30.06.2009 von Schröder & Kalender
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Der Bär flattert heute nicht.
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Der Text ist fertig. Wir beginnen jetzt mit der Herstellung und Verpackung der neuen Folge von ›Schröder erzählt: Gemischte Gefühle‹, die wir am Wochenende zur Post bringen werden. Von einem Subskribenten, der jeweils zwei der zurückliegenden Folgen bestellt hatte, und nun à jour ist, erhielten wir kürzlich die folgende Mail:
»Liebe Barbara Kalender,
lieber Jörg Schröder,
ein neues Sammelgebiet, mmmhhh, vielleicht Briefmarken, Aktien, Waffen? Nein, nichts gegen Briefmarken, doch ich würde es bevorzugen, wenn Sie den Ausstoß an Erzählungen erhöhen, so auf 12, 24 Folgen pro Jahr! Wo ich mich an die monatliche Sendung doch so gewöhnt habe!
Nun im Ernst: sie haben mir viele schöne Lesestunden bereitet, dafür möchte ich Ihnen danken und wünsche auch weiterhin viel Spaß am Erzählen und Produzieren der Folgen.
Herzliche Grüße,
CM«
(CM / BK / JS)
28.06.2009 von Schröder & Kalender
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Der Bär flattert in südlicher Richtung.
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Im Juli 1976 interviewte Christian Schultz-Gerstein den Schriftsteller Jean Améry für den ›Spiegel‹, Anlass war Amérys neues Buch ›Hand an sich legen. Diskurs über den Freitod‹. In Christian Schultz-Gersteins Buch ›Der Doppelkopf‹ ist dieses Interview mit Jean Améry abgedruckt, ihm folgt Schultz-Gersteins Essay, den er aus Anlass der Ernennung seines Vaters zum Senatspräsidenten des Hanseatischen Oberlandesgerichtes schrieb sowie die Essays: ›Der Anti-Nazi‹, ›Der Doppelkopf‹, ›Lebenshilfe‹, ›Auferstehung der Kultur in Deutschland‹, der so endet: »Derweil wird man auf dem anderen Stern der zweiten Kultur einfach in Bernward Vespers Roman ›Die Reise‹ lesen, weiterlesen oder von vorn wieder anfangen, weil die Wirklichkeit nicht zu glauben ist, wohl aber Vespers fassungslose Einsichten: ›Da hat auch der Krieg nichts geändert, selbst ein Weltuntergang wäre für sie keine Erfahrung gewesen. Sie haben überhaupt nichts damit anfangen können‹ – die Deutschen.«
Über das Verhältnis von Rudolf Augstein zu Christian Schultz-Gerstein siehe auch unsere tazblogs vom 2. Januar 2007 und 3. Januar 2007.
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Christian Schultz-Gerstein, ›Der Doppelkopf. Nach einem Gespräch mit Jean Améry‹. Leinen, 130 Seiten. März Verlag, 1979 (nur noch antiquarisch erhältlich). … weiter lesen
25.06.2009 von Schröder & Kalender
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Der Bär flattert in westlicher Richtung.
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Manchmal ist das Drum und Dran einer Lesung interessanter als der Text, den man liest. Davon handelt unsere heutige Kolumne in der jungen Welt.
(BK / JS)
20.06.2009 von Schröder & Kalender
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Der Bär flattert in östlicher Richtung.
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Die Zeilen in Jim Dines Gedichten sind Sequenzen seiner Bilder; die Zeichnungen Diagramme seiner Verszeilen. Karotten, Hämmer, Pflaumen, Herzen, Krawatten und Löffel sind die intimen Gegenstände seiner Bilder und Gedichte: »… hingeworfene Bemerkungen, unmittelbare Bruchstücke einer Betätigung zwischen Leben und Kunst.«
Über Jim Dine siehe artnet und
Wikipedia, leider ist die Wikipedia-Seite nicht vollständig, es fehlt der MÄRZ-Titel.
Heiner Bastian, der heute vor allem als Kurator und Sammler tätig ist, und vor zwei Jahren sein neues Haus am Kupfergraben eröffnete, übersetzte 1970 für den MÄRZ Verlag die Gedichte von Jim Dine. Zusammen mit Céline Bastian übersetzte er auch ›Die andere Realität – Die Lehren des Don Juan‹, dieser Titel erschien 1972 ebenfalls bei MÄRZ.
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A WINDOW
a spoon lies on my shelf
being fucked by the knife and cuddled by your fork
all three came from Japan
they make a lot of things in stainlees steel there nowadays
EIN FENSTER
ein löffel liegt auf meinem regal
gevögelt vom messer und umarmt von deiner gabel
alle drei kommen aus Japan
sie machen dort eine menge dinge aus rostfreiem stahl heutzutage
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Jim Dine, ›Gedichte & Zeichnungen‹. Aus dem Amerikanischen von Heiner Bastian. Originalausgabe, einige Gedichte waren bereits in Jim Dine, ›Welcome Home Lovebird‹ (Trigram Press London, 1969) erschienen. Die Einbandillustration wurde von Jim Dine für den MÄRZ Verlag gestaltet. Dieses Buch wurde in einer Auflage von 1.000 Exemplaren gedruckt. Alle Exemplare sind numeriert (Nr. 101 bis 1.000). Farbiges Frontispiz. Der Vorzugsausgabe Nr. 1 bis 100) liegt ein handsignierter Siebdruck bei. Pappband, 98 Seiten. März Verlag, 1971 (nur noch antiquarisch erhältlich).
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18.06.2009 von Schröder & Kalender
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Es ist dunkel, wir sehen also nicht, wie der Bär flattert.
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Zu unserer heutigen Kolumne in der jungen Welt.
(BK / JS)
13.06.2009 von Schröder & Kalender
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Der Bär flattert in östlicher Richtung.
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Wladimir Korolenko (1853 bis 1921), Freund und Zeitgenosse von Gorki und Tolstoi hat als ›Geschichte meines Zeitgenossen‹ die lyrisch-distanzierte Autobiographie seiner Jugend geschrieben. Die Geschichte von der Erziehung im Elternhaus, den Lehrern im Privatinternat, springt von verinnerlichter Landschaftsbeschreibung zu ironischer Charakterschilderung und deutet bereits Korolenkos späteres Engagement für die Entrechteten und Unterdrückten an. Dem jungen Korolenko öffnen sich immer deutlicher Perspektiven der Befreiung von Provinzenge und zaristischem Beamtenklüngel. Rosa Luxemburg übersetzte das Buch 1918 im Gefängnis von Breslau.
Sechs Monate später wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von Mitgliedern der Wilmersdorfer Bürgerwehr aus einer Wohnung in der Mannheimer Straße in das Stabsquartier der Garde-Kavallerie-Schützen-Division im Hotel Eden am Kurfürstendamm verschleppt. Der Generalstabsoffizier Hauptmann Waldemar Pabst hatte die ehemalige kaiserliche Division in ein Freikorps umgewandelt, das sich vor allem bei der Niederschlagung des Spartakusaufstandes hervortat. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wurden am 15. Januar 1919 vom Pabsts Männern ermordet. Rosa Luxemburgs Leiche warfen die Freikorpsverbrecher von der Brücke in der Budapester Straße in den Landwehrkanal. Der SPD-Reichswehrminister Gustav Noske war in das Mordkomplott eingeweiht.
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Rosa Luxemburg schrieb zur ›Die Geschichte meines Zeitgenossen‹ in ihrer Einleitung: »Die Grundzüge des Korolenkoschen Schaffens: zauberhafte Landschafts- und Stimmungsmalerei, liebenswürdige, frische Natürlichkeit und warmherziges Interesse für die ›Erniedrigten und Enterbten‹. Die starke soziale Note in Korolenkos Schriften hat jedoch gar nichts Lehrhaftes, Streitbares, Apostolisches an sich, wie etwa bei Tolstoi. Und er bleibt nicht bloß Beobachter wie Turgenjew, der feine, gepflegte Aristokrat. Korolenko kostet es gar keine Mühe, mit Leuten aus dem Volke nach wenigen Worten Fühlung zu bekommen, ihren Ton zu treffen, in der Menge unterzutauchen. Man findet hier keine Phrasen, kein lautes Pathos, keine Senitimentalität, nichts als größte Schlichtheit und Sachlichkeit.«
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Wladimir Korolenko, ›Die Geschichte meines Zeitgenossen‹. Aus dem Russischen übersetzt und eingeleitet von Rosa Luxemburg. Engl. Brosch, 456 Seiten. März Verlag, 1970 (nur noch antiquarisch erhältlich).
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11.06.2009 von Schröder & Kalender
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Der Bär flattert munter in östlicher Richtung.
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Neulich rauschte in Köpenick eine dicke Motorjacht an uns vorüber, die Eigner hatten das Schiff auf den Namen ›carpe demi‹ getauft – offenbar die Spreeschifferversion von ›carpe diem‹. Dieser Sinnspruch des Horaz heißt wörtlich übersetzt: »Pflücke den Tag« und wird als Krönung epikureischer Weisheit angesehen.
Unsere heutige Kolumne in der jungen Welt handelt vom Jachtleben in Cannes.
(BK / JS)
09.06.2009 von Schröder & Kalender
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Der Bär flattert in nordöstlicher Richtung.
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In den letzten März-Zitaten haben wir Jules Vallès, ›Jacques Vingtras. Das Kind / Die Bildung / Die Revolte‹ vorgestellt, da uns wegen der Fülle der Informationen die Auswahl schwer fiel, folgt hier ein zweiter Teil:
Jules Vallès widmete das erste Buch des ›Jacques Vingtras‹ mit dem Titel ›Das Kind‹: »Allen, die in der Schule vor Langeweile umkamen oder zu Haus weinten, die in der Kindheit von ihren Lehrern tyrannisiert oder von ihren Eltern verprügelt wurden.«
Der zweite Teil, ›Die Bildung‹, trägt folgende Widmung: »Denen, die mit Griechisch und Latein genährt, Hungers gestorben sind, widme ich dieses Buch.«
Den dritten Teil, ›Die Revolte‹, widmete Jules Vallès: »Den Toten von 1871. Allen, die als Opfer der sozialen Ungerechtigkeit gegen eine schlecht eingerichtete Welt zu den Waffen griffen und unter der Fahne der Kommune die große Förderation der Schmerzen bildeten, widme ich dieses Buch.«

Jacques Tardi, der fabelhafte Zeichner des Nestor Burma, von Adeles ungewöhnlichen Abenteuern und anderen Meisterwerken, schuf nach dem Roman von Jean Vautrin das dreibändige Werk ›Die Macht des Volkes‹, in dem Jules Vallès eine der Hauptpersonen ist. Wir bringen zwei weitere Seite aus dem wunderbaren Werk, das wir dringend empfehlen. … weiter lesen
07.06.2009 von Schröder & Kalender
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Der Bär flattert in nördlicher Richtung.
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Christiane Ensslin, Konfirmation März 1954
(aus ›Zieht den Trennungsstrich, jede Minute‹)
Wenn dieses Blog erscheint, sitzen wir im Zug nach Köln, um Christiane zum Geburtstag zu gratulieren. Zum ersten Mal habe ich (JS) von ihr gehört, als sie 1977 für Franz Greno die Korrektur der Druckfahnen von Bernward Vespers ›Reise‹ las, die Greno für MÄRZ herstellte. Etwa zur selben Zeit war Christiane Mitgründerin der EMMA, auf dem ersten Titelblatt schreiten vier Frauen mit entschlossenen Mienen vorwärts:

v.l.n.r.: Christiane Ensslin, Alice Schwarzer, Angelika Wittlich und Sabine Schruff
Heute hört sich das auf der EMMA-Website anders an: »Alice Schwarzer ist Herausgeberin und Gründerin der EMMA.« Kein Wort davon, daß die Zeitschrift ursprünglich ein Kollektivunternehmen war. Drei Jahre nach der Gründung gehörte dann Christiane Ensslin zu den 32 ehemaligen Mitarbeiterinnen der EMMA, die Alice Schwarzer »Respektlosigkeit gegenüber der Arbeit ihrer Kolleginnen, Selbstherrlichkeit und Dogmatismus vorwarfen«. … weiter lesen
06.06.2009 von Schröder & Kalender
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Der Bär flattert in östlicher Richtung.
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In Frankreich erschienen die Werke von Jules Vallès in der Bibliothèque de la Pléiade, in Deutschland war der Autor eines der großen autobiographischen Romane der Weltliteratur, ebenso bedeutend wie Gorkis oder Strindbergs Lebensgeschichte, nur wenigen Literaturwissenschaftlern bekannt. Aus diesem Grunde gab Jörg Schröder 1979 eine neue Übersetzung in Auftrag.

Jules Vallès schrieb über sich und sein Werk: »Ich habe nicht analysiert, wie das auf der Sorbonne gelehrt wird, ob meine Prosa Pascal oder Marmontel oder Juvenal oder Saint-Simon oder Saint-Beuve ähnelt. Ich beachte weder die Zeitenfolge mit aller Korrektheit, noch fürchte ich mich vor Neubildungen. Überdies pfeife ich großzügig auf jegliche akademische Ordnung in der Anwendung von Gleichnissen. Ich packe Fetzen meines Lebens und nähe sie mit dem Anderer zusammen. Wenn ich Lust habe, so lache ich, wenn demütige Erinnerungen mir durch Mark und Bein fahren, so knirsche ich mit den Zähnen.«
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Jules Vallès, ›Jacques Vingtras. Das Kind / Die Bildung / Die Revolte‹. Originaltitel: Jacques Vingtras. L’Enfant / Le Bachelier / L’Insurgé‹ Aus dem Französischen und mit einem Nachwort von Christa Hunscha. Leinen, 952 Seiten. März Verlag, 1979 (nur noch antiquarisch erhältlich).
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