagt: »Die Frisur ist doch voll scheiße.«
Die andere: »Ja schon, aber was hat der wohl für einen Festiger genommen, daß sie so gut stehen?«
Der Punk wendet sich zu den Mädchen um: »Ick finde Eure Vogelnester voll jut!«
Nachdem auch die Mädchen weggegangen sind, dreht sich der Kassierer zu seiner Kollegin um, die mich gerade abkassiert: »Die Jugend von heute ist doch scheiße! Was aus denen wohl mal wird?!«
Ich… weiter lesen
20.10.2007 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert heftig in südöstlicher Richtung.
In den Jahren 1989 bis 1996 lebten wir in der Nähe von Landsberg am Lech. 2001 erschien dann ›Ratten und Römer‹, eine Folge von ›Schröder erzählt‹, in der wir über dieses ›bayerische Argentinien‹ berichten.
Aus Anlaß des Erscheinens von ›Er stand in Hitlers Testament‹ über Karl-Otto Saur, den Planer des Projekts ›Ringeltaube‹, bringen wir unsere Landsberg-Erzählungen in Fortsetzungen.
Uns so geht es weiter:
Ein weiterer Todeskandidat war Oswald Pohl, den der Gefängnispfarrer Karl Morgenschweis zurück zu Gott und in den Schoß der katholischen Kirche führte. Um diese Bekehrungsgroteske entstand eine verbissene Begnadigungsdiskussion. Doch zunächst ein Zitat – der amerikanische Hochkommissar McCloy beschreibt die Karriere des reuigen Sünders in seinem Landsberg-Bericht in bündiger Kürze: »Pohl war Chef des Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes der SS. Diesem Amt unterstand die Verwaltung aller Konzentrationslager in Deutschland, und Pohl war der Hauptangeklagte in dem Prozeß, der als der… weiter lesen
18.10.2007 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in nordöstlicher Richtung.
Heute findet eine Geburtstagsfeier im taz-Pavillon statt. Helmut Höge wird 60. Der Jubilar hat seit Gründung der Zeitung die taz mit Texten befeuert, die sich an Paul Valérys Diktum hielten: »Eine Sicht der Dinge, die nicht befremdet, ist falsch.« Das war und ist auch unser Motto.

Helmut Höge mit leicht verrutschtem Heiligenschein im Gespräch mit Mathias Bröckers, taz-Café 2006.
Helmut Höge, Peter Oelze von Lobenthal und wir waren Anfang der 80er Bewohner des Vogelsbergs. Nächtelang erzählten wir den beiden Geschichten. Es waren die ersten, die unter dem Titel ›Schröder erzählt‹ in der taz erschienen. Zur Erinnerung an unsere gemeinsame Zeit in hessischen Gefilden und als Geburtstagsangebinde werden wir Helmut heute ein ›Seiden-Mammut‹ überreichen. Helmut hatte 1984 bei der Produktion dieses Buches bei uns im MÄRZ Verlag hospitiert. Die holzhaltige Ausgabe für den Handel ist inzwischen längst gebräunt und wird in 20… weiter lesen
17.10.2007 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in nördlicher Richtung.
Das burleske Hippie-Bilderbuch ›LOVE LOVE‹ aus dem Jahr 1971 werden wir jetzt in Fortsetzungen bringen. Die Hardcore-Fotos im soften Jasmin-Stil machte Rosa Camerada. Ebenso wie ›Lucys Lustbuch‹ sorgte dieser Titel für Abmahnungen, Verbote und andere juristische Querelen. Die näheren Einzelheiten stehen in der 2. Folge von ›Schröder erzählt‹ mit dem Titel ›Eine Million und fuffzig‹.

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