26.02.2009 von Schröder & Kalender
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Es ist dunkel, wir sehen also nicht, wie der Bär flattert.
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Holzschnitt aus: Anthropometamorphosis: Man Transformed or The Artificial Changeling von John Buliver (1653)
Einschlägige Publikationen auf Kunstdruckpapier oder in digitalen Medien unterscheiden schon lange die Kategorien »Shaven Girls« und »Hairy Girls«, bei hetero- bzw. homosexuellen Männern ist die Intimrasur auch angekommen. So ist es nun mal, die Variationen des Körperfetischismus erzählen uns eine unendliche Geschichte. Einzelne virile Avantgardisten pflegen jetzt nicht nur den Wuchs der Augenbrauen, sondern auch den Ohrenbart. Frage an die Trendforscher: Ob sich das durchsetzt?
(J B / BK / JS)
22.02.2009 von Schröder & Kalender
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Der Bär flattert in nordwestlicher Richtung.
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Gus Van Sants Film mit Sean Penn in der Hauptrolle über das Leben des Harvey Milk, der im San Francisco der frühen Siebziger für die Gleichberechtigung der Homosexuellen kämpfte, feiert Triumphe und ist für acht Oscars nominiert.
Über Harvey Milk, der zentralen Figur der Schwulenbewegung im ›Golden State‹, wird leicht übersehen, welche wichtige Rolle weit vor ihm oder zur gleichen Zeit die Literaten und Verleger spielten. In den USA waren dies unter anderen Leroi Jones, James Baldwin, Lawrence Ferlinghetti, Ronald Tavel, William S. Burroughs, Allen Ginsberg, Irving Rosenthal, Michael Rumaker, aber auch Trivialautoren wie John Rechy und Gordon Merrick. Einige dieser Autoren, neben Niederländern, Spaniern, Franzosen und Deutschen, verlegte ich bei Melzer, Olympia Press und im März Verlag.
Das »vulgäre Propagandastück« mit dem Titel ›Schwul‹ von Michael Rumaker zählt zu den gesuchten Erstausgaben des März Verlags. Um den Text zu demokratisieren, haben wir das Stück vollständig noch einmal im ›März-Mammut‹ abgedruckt und später im ›Schwulen-Reader‹ der ›Großen März-Kassette‹. Auch die beiden letztgenannten Titel sind nur noch antiquarisch erhältlich.

Michael Rumaker, ›Schwul. Ein vulgäres Propagandastück‹. Aus dem Amerikanischen von Wulf Teichmann und Dirk Mülder. 56 Seiten, März Verlag 1970 (nur noch antiquarisch erhältlich).
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20.02.2009 von Schröder & Kalender
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Es ist dunkel, wir sehen also nicht, wie der Bär flattert.
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In Krisenzeiten werden eilig Versatzstücke des Marxismus hervorgekramt, vorzugsweise finstere Prophezeiungen. Dabei wird übersehen, daß die Ideen des Sozialismus hedonistische Theorie und Praxis nicht ausschließen. 1968 waren wir fast schon einmal soweit, das zu begreifen, bis die Kader alles wieder mit Intransigenz und Muff zuschütteten. Deshalb erinnern wir heute an Laura und Paul Lafargue, dessen Lieblingsmotto lautete: »Der Weise muß alles können, auch gute Linsen kochen.« Mehr darüber in unserer heutigen Kolumne in der jungen Welt und bei sopos.org.
(BK / JS)
16.02.2009 von Schröder & Kalender
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Es ist schon dunkel, wir sehen also nicht, wie der Bär flattert.
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Während allenthalben die Umsätze in den Keller rasseln, boomt das Geschäft der Ticket-Monopolisten. Der Berliner Tourneeveranstalter Berthold Seliger berichtet heute in der Berliner Zeitung über die Fusion von Live Nation und Ticketmaster und was dahinter steckt: ein Milliardengeschäft zu Lasten der Musikkultur. Must read!
(BK / JS)
15.02.2009 von Schröder & Kalender
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Der Bär flattert in südlicher Richtung.
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Die Publikation der ausgewählten Schriften von Siegfried Bernfeld ( 1892 – 1953) war mehr als eine Dokumentation. Sie machte das vom Faschismus verbotene und exilierte Werk des Freud-Schülers und sozialistischen Pädagogen, das auf Marx ebenso verweist wie auf Freud, wieder zugänglich.
Die Erziehungswissenschaft und Psychologie hatten Bernfeld auch nach 1945 unterschlagen, denn der bürgerlichen Erziehungsmetaphysik und Anpassungspsychologie war eine psychoanalytisch orientierte Ideologiekritik in gesellschaftsverändernder Absicht verdächtig. Gegenüber pädagogisch verbrämtem Philosophieersatz und instrumenteller Vernunft der Sozialwissenschaft und Psychologie setzen die Bernfeldschen Beiträge zur Psychoanalyse und Erziehung sich jedoch kritisch ab. Kritische Wissenschaft und politische Praxis, Theorie und das praktische Experiment sucht Bernfeld miteinander zu verbinden.
Wer sich über psychoanalytische und antiautoritäre Kindererziehung informieren wollte, konnte an den Einsichten und Erfahrungen Siegfried Bernfelds nicht vorbeigehen. Seine Schriften gehörten zu den Werken, die Ende der 60er und in den folgenden Jahren die Erziehungswissenschaft und -praxis wesentlich beeinflußten. Die Neuherausgabe der Werke Bernfelds nahm die fruchtbare Auseinandersetzung der 20er Jahre um die Aufgaben und Grenzen der Erziehung wieder auf, an die anzuknüpfen die westdeutsche Pädagogik der frühen Jahre ebenso versäumte, wie sie die Psychoanalyse verdrängte.

Siegfried Bernfeld, ›Antiautoritäre Erziehung und Psychoanalyse‹. Ausgewählte Schriften in drei Bänden. Herausgegeben von Lutz von Werder und Reinhart Wolff. Band 1 bis 3 zusammen 956 Seiten, März Verlag 1969 (nur noch antiquarisch erhältlich).
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13.02.2009 von Schröder & Kalender
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Der Bär flattert in südöstlicher Richtung.
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In der jungen Welt berichten wir heute über den ›Kölschen Klüngel‹ Anfang der 60er Jahre. Wie das Severinsviertel heute aussieht, zeigt das Bilderbuch-Köln. Das Kolumnenformat in der jungen Welt ist auf 5.000 Zeichen beschränkt, deshalb erzählen wir die Geschichte hier weiter:
Die Strafverfolger waren zu Recht verschrien, mit den Verbrechern unter einer Decke zu stecken, hier war eben echtes altitalisches Land. Eine Art rheinischer Volksheld der frühen Jahre war Werner Haas, er war Leiter einer Sonderkommission, die der Innenminister Willi Weyer zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens eingesetzt hatte. Haas kam bezeichnenderweise aus Düsseldorf und kehrte mit dem eisernen Besen, veranstaltete ständig Durchsuchungen mit seiner Spezialtruppe. Da geriet die Gelassenheit der Kölschen Schmier ins Wanken. Bei einer Razzia am Grüngürtel in Ehrenfeld, vor einem Schrebergartenpuff, wurde einer seiner Einsatzleiter erschossen. Es traf ihn die für solche Fälle reservierte »verirrte« Polizeikugel. … weiter lesen
08.02.2009 von Schröder & Kalender
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Der Bär flattert in östlicher Richtung.
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›Schläfer erwacht‹ wird von Kennern der angloamerikanischen Literatur der gleiche Rang beigemessen wie der ›Ulysses‹ von James Joyce. Tatsächlich hat Kenneth Patchen unter Einbeziehung aller stilistischen und formalen Anklänge von Mallarmé über Proust, Joyce und Musil bis hin zur konkreten Poesie der Gegenwart die artistische Inhaltslosigkeit der zeitgenössischen Dichtung überschritten – das Extra-Artistische wird zur gestalteten Aussage des totalen Kunstwerkes mit gesellschaftlicher Funktion.

Kenneth Patchen ›Schläfer erwacht‹. Aus dem Amerikanischen von Marc Adrian. Typographische Adaption für die deutsche Ausgabe: Jörg Schröder. 436 Seiten, März Verlag 1983 (nur noch antiquarisch erhältlich).
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›Schläfer erwacht‹ ist ein Kampf des einzelnen gegen Denkschemen, auch gegen kollektive Erlösung, sei es durch Induktion des Denkens von oben oder außen, sei es durch Repetition vorhandener oder durch andere erzeugte Erlösungsrezepte. Die totale Selbstverantwortlichkeit jeder Handlung, ja das Fragwürdige des Handelns überhaupt, welches ja fast unvermeidlich ein Handeln für andere wird, die simple Frage nach dem persönlichen Glück – das alles ist für Patchen … weiter lesen
05.02.2009 von Schröder & Kalender
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Der Bär flattert in nordwestlicher Richtung.
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Niemals mehr als in Krisenzeiten schlägt die Beobachtung, daß die Realität die beste Satire ist, aberwitzigere Kapriolen. Jetzt hat die allgemeine Panik bereits die hinten und vorne Gestopften erreicht. Quod erat demonstrandum: Heute ging ich mit meinem Hackenporsche die paar Schritte zu Aldi, suchte in den Hosentaschen nach einer Münze, da kam ein brandneuer, schwarzer Jaguar und parkte direkt vor mir. Die Tür am Beifahrersitz öffnete sich und ein vierzehnjähriger Junge stieg aus. Er kramte auch in den Hosentaschen, allerdings hingen seine ganz unten, denn er trug Baggy-Pants, sein Hinterteil war nur halb bedeckt. Ein Frau um die Fünfzig holte ihre Tasche aus dem Kofferraum des Jaguars und meckerte ihren Sohn an, er solle nicht so trödeln. Sie war so häßlich wie der Knabe, die Rache der Chromosomen. Sie holte sich einen Einkaufswagen und blickte hochnäsig auf mich, den Aldi-Plebs,… weiter lesen
04.02.2009 von Schröder & Kalender
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Es ist dunstig, wir sehen nicht, wie der Bär flattert.
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Das neue Buch mit Collagen und Gedichten des Universalgenies Werner Büttners ›Lohn des Schweigens‹ hat uns sehr gefallen. In seiner Nachbemerkung schreibt er: »Wir, die wir laut Platon federlos über zwei Beine herrschen, besitzen auch die Fähigkeit, wohltuende Geräusche im lyrischen Rahmen hervorzubringen. Man vermutet, dass diese Fähigkeit aus dem Bestreben entwickelt wurde, sich Balzvorteile zu verschaffen. Früh war einem Teil der Gattung offenbar, dass man die Frauen am besten mit Hilfe ihrer eigenen, meist schönen Ohren zu Fall bringt. In dieser lyrischen Tradition nun bewegen wir uns mit traumwandlerischer Sicherheit, denn sie ist ein weites, zertrampeltes Feld.« Seine Gedichte besingen die Erotica, Dionysiaca und Vanitatia. … weiter lesen
01.02.2009 von Schröder & Kalender
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Der Bär flattert in östlicher Richtung.
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Parker Tyler, einer der eigenwilligsten Filmkritiker Amerikas, war an den Anfängen des New American Cinema aktiv beteiligt. Er war der erste, der über die Arbeiten solcher Filmemacher wie Stan Brakhage, Gregory Markopoulus, Kenneth Anger, Jack Smith, Shirley Clarke, Ed Emshwiller und Andy Warhol analysierte und sie als Abkehr von den Traditionen des existierenden Avantgardefilm verstand.
In dieser Darstellung des Phänomens Underground-Film untersucht er die Filme der amerikanischen Autoren, zusammen mit denen der Vorläufer des europäischen Underground-Films, wie Chris Marker, Peter Weiss, Peter Kubelka u. a. Er dokumentiert das Erscheinungsbild der heutigen Richtungen und Techniken und spürt ihre Ursprüngee im Dada und Surrealismus, in den frühen Filmen Buñuels, Cocteaus, Hans Richters und Robert Wienes auf. Formenvielfalt, Ideologien und Inhalte werden auf ihre ästhetischen und psychologischen Modelle hin analysiert, die medienhistorische Relevanz der real-time-Filme von Andy Warhol behandelt, sowie auch der pathologische Infantilismus der Filme der weniger begabten Autoren.
Tyler ordnet den Underground-Film in das kulturelle Gesamtklima der sechziger Jahre ein, und das neue Verständnis des Mediums Film, die Veränderung der Sehgewohnheiten, das Abenteuer des Films als Kino des Bewußtseins sind durchgehende Themen des Buches.

Parker Tyler, ›Underground-Film. Eine kritische Darstellung‹. Aus dem Englischen von Max Looser. 244 Seiten sowie zahlreiche Illustrationen, März Verlag 1970 (nur noch antiquarisch erhältlich). … weiter lesen