vonSchröder & Kalender 04.09.2018

Schröder & Kalender

Seit 2006 bloggen Schröder und Kalender nach dem Motto: Eine Ansicht, die nicht befremdet, ist falsch.

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Der Bär flattert in südöstlicher Richtung.
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Samstag, den 1. September 2018

Seit 2014  veranstaltet die MÄRZ Gesellschaft  jeweils am ersten Samstag eines jeden Monats in unserem Dachstudio einen Jour fixe. Dieses Mal sprach Diana Weis über Botox. Das Nervengift Botulinumtoxin (BTX), alltagssprachlich mit dem Markennamen Botox bezeichnet, ist in aller Munde und in vielen Gesichtern. Die Ästhetikdozentin Diana Weis hat kürzlich Ihre Promotion zum Thema an der Universität Hamburg abgeschlossen.


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Diana begann mit einem Exkurs über die Angst vor dem Altern, endete mit Eros und Thanatos, also die Liebe und der Tod. Wir erfuhren, dass in den letzten zehn Jahren sich die Behandlung mit Botox zu einem Goldesel der Kosmetikbranche entwickelte. Aber es ging nicht nur um »Frozen Faces«, sondern auch um therapeutische Einsatzzwecke und  den Einsatz als Kampfstoff.

Diana berichtete von der Kwantung-Armee der Kaiserlich Japanischen Armee, die in großangelegten Versuchen die Wirkung von BTX an Menschen erforschte.

Wir erfuhren, dass die CIA auf die Idee verfiel, Zigarren von Fidel Castros Cohibas mit BTX zu kontaminieren.

Die japanische Aum Sekte wollte einen Anschlag mit BTX in den Straßen von Tokio durchführen, was sie aufgab und stattdessen Sarin nahm. 2003 stand BTX auf der Liste der vom Irak angeblich angehäuften Massenvernichtungswaffen, was einer der Auslöser des Dritten Golfkriegs war.

Doch das Nervengift BTX wird auch zu medizinischen Zwecken eingesetzt, etwa in der Augenheilkunde zur Behandlung von Schielen und Lidzucken, eben dort, wo eine Entspannung der Muskulatur für Linderung sorgt.

Sie erzählte, dass Dr. Jean Carruthers zusammen mit ihrem Mann, dem Hautarzt Alastair Carruthers die faltenglättende Wirkung von Botox entdeckte. Das spätere Milliardengeschäft ging allerdings an dem Paar spurlos vorüber. Ihnen blieb nur der Titel »Mr. & Mrs. Botox« Diana berichtete von Dr. Fredric Brandt, the Baron of Botox, der so aussehen wollte wie Andy Warhol, und warum er sich das Leben nahm.

Wir sahen Fotos von Stars mit Frozen-Face-Effekt, deren Mimik »eingefroren« ist; »Bonny Lines«, Fältchen an der Seite des Nasenrückens, sind ebenso ein Anzeichen für eine Injektion mit BTX. Aber wirklich erstaunt waren wir, als wir ein Foto von Michelle Obama mit den »Spock-Augenbrauen« sahen, die ebenfalls ein unerwünschter Nebeneffekt sind.

Wer sich für Diana Weis interessiert, dem empfehlen wir ihre Kolumne in Zeit online über Modetheorie und Körperkultur und sie schreibt bei SPEX.

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Nach dem Vortrag von Diana saßen wir, wie wir es immer halten, bei Wein und Kuchen zusammen. Ann Noël-Williams erwähnte beiläufig, dass sie einst ein Porträt als Siebdruck von Jim Dine in den Druckwerkstatt am Carpenter Center for the Visual Arts, Harvard University machte. Sie war damals Visiting Artist in Printmaking.

 

Ann war erfreut das MÄRZ-Buch mit Gedichten von Jim Dine zu sehen, das sie nicht kannte. Sein Herz, das er für das Cover des Buches machte, hängt bei uns über dem Esstisch.

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Sonntag, den 2. September 2018

 

Zur Finnissage ›SEX ROLE‹ fuhr ich zum Schau Fenster in die Lobeckstraße. Christian Y. Schmidt begrüßte mich durch die Scheiben.

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Hier sah man Arbeiten von Birgit Hein (Film), Katarzyna Kozyra (Film, Performance), Ann Noël (Malerei, Zeichnung, Künstlerbücher, Performance), Cornelia Renz (Malerei, Zeichnung und Johanna Smiatek (interaktive bewegte Objekte, Zeichnung), die diese Ausstellung kuratierte.

Alle Arbeiten beschäftigen sich mit der Rolle der Frau und der Künstlerin in der Gesellschaft und natürlich geht es auch um Sexualität.


Ann Noëls Arbeit: ›Weil wir es uns wert sind‹
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Sie schrieb dazu: »Vor 10 Jahren malte ich das Selbstporträt im museum FLUXUS+ in Potsdam, während eines Performance-Abends. Für das Gesicht benutzte ich ›Anti-Aging Make-Up‹. Ich habe die Reklame dafür in der Fernsehwerbung fotografiert und die Texte notiert. Seitdem hat sich nicht nur mein Bild verändert, sondern auch mein Gesicht. Alles sieht blasser und gräulicher aus. Meine sehr reife Haut braucht Feuchtigkeit und rosig-frische Farbe. Meine Haare, Augenbrauen und Wimpern sind silbrig in meinem GOLDEN AGE geworden. Es ist Zeit für ein MAKE-UP MAKE-OVER.« (Zitat Ann Noël)

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Johanna Smiateks Arbeit: ›Skyline – Indiana Rouge, Champagne Rosé, Caramel Pink, Passion Red‹. Christian Y. Schmidt testet die Vibrations.
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Die erstaunlichen bewegten Objekte von Johanna Smiatek kennen wir schon lange. Kinetische Sensation war  ihr Bar-Triptychon, dessen Gläserreihen bei Annäherung zu zittern beginnen. Also eine subtile Umkehrung der zitternden Hände des Trinkers, oder was man sich sonst dabei denken mag. In der aktuellen Ausstellung sind es elastische Silikon-Lippenstifte, die sich in Schwingungen versetzen, wenn sich ein Betrachter dem Objekt nähert.

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Love to go. Für mich blies Johanna Seifenblasen aus einem Fluid, welches mit Pheromonen gemischt war (also einem synthetischen Sexuallockstoff).

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Bis auf das Foto von Ann Noël und Jim Dine, sind alle anderen Fotos von Barbara Kalender.

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(BK / JS)

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